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Verfahren und Vorrichtungen zum Einfügen von Zeichen auf der Schreibmaschine
Die Erfindung schafft die völlig neue Möglichkeit, beliebige Sonderzeichen auf normalen,
unveränderten Schreibmaschinen zusätzlich zu schreiben.
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Das genormte Tastenfeld ist eine unerläßliche Voraussetzung für die
allgemeine Verwendung der Schreibmaschine und besonders für die Freizügigkeit zwischen
Arbeitskräften und Maschinensystemen. Als diese Erkenntnis @durc'hdrang, waren schon
zahllose Schreibmaschinen in Benutzung. Infolge der langen Lebensdauer werden die
Bestände nur ganz allmählich durch Neuherstellungen aufgefrischt.
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Man nahm deshalb Rücksicht auf das, was da «-ar, und normte es mit
den Fehlern. Beispielsweise ist auf dem Tastenfeld in der Normallage der Finger
keiner der häufigsten
Buchstaben angeordnet, und die rechte Hand
kann nicht ein einziges deutsches @@'ort schreiben.
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«-o solche Verstöße gegen die elementarsten Gebote der Arbeitstechnik
nicht ausgemerzt wurden, ist es nicht verwunderlich, daß die Sonderzeichen zu kurz
kamen.
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So gibt es denn Sonderzeichen nur im Austausch gegen \ ormalzeichen.
Geringe Verschiedenheiten der Tastenzahl bei einigen Bauarten bieten einen bescheidenen
Spielraum. Darüber hinaus ist man auf Spezialmaschinen mit zweifacher Umschaltung
angewiesen, Diese wurden für Bedarfsfälle geschaffen, wo einige Dutzend Sonderzeichen
von einer bestimmten Gattung ständig vorkommen, sind aber teuer. unübersichtlich
und schwer zu schreiben.
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Damit sind die 1Iöglichkeiten erschöpft. Der naive Vorschlag, auf
der Schreibmaschine ein zweites Stockwerk mit Schwinghebeln für Sonderzeichen anzuordnen,
ist kinetisch nicht ausführbar und wäre unvereinbar mit dem Wesen der Schreibmaschine.
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Als unvermeidliche Folgen dieser engen, festen Begrenzung der Sonderzeichen
gelten ungenaue und behelfsmäßige Schreibungen, handschriftliche Einfügungen, Abweichungen
von dem genormten Tastenfeld. Verwendung von Austauschhebeln, Bedarfsverlagerungen
von den Kleinmaschinen zu Großmaschinen und von den Standardmaschinen zu Spezialmaschinen,
Bindung bestimmter Arbeiten an bestimmte Maschinen.
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Diese offensichtlichen Nachteile verblassen, wenn man bedenkt, was
alles handgeschrieben, gezeichnet oder gedruckt werden muß, nur weil der Schreibmaschine
die Sonderzeichen fehlen.
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Die Schriftsprache ist lebendig und bildsam. Ihr großer, ständig wachsender
Reichtum umfaßt Sonderzeichen der verschiedensten Gruppen, mathematische, chemische,
physikalische; technische, kaufmännische Zeichen, `Vährungs-, Formel-, Profilzeichen,
Maße, Gewichte. fremde Buchstaben, Akzente, Brüche, Marken, Sinnbilder, Symbole,
Runen, Sigel, Linien. Figuren.
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Das Vorkommen der Sonderzeichen ist wechselnd und zufällig, sie können
sprunghaft und spärlich eingestreut. und doch Kern und Sinn des Ganzen sein..
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Die Schreibmaschine ist die unentbehrliche Mittlerin der Schriftsprache
geworden. Sie ist auch die Schrittmacheri- des Druckers. Auf dem Gebiet der Sonderzeichen
versagt sie jedoch vollkommen.
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In diesem Licht strahlt (las Problem auf das ganze Schriftwesen aus.
Ansätze zu einer praktischen Lösung gibt es nicht. hie Beständi-keit der Schreibmaschine
und die Regellosigkeit der Sonderzeichen sind Wesenszüge, die unvereinbar scheinen.
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Die Erfindung macht den Maschinenschreiber zu der verbindenden Kraft.
Er setzt eine Schablone mit dem Hochbild des Sonlerzeichens auf die Maschine und
schlägt eine Taste an. Die Maschine druckt, was die Hand ihr vorgesetzt hat. Dann»wird
die Schablone wieder abgenommen.
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Hier wird zum ' ersten Male ein halbmaschinelles Verfahren angewendet.
