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Verfahren zum Richten von Blechen Es ist bekannt, Bleche durch Strecken
zu richten. Dieselben werden zu diesem Zweck entlang zweier gegenüberliegenden Kanten
eingespannt und alsdann großen. Zugkräften ausgesetzt, welche die Querschnitte einzelner
zu streckender Felder der Blechtafel bis zur Fließgrenze des Materials beanspruchen.
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Dieses Verfahren führt insbesondere bei dünneren und härteren Blechen
selten zu einem einwandfreien Richtergebnis.
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Es hat sich gezeigt, daß ein sehr gutes Ausrichten stattfindet, wenn
die unter ruhendem Ausrichtzug gespannte, also statisch beanspruchte Tafel noch
eine zusätzliche Beanspruchung anderer, beispielsweise dynamischer Art erfährt.
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Die Ausführung des neuen Verfahrens kann _ z. B. so erfolgen, daß
die unter Zug stehende Blechtafel von einer oder beiden Einspännstellen her in der
Tafelebene quer zur Streckrichtung gerüttelt wird. Die durch die Rüttelbewegung
hervorgerufenen plötzlichen Zerrungen dürften eine Art Kontaktwirkung ausüben, d.
h. den vorher trotz des starken Zuges noch ruhenden Molekülen den Anstoß zum Einfließen
in die Gleichbeanspruchungslage geben.
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Die Rüttelbewegung, die für viele Blechsorten nur eine ganz geringe
zu sein braucht, kann auf verschiedene Weise erzeugt werden. Um den Bau der Streckvorrichtung
nicht zu verwickelt zu gestalten, wird vorteilhaft nur einer der beiden Klemmbacken
querbeweglich angeordnet und mit einer geeigneten Rütteleinrichtung in Verbindung
gebracht. Es ist jedoch auch möglich, beide Klemmbacken Rüttelbewegungen ausführen
zu lassen, die einander entgegengesetzt sind.
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Drei Ausführungsbeispiele einer Streckvorrichtung, die mit einseitiger
Rütteleinrichtung ausgestaltet ist, ist in der Zeichnung dargestellt, und zwar zeigt
Abb. r die Ansicht, Abb. 2 den Grundriß und Abb. 3 die Seitenansicht einer Vorrichtung
mit an einem Rütteljoch hängenden Rüttelhacken, Abb. q. den Schnitt nach Linie r-r
der Abb. r, Abb: 5 die Ansicht einer Vorrichtung mit eingesetztem Rüttelbacken,
Abb. 6 den Grundriß einer Vorrichtung mit an Schwingen hängendem Rüttelbacken.
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Die Vorrichtungen bestehen im wcsentlichen aus zwei Hauptteilen, nämlich
der an sich bekannten Streckvorrichtung und der Rütteleinrichtung. Beide sind in
dem Maschinengestell a untergebracht, welches ein Gleitbrett a. für die Klemmbacken
b und c bzw. cl bzw. c2 bildet. Der Klemmbacken b ist zugleich der Zugbacken und
steht als solcher vermittels der Zugstangen d in Verbindung mit einem Joch e, auf
welches der im Druckzylinder f befindliche Kolben g einwirkt. Der Klemmbacken c
bzw. c. bzw. c2 ist zugleich Einstell- und Rüttelbacken. Er kann vermittels der
Gewindespindeln h und der Stellmuttern i auf die Länge der zu rich-
Lenden
Blechtafel L eingestellt werden. Seine Rüttelbewegung .erfolgt bei dem in Abb. i
bis 4 dargestellten Ausführungsbeispiel so, daß er gemeinsam mit den Gewindespindeln
h und dem Joch k, auf dem sich die Stellmuttern i abstützen, in RichtLina des Doppelpfeiles
A, also rechtwinklig zum Ausrichtzug, hin und her bewegt wird. Zu diesem Zweck ist
das Joch k in bezug auf das Maschinengestell a auf Rollen in, welche in Ausriehmungen
n ruhen, zur Streckrichtung quer verschiebbar auf dem -Maschinengestell a gelagert.
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Sowohl der Klemmbacken c wie auch das Joch k werden in diesem Falle
von der Rütteleinrichtung angetrieben, die in der Hauptsache aus zwei auf den Achsen
o1 und pi gelagerten Schwingen o und p besteht, welche vermittels zweier Exzenter
q und y in pendelnde Bewegung versetzt werden. Diese wird durch einen Stein
s bzw. t und einen Bolzen u bzw. v auf das Joch h bzw. den Rüttelbacken c
übertragen. Der Antrieb der Exzenter q und r erfolgt durch die gemeinsame
Welle w, auf welcher der letztere zwar längsverschiebbar gelagert, jedoch gegen
Drehung festgelegt ist. Damit der dem Rüttelbacken c zugeordnete Teil der Rütteleinrichtung
den mittels der Stellmuttern i hervorgerufenen Einstellbewegungen des ersteren folgen
kann, ist die Schwinge p im Schlitten x gelagert, der verschiebbar in den Führungen
a2 hängt und zugleich ein Stützlager x1 für den jeweils das Exzenter r tragenden
Teil der Antriebwelle w bildet.
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Eine einfachere Bauart zeigen die in i Abb.5 und 6 dargestellten Ausführungsbeispiele.
Die Klemmbacken cl und c2 hängen in beiden Fällen nicht mehr unmittelbar an den
Gewindespindeln h, sie bedürfen vielmehr eines Verbindungsmittels, das derart ausgebildet
ist, daß die Rüttelbewegung allein auf die Backen cl und c2 beschränkt bleibt. Dieses
Verbindungsmittel besteht in beiden Fällen aus den auf dem Bett a, gegen Querverschiebungen
festgelegten Jochstücken c3 bzw. c4, an welchen die Klemmbacken c, bzw. c_ im einen
Fall vermittels der Rollen y abgestützt und im zweiten Fall vermittels der angelenkten
Schwingen z aufgehängt sind. Derjenige Teil der Rütteleinrichtung, der beim Ausführungsbeispiel
nach Abb. i bis 4 das Joch k bewegt, kommt bei den Ausführungsbeispielen nach Abb.
5 und 6 in Wegfall. Die Klemmbacken c. und c2 können jedoch auch mit den in den
Abb. i und 4 der Zeichnung dargestellten, den Backen c antreibenden oder mit sonst
geeigneten Mitteln angetrieben werden. Die Schwinge p greift beim Ausführungsbeispiel
der Abb. 5 zu diesem Zweck von unten in das hohle Jochstück c... Ihre Schwingungen
werden vermittels des Steines t1 und Zapfens v. auf den im Innern des Jochstückes
c3 auf Rollen y gelagerten .Klemmbacken cl übertragen.
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Das Richten geht in folgender Weise vor sich: Die Entfernung der Klemmbacken
b und c bzw. cl bzw. c2 wird entsprechend der .Länge der Blechtafel l eingestellt
und alsdann die letztere in die Vorrichtung eingespannt. Der Kolben g wird nun unter
Druck gesetzt und letzterer unter Beobachtung eines Manometers so länge gesteigert,
bis die zum Strecken der Blechtafel erforderliche Zugbeanspruchung erreicht ist.
In diesem Augenblick setzt die Rüttelbewegung ein.