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Verfahren zur Verringerung der Löslichkeit bzw. Quellbarkeit von Eiweißstoffen
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Verringerung der Löslichkeit
bzw. Quellbarkeit von Eiweißprodukten, welches dadurch gekennzeichüet ist; daß man.
in neutralem, älkalischem oder saurem Medium lösliche bzw. quellbare Eiweißprodukte
mit Umsetzungsprodukten behandelt, die entstehen,. wenn man auf tertiäre Basen solche
Verbindungen einwirken läßt, die ein tertiäres Stickstoffatom und ein an Kohlenstoff
gebundenes reaktionsfähiges Halogenatom besitzen Solchen Verbindungen sei die allgemeine
Formel XYZ zugeschrieben. In dieser allgemeinen Formel steht X für einen Rest, der
ein tertiäres Stickstoffatom enthält, z. B. für den Rest
| O-CH2-CH2 |
| H2C<>N-CH2- |
| O-CH2-CH2 |
| oder für den Rest |
| @O-CH2-CH'>NC H2-CHZ-NH-; |
| @O-CH2-CI@2 - |
| Y steht für die Reste |
| -CHRI -CHR, |
| I I |
| O oder C = O |
| I I. |
| -CH R, O |
| - I |
| -CHRz |
in denen R, und R2 Wassefstoff oder beliebige Kohlenwasserstoffreste
bedeuten und in denen der Brückensauerstoff durch Schwefel oder durch die Iminogruppe,
die gegebenenfalls auch substituiert' ist, ersetzt sein kann Z steht für Halogen,
z. B. für Chlor ode Brom.
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Solche Verbindungen der allgemeinen Formel X Y Z gewinnt man z. B.,
wenn man ein tertiäres Stickstoffatom enthaltende Alkohole oder Carbonsäuren bzw.
deren Derivate, wie Amide, mit Aldehyden und Halogenwasserstoffen in indifferenten
Lösungsmitteln umsetzt.
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Um die Verbindungen der allgemeinen Formel XYZ auf tertiäre Amine
einwirken zu lassen, geht man z. B. so vor, daß man die betreffenden Verbindungen
für sich oder in geeigneten indifferenten Lösungsmitteln, gelöst zu einer tertiären
Base, wie z. B. zu Pyridinbasen, Triäthylamin, Triäthanolamin, Dimethylänilin, Dimethylcyclohexylamin,
zutropfen _1ä81 und gegebenenfalls das benutzte Lösungsmittel von dem gebildeten
quartären Umsetzungsprodukt anschließend bei vermindertem Druck abdestilliert.
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Mit derartigen Umsetzungsprodukten werden nun gemäß dem- Verfahren
der vorliegenden Erfindung Eiweißprodukte, die in neutralem, alkalischem oder saurem
Medium löslich bzw. quellbar sind, also z. B. Gelatine, Leim, Casein, Ei-, Blut-,
Fleischalbumine, Fischeiweiß, behandelt, indem man die Reaktionsträger entweder
für sich allein oder in geeigneten indifferenten Lösungsmitteln gelöst bzw. dispergiert
miteinander reagieren läßt. Die erfindungsgemäße Behandlung der Eiweißprodukte kann.
man je nach Wunsch so' leiten, daß das in seiner Löslichkeit bzw. Quellbarkeit verringerte
Eiweißprodukt entweder zur Ausfällung kommt oder aber auch in Dispersion verbleibt.
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Eine Ausfällung erreicht man z. B., wenn.
man die das
erfindungsgemäß behandelte Eiweißprodukt enthaltende verhältnismäßig hochprozentige
Dispersion in kurzer Zeit mit reichlich Wasser verdünnt, gegebenenfalls unter Erwärmen;
läßt man die bei der erfindungsgemäßen Behandlung erhaltene verhältnismäßig hochprozentige
Dispersion unverdünnt stehen, so erstarrt sie allmählich zu einer festen Gallerte.
, Eine stabile wäßrige Dispersion kann man erhalten, wenn man die nach der erfindungsgemäßen
Behandlung erhaltene verhältnismäßig hochprozentige Dispersion allmählich und unter
starkem Rühren mit Wasser verdünnt. Man kann natürlich beim Verdünnen auch einen
Emulgator zusetzen; als solcher kann z. B. ein kleiner Überschuß an unverändert
gebliebenen Eiweißkörpern bzw. ein entsprechender Zusatz an nicht behandelten Eiweißkörpern
dienen.
