DE628243C - Verfahren zum Betrieb von asynchronen Blindleistungsmaschinen - Google Patents
Verfahren zum Betrieb von asynchronen BlindleistungsmaschinenInfo
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Description
DEUTSCHES REICH
AUSGEGEBEN AM
4, NOVEMBER 1935
REICHSPATENTAMT
PATENTSCHRIFT
. 621243-
KLASSE 21 d 2 GRUPPE
Patentiert im Deutschen Reiche vom 13. Juni 1930 ab
Für den Betrieb von asynchronen Blindleistungsmaschinen
ist es von Wichtigkeit, daß diese von Spannungs- und Frequenzschwankungen
des Netzes möglichst unabhängig sind. S Die Maschinen sollen selbst bei Spannungsrüekgängen
bis zu 30% der Nennspannung noch stabil im Betrieb bleiben. Wenn irgend möglich,
soll jedoch auch bei weitergehenden Spannungsabsenkungen der Hauptschalter der Maschine
nach Möglichkeit eingeschaltet bleiben, um eine Betriebsunterbrechung zu vermeiden.
Mit Spamiungsschwankungen der Blindleistungsmaschine
sind bekanntlich Drehzahlschwankungen derselben verbunden, und wenn die Spannung bis auf Werte von 50 bis 70% des
Nennwertes absinkt, sinkt die Drehzahl so stark, daß besondere Schutzmaßnahmen vorgesehen
werden müssen, wenn die Maschine im Betrieb bleiben soll und bei Wiederkehr der Netzspannung
ohne Störungen in den normalen Betriebszustand zurückversetzt werden soll.
Die Störungen entstehen dadurch, daß mit sinkender Drehzahl die Schlupfspannung der
Maschine zunimmt und damit der im Sekundärkreis fließende Strom. Würde man,'-nachdem
die Drehzahl infolge Spannungsabsehkung erheblich abgenommen hat, die wiederkehrende
volle Netzspannung ungehindert auf die Maschine einwirken lassen, so würde im Sekundärkreis
ein Strom fließen, der wesentlich größer ist als für die Maschine zulässig, und es würde
außer der Beanspruchung der Wicklungen der Maschine durch den Strom auch noch ein
starker Beschleunigungsstoß von der Blindleistungsmaschine aufgenommen werden müssen.
Zur Beseitigung dieser Schwierigkeiten ist vorgeschlagen worden, bei starken Spannungsbzw. Drehzahlabsenkungen Widerstände in den
Läuferkreis zu schalten und diese bei wiederkehrender Spannung allmählich wieder auszuschalten.
Bei größeren Maschinen macht dies Jedoch Schwierigkeiten, weil dazu teuere Schalt
apparate erforderlich sind.
Gemäß der Erfindung werden diese Schwierigkeiten
auf einem neuartigen Wege gelöst, der den bisher üblichen Verfahren gegenüber erhebliche
Vorteile bietet und die Möglichkeit gibt, die Maschine auch, bei sehr starken Drehzahlabsenkungen
in Betrieb zu lassen, ohne daß unzulässige Beanspruchungen durch hohe Ströme
oder starke Beschleunigungsstöße entstehen. Die Erfindung geht von der Erkenntnis aus,
daß die Wirkung, welche durch Einschalten von Widerstandenen dem Rotorkreis erreichbar
ist, auch dadurch erzielt werden kann, daß man eine Hilfsspannung in den Rotorkreis schaltet.
Bekanntlich hängt die Größe des im Rotorkreis fließenden Stromes von der in diesem Kreis
wirksamen Spannung ab. Schaltet man keine Widerstände in den Rotorkreis, so muß, abgesehen
von den Spannungsfällen der Maschinenwicklungen, die volle induzierte Span-
*) Von dem Patentsucher ist als der Erfinder angegeben worden:
Dipl.-Ing. Hellmuth Ehemann in Berttn-Siemensstadt.