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Bisher hat wohl die Schreibmaschine den Gedanken, daß ein Arbeitsvorgang
anders als rein maschinell verlaufen könne, nicht aufkommen lassen. Wo beispielsweise
ein Typenhebel eine Zusatzaufgabe erfüllen soll, will man einen zusätzlichen @ewe@ungsmeciianismus
durch ihn betätigen. Auf diesem @'s ege kommt man aber nur zu Angliederungen von
Maschinenelementen, die den Normalgebrauch der Schreibmaschine stören und schon
aus diesem Grund ohne praktischen Wert sind.
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Außer reiner Maschinenarbeit gibt es setzt nur reine Handarbeit. Wenn
ein Zeichen nicht mit der Maschine geschrieben werden kann. muß der Schreiber es
rein manuell einitizen. Dazu hat er als Schreibgerät einen Federlialter oder Bleistift,
als Schreibplatte die Papierwalze und als Handauflage den Fand des Maschinengestells.
Das ist ein unbefriedigender Notbehelf, der bei vielen schwiericren Zeichen ganz
versagt.
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Zwischen der reinen Maschinenarbeit und der reinen Handarbeit eröffnet
sich ein neues Betätigungsfeld. Um es für Sonderzeichen günstig zu nutzen, sollen
folgende Fordertnigen beachtet «-erden: Einfache und preiswerte Herstellung der
Sonderzeichen und ihrer Träger, geringer Raumbedarf, Möglichkeit der Anpassung an
die verschiedenen Bauarten ton Schreibmaschinen. leichtes Einfügen und Entfernen
der Zeichenträger, Erzielung eines guten. maschinengleichen Druckbildes ohne neue
arbeitende Teile.
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Die neue Arbeitsweise verlangt neue Gesichtspunkte.
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Während Maschinentypen stählerne. selbsttragende Stoßkörper sind.
mag für eine Sondertype ein dünnes Blatt aus einer in geringer `Värme formbaren
Kunstmasse vollauf genügen.
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Einer mechanischen Verbindung bedarf es nicht. Der Zeichenträger kann
Aalte- und Stützpunkte der \laschine so lrelltltzeil, (1a13 der Typenhebel das Sonderzeichen
richtig trifft und vortreibt; dabei braucht inan, wenn vier Zeichenträger nachgibt,
die handhabe nicht loszulassen.
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Die Sonderzeichen, l)eispielswei:c Titrl in Schriftstücken! die vervielfältigt
werden
sollen, können über die Schriftgröße der .Maschine wesentlich
hinausgehen.
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Die Griffbereitschaft beeinflußt den Zeitbedarf. Die Zeichenträger
können mit Aufschriften versehen werden, damit sie sich nach Bedarf ordnen lassen.
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Der nachstehenden Beschreibung werden einige Begriffsbezeichnungen
vorausgeschickt. Der Träger des einzufügenden Zeichens wir(' meist schildförmig
ausgebildet und ist deshalb als das Schild bezeichnet; die dem Papier zugewandte
Fläche als Außen- oder Kopfseite, die ihin abgewandte als Innen- oder Hinterseite.
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Das Zerfahren besteht im wesentlichen darin, daß das Schild, zweckmäßig
unter Benutzung einer Führung, an die Anschlagstelle in der Maschine hinter das
Farbband gebracht und durch Anschlagen eines Zeichenhebels der Maschine abgedruckt
wird. (DaHebelschreibmaschinen die weitaus gebräuchlichsten sind, ist nur auf'diese
Bezug genommen,. jedoch einet sich die Erfindung auch für Maschinen nlit Schriftrollen
oder -schiffchen.) Zur Führung des Schildes kann die meist gabelförmige Hebelführung
der Maschine oder beispielsweise die Halteschiene für das Papier dienen; das Schild
soll entweder in der Schlagrichtung des Hebels nachgiebig oder mit einer Führung
versehen sein, die die Bewegung des Schildes nach vorn gestattet. Die Innenseite
des Schildes kann Leitflächen für den Hebel aufweisen.
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Als Baustoff für das Schild oder wenigstens für seinen wesentlichen
Teil eignen sich besonders warenformbare 'lassen, die der Anschlagwirkung des Hebels
keinen großen Widerstand bieten, an der Kopfseite aber formbeständig genug sind,
um einen nuten Abdruck zu ergeben.