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Das erfindungsgemäße Verfahren kann in allen Fällen angewendet werden,
in denen es sich darum handelt, die Löslichkeit bzw. Quellbarkeit von Eiweißverbindungen
herabzusetzen. Gegenüber den bekannten Verfahren zur Herabsetzung der Löslichkeit
bzw. Quellbarkeit von Eiweißverbindungen, die auf der Anwendung von Formaldehyd
oder von Aluminiumsalzen, Chromsalzen bzw. von phosphorwolframsauren Salzen beruhen,
zeichnet sich das erfindungsgemäße Verfahren dadurch aus, daß es zu Eiweißprodukten
führt, die gegen chemische Einwirkungen, insbesondere auch gegen kochendes Wasser,
beständiger sind und keinerlei unliebsame Verfärbungen oder eine Erhöhung des Aschengehaltes
aufweisen.
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Als Anleitung für die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens
mögen die nachstehenden Beispiele dienen, die gleichzeitig auch einige der verschiedenen
Anwendungsmöglichkeiten der Verfahrensprodukte wiedergeben.
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Beispiel i iooo g Hydrochlorid des .a-Chlormethyläthers des Triäthanolaminformals
von der Formel
dargestellt durch Einwirkung von Salzsäuregas auf eine Mischung von 2 Teilen Triäthanolamin
und 1,2 Teilen Paraformaldehyd in io Teilen Trichloräthylen unter Kühlen und Rühren
mit anschließender Entfernung des überschüssigen Chlorwasserstoffs im Vakuum, werden
allmählich in einer Knetapparatur zu gq.o g entwässertem Pyridin zugesetzt. Die
Temperatur wird.hierbei vorteilhaft zwischen 3o und 5o° gehalten.
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io Teile der erhaltenen Pyridiniumverbindung, werden- in kaltem Wasser
zu einer i7o/oigen. Lösung gelöst und allmählich unter Rühren zu einer lackmusalkalischen
phenolphthaleinneutralen Lösung von 33 Teilen Casein in 182 Teilen i%iger Natronlauge
hinzugegeben. Hierauf wird das Reaktionsgemisch in einem Emulgator ganz allmählich
mit weiteren Mengen Wasser, die etwas Ammoniumcarbonat enthalten, versetzt, wobei
mori darauf ächtet, daß das Reaktionsgemisch niemals lackmussauer wird. Man erhält
so eine haltbare Dispersion. Beispiel 2 Man behandelt Casein mit dem Umsetzungsprodukt
zwischen dem a-Chlormethyläther
dgs Triäthanolaminformals und Pyridin,
wie es in Beispiel i beschrieben worden ist, und hersetzt das erhaltene Reaktionsgemisch
mit der 2- his 5fachen Menge Wasser,.zur Unterstützung der Koagulation gegebenenfalls
unter Erwärmen. Das ausgeflockte Eiweißprodukt wird abfiltriert, ausgewaschen und
bei 6o bis 8o° getrocknet. Es kann zu einem feinen Pulver gemahlen werden und bei
der IIerstellüng und Verarbeitung von Kunstmassen verwendet werden.
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Beispiel 3 iooo g a-Chlormethyläther des Triäthanolaminformals, dargestellt
gemäß den Angaben des Beispiels i, werden allmählich zu 1170 g Dimethylanilin
hei einer Temperatur von 50
.his 6o° hinzugegeben. io Teile des erhaltenen
Umsetzungsproduktes werden in kaltem Wasser zu einer 15%igen Lösung gelöst und allmählich
unter Rühren zu einer lackinus= alkalischen phenolphthaleinneutralen Lösung von
35 Teilen Fischeiweiß in Zoo Teilen i1/"iger Natronlauge hinzugegeben. Versetzt
man nun das Reaktionsgemisch mit der 2- bis 5fachen Menge Wasser, gegebenenfalls
unter Erwärmung, so wird das in seiner Löslichkeit bzw. Quellbarkeit verringerte
Eiweißprodukt ausgeflockt. Es wird filtriert, ausgewaschen und bei 6o bis So" getrocknet.
