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Verfahren zur Imprägnierung lebender Säume. Abgesehen von den Vakuumdruckverfahren
zur Imprägnierung von Holz, welche zur Durchführung vorbehandeltes Holz erfordern,
sind bisher nur wenige Verfahren bekannt geworden, die sich - mit der Imprägnierung
stehender Bäume bzw. frischgefällten (grünen) Holzes befassen.
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Das zur Tränkung stehender Stämme angewandte Boucherieverfahren erfordert,
wie alle Tankverfahren (d. h. Verfahren. die fertige Lösungen von Chemikalien dem
Holz aus einem Tank mittels Schlauchverbindung zuführen), -umständliche Wartung
jedes einzelnen Baumes, andauernde Nachfüllung der langsam in das Holz eingesaugten
Lösungen und ist :infolge durch Witterungsverhältnisse bedingten Zufälligkeiten
kaum wirtschaftlich durchführbar. Als ein Verfahren. zur Einführung von Chemikalien
in stehende Bäume, wenn auch nicht als eigentliches Imprägnierverfahren; ist das
Verfahren von Henne s anzusehen, welches keine Tötung, sondern im Gegenteil eine
Erhöhung oder Beeinflussung der Lebenstätigkeit von Obstbäumen bezweckt. Dementsprechend
ist das Grund-.sätzliche dieses-Verfahrens,-unter allen Umständen eine schnelle
Einführung von konzentrierten Chemikalienlösungen in den Baumorganismus zu vermeiden.
Durch Einschließen von nichtgiftigen Chemikalien in in Bohrlöcher einzuschlagende
Holzpflöcke w ird:eine direkte Einschaltung der Chein:ikalienmasse in die .Saftzirkulation
des- Baumes verhindert und nur eine sozusagen nstreiüge« Imprägnierung des Stammes
erreicht. Der Übertritt der Chemikalie in den :-Saft---eo1L und kann allein durch
reine Osmose nur ganz langsam, gegebenenfalls erst nach mehreren Jahren, erfolgen,
denn ein schneller Über-. tritt der Chemikalie in den Saft würde den. Baum in kurzer
Zeit unfehlbar zum' Absterben bringen.
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Unter den Verfahren zur Konservierung frischen Holzes sind zwei grundsätzlich
sich: kaum unterscheidende ältere amerikanische Verfahren zu erwähnen:- sie arbeiten
in der Weise, daß an den Enden geschnittener Hölzer angebrachte Bohrungen mit hygroskopischen
Chemikalien gefüllt und mit Holzpflocken verschlössen. werden. Die Chemikalien sollen
durch reine Osmose allmählich (nach Angaben der Erfinder in einem Zeitraum von sechs
bis acht Jahren) das ganze Holzstück durchdringen-. Die Einführung nich:hygroskopischer
Chemikalien, zu denen gerade die technisch- wertvollen Konservierungsmittel gehören,
ist -"nach diesen" Verfahren völlig ausgeschlossen.
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Imprägniertes Holz: hat, um technischen Wert zu besitzen und den Anforderungen
der Praxis zu genügen, ziemlich beträchtliche, durch die .ganze Holzmasse gleichmäßig
verteilte Mengen an Chemikalien. pro Volumeneinheit (i cbm) zu enthalten.. Ein wirtschaftliches
Imprägnierungsverfahren für- lebendes Holz muß daher ermöglichen, hochkonzentrierte
Lösungen von Chemikalien in denkbar kürzester Zeit - mit geringstem Ar heitsaufwand
- gleichmäßig:Auxch.die .ganze Holzmasse zu verteilen.
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Gegenstand der vorliegenden Erfinditlig bildet--ein Verfahren, welches
die Schnellimprägnierung
stehender lebender Bäume im sceben definierten
Sinne ermöglicht. Das Grundsätzliche des neuen Verfahrens besteht darii, bleichzeitig
in sämtliche Saftleitunbsbahner. eines Stammes ein Filter einzuschalten, welches,
um seinen Zweck zu erfüllen, felgenden Forderungen genügen muß: i. es darf dem Durchtritt
des aufs;eigenden Saftes keinen Widerstand beten, d. h. @es muß vollkommen porös
sein; 2. es muß jedwede Querströmung von Lösung innerhalb des Filters - infolge
Bildung von Hohlräumen - verhindern, d. h. es muß schwellbar sein.
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Beiden Forderungen wird dadurch Genüge geleistet, daß man die zweckmäßig
zerkleinerten Chemikalien mit gewissen Mengen von Sägespänen mischt; Sägespäne weisen
wie kein anderes Material sowohl eine ausgezeichnete Porosität gegen, als auch ein
sehr beträchtliches Schwellungsvermögen in Wasser auf.
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In der Praxis verfährt man in der Weise, daß man am Fuße des Stammes
zweckmäßig wagerechte und planparallele Einschnitte auf bekannte Weise. mittels
beliebigen Werkzeugen herstellt. Diese Einschnitte sollten bei reinen Splinthölzern
den gesamten Stammquerschnitt (in mehreren Ebenen), bei Kernhölzern zweckmäßig nur
den saftführenden Splint (in einer oder mehreren Ebenen) decken. Die Weite dieser
Einschnitte schwankt zwischen ziemlich weiten Grenzen und richtet sich nach der
Durchschnittsgröße des Baumes und dem Betrag an Chemikalie, der j e Raumeinheit
Holz eingeführt werden soll. Diese Einschnitte werden fest ausgestampft mit der
zweckmäßig angefeuchteten Mischung von Sägespänen mit nichthygroskopischen (d. h.
an feuchter Luft nicht zerfließlichen) Chemikalien- mit holzkonservierenden bzw.
-färbenden Eigenschaften. Das vorliegende Verfahren beschränkt sich auf die Verwendung
nichtzerfließlicher Chemikalien, da. zerfließliche Chemikalien sich infolge ihrer
außerordentlich starken Wasserlöslichkeit bei Berührung mit dem Saft des lebenden
Baumes in dicke ölige Flüssigkeiten verwandeln, die nicht fähig sind, die Zellmembranen
des Holