DE616862C - - Google Patents
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Classifications
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Description
DEUTSCHES REICH
AUSGEGEBEN AM
8. AUGUST 1935
8. AUGUST 1935
REICHSPATENTAMT
PATENTSCHRIFT
Vr 616862 KLASSE 48 d GRUPPE 2
Tag der Bekanntmachung über die Erteilung des Patents: ii. Juli 1935
Vereinigte Stahlwerke Akt,-Ges. in Düsseldorf*)
Verfahren zur Herstellung von Beizsäure aus Abfallschwefelsäure
Patentiert im Deutschen Reiche vom 4. Mai 1932 ab
Das Entrosten und Beizen von Stahl und Eisen geschieht im allgemeinen durch Behandeln
mit anorganischen oder auch mit organischen Säuren. Hierbei wird aber vielfach auch das Eisen selbst stark angegriffen. Man
hat sich bemüht, durch besondere Zusätze den Angriff der Säure auf das Metall herabzusetzen.
Bei Verwendung der sog. Sparbeizen entsteht aber vielfach nach kurzer
Zeit ein unliebsamer Flugrostansatz. Man hat versucht, dieses Nachrosten durch Anwendung
besonderer Zusätze zu verhindern. Es ist bekannt, daß die in Mineralölraffinerien
und Benzolfabriken anfallenden Abfallschwefelsäuren auch zu Entrostimgs- und
Beizzwecken verwandt werden können; die in diesen Säuren in sehr großem Maße vorhandenen
gelösten und ungelöstenPolymerisationsprodukte und Sulfonverbindungen verhindern
den Angriff der freien Säuren auf das Metall, üben also eine Sparbeizwirkung aus und
schützen nach erfolgter Trocknung an der Luft vor Rostansatz.
Bei Verwendung dieser Säuren im Großbetrieb ergeben sich jedoch gewisse Nachteile.
Beim Einstellen der Abiallsäuren auf die in der Praxis erforderlichen Konzentrationen
und Temperaturen scheiden sich große Mengen von Polymerisationsprodukten aus, die teils das Beizbad durchsetzen, teils auf
der Oberfläche schwimmen. Beim Herausziehen des Beizgutes schlagen sie sich hierauf
als fest anhaftender öliger Überzug nieder, der selbst durch längeres Nachspülen mit
heißem Wasser nicht restlos zu entfernen ist. Dieser Übelstand nimmt durch die vor jeder
weiteren Beizung notwendige Säurezugabe ständig zu. Auch die Aufarbeitung des ausgebrauchten
Bades auf Eisenvitriol wird durch die ständig zunehmende Verschmutzung
nicht mehr lohnend, da sich die Filtermassen in kurzer Zeit zusetzen.
Ein weiterer Nachteil liegt in dem durchdringenden Geruch der Abfallschwefelsäure
nach Kohlenwasserstoffen, Pyridin und ahnliehen Produkten, die zudem gesundheitsschädliche
Wirkungen zeigen und einen Aufenthalt in den Beizräumen auf die Dauer erschweren.
Es hat sich nun gezeigt, daß die Abfallsäure den gewünschten Anforderungen in weitestem
Maße genügt, wenn sie einem an sich bekannten Reinigungsverfahren unterworfen
wird, um sie von den die Weiterverarbeitung benachteiligenden Bestandteilen, insbesondere
solchen, die dem Beizgut fest anhaften, zu befreien. Das Reinigungsverfahren beruht darauf,
daß die konz. Abfallsäure 1J2 bis 1 Stunde
lang mit Wasserdampf bei 900 behandelt wird. Durch dieses Verfahren scheiden sich
*■) Von dem Paientsucher sind als die Erfinder angegeben worden:
Dr. Wilhelm Miihlendyck und Dr. Heinrich Mainz in Dortmund.
harzartige Produkte ab, wobei die Säurekonzentration von etwa 6o° Be auf 35 bis
40° Be sinkt. Beim Verdünnen der konzentrierten ungereinigten Säure mit Wasser im
Reagenzglas kann beobachtet werden, wie eine große Menge der von der Säure aufgenommenen
organischen Stoffe ausflockt und eine milchige Trübung — die Emulsion der frei werdenden Kohlenwasserstoffe — auftritt.
Durch das Reinigungsverfahren scheiden sich diese Stoffe ebenfalls aus und ballen sich
durch die erhöhte Temperatur zusammen, bzw. sie dampfen ab, so daß die auf diese
Art behandelte Säure frei von weiteren Aus-Scheidungsprodukten ist und nur noch im
chemischen Sinne gelöste Stoffe enthält. Die nach anderen Reinigungsverfahren, z. B. dem
Uferverfahren, anfallende Abfallschwefelsäure, die ebenfalls auf Verdünnung der Abfallsäure
im Benzolwäscher selbst auf 45 ° Be beruht, kann nicht unmittelbar zu Beizzwecken
verwandt werden. Auch sie muß durch weitere Verdünnung auf etwa 35 bis 40° Be und */2- bis 1 stündiger Temperaturerhöhung
auf etwa 900 C von den scheinbar gelösten und emulgierten Verbindungen
befreit werden. Die derartig vorbehandelte Säure kann auf jede beliebige Konzentration
verdünnt und auf Temperaturen bis zu 80° C erhitzt werden, ohne daß sich Verunreinigungen
ausscheiden, die das Beizgut und die Lauge für die Weiterverarbeitung untauglich
machen. Die übelriechenden Bestandteile sind ebenfalls entfernt, so daß auch dieser Nachteil
behoben ist.
Die wichtigsten Vorteile bei Verwendung der vorgereinigten Abfallsäure liegen aber
darin, daß der ölige Überzug auf dem gebeizten Material nicht mehr auftritt und so eine
Weiterverarbeitung des Beizgutes überhaupt erst ermöglicht wird, und daß ferner die
Hemmwirkung der organischen Stoffe, tiotzdem diese zum größten Teil entfernt worden
sind, noch derart hoch ist, daß die besten Sparbeizzusätze bei weitern übertroffen werden.
Der Betrag an gelösten organischen Stoffen reicht völlig aus, um den Angriff der
Säure auf das blanke Metall zu verhindern. Selbst bei einer Säurekonzentration von 3 °/0
üben die gelöster Verbindungen die Sparbeizwirkung aus. Auch genügt bereits eine
kurze Nachbehandlung mit kaltem Wasser, die für den Betrieb an Stelle der bisherigen
längeren Abspülung mit heißem Wasser einen weiteren technischen Vorteil bedeutet. Die
Vitrioldarstellung geht glatt vonstatten, ohne irgendwelche Betriebsstörungen durch Verstopfung
der Filtermassen zu verursachen.
Claims (1)
- Patentanspruch:Verfahren zur Behandlung von Abfallschwefelsäure aus Benzol- und Erdölraffinerien, die zum Entrosten und Beizen von Eisen und Stahl bestimmt ist, dadurch gekennzeichnet, daß in die Abfallsäure bei 90° 1J2 bis 1 Stunde Wasserdampf eingeleitet wird, oder die auf 35 bis 400 Be verdünnte Säure 1J2 bis 1 Stunde auf 900 erwärmt wird.
Applications Claiming Priority (2)
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