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Einrichtung zum Erzielen einer gleichmäßigen Farbgebung an Druckmaschinen
Bisher war es bei den meisten vorkommenden Druckarbeiten, insbesondere bei großen
Satzformen von 8 bis 32 Seiten, sehr schwierig, die Farbgebung dauernd gleichmäßig
zu halten. Der Farbüberschuß in den Stegen führte immer zu einer Anhäufung der Farbe
an den seitlichen Rändern. Das Abriegeln der Farbzufuhr - zu den Stegen mittels
Bleibacken brachte nicht die gewünschte Besserung, da diese niemals dicht genug
abschließen, zum seitlichen Wandern neigen und mit Farbkruste beschmutzt werden,
was eine dauernde Veränderung des Farbtones zur Folge hat. Auch das Abriegeln der
Farbzufuhr mittels Zonenschrauben am Farbkasten führte zu keinem dauernden Erfolg,
da trotz der engen Zwischenräume diese größtenteils nicht mit dem zu verdruckenden
Format übereinstimmen und das Verstellen einer Zonenschraube größtenteils ein Nachstellen
der danebenliegehden erfordert, wodurch wiederum die Gleichmäßigkeit der Farbgebung
über die ganze Form ungünstig beeinflußt wird.. Das unvermeidliche Absetzen von
Papierstaub während des Druckens geschieht erfahrungsgemäß am reichlichsten in der
Mitte. Nach den Rändern zu ist das weniger der Fall; dies hat zur Folge, daß immer
und immer Wieder die Zonenschrauben nachgestellt werden müssen. Müssen nun nach
einigen tausend Drucken die Walzen gewaschen werden, so - tritt erfahrungsgemäß
-immer das Gegenteil in der Farbgebung ein. Die Druckarbeit erhält dann einen Farbüberschuß
nach der Mitte, und es -beginnt nun wieder ein zeitraubendes und langwieriges Nachregulieren
der Zonenschrauben, bis die Gleichmäßigkeit der Farbgebung einigermaßen erreicht
ist. Beim Verarbeiten von- Trockenstoffarben wird während des Druckens stets ein
Auftrocknen der Farbe auf den Walzen. an den Stellen besonders stark auftreten,
an denen durch die Form ein geringer Farbverbrauch bedingt ist. Beim Andrucken ist
es unmöglich, die Farbgebung im voraus so einzustellen, daß sie sofort gleichmäßig
ist. Bis zum Entdecken
der Farbdifferenzen laufen oft bis zu hundert
und mehr Bögen- durch die Maschine, die dann als Makulatur unbrauchbar sind.
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Bei Maschinen, die mit selbsttätigen Bogenanlegern arbeiten, werden
die geschildert. Schwierigkeiten. durch Auftreten von Störung i, noch erhöht. Großer
Zeitverlust und Maten`-' verschwendung sind die Folgen der beschriebenen Mängel:
Durch die allgemein im Gebrauch befindliche seitliche Verreibung allein ist beim
Gange der Maschine ein gleichmäßiges Verreiben der Farbe nicht gewährleistet, weil
durch das dauernde Aneinanderliegen der Verreibwalzen de einzelnen farbarmen -und
-reichen Zonen auf allen Walzen stehenbleiben . und nur eine seitliche Schattierung
erfahren. Es wäre eine größere seitliche Verschiebung nötig, die aber unmöglich
ist, da die Massewalzen einer derartigen Beanspruchung nicht gewachsen sind und
zerstört werden.
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Es ist ferner unmöglich, durch die alleinige seitliche Verschiebung
in kürzester Zeit den Farbfilm von einem bis zum anderen Ende der Verreibwalzen
gleichmäßig zu gestalten. Die Praxis beweist täglich, daß hierfür stundenlange Arbeit
bei größter Aufmerksamkeit nötig ist. Der ungleichmäßige Farbverbrauch durch die
Druckform erschwert das Ergebnis der Gleichmäßigkeit noch dermaßen, daß letztere
ohne das dauernde Stellen der Zonenschrauben durch den Drucker überhaupt nicht zu
erreichen ist.
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Die Erfindung bezweckt die Beseitigung der erwähnten Nachteile. Die
Vorrichtung -nach der Erfindung kann an jeder Druckmaschine angebracht werden und
besteht aus einer oder mehreren Walzen, die abwechselnd auf eine oder mehrere Reibwalzen
in der Maschine wechselweise gesenkt und seitlich versetzt werden, so daß immer
andere farbarme und farbreiche Stellen in wiederkehrendem Rhythmus überdeckt werden.
Hierbei bleibt die seitliche Verreibung der Walzen in der bisher üblichen Weise
bestehen. Der Hub zum seitlichen Versetzen der Walzen wird der Form entsprechend
eingestellt. Wird beispielsweise eine Form von 32 Seiten verdruckt, so wird der
Farbfilm der Verreibwalzen durch die Hubwalzen beispielsweise um 1/3 des Bogenformates
seitlich versetzt. Durch das dauernde Versetzen der Hubwalze von der Mitte nach
links, zur Mitte, nach rechts und umgekehrt, kann kein Farbüberschuß in den Stegen
auftreten, da sich wechselnd immer andere farbarme und farbreiche Stellen in wiederkehrendem
Rhythmus überdecken. Hierdurch wird eine gleichmäßige Feinheit der Farbgebung erreicht.
