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Geschoß für glatte Rohre Die zur Erzeugung des Dralles verfeuerter
Geschosse erforderlichen Züge im Gewehrlauf sind einerseits in der Herstellung teuer
und andererseits nicht genügend drallbildend.
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Es sind daher Geschosse mit auf der Geschoßoberfläche eingelassenen
oder im Geschoßkdrper eingearbeiteten Nuten oder Kanälen hergestellt bzw. vorgeschlagen
worden. Aber alle diese Versuche haben keine befriedigenden Schießergebnisse gezeitigt.
Der Grund liegt in der falschen Anordnung und Ausbildung der Nuten oder Kanäle.
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Die Anordnung von unter einer beliebigexi Neigung auf die ganze Länge
des Geschosses gerade verlaufender Nuten oder Kanäle von gleichbleibendem Querschnitt
ist ungenügend, da die Explosionskraft der Pulvergase keine genügende Angriffsfläche
findet. Auf .die ganze Länge sich verjüngende Nuten oder Kanäle sind zwar schon
richtiger; sie bewirken aber keine Leistungssteigerung der explodierenden Pulvergase,
da in. ganzer Kanallänge gleiche Druckverhältnisse herrschen. Nur der auf das abgebogene
Kanalstück wirkende Reaktionsdruck bewirkt einen, allerdings nicht genügenden Drall.
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Weiterhin ist bei den bekanntgewordenen Anordnungen mit parallelen
Kanalwandungen der Nachteil vorhanden, :daß die Gasmoleküle nach dem Aufprallen
auf die Kanalkrümmung von dort auf die gegenüberliegende Wand treffen und dem Drall
entgegenwirken.
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Auch die flache und breite Ausgestaltung der Kanäle beiden bekanntgewordenen
Konstruktionen ist unzureichend; da - hierbei die Einwirkung der Pulvergase
auf die Kanalkrümmung nur so lange währt, wie das Geschoß im Laufe sitzt; sobald
die Geschoßspitze aus dem Lauf etwas herausragt, können die Gase ohne Wirkung verpuffen.
Daher ist es fehlerhaft, die Krümmung, d. h. die Arbeitsfläche der Kanäle auf die
bzw. den abgekrümmten. Teil der Geschoßoberfläche zu verlegen, da hierdurch die
Gas.: bereits beim Auftreffen. auf die Kanalkrümmung in den Lauf frei austreten
können und erheblich an Energie einbüßen.
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Alle bisherigen Konstruktionen und Vorschläge weisen ferner den Nachteil
auf, daß ein großer Teil des Geschoßquerschnittes auf die Kanäle entfiel, wodurch
das Gewicht des Geschosses und damit die Schießleistung kleiner wurde. Diese großen
Kanalquerschnitte (bis zu 2o % des Geschoßquerschnittes) schienen den früheren Konstrukteuren
erforderlich, um eine genügende Schießleistung zu erzielen. Diese erwartete Wirkung
trat aber bei den entsprechend hergerichteten Geschossen nicht ein; die Geschoßgeschwindigkeit
wurde nicht größer, und die Rasanz wurde sogar schlechter, jedenfalls keineswegs
günstiger als bei glatten Mantelgeschossen, die aus mit Zügen versehenen Läufen
abgefeuert werden.
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Ganz besonders machteilig ist weiterhin bei allen bisher bekanntgewordenen
Kanalgeschoßkonstruktionen die Wahl des Geschoßdurchmessers gleich derjenigen des
Laufes. Diese Maßnahme sollte eine Minderung des Reibungsverlustes zwischen Geschoßmantel
und
-lauf auf ein Mindestmaß bewirken. Dabei wurde aber übersehen,
daß eine wirksam Ausnutzung der Pulverexplosion nur dann möglich ist, wenn die Gasentwicklung
in einem im Volumen möglichst gleichbleibenden und dichten Raum erfolgen kann. Ein
int Laufe leicht rutschendes Geschoß kann naturgemäß dieser Voraussetzung nicht-
genügen: Die Folge ist, daß das Geschoß bereits den Lauf verlassen hat, bevor es
der vollen Wirkung der Pulverexplosion ausgesetzt war. Die eigentliche Explosionsleistung
geht verloren.