621243
nung, welche von der jeweiligen Drehzahl äb-
* hängig ist, von dem Ohmschen Spannungsabfall
gedeckt- werden. Schaltet man dagegen eine Hüfsspannung in" den Rotorkreis," die mit
der induzierten Spannung in Phase Hegt, so übernimmt diese Hilfsspannung zum Teil.die
Rolle des Ohmschen Spannungsabfalles, und letzterer wird entsprechend kleiner, was eine
Verminderung des Sekundärstromes der Maschine zur Folge hat.
Gemäß der Erfindung wird die Hilfsspannung im Sekundärkreis der BHndleistungsmaschine
dadurch erzeugt, daß bei starkem Abfall der Netzspannung der Vektor der von der
t5 Kommutatorhintermaschine gelieferten Erregerspannung um 90° gedreht wird. Für den
Betrieb als BUndleistungsmaschine muß dieser Vektor bekanntlich auf dem Vektor der induzierten Spannung der Hauptmaschine senkrecht
, ao stehen. Dreht man ihn jedoch um 90°, so wirkt
er als drehzahlregelnde Zusatzspannung im Rotorkreis der Blindleistungsmaschine und vermindert
in der vorstehend geschilderten. Weise den im Rotorkreis fließenden Strom. Nach Rückkehr der Spannung wird der Vektor der
Erregerspannung selbsttätig wieder in die ursprüngliche, die Blindleistungserzeugung bewirkende
Lage senkrecht zum Vektor der in-
• duzierten Spannung der Hauptmaschine gebracht.
-.-...
In der Zeichriung ist das Schaltungsschema
einer asynchronen BHndleistungsmaschine dargestellt, welche gemäß dem Verfahren nach der
Erfindung arbeitet. An dem Drehstromnetz 11 liegt über dem Schalter 12 die asynchrone
BHndleistungsmaschine 13, welche mit einer Kommutatornintermaschine 14 mechanisch gekuppelt ist. In dem Lauf erkreis der Maschine 13
Hegt ein fester Widerstand 15, welcher zum Anlassen dient. Die Maschine 13 wird bei ausgeschaltetem
Schalteriö angefahren und dann über den Schalter 16 an die Kommutatorm^termaschine
angeschlossen, so daß der Widerstand 15 dadurch abgeschaltet ist. ■
Die Eommutatorhintermaschine ist in ub-■: Heber Weise mit einer .Kompensationswicklung
21 und einer Ständerwicklung 24 ausgerüstet, die.über einen Widerstand25 an eine Erregermaschine
26 angeschlossen ist. Zur Erregung der letzteren dient ein Drehtransformator 22,
dessen drehbarer Teil mit einem Steuermotor 23 gekuppelt ist. Von der Stellung dieses Drehtransformators
hängt somit die Lage der Erregerspannung im Sekundärkreis der asynchronen
BHndleistungsmaschine 13 ab. Im normalen Betrieb ist der Drehtransformator so eingestellt,
daß die Erregerspannung auf der induzierten Spannung der Hauptmaschine senkrecht
steht.
Zur Steuerung des Steuermotors 23 dient ein an das Wechselstromnetz Ii angeschlossenes
Spannungsrelais 27. Gemäß der Erfindung wird durch dieses als Spannungsrückgangsrelais ausgebildete
Relais der Drehtransformator bei starken Spannungsabsenkungen derart verstellt,
daß der Vektor der Erregerspannung im Sekundärkreis der BHndleistungsmaschine die
■Richtung der induzierten Spannung einnimmt. Die durch die Drehzahlabsenkung bedingte Vergrößerung
der induzierten Spannung wird dadurch zum Teil ausgegHchen, ujid es wird verhindert,
daß im Sekundärstromkreis der BHndleistungsmaschine unzulässig hohe Ströme auftreten,
wenn die Spannung des Netzes wieder ihren vollen Wert annimmt. In dem Maße, wie die Netzspannung wiederkehrt, wird durch das
Relais 27 der Steuermotor 23 und damit der Drehtransformator 22 in seine betriebsmäßige
Ausgangslage zurückverstellt.
