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Elektrische Hochspannungsschaltanlage In elektrischen Hochspannungsschaltanlagen
ist es wünschenswert, dafür Sorge zu tragen, daß eine Leistungsschaltung durch Spannungstrennschalter
vermieden wird. Man kann diese Bedingung entweder durch Verriegelungen erfüllen
oder dadurch, daß man in sämtlichen Stromverzweigungen Leistungsschalter anbringt.
Diese Regel befolgt insbesondere die amerikanische Praxis des Schaltanlagenbaues.
Bei einer Anlage mit Doppelsammelschienensystemen sind dann in der Sammelschienenverzweigung
zwei Leistungsschalter, bei Dreifaehsammelschienen drei Leistungsschalter eingebaut;
allgemein sind bei za Abzweigen und m Sammelschienensystemen n # m Leistungsschalter
erforderlich. Die Kosten der Schaltanlage werden durch die Vergrößerung der Zahl
-der Leistungsschalter so stark erhöht, daß man in Deutschland bisher fast ausschließlich
sich mit Verriegelungen zwischen Trenn- und Leistungsschalter trotz ihrer Nachteile
begnügte.
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Die Erfindung betrifft eine elektrische Hochspannungsschaltanlage
mit n Abzweigen und m Sammelschienensystemen sowie ausfahrbaren Leistungsschaltern
in der Sammelschienenverzweigung, von denen m Schalter in einer Verzweigung gleichzeitig
benutzt werden können, bei der erfindungsgemäß für die Leistungsschalter in jedemAbzweig
m Einschaltmöglichkeiten vorgesehen sind und weniger als n # m, mindestens
aber n + r, wahlweise an die verschiedenen Sammelschienenverzweigungen der Abzweige
anschließbare Leistungsschalter vorgesehen sind. Der Erfindung liegt die Erkenntnis
zugrunde, daß im normalen Betriebe bei den meisten Abzweigen nur der Stromweg einer
Sammelschienenverz-,veigung aufrechtzuerhalten ist, daß man also den in der anderen
Sammelschienenverzweigung zur Verfügung stehenden Leistungsschalter während des
Betriebes herausnehmen und für die Leistungsschaltung eines anderen Abzweiges nutzbar
machen kann.
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Die Anwendung der Erfindung setzt voraus, daß bei einem Abzweig jeweils
zwei Leistungsschalter eingeführt sein können, da andernfalls eine Sammelschienenumschaltung
nicht möglich wäre. Die Erfindung läßt sich also nicht mit bekannten Anlagen verwirklichen,
bei denen für jeden Abzweig ein Leistungsschalter vorgesehen ist, der wahlweise
die Verbindung von einem einzigen Abzweiganschluß mit einem der beiden Doppelsammelschienenanschlüsseherstellt,
da hier die gleichzeitige
Verwendung zweier Leistungsschalter in
einem Abzweig nicht möglich ist.
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In der Zeichnung ist eine Schaltanlage nach der Erfindung im Schnitt
dargestellt. Die Stromführung erfolgt von dein Ab=.
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zwei- i über die Durchführung 2 und die Stromverzweigung 3 zu den
kombinierten Trenn- und Leistungsschaltern d. und 5, die die Trennmesser 6 und 7
und die in den Schaltgefäßen 8 und g befindlichen Leistungsschaltstifte enthalten.
Von den Leistungsschaltern S und 9 erfolgt die Stromführung zu den beiden gekapselten
Sainmelschienensystemen io und i i.
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Die Zeichnung gibt den Betriebszustand eines Abzweiges unmittelbar
vor und nach den Schaltvorgängen wieder. Ist es beispielsweise erwünscht, den Abzweig
i von dem Sammelschienensystein i i auf das Sammelschienensystem io umzuschalten,
so wird in diesen Abzweig außer dein bereits eingefahrenen Schaltgerät 5 noch das
Schaltgerät 4 eingefahren. Bei dein Schaltgerät 5 waren der Trennschalter '7 und
der Leistungsschalter g zunächst geschlossen. An dem zuletzt eingefahrenen Schaltgerät
4 werden nun die an sich bekannten kombinierten Leistungs- und Trennschalter z.