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Weitere Vorteile der Erfindung sind folgende Der Farbkasten wird nur
einmalig gleichmäßig eingestellt. Das dauernde Nachstellen der Zonenschrauben ist
überflüssig. Es sind nur zwei Bleibrocken zum Abriegeln der Farbe notwendig, und
zwar an den Außenseiten. Kommt Papierstaub auf die Walzen, so wird dieser "-gleichmäßig
durch die Hubwalzen auf die vorhändenen Walzen verteilt. Ein Verstellen der ,@änenschrauben
ist nicht nötig, lediglich ein Stellen am Schaltwerk, um im ganzen mehr l öder weniger
Farbe zu geben. Trockenstoffarben bereiten nicht mehr die Schwierigkeiten, da auf
den Stellen geringen Verbrauchs wechselnd frische Farbe hingebracht und weggehoben
wird, wodurch das Trocknen der Farbe beträchtlich hinausgeschoben wird. Das zeitraubende
Waschen der Walzen ist nicht mehr so oft nötig. Nach dem Waschen der Walzen erübrigt
sich das sonst nötige Neueinstellen der Farbgebung. Bei Maschinen mit selbsttätig
arbeitenden Anlegern kann diesen mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Alle diese
Vorteile führen zu einer bedeutenden Material- und Zeitersparnis; zu einer größeren
Betriebssicherheit und damit zu einer Qualitätssteigerung der Druckarbeiten.
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Auf den Zeichnungen ist die Erfindung veranschaulicht; es zeigen:
Abb. i eine Druckform auf normal eingefärbte Weise; die waagerechte Schraffur stellt
die farbreichen, die senkrechte dagegen die farbarmen Stellen der Druckform dar;
Abb. 2 eine Hubwalze in ihren verschiedenen sich rhythmisch wiederholenden Stellungen;
Abb. 3 die durch das Auftragen der Hubwalze verändert eingefärbte Druckform; Abb.
q. ein über - der Form ii aufgebautes Farbwerk, bestehend aus der Hubwalze i, den
Reibwalzen 2 und den Auftragwalzen io, mit den farbarmen Stellen 3, den Bundstegen
4 und den Kreuzstegen 5 ; Abb. 5 eine Seitenansicht der Abb. 4; Abb. 6 bis ii je
ein Bild des Farbfilmes nach ein-, bzw. zwei-, bzw. drei-, bzw. vier-, bzw. fünf-,
bzw. sechsmaligem 'Umsetzen der Hubwalze i.
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Der Vorgang beim Einfärben einer Form ist folgender: Die Form läuft
bei einem Karrenweg unter den Auftragwalzen durch und erhält hier frische Farbe,
und dann unter demDruckzylinder . durch, der die Farbe der Form entsprechend wieder
abnimmt. Beim Rücklauf des Karrens gibt die Hebwalze frische Farbe-von der Doktorwalze
an das Farbwerk, die aber noch nicht bis zu den Auftragwalzen gekommen ist, wenn
die Form darunterweg läuft. Sämtliche Farbwalzen laufen also vor- und rückwärts.
Die seitliche Verreibung sorgt für beste und gleichmäßige Verteilung der Farbe auf
den Walzen. Da es nun - hauptsächlich bei Satzformen -auf den Farbwalzen schmalere
und breitere Streifen - Kreuz- und Bundstege -- gibt, die wohl bei jedem Druckgang
frische Farbe erhalten, aber keine an die Form abgeben,
häuft sich
an diesen Stellen die Farbe an, und es gibt dann nach kurzer Zeit farbreiche und
farbarme Stellen auf den Walzen. Die Hubwalzen sollen nun die farbreichen Stellen
arm und, umgekehrt, die farbarmen reich machen, damit ein gleichmäßiger Farbfilm
auf den Walzen entsteht, den man durch Regulieren des Farbmessers niemals erreichen
kann. Dies geschieht nun so, daß die Hubwalze in der einen Totpunktlage des Karrens
auf eine Reibwalze aufgesetzt, wird,. sich während eines Karrenweges mit der Reibwalze
dreht und in der anderen Totpunktlage des Karrens von der Reibwalze abgehoben wird,
um während des Rücklaufs des Karrens in gehobener Stellung seitlich verschoben zu
werden, beispielsweise um 1./3 der Formatbreite. In der nächsten Totpunktstellung
senkt sich die Hubwalze wiederum auf die Verreibwalze und gibt die von den farbreichen
Stellen der Reibwalze abgehobene Färbe an die farbarmen Stellen der Reibwalze ab,
nimmt aber zugleich auch wiederum Farbe von den farbreichen Stellen der Reibwalze,
die beim nächsten Hubwechsel-des Karrens wiederum auf eine andere Stelle der Reibwalze
übertragen bzw. von einer anderen farbarmen Stelle abgenommen wird.
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Durch die rhythmische Wiederholung dieses Vorganges bei jedem Druck
und dem wechselseitigen Versetzen der Hubwalze entsteht ein Farbfilm von sonst nicht
zu erreichender Gleichmäßigkeit.