Das so behandelte Fischeiweiß läßt sich ebenfalls wie das Endprodukt des Beispiels
:z bei der Kunstmassenfabrikation verwenden.
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Beispiel 4 iooo g a-Chiormethyläther des Triäthanolaminformals, hergestellt
gemäß den Angaben des Beispiels i, werden allmählich unter Rühren bei einer Temperatur
von §o° zu i4oo g Triäthanolamin hinzugegeben. ' Mit dem erhaltenen Umsetzungsprodukt
werden Gelatinelösungen behandelt, und zwar in der Weise, daß auf 3 Teile Gelatine
i Teil, des Umsetzungsproduktes, zugesetzt wird: Nach dem Trocknen der so behandelten
Gelatinelösung erhält man elastische, wasserunlösliche Filme.
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Beispiel 5 Wäßrige Lösungen von Caseinleimen werden mit der in Beispiel
i beschriebenen Pyridiniumverbindung versetzt; die Menge der Pyridiniumverbindung
beträgt dabei. etwa 1/q bis 1/s der Menge des Caseins. Die erhaltene Mischung wird
zum Leimen von Sperrhölzern verwandt.
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Beispiel 6 3oTeile Gelatine werden in ioooiger Lösung mit ioTeilen
der in Beispiel i beschriebenen Pyrndiniumverbindung so vermischt, daß eine für
die Textildruckerei ' verwendungsfähige Druckpaste entsteht.
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Beispiel 7 .Frisch gefällte Milcheiweißfasern, die in bekannter Weise
- durch Einspinnen einer alkalischen Caseinlösung in saure Formaldebydbäder erhalten
worden sind, werden mit einer 3- bis 61%igen Lösung der in den Beispielen i, 3 oder
4 beschriebenen quarternären Verbindungen -behandelt. Die Naßfestigkeit der Fasern
wird dadurch sehr verzbessert. -Beispiel 8 ioo Teile Magermilch mit einem Caseingehalt
von 2,7% werden mit 5 Teilen einer tß1/oigen wäßrigen Lösung der in Beispiel i beschriebenen
Pyridiniumv erbindung unter -'Rühren versetzt. Man erhält eine lagerbeständige,
nicht gerinnende Milch, die als solche ohne weiteres für Appretur zwecke o. dgl:
verwendet werden kann.
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Beispiel g 50g broriwasserstoffsaurer Diäthylaminoäthylbrommethyläther,
hergestellt durch Einwirkung von Bromwasserstoff auf eine Mischung von 4 Teilen
Diäthylaminoäthylalkohol und i Teil Paraformaldehyd in 9 Teilen Trichloräthylen,
werden portionsweise in 20 g entwässerte technische Pyridiniumbasen eingetragen.
Wird die wäßrige Lösung der erhaltenen Pyridiniumverbindung mit einer Natriumcaseinatlösung
erwärmt, so wird das Casein in Form von Flocken abgeschieden, die in verdünnter
Natronlauge unlöslich sind. Die erhaltenen Eiweißprodukte können in der für gehärtete
Eiweißprodukte üblichen Weise weiterverarbeitet werden.
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Beispiel io 20 g salzsaurer Diäthylaminoessigsäurechlormethylester,
hergestellt durch Einwirkung von Salzsäuregas auf eine Mischung von 4 Teilen Diäthylaminoessigsäure
und i Teil Paraformaldehyd in 4o Teilen Trichloräthyien, werden in 18 g Pyridin
allmählich unter Kühlung eingetragen und innig miteinander verrieben.
20g des erhaltenen festen Körpers werden in §o ccm Wasser gelöst, und diese
Lösung wird mit einer gerade lackmusalkalischen Lösung von log Casein in 6o, ccm
i1/oiger Natronlauge vermischt. Durch Erwärmen der Mischung wird die Ausfällung
des Caseins vervollständigt. Das Casein wird gewaschen und bei 70° getrocknet; es
ist dann gegen verdünnte Natronlauge
neständig und kann mit Erfolg
in allen Fällen verwendet werden, in denen es auf diese Eigenschaften ankommt.