B. mittels Druckluftantrieb 12 eingeschaltet. Nunmehr kann auch der Antrieb 13 des
Schaltgerätes 5 betätigt werden, der eine Öffnung des Leistungsschalters 9 und darauf
eine Öffnung des Trennschalters ; herbeiführt.
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Arbeitet der Abzweig nunmehr auf die Sammelschienen io, so kann das
Schaltgerät 5 entfernt werden. Um dies zu erleichtern, ist zwischen denLeistungsschaltern
eineFahrbahn 1:.1. angeordnet, auf der sich der `Vagen 15 bewegt. Das in der ausgefahrenen
Stellung befindliche, in der Figur mit 5' dargestellte Schaltgerät steht nun für
Umschaltungen in einem anderen Abzweig zur Verfügung. War bei einem anderen Abzweig
ebenfalls der Anschluß an das Sammelschienensystein i i vollzogen worden und soll
auch dieser Abzweig auf das Sammelschienensystem io umgeschaltet werden, so wird
der ausgefahrene Schalter 5' an diesen Abzweig herangefahren und dann um 18o° gedreht.
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An den Schaltgeräten 4 und 5 sind Steckkontakte 16 und 1; angebracht,
die bei der richtigen Lage des Schaltgerätes eine Stromv erbindung mit den Durchführungen
18 und ig der Sammelschienen io und ii herstellen. Eine besondere Drehscheibe, die
am Ende der Fahrbahn 14 au'ßerhalb der Abzweige anzuordnen wäre, kann man ersparen,
wenn man den Wagen 15 mit einer drehbaren Plattform versieht.
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Aus der Schilderung der Betriebsweise der neuen Anlage geht hervor,
daß man nicht nur in einer Anlage mit Mehrfachsammelschienensystemen bereits bei
n -f- i Leistungsschaltern sämtliche Sammelschienenumschaltungen ausschließlich
durchLeistungsschalter vornehmen kann, sondern auch bereits bei n -I- 2 Lei-:'stungsschaltern
eine volle Reserve erhält.
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Bei den in Deutschland üblichen Anlagen mit einem Leistungsschalter
pro Abzweig muß bei Störungen an diesem Leistungsschalter, etwa wenn seine Auslösung
versagt und der Schalter sich nicht öffnet, der Abzweig außer Betrieb genommen werden.
Ereignet sich eine solche Störung bei dem Schalter 4 der in der Zeichnung dargestellten
Anlage, der allein in Betrieb war, so genügt es, den Schalter 5 einzufahren. Die
Sammelschienensysteme io und ii werden dann durch den in der Anlage vorhandenen
Kuppelschalter miteinander verbunden. Nach Anschließen und Einschaltung des Schaltgerätes
5 kann das Schaltgerät 4 schlimmstenfalls auch im eingeschalteten Zustand ausgefahren
werden, ohne daß an den Steckkontakten eine nennenswerte Schaltleistung infolge
des parallel liegenden anderen Schalters auftritt. Bisher erreichte man diesen Vorteil
nur dadurch, daß man in einer Anlage mit n Abzweigen und Doppelsammelschienensystemen
2 n Leistungsschalter einbaute.
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Bei wichtigeren Abzweigen kann man auch dauernd zwei Leistungsschalter
eingefahren lassen. Besonders vorteilhaft ist, daß man die Dispositionen über die
Zahl der Leistungsschalter, die bei einem Abzweig in Benutzung bleiben, nachträglich
nach den Betriebsverhältnissen treffen kann.
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Bei Verwendung der in der Zeichnung dargestellten, an sich bekannten
kombinierten Leistungs- und Spannungsschalter erübrigen sich besondere Hilfseinrichtungen,
die eine gegenseitige Verriegelung der Spannungs- und Leistungsunterbrechungerzwingen.
Es genügt die durch Verriegelungen selbstverständlich auch zusätzlich sicherbare
Vorschrift, daß die Leistungsschalter nur dann verfahren werden dürfen, wenn die
sichtbare Trennstelle geöffnet ist. Verwendet man in der Anlage Schaltwagen, bei
denen die Spannungsunterbrechung nur an den Ausfahrttrennkontakten vorgenommen wird,
so wird man bei diesen Schaltwagen in bekannter Weise die Fahrbewegung bei eingeschaltetem
Leistungsschalter verriegeln.