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Diese und noch mehr Nachteile haben bisher die Einführung von Geschossen
mit eingelassenen Kanälen oder Nuten in die Praxis nicht ermöglichen lassen, trotzdem
hierfür ein großes Bedürfnis besteht.
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Die Erfindung vermeidet nicht nur die geschilderten Nachteile, sondern
stellt darüber hinaus eine Geschoßkonstruktion dar, die gegenüber den bisher bekanntgewordenen
oder vorgeschlagenen Geschossen zur Verfeuerung im gezogenen und nichtgezogenen
Lauf erheblich günstigere Schießleistungen ermöglicht.
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Das erfindungsgemäße Geschoß ist für glatte Rohre bestimmt und mit
im Mantel oder im Innern angeordneten, Drall erzeugenden, mit einer Einschnürung
versehernen Nuten oder Kanälen in der Weise ausgebildet, daß der Mündungsraum hinter
der Einschnürung derart erweitert ist, daß der aus der Einschnürung .tretende Gasstrahl
die seitliche Wandung nur an einer begrenzten Stelle, d. h. die Prallfläche, berührt.
Diese Prallfläche ist unter einem solchen Winkel zur Strahlrichtung anzuordnen,
daß der Gasstrahl in einer zur Laufachse tunlichst wenig geneigten schraubenförmigen
Bahn aus dem. Geschosse .geworfen wird. Es ist ferner erfindungsgemäß empfehlenswert,
dem Kopfe des Geschosses einen gegenüber dem G-eschoßkerndurchmesser mindestens
um die doppelte Kanaltiefe kleineren Durchmesser zu geben.
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In- der Zeichnung ist die Erfindung beispielsweise und schematisch
dargestellt, und es bedeuten Abb. r eine Ansicht des Geschosses von der Kanalseite
aus gesehen und Abb. z einen Ausschnitt der Geschoßwandung.
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Der Geschoßkörper r besitzt auf seinem Umfange in ungefähr axialer
Richtung Kanäle oder Nuten s (die Kanäle können auch im Innern des Geschosses verlaufen),
die bis über den Geschoßschwerpunkt hinaus parallel oder höchstens leicht geneigt
zur Längsachse des Geschosses verlaufen. Hieran schließt sich eine Einschnürung
3 an. Die weitere Führung des Kanals ist nicht düsenartig, sondern erfolgt nach
den Regeln der Stoßtheorie unter Berücksichtigung der Schießerfordernisse.
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Die große Kurvatur q, d. i. die eigentliche 2rra]lfläche 9, der Kanalwandung
besitzt eine solche Form, daß die auftreffenden Gasmoleküle `nach dem Aufprall entsprechend
ihrem Einfallwinkel unter gleichem oder ungefähr gleichem Ausfallswinkel ungehindert
aus dem Kanal. austreten können; üs darf also hernach keine Berührung der Kanalbegrenzungswandungen
6 erfolgen, wie in Abb. z dargestellt (strichpunktierte Linien) ist.
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Bei der durch das Eindringen der Pulvergase in die Geschoßkanäle a
zu erzeugenden Drallbildung wird gemäß der Erfindung die Stoßwirkung benutzt. Zu
diesem Zwecke ist einerseits die Einschnürung 3 und andererseits die obengenannte
besondere Ausbildung der ,großen und kleinen Kurvaturen q. und 5 vorgesehen. Unter
.einer Momentan- oder Stoßkraft versteht man bekanntlich eine außerordentlich große
Kraft, die in einer außerordentlich kurzen Zeit wirkt. Sie wird gemessen durch die
Änderung des Impulses, d. h. der Bewegungsgröße, die sie an von ihr betroffenen
Maßepunkten hervorbringt und die ,gleich dem Antriebe der Stoßkraft ist. Da gegenüber
den Stoßkräften die Wirkungen endlicher (stetiger) Kräfte, z. B. Reibung, vernachlässigt
werden können, stellt die Erweiterung des - Kanals z hinter der Einschnürung 3 (bedingt
durch die Notwendigkeit des freien ungehinderten Austritts der Gase) keine Verlustquelle
dar.
