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Verfahren zur Herstellung eines Streumittels, insbesondere zur Seuchenbekämpfung
Die wirksame Bekämpfung von Viehseuchen, insbesondere der gefährlichen Maul- wind
Klauenseuche, stößt unter :anderem auch deswegen auf große Schwierigkeiten, weil
der Virus leicht von Gehöft zu Giehöft, von Ortschaft zu Ortschaft nicht nur durch
das Vieh, sondern auch durch ,die sich auf den Straßen bewegenden Menschen und Fahrzeuge
verschleppt wird.
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Man hat schon versucht, diese Verschleppungsmöglichkeit dadurch einzuschränken,
daß -man Torfmull mit Soda oder Desinfektionsmitteln, wie Quecksilberchlorid oderätherischen
ölen (Eukalyptusöl o. dgl.), vermischte und das Gemisch zum Ausstreuen brachte.
Da das wirksame Mittel hierbei mit großer Feinheit ;angewandt werden mixß, um es
möglichst ;gleichmäßig im Torf zu verteilen, wird es durch Zug und Wind leicht aus
der Torffaser herausgeblasen und weggenommen und durch Regen oder ähnliche atmosphärische
oder Witterungseinflüsse schnell ausgewaschen, wodurch naturgemäß ein solcher Torf
schon in kürzester Zeit an Wirksamkeit verliert.
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Es ist auch bekannt, Torf, Sägespäne oder ähnliche organische Fasern
mit dem zu tränken. Ein solches Verfahren kommt zunächst nur denn in Betracht, wenn
das betreffende Desinfektionsmittel
an sich flüssig ist oder aber
sich in einem billigen Lösungsmittel, insbesondere Wasser, löst, sofern es durch
letzteres nicht chemisch verändert wird und hierbei seine Desinfektionskraft vorzeitig
einbüßt. Außerdem haften selbst die in flüssigem Zustande vorliegenden, vorgebildeten
Desinfektionsmittel nicht kräftig genug an der organischen Faser.
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Es ist ferner bekannt, Pflanzenprodukte in hinreichend zerkleinertem
Zustande mit unlöslichen Stoffen zu härten bzw. zu beschweren, dadurch, daß man
unlösliche Niederschläge auf ihnen erzeugte, indem man z. B. Tabakstaub mit Natriumsulfat
tränkt und durch Zusatz von Kalk Calciumsulfat ,auf dem Staub niederschlägt. Dies
geschah zur Herstellung von Schädlingsbekämpfungsmitteln mit erhöhter Haftfähigkeit
an den damit zu behandelnden Pflanzen.
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Es wurde nun gefunden, daß man die oben beschriebenen Übelstände vermeiden
kann, wenn man an Stelle eines Gemisches von Torf o. dgl. mit fertigen, bereits
vorgebildeten Desinfektionsmitteln ein Erzeugnis anwendet, bei welchem die Desinfektionsmittel
im Entstehungszustande auf ;der Torffaser niedergeschlagen worden sind. Wird für
die Herstellung des Desinfektionsmittels ein Mittel verwendet, welches in konzentrierter,
insbesondere wäßriger Lösung zur Anwendung kommt, so empfiehlt es sich, die Torffaser
vorher auf einen Wassergehalt von q.o bis 6o% vorzutrocknen. Sodann wird die Reaktion
mit zwei oder mehreren in Form konzentrierter Lösung angewandten Verbindungen vorgenommen
und schließlich zu Ende getrocknet und nötigenfalls verpreßt.
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Wird dagegen einer der Reaktionsstoffe in Form von Gasen oder Dämpfen
oder im Schmelzzustand oder in - Lösung in einem leichtflüchtigen Lösungsmittel
angewandt, so ,empfiehlt es sich, vor der Reaktion -den Torf auf seinen H20-Gehalt
von 3o bis 400/p H20 vorzutrocknen und dann das Desinfektionsmittel unter Niederschlagung
in der Torffaser herzustellen.
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Das erfindungsgemäße Verfahren kann z. B. in der Weise durchgeführt
werden, daß man alkalische Phenollösungen von vorgetrocknetem Torf aufsaugen läßt,
den Torf zu Ende trocknet und sodann mit Kohlensäure behandelt, wobei das Alkaliphmolat
unter Bildung von Natriumbicarbo;nat unter Freigabe .des Phenols aufgespalten wird,
oder man behandelt die entsprechend auf 5o bis 6o% H2O-Gehalt getrocknete Torffaser
mit Ätzkalk, benetzt mit der zur Hydratisierung gegebenenfalls noch ,nötigen Menge
Wasser und läßt auf dieses mit Ätzkalk imprägnierte lockere Erzeugnis in der bei
der Chlorkalkfabrikation üblichen Weise trockenes Chlorgas zur Einwirkung gelangen.
