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Drahtziehmaschine Bei Mehr fachdrahtziehmaschinen älterer Konstruktion
werden sämtliche Ziehscheiben von einer gemeinsamen Welle, d. h. also mit starren
Verhältnissen der relativen Umdrehungszahlen, angetrieben. Es ist bekannt, daß bei
solchen Maschinen ein unerwünschter Verschleiß der Ziehscheiben eintritt, weil man
einen dauernden Rückwärtsschlupf des Drahtes gegenüber den Ziehscheiben zulassen
muß, weil- es praktisch unmöglich ist, den Querschnittsabnahmen des Drahtes in den
einzelnen Ziehdüsen und den Umfangsgeschwindigkeiten der einzelnen Ziehscheiben
sowie der jeweiligen Haspeloberfläche genau die theoretisch richtigen Werte zu geben.
Um diesen Nachteil zu überwinden, ist weiterhin vorgeschlagen worden, jede einzelne
Ziehscheibe durch einen besonderen Motor anzutreiben und die Motoren mit solchen
Regeleinrichtungen zu versehen, daß ein Schlupf des Drahtes gegenüber den Ziehscheiben
vermieden wird.
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Derartige Einrichtungen haben sich technisch durchaus befriedigend
bewährt; ihr wirtschaftlicher Erfolg war jedoch vorwiegend unbefriedigend, weil
bei diesen Konstruktionen zwischen jedem einzelnen Motor und der von ihm angetriebenen
Ziehscheibe ein besonderes Vorgelege angeordnet war. Es ist aber klar, daß es wesentlich
umständlicher und kostspieliger ist, beispielsweise bei einer Zehnfachdrahtziehmaschine
zehn einzelne Vor-Belege zwischen den zehn Motoren und den zehn Ziehscheiben zu
haben als einen gemeinsamen Motor und ein kombiniertes Vorgelege, von dem sämtliche
Ziehscheiben angetrieben «-erden.
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Die geschilderte Schwierigkeit läßt sich überwinden und eine besonders
einfache und billige Konstruktion von Mehrfachdrahtziehmaschinen erhalten, wenn
man auf die Verwendung von Vorgelegen verzichtet und die Ziehscheiben unmittelbar
auf die Achsen der Einzelmotoren aufsetzt. Diese Bauart hat auch unabhängig von
der Regelung der Einzelmotoren große Vorzüge, wie später noch erläutert «-erden
wird. Um nicht zu unwirtschaftlich langsam laufenden Motortypen zu kommen, ist es
zweckmäßig, den Ziehscheiben nur etwa den 3o- bis 40fachen Durchmesser des Drahtes
zu geben. Eingehende Versuche haben dargetan, daß die Oualität des gezogenen Drahtes
dadurch in keinerlei Weise nachteilig beeinflußt wird. Wünscht man beispielsweise,
z-mm-Draht mit einer Geschwindigkeit von 120 m pro Minute - 2 m pro Sekunde zu ziehen,
so kann hierzu eine Ziehscheibe von d.o mm Durchmesser unmittelbar auf der Achse
eines roootourigen Motors verwendet werden.
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Für den Aufbau beispielsweise einer Zehnfachdrahtziehmaschine, auf
der in jedem einzelnen Ziehstein der Ouerschnitt des zu ziehenden
Drahtes
um 2o °/a reduziert werden soll, ergeben sich dann folgende Möglichkeiten Die gesamte
Querschnittsreduktion vom Draht, der in den ersten Ziehstein einläuft, bis zum Draht,
der aus dem letzten Ziehstein ausläuft, beträgt etwa 1:6, so daß die Auslaufgeschwindigkeit
etwa das Sechsfache der Einlaufgeschwindigkeit beträgt. Man kann dann entweder sämtlichen
Ziehscheiben den gleichen Durchmesser geben und beispielsweise die erste Ziehscheibe
von einem Sootourigen, die letzte Ziehscheibe von einem 3oootourigen Motor antreiben
lassen. Oder aber man kann sämtlichen Motoren die gleiche Tourenzahl geben und den
letzten Ziehscheiben den sechsfach größeren Durchmesser als. der ersten. Schließlich
kann man einen Teil der Geschwindigkeitszunahme des Drahtes durch Erhöhung der Tourenzahl
und einen Teil durch Vergrößerung der Durchmesser der Ziehscheiben erreichen. Die
erste Arbeitsweise wird mit besonderem Vorteil dann angewendet, wenn auf der Ziehmaschine
immer dasselbe Arbeitsprogramm erledigt werden soll. Sie wirkt sich auch dann noch
günstig aus, wenn auf der Ziehbank beispielsweise in der Regel Draht von 5 mm auf
i mm gezogen werden soll und wenn in einem besonderen Fall dann beispielsweise verlangt
wird, daß der Draht mit 2 mm 97 entnommen werden soll. In diesem Falle werden dann
die Motoren mit den Ziehscheiben, die für das Ziehen von 2 auf i mm erforderlich
sind, abgetrennt und als besonderer Drahtzug zum Ziehen eines anderen Quantums Material
von 2 auf i mm verwendet.
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Die zweite Arbeitsweise bringt dann besondere Vorteile, wenn stark
verschiedene Arbeitsprogramme erledigt werden müssen. Wenn sämtliche Motoren die
gleiche Tourenzahl haben und an sich beispielsweise zehn Motoren zu einer Einheit
zusammengebaut sind, um Draht von 2 mm auf o,6 mm auszuziehen, dann können, falls
es zwischendurch erforderlich ist, ein größeres Quantum Draht von beispielsweise
nur i mm fertigzustellen, die fünf letzten Motoren abgetrennt und besonders zu einer
Straße zusammengestellt werden. Ersetzt man dann die ursprünglich auf diesen Motoren
aufgesetzten Ziehscheiben durch entsprechend kleinere Ziehscheiben, dann kann man
mit diesen fünf abgetrennten Elementen ebenfalls Draht von 2 mm auf i mm ziehen.