Die Bedeutung des Betriebsverfahrens nach der Erfindung sei an einem Zahlenbeispiel erläutert.
Eine 15 ooq BkVA-Blindleistungsmaschine
fällt in 12 Sek. um etwa 1,5 °/0 in ihrer
Drehzahl ab, wenn die 'Netzspannung sinkt. Dieser Drehzählabfall ist so groß, daß die Maschine
ohne besondere Schutzmaßnahmen nicht wieder an die volle Spannung angeschlossen
werden kann. Der Hauptschalter der Maschine müßte daher ausgeschaltet werden, und die
Maschine müßte unter Vermittlung des Schalters 16 und des Widerstandes 15" wieder von
neuem angelassen werden. Wendet man dagegen die Schutzschaltung nach der Erfindung
an, so kann man dem zum Ausschalten des Hauptschalters dienenden Relais eine Zeitverzögerung
in der Größenordnung von 6 bis 10 Sek. geben. Alle Spannungsabsenkungen,
welche kürzere Zeit dauern, werden durch das Betriebsverfahren nach der Erfindung ausgegHchen.
Für den Fall, daß der Kurzschluß, der das Ausbleiben der Spannung verursacht in
nächster Nähe der Maschine sich befindet und daß infolge generatorischen Arbeitens der BHndleistungsmaschine
ein beträchtlicher Drehzahlabfall, d, h, also größer als zulässig, verursacht
wird, kann der Hauptschalter durch ein Spannungsrückgangsrelais ausgelöst werden, das mit
einer Tachometerdynamo, die mit der BHndleistungsmaschine mechanisch gekuppelt ist,
zusammenarbeitet. Der Schutz der Maschine ist dann für alle Fälle gewährleistet und die
UnempfindHchkeit gegen Spannungsschwankungen gesichert.
Statt, wie in der Abbildung dargestellt, den Sekundärteil des Erregertransformators 22 zu
verdrehen, kann das Drehen des Erregervektors um 909 auch dadurch herbeigeführt werden,
daß der Bürstensatz der Erregermaschine 26 drohbar ausgebildet wird und beispielsweise
durch einen Elektromagneten über eine selbsttätig in Abhängigkeit von der Netzspannung
gesteuerte Einrichtung verdreht wird.
Claims (2)
- 621243Patentansprüche:ι. Verfahren zum Betrieb von asynchronen Blindleistungsmaschinen mit Erregung durch Kommutatorhintermaschine, dadurch gekennzeichnet, daß bei starkem Abfall der Netzspannung der Vektor der Erregerspannung derart gedreht wird, daß eine dadurch erzeugte drehzahlregehide Zusatzspannung im Rotorkreis der Blindleistungsmaschine wirkt und daß nach Rückkehr der Netzspannung der Vektor der Erregerspannung selbsttätig wieder in die ursprüngliche, die Blindleistungserzeugung bewirkende Lage gebracht wird.
- 2. Einrichtung zur Ausübung des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß im Erregerkreis der Blindleistungsmaschine ein- Drehtransformator (22) angeordnet ist, der in Abhängigkeit von einem Spannungsrückgangsrelais (27) verstellbar ist. ·Hierzu 1 Blatt Zeichnungen
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE628243T | 1930-06-13 |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE628243C true DE628243C (de) | 1935-11-04 |
Family
ID=6578537
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE1930628243D Expired DE628243C (de) | 1930-06-13 | 1930-06-13 | Verfahren zum Betrieb von asynchronen Blindleistungsmaschinen |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE628243C (de) |
Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE747447C (de) * | 1938-10-28 | 1945-01-08 | Siemens Ag | Selbstverkaeufer fuer Elektrizitaets, Gas o. dgl. mit Grundgebuehreinzug |
-
1930
- 1930-06-13 DE DE1930628243D patent/DE628243C/de not_active Expired
Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE747447C (de) * | 1938-10-28 | 1945-01-08 | Siemens Ag | Selbstverkaeufer fuer Elektrizitaets, Gas o. dgl. mit Grundgebuehreinzug |
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