-
Orthopädischer Schuh Körperliche überlast oder Muskelschwäche, anhaltendes
Stehen im Beruf u. a. m. führen zu Stellungs- und Formveränderungen der Füße, wenn
nicht das Schuhwerk in seiner Form und in seinem Bau einen ausreichenden Widerstand
gegen die Pronationsstellung oder Abflachung der Füße zu 'bieten geeignet ist.
-
Form und Bau des Schuhes sind als zwei wichtige, sich ergänzende Faktoren
anzusehen, die gemeinschaftlich für die richtige Stellung und Haltung des Fußes
zu sorgen haben. Bau und Stabilität des Schuhes sollen einen ausreichenden Widerstand
bieten, wenn der Fuß, infolge seiner Fehlstellung und Formveränderung, ihn in eine
physiologisch falsche Stellung treten bzw. drängen will.
-
Es sind handwerksmäßig und fabrikmäßig hergestellte Schuhe seit Jahrzehnten
bekannt, die solche Einrichtungen besitzen. Diese Einrichtungen bestehen in einer
nach vorn verlängerten Hinterkappe und einer zum Teil auch außenseitig hochgewalkten
Brandsohle. Diese den Schuh im Gebiete der Fußwurzel versteifenden, die Abwicklung
des Fußes erschwerenden Einrichtungen bewähren sich nicht, weil sie sich durch den
anhaltenden Druck des fehlgestellten und formveränderten Fußes nach und nach mehr
und mehr in die gleiche Fehlstellung drängen. und deformieren lassen. Rascher noch
kommt es zu einer Deformierung, wenn Kappen- und Brandsohlleder durch Fußfeuchtigkeit,
Wärme und durch von außen wirkende Feuchtigkeit weich und nachgiebig werden.
-
Die Erfindung sieht abweichend hiervon einen die Hinterkappe und die
Brandsohle verspannenden, breiten, ausgereckten und unnachgiebigen Fußwurzelhaltegaurt
vor, der vom ersten Metatarsalköpfchen um den Fersenrücken herumgeführt ist und
auf der anderen Seite bis etwa zum Köpfchen des fünften Mittelfußknochens verläuft.
Von der Ferse ist er auf der Außenseite abwärts zum ersten Metatarsalköpfchen und
,auf der Innenseite abwärts bis etwa zum Köpfchen des fünften Mittelfußknochens
gerichtet. Er wird in seiner Längs- bzw. Zugrichtung durch Zwicken scharf gespannt
bzw. ausgereckt und an seinen sich bis in den gewölbten Schuhmittelteil erstreckenden
Angriffsstellen .an oder unterhalb der Brandsohle mit dieser und dem Schaft fest
verbunden. Der Fußwurzelhaltegurt kann außerdem noch durch die Hinterkappennaht,
zwischen Kappe und Oberleder oder .an den Seiten der Hinterkappe festgehalten werden.
Dieser Fußwurzelhaltegurt kann an seinen Sohlenangriffs- oder Befestigungsstellen
beliebig breit gewählt werden, je nachdem der Fuß vom Schuh mehr oder weniger unterfaßt
werden soll. Er umspannt die Fußwurzel und den Mittelfuß in der
Längs-
und Gehrichtung, von den Seiten und der Sohle her, ohne die Abwicklung des Fußes
zu behindern. Er hält insbesondere den die Last aufnehmenden Fußteil so, daß dieser
weder medial- noch lateralwärts ausweichen kann und verhindert das Rotieren des
Fersenbeines und damit die Knickstellung des Fußes.
-
Bei der normalen Abwicklung des Fußes leistet er ebenfalls gute Dienste.
Von der ersten bis zur letzten Phase der Fußabwicklung werden Fußwurzel und Mittelfuß
in natürlicher Stellung gehalten und eine Dislokation der Knochen bei gelockerte
Bändern und Muskeln verhindert.
-
Außer dem Fußwurzelhaltegurt kann ein weiterer Mittelfußhaltegurt
aus dem gleichen oder einem gleichwertigen, unnachgiebigen Material- im Schuh angeordnet
sein, der, hinter den Mittelfußköpfchen beginnend, diese also freilassend, in der
Querrichtung den Mittelfuß umspannt. Dieser Mittelfußhaltegurtkann zwischen Oberleder
und Futter oder ,auch unterhalb des Futters im Schuh eingearbeitet sein. Er wird
so geführt, daß er im geschlossenen Schuh, gleichviel ob dieser durch Schnüren,
Knöpfen, durch Druckknöpfe oder Spangen geschlossen ist, als ein die Spreizung des
Fußes verhinderndes Mittel wirkt. Damit verhindert er auch das übliche Ausweiten
des Schaftes im Gewölbe nahe hinter dem Ballen und, bei obduzierter Stellung des
Fußes, das Übertreten des Oberleders auf der lateralen Seite des Schuhes.