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Ein einfaches 'Verfahren zur Herstellung des Schildes aus solchen
Massen ist: Ein dünnes Blatt aus Acetylcellulose wird auf eine nachgiebige Platte
gelegt. Ein Schriftzeichen, wie es z. B. der Setzer zum Drucken verwendet, wird
erwärmt und in das Celluloseblatt gepreßt, das durch die Erwärmung formbar wird
und sich unter dem Gegendruck der-nachgiebigen Unterlage so eng an das Schriftzeichen
schmiegt. (Maß es außen dessen Form annimmt. -Nach dem Erkalten ist die ausgeprägte
Stelle des Blattes härter als vorher. .Man kann sie noch stützen, indem inan sie
von hinten verstärkt o(1-2r ausfüllt, beispielsweise durch einen Lack: Will man
hierzu einen Lack verwenden, der Acetv1cellulose löst, so kann inan durch Aufstreuen
einer trennenden Pulverschicht Formveränderungen verhüten. .Man kann auch auf der
Innenseite nach dein Prägen eine Kappe. die als Führung fier den 'Maschinenhebel
dient, befestigen. @@'enn (las Celluloseblatt dünn genug ist, wird das herausgehrü"te
"!.eichen meistens hinreichend scharf ausfallen. Man kann aber auch, anstatt finit
einem hochgeprägten Stempel und einer flachen Unterlage zu arbeiten, den Stempel
erst in eine Mutterform z. B. aus Papicrinasse oder aus einer warinforinbaren' Masse
mit höherem Schmelzpunkt drücken und dann das Blatt zwischen diesen beiden Formen
prägen.
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Die sonstige Formgebung des Schildes kann vor oder nach dem Prägen
des Zeichens erfolgen. Die bereits erwähnte Führung oder Anlage, die das Schild
an der Hebelführung oder der Papierschiene halten soll, kann beim Ausstanzen des
Schildes durch Rippen, Umbördeln od. dgl. gebildet werden. Außerdem bringt man zweckmäßig
am oberen Rand des Schildes einen halbkreisförmigen, etwas nach oben gebogenen Lappen
zum Anfassen an. Will man das Schild in der !Maschine an die Papierschiene legen,
so versieht man es am besten finit einem Ausschnitt und einer Spitze, die dann in
die Anschlagsrichtung des Hebels zu bringen ist. Für die Lagerhaltung ist es unter
Umständen vorteilhaft, die Schilder zunächst ohne Führung zu lassen und erst, wenn
die Bauart der in Betracht kommenden Schreibmaschine bekannt ist, die Führungsrippen
oder -Mappen unter Benutzung einer kleinen Hilfsvorrichtung herauszudrücken, umzubördeln
oder sonstwie zu formen.
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.1n geeigneter Stelle, beispielsweise auf dein Lappen zum Anfassen
des Schildes, kann man das gleiche Zeichen einprägen, um das Schild auch von oben
zu kennzeichnen.
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Für die übersichtliche Aufbewahrung der Schilder ist ein Kästchen
oder sonstiger Behälter geeignet, der in einigem Abstand untereinander schmale Streifen
zum Einschieben der Schilder hat. Diese Streifen, die aus durchscheinendem Stoff
bestehen können, werden (tann zweckmäßig gleichfalls in passenden Abständen finit
Abdrücken des Zeichens versehen, damit man die Schiller immer wieder in die gewählte
Ordnung bringen kann.
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Die Schilder können auch noch mit einer inneren Prägung versehen werden.
So kann man beispielsweise, wenn man zum Anschlag:n immer einen und denselben Hebel
der .Maschine nehmen will, den auf diesem Hebel sitzenden Buchstaben einprägen,
vorzugsweise einen fleischigen Buchstaben wie m oder «-. Durch diese .Maßnahme wir('
eine sicherere Führung und bessere Druckverteilung erreicht. Das ist insbesondere
wesentlich, wenn das abzudrückende "Zeichen mehr als eine liuclist<tlienl>reite
(!er .Maschine halsen soll, beispielsweise iii_ oder ' Buchstalxnl>reiten.
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Es sei noch erwähnt, (Maß man die Schilder Mich so ausbilden kann,
da13 man sie unmittelbar
mit Paß- oder Federsitz auf einen Hebel
der Haschine schiebt, wofür man zweckmäßig einen der äußersten Hebel wählt. Wahlweise
kann dieser Hebel nach seiner ursprünglichen Bestimmung und zum Aufschieben des
Schildes benutzt werden oder nur zum Aufschieben, Aufschrauben oder sonstigen Befestigen
des Schildes.