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Durch den Fortfall einer der Kurvenwand q. gegenüberliegenden Kanalwand
können die Gase nach Verlassen der Kurvatur 4. keine schädlichen Rückwirkungen ausüben.
In der Zeichnung ist lediglich ein kurzer, beliebig ausbildbarer Auslauf 5 vorgesehen,
z. B. eine Abrundung.
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Wichtig ist bei dem Erfindungsgegenstande weiterhin., daß die große
Kunratur q. den Kanalausgang überdeckt, so daß durch den Luftgegendruck die Gase
nicht an .der freien Entwicklung bzw. dem freien Austritte nach verrichteter Arbeit
gehindert werden.
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Das Geschoß besitzt ferner Rippen o. dgl. 7, die in beliebiger Zahl
ganz oder teilweise um das Geschoß herumlaufen. Zwischen den Rippen kann in bekannter
Weise ein Schmiermittel eingefügt werden. Die Rippen. besitzen einen etwas größeren
Durchmesser als der Lauf. Das Maß der Verdickung richtet sich naturgemäß nach dem
Geschoßmaterial und der Oberflächenausbildung des Geschosses und der Rippen. So
empfiehlt sich beispielsweise für Weichblei etwa i/. mm Vergrößerung des Durchmessers
(bei Kaliber 16) gegenüber dem Laufdurchmesser. Hierdurch ist eine volle
Gasentwicklung gewährleistet, bevor das Geschoß den Lauf verläßt, und es ist daher
ein Höchstmaß an Schießleistung und Rasanz gegeben. Da dieser Vorteil gegenüber
den
bekannten Konstruktionen ganz besonders deutlich ist, besteht umgekehrt die Möglichkeit,
bei Beibehaltung bisheriger Schießleistungen die Pulverlademenge gegenüber Geschossen
gleicher Leistung bekannter Konstruktion zu verringeni.
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So haben praktische Versuche weiterhin gezeigt, daß bei der erfindungsgemäßen,
d. h. richtigen Ausbildung der Kanalführungen 2, 3, 4 und 5 der Gesamtquerschnitt
der ,Kanäle nur etwa 4 % des Geschoßquerschnittes zu sein braucht. Infolge dieser
Kanalausbildung tritt kaum merklich ein Gegengasdruck vor das noch im Laufe befindliche
abgefeuerte Geschoß.
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In Anbetracht der höchstmöglichen Ausnutzung der Pulverexplosion bei
der erfindungsgemäßen Kanalkonstruktion wird an der Fläche 9 der großen Kanalkurvatur
4 (d. i. die Fläche, gegen die die explodierten Pulvergase aufprallen) eine außerordentlich
hohe Temperatur erzeugt, die das Geschoßmaterial, besonders wenn dies aus Weichblei
mit einer Schmelztemperatur von etwa 33o° besteht, zum Schmelzen bringt. Hierdurch
wäre ein Verbleien oder sonstiges Verschmieren des Laufes io bedingt. Daher -wird
die gefährdete Stelle 9, die umgebende Nachbarschaft oder auch das ganze Geschoß
mit einem sch-ver schmelzbaren Metallüberzug versehen, z. B. Kupfer, Chrom. Dieses
Überziehen kann beispielsweise galvanisch .erfolgen. Das Verbleien. läßt sich auch
durch Zusatz von z. B. Antimon zum Blei vermeiden.
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Zum Zwecke einer einfachen Herstellung des Geschosses, besonders wenn
es sich um gezogenes Material handelt und Fräs- o. dgl. Arbeit aus Kostenersparnisgründen
vermieden werden soll, wird die Einschnürung 3 nicht bereits bei der Herstellung
selbst vorgesehen, sondern beim Abfeuern des Geschosses herbeigeführt, indem das
in der Ebene der zu schaffenden Einschnürung gelegene Material entsprechend verdickt
vorgesehen ist, so daß beim Durchpressen oder -drehen des Geschosses durch den Lauf
diese Materialverdickung ausweicht und selbsttätig die Einschnürung 3 bildet.