Die beiden Gruppen von Arbeitselementen sind dann also gewissermaßen parallel angeordnet.
Für andere Arbeitsprogramme kann man selbstverständlich eine entsprechend andere
Unterteilung der ursprünglich vorgesehenen gesamten Straße und Zusammenstellung
einzelner Elemente vorsehen. Die dritte Arbeitsweise findet schließlich dann Anwendung,
wenn auf einer Straße eine sehr starke Durchmesserreduktion vorgenommen werden soll.
Es ist dann in manchen Fällen praktisch schwer durchführbar, bei gleichen Durchmessern
der Ziehscheiben die Tourenzahlen der Antriebsmotoren entsprechend abzustufen, da
man sonst entweder für den ersten Motor zu einer anormal niedrigen oder bei dem
letzten Motor zu einer anormal hohen Tourenzahl gelangen würde. In solchen Fällen
empfiehlt es sich, neben der Abstufung durch die Tourenzahl der Motoren auch noch
eine solche durch verschiedene Wahl der Ziehscheibendurchmesser vorzusehen.
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Der geschilderte Aufbau von Mehrfachdrahtziehmaschinen ergibt noch
folgende weitere Vorteile: .
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Zu beschaffen sind lediglich einzelne Motoren, die nebeneinander beispielsweise
auf einem U-Eisen festzuschrauben sind. Solche Motoren sind jederzeit ab Lager oder
kurzfristig erhältlich; die Beschaffung von Spezialteilen erstreckt sich lediglich
auf die Beschaffung einfacher und billiger Ziehscheiben. Es ist klar, daß Elektromotoren
als normalisiertes Erzeugnis viel rascher und billiger zu beschaffen sind als Drahtziehmaschinen
mit individuell anzufertigenden Vorgelegen. Derartige aus einzelnen Motoren aufgebaute
Drahtziehmaschinen besitzen aber zugleich den Vorteil besonderer Anpassungsfähigkeit.
Wenn man nämlich einmal eine kleinere Gewichtsmenge dünnerer Drähte herzustellen
hat, so wird man beispielsweise aus i2oEinzelmotoren mit aufgesetzten Ziehscheiben
ro Zwölffachziehmaschinen bilden, indem man je i2 Einzelmotoren nebeneinander beispielsweise
auf ein [J-Eisen aufschraubt, das als Grundbett dient. Hat man dann zu einer anderen
Zeit eine größere Kilozahl dickerer Drähte herzustellen, so wird man die i2o Einzelmotoren
beispielsweise zu 15 Achtfachziehmaschinen oder zu 2o Sechsfachziehmaschinen
zusammenstellen können.
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Außerdem ist es natürlich jederzeit möglich, die normalen Einzelmotoren
zu irgendeinem anderen Zwecke zu verwenden, während man mit den Einzelteilen normaler
Ziehmaschinen mit Vorgelegen selten Nützliches anfangen kann, wenn man die Drahtziehmaschinen
als solche nicht mehr benötigt. Es ist an sich bekannt, einzelne Elemente einer
Drahtziehmaschine auf einer gemeinsamen Grundplatte anzuordnen. Bei den bekannten
Ziehmaschinen war es aber nicht möglich, die einzelnen auf der Grundplatte aufgebauten
Elemente einfach und leicht auszutauschen, da Vorgelege und Ziehscheiben für jedes
einzelne Element getrennt im Grundbett eingebaut waren.
Die Abb.
i stellt schematisch die Anordnung einzelner Ziehmaschinenelemente im Sinne der
Erfindung auf einer Grundplatte im Längsschnitt dar. Abb. 2 zeigt einen Querschnitt
einer Straße. Auf ein [)-Eisen A sind die Motoren 1111, M. usw. aufgesetzt.
Auf die Achsen B der Motoren sind die Ziehscheiben C aufgesetzt. Die Ziehdüsen D
sind an einem besonderen [)-Eisen E gehaltert. Aus der Abb. i ist ohne weiteres
ersichtlich, daß eine beliebige Gruppe von Motoren (in der Abbildung gestrichelt
gezeichnet) abgetrennt und zu einer besonderen Straße zusammengestellt werden kann.
In der Abbildung sind an die einzelnen Motoren die Drehzahlen angeschrieben, die
die Motoren beispielsweise besitzen können.
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Um die feinen Unterschiede auszugleichen, die die Tourenzahlen der
Einzelmotoren mit Rücksicht darauf erfahren müssen, daß die Durchmesser der Ziehdüsen
der theoretischen Abstufung praktisch niemals ganz genau entsprechen werden, lassen
sich verschiedene, teilweise an sich bekannte Methoden verwenden, beispielsweise
die Ausbildung der einzelnen Motoren als weichcompoundierte Verbundmotoren oder
die Verwendung von Nebenschlußmotoren, denen im Anker ein V orschaltwiderstand gegeben
wird. Nur nebenbei sei erwähnt, daß die Vernichtung eines Teiles der elektrischen
Energie in den Vorschaltwiderständen durchaus keinen erhöhten Kraftverbrauch gegenüber
den früher bekannten Konstruktionen von Mehrfachziehmaschinen bedeutet, da ja durch
den Wegfall der Vorgelege auch die in solchen Vorgelegen unvermeidlichen Energieverluste
wegfallen.