-
Fußwurzel- und Mittelfußhaltegurt können auch miteinander verbunden
im Oberschaft eingearbeitet und im Schuh durch Zwicken in der Längs- bzw. Zugrichtung
des Mittelfußhaltegurtes verspannt werden. Die Haltegurte können so angeordnet sein,
daß sie zusammen mit dem Oberschaft oder, jeder für sich allein, je nach der Dehnbarkeit
des Oberleders, gezwickt werden können.
-
Der ständige Überdruck des fehlgestellten und formveränderten Fußes,
der zum übertreten und Ausweiten des Oberleders, insbesondere zum Schieftreten der
Hinterkappe geführt hat, wird von den straff gespannten. und ausgereckten, unnachgiebigen
Gurten abgefangen, die es der Fußwurzel, dem Fersenbein, dem ersten und fünften
Mittelfußknochen nicht mehr gestatten, sich seitlich über die ihnen gezogene Grenze
hinaus erheblich abzuspreizen, und sie verhindern dadurch das Ausweiten und übertreten
des Oberleders an den gefährdeten überlastungsstellen.
-
Infolge der Verspannung wird in jeder Bewegungsphase des Fußes ein
Zug in der Längsrichtung, und zwar von den Angriffsstellen des Fußwurzelhaltegurtes
gegen die Hinterkappe und umgekehrt ausgeübt und damit die normale Abwicklung des
Fußes erleichtert.
-
Bekanntlich wird die Sohlensprengung des getragenen Schuhes unter
dem Einfluß des Senkfußes verändert. Der Absatz -,veicht nach hinten aus, das Gewölbe
flacht ab, und die vordere Auftrittsfläche der Sohle wird weiter nach hinten ins
Gewölbe verlegt. Der Schuh gerät in die Senkfußstellung. Der Fuß wird, weil er keinen
Halt im Schuh findet, flacher im Gewölbe und dementsprechend länger.
-
Da der innen, außen und von unten durch den Fußivurzelhaltegurt diagonal
verspannte Schuh in der Längsrichtung weder innen,-noch außenseitig nachgeben kann,
zwingt er den Fuß, gerade aufzutreten und sich beim Gehen in gerader, natürlicher
Haltung abzuwickeln. Er verhindert also eine Knicksenk- und Abduktionsstellung des
Fußes.
-
Der Mittelfußhaltegurt hält den Mittelfuß in der Querrichtung zusammen.
Er gestattet dem Schuh nicht, sich über die bestimmte Weite auszudehnen, unterstützt
die zu schwach gewordenen Anzieher des ersten und fünften Mittelfußknochens.
-
Da der Mittelfußhaltegurt hinter den Köpfchen des ersten und fünften
Mittelfußknochens beginnt, bleiben die Köpfchen dieses bzw. der sogenannte Großzehballen
und das Grundglied der Kleinzehe druckfrei. Durch das Zusammenhalten des fünften
Mittelfußknochens mit den übrigen Mittelfußknochen wird, abgesehen von der Beseitigung
der Ursache, die zu den bekannten Metatarsalheschwerden führen, der vordere Teil
des Fußes in seiner natürlichen Form erhalten und in den Fällen, in welchen er bereits
eine Spreizstellung zeigt, der natürlichen Form wieder nähergebracht.
-
Die Zeichnung veranschaulicht zwei beispielsweise Ausführungen der
Erfindung. Abb, i ist ein Schuh mit dem eingearbeiteten Fußwurzelhaltegurt (um diesen
sichtbar zu machen, ist das Schaftleder entsprechend,auf- und ausgeschnitten).
-
Abb.2 ist ein Querschnitt nach A-B der Abb. i.
-
AbU3 ist ein Schuh mit eingearbeitetem Fußwurzel- und Mittelf ußhaltegurt
(zur Sichtharmachung des Verlaufs derselben ist das Schaftleder ebenfalls auf- und
ausgeschnitten).
-
Es bezeichnet a den Fußwurzelhaltegurt und b den Mi.ttelfußhaltegurt,
die beide aus äusgerecktem, unnachgiebigem Material bestehen. Sie können getrennt
voneinander verlaufen und übereinanderliegen oder auch miteinander verbunden sein,
wie Abb. 2 @es zeigt.
-
Wesentlich ist, daß diese Gurte den beschriebenen Verlauf nehmen und
a-. den
näher bezeichneten Stellen der Brandsohle angreifen, um
so eine Verspannung des Schuhes zu bewirken, die unnachgiebig ist und einer Deformierung
desselben entgegenwirkt.