Ein so erhaltenes Mittel läßt sich sehr leicht verpressen und ist in diesem Zustande
gut transportfähig, so daß es ohne Schwierigkeit zunächst an Ort und Stelle ausgestreut
und sodann erst mit der zur Wirksamkeit des Chlors im Chlorkalk benötigten Menge
Wasser angefeuchtet werden kann; oder man imprägniert den Torf mit einer kolloidalen
Lösung oder feinen Suspension der das desinfizierende Salz bildenden. Base und läßt
auf einen so imprägnierten Torf die betreffende Säure, z. B. verdünnte Schwefelsäure,
einwirken, worauf das Präparat bis auf ungefähr 3o% H20-Gehalt getrocknet wird.
Es können naturgemäß, soweit die Wirtschaftlichkeit hierdurch nicht in Frage gestellt
wird, auch andere Desinfektionsmittel, wie Chloramine, Anilinfarbstoffe, ätherische
öle u. dgl., für die Imprägnierung der Torffaser Anwendung finden, soweit die Möglichkeit
besteht, sie unmittelbar auf der Faser entstehen zu lassen- bzw. auszufällein.
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Man kann auf diese Weie je nach Belieben die Torffaser mit desinfizierenden
Mitteln mehr oder weniger anreichern.
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Man verhält nach der Erfindung eine mit dem betreffenden desinfizierend
wirkenden Stoff innerlich und äußerlich inkrustierte, imprägnierte Torffaser. Ein
solches Torferzeugnis ist sehr lagerbeständig und gut transportfähig, da es sich
leicht zu Ballen und selbst zu Preßlingen kleinen Formats, wie Tafeln, Tabletten,
verpressen läßt.
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Die Torffaser enthält den wirksamen Stoff in fester Bindung, sowohl
an ihrer Oberfläche als in ihrem Innern und gibt Hin nur in dem Umfange ab, als
sie durch Belastung, d. h. Betreten oder Befahren, mechanisch beansprucht wird.
Wind und Zug können den desinfizierenden Stoff aus der Faser nicht herausblasen,
und auch bei starkem Regen oder 'völliger Durchnässung hält die Torffaser den Stoff
verhältnismäßig lange fest. Ein solches Erzeugnis läßt sich auch leicht handhaben,
verteilen und ausstreuen.
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An Stelle von Torf als Träger des desinfizierenden Mittels kann man
naturgemäß auch andere geeignete ,organische Stoffe anwenden, welche als Träger
eine große Oberfläche darbieten, so z. B. Sägespäne, Häcksel, Moos u. dgl. Als Desinfektionsmittel,
welche in Gegenwart der Faser in der erfindungsgemäßen Weise ;gebildet bzw. auf
ihr niedergeschlagen werden können, kommen vor allem billige Stoffe in Frage, wie
z. B. Chlorkalk, Carbolsäure, Kresole, Alaun, Eisen- und Kupfersulfat, Soda (aus
Natronlauge und Kohlensäure), Calciumhydroxyd (z. B. aus Calciumsalzlösungen und
Ammoniak oder Alkali) u. dgl.
Das erfindungsgemäße Streumittel eignet
sich auch für andere Streuzwecke, so z. B., wenn für' die Imprägnierung oxydierend
wirkende Chemikalien, z. B. Chlorkalk, angewandt worden sind, als Streumittel für
Luftschutzzwecke.
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Die folgenden beiden Beispiele zeigen vergleichsivveise die Haltbarkeit.
dieses Erzeugnisses, das nach der Erfindung herbestellt wurde (Beispiel i) mit einem
imprägnierten Torfmull, wie er bisher verwendet wurde (Beispiel 2).
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Beispiel i i oo kg fein zerkleinerter Torf mit einem Gehalt von 30%
H20 werde. unter kräftigem Vermischen m einer mit Fürdersch;neck e versehenen Vorrichtung
mit 5 kg Phenolatlauge, die etwa i o % Carbolsäure enthält, gut vermischt,
das Gemisch hierauf . zweitergetrocknet und in der gleich-en Vorrichtung mit kohlensäurehaltigem
Gas weiterbehandelt. Beim Ausstreuen des Produktes in Form einer freien Schicht
von etwa 2 cm bleibt die Desinfektionskraft desselben ungefähr 2o Tage erhalten.
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Beispiel 2 iookg der gleichen Art wie bei Beispiel i werden unter
kräftigem Vermischen mit einer Lösung von o, 5 kg Carbolsäure in q. kg Wasser behandelt.
Die Desinfektionskraft eines auf diese Weise hergestellten Produktes bleibt unter
sonst gleichen Verhältnissen wie bei 'Beispiel i nur 5 Tage erhalten.