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Verfahren zur Herstellung von geformten Adsorptionsmitteln Gegenstand
der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung von insbesondere für therapeutische
Zwecke geeigneten Formlingen aus Adsorptionsmitteln, z. B. Tierkohle usw. Solche
Formlinge werden der Erfindung gemäß in der Weise hergestellt, daß die Adsorbenfieir,
z. B. aktive Kohle, auf Kerne von festen quellbaren organischen Stoffen, insbesondere
von Pflanzenschleimen, aufgetragen, z. B. mit Hilfe eines Bindemittels aufdragiert
werden.
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Es ist bereits bekannt, Adsorptionskohle unter Zusatz von Pflanzenschleim
zu -Formlingen zu verarbeiten. Bei diesen Präparaten wird nur so viel Pflanzenschleim
zugesetzt, als zur Verkittung (Bindung) der Adsorptionsmittelteilchen gerade notwendig
ist. Von einem nicht gequollenen Überschuß der quellbaren Zusätze ist nicht dieRede.
Ferner wurde schon vorgeschlagen, leicht zerfallende, gepreßte Tabletten aus Arzneimitteln
dadurch herzustellen, daß man als Bindemittel bei der Tablettierung pulverisierte
gewöhnliche oder gehärtete Gelatine, Agar-Agar, Laminaria, Fucus, isländisches oder
irlärndisches Moos verwendet.
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Von diesen bekannten Adsorptionsmittelformlingen unterscheiden sich
die nach dem beanspruchten Verfahren.- hergestellten dadurch, daß sie aus einem
quellbaren Kern und einer auf diesen Kern aufgetragenen Adsorptionsmittelschicht
bestehen. Hierdurch wird der Vorteil `erreicht, .daß sich der quellbare Kern bei
Berührung des Formlings mit einer Flüssigkeit im Verlauf mehrerer Stunden mit Flüssigkeit
vollsaugt, indem er .diese durch die äußere Adsorptionsmittelschicht, z. B. Kohlenschicht,
hindurchzieht. Bei Verwendung von sehr quellfähigen Kernstoffen kann man damit rechnen,
daß praktisch alles vorhandene Austauschwasser von den Kernen aufgesogen wird und
dabei die Adsorptionsmittelschicht passieren muß. Jedes einzelne Korn dieser Schicht
stellt daher ein selbsttätig arbeitendes kleines Filter dar. Gelangen -also die
nach dem beanspruchten Verfahren . hergestellten Formlinge in den Magen und Darm,
so ist der ganze Magen oder Darm bzw. die ganze Stuhlmasse gleichmäßig mit solchen
Filterchen durchsetzt. Dabei findet in jedem einzelnen Filterchen eine von den äußersten
bis zu den innersten Schichten allmählich fortschreitende Aufnahme von adsorbierbaren
Stoffen statt, so daß sich das Adsorbens immer nur in dem Maße der fortschreitenden
Quellwng des quellbaren Kernes mit Giftstoffen belädt. Infolgedessen wenden auch
die in tieferen Abschnitten des Darmes erst entstehenden Giftstoffe (Fäulnisstoffe)
vom Adsorbens in gleichem Maße gebunden, wie jene Giftstoffe, die sich - etwa im
Falle einer Vergiftung - im Magen und in den oberen
Darmabschnitten
vorfinden. Da die trockenen Pflanzenschleime ferner erfahrungsgemäß so viel Wasser
aufzunehmen und festzuhalten vermögen, daß der vollkommen gequollene Kern etwa 2
°4 Trockensubstanz und 98 %
Wasser enthält, so ist das Adsorbens .dauernd
mit einem Wassermantel umgeben, der auch noch in den untersten Darmpartien wirksam
ist, wo der Darminhalt schon sehr wasserarm ist. Auch dieser technischen Zusammenwirkung
von Adsorptionsmittelschicht und quellbarem Kern kommt Bedeutung zu, da sich die
Adsorptionswirkung nur bei dauernder Anwesenheit erheblicher Wassermengen voll entfalten
kann. Die Formlinge werden auch von empfindlichen Kranken leicht und gern genommen
und führen zu keinen Anhäufungen im Darm, da die Pflanzenschleime durch ihre Ausdehnung
gleichzeitig eine abführende Wirkung ausüben.
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Es können alle bekannten Adsorbentien, z. B. auch Bolus alba oder
anorganische Gele, wie insbesondere -Kieselsäuregel, in der angegebenen Weise zu
Formlingen verarbeitet werden, wobei für die arzneiliche Verwendung selbstverständlich
nur unschädliche Adsorptionsmittel in Betracht kommen. Als Bindemittel werden. bei
der Herstellung der Formlinge die üblichen, z. B. für das arzneiliche Anwendungsgebiet
Zucker oder Gummiarabikum, verwendet; man kann aber zu diesem Zweck auch gequollenen
Pflanzenschleim benutzen. Diejenigen Bindemittel sind die zweckmäßigsten, welche
die Wirksamkeit des Adsorptionsmittels nicht beeinträchtigen, also selbst nicht
adsorbierbar sind.
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Zur Herstellung des quellbaren Kerns können nicht nur trockene Pflanzenschleime,
wie Gummiarten, z. B. Tragänt, Laminariaschleim, Agar-Agar, Karragheenmoosschleim,
sondern auch andere quellbare organische Stoffe, insbesondere Kolloide, verwendet
werden. Auch ganze Samen (z. B. Semen Psylii, Leinsamen usw.) können für die Pflanzenschleime
eintreten oder mit .diesen gemischt werden, wie solche Samen ja auch als stuhlregelnde
Quellmittel Verwendung finden. Für die arzneiliche Verwendung sind bei sonst gleichem
Eignungen solche quellbare Kern- oder Zusatzstoffe zu bevorzugen, die unverdaulich
oder sehr -schwer verdaulich sind.
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Ausführungsbeispiele i. Trockene Lamiriarsäure oder quellfähige Salze
derselben werden in Korngröße von etwa i bis i'/, mm Durchmesser gebracht. 2 kg
dieser Körner werden im Drageekessel mit 6 kg aktiver Tierkohle nach und nach dragiert,
indem man als Bindemittel i kg Zucker und' etwa 1/2 kg Gummiarabikum in wässeriger
Lösung verwendet. Als Endprodukt erhält man eine Masse in Form unregelmäßiger
Kügelchen.
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ä. 3 kg, wie oben angegeben, gekörnten Tragants werden im Drageekessel
mit 3 kg aktiver Tierkohle unter Zuhilfenahme von i kg Zucker in - wässeriger Lösung
dragiert.
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3. 4 kg Körner aus Karragheenmoos oder getrockneten Karragheenmoosschleim
werden mit einem Teig, bestehend aus 4 kg Bolus älba und 2o0/bi,-er Zuckerlösung,
rasch und gleichmäßig verknetet, worauf .die entstehende Masse in der üblichen Weise
zu, groben Körnern verformt wird. Diese bestehen aus einem Kern von Karragheenmoos
mit einer Überzugsschicht aus Bolns.
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4. -1 kg Leinsamen wind im Drageekessel unter Zuhilfenahme obengenannter
Bindemittel mit einem Gemisch von 2 kg Tierkohle und 2 kg Bolus alba dragiert.
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5. Auf 4 kg Kerne von trockenem Pflanzenschleim werden 2 kg Adsorptionskohle
mit Hilfe von 2 kg Zucker und % kg Magnesiumcarbonat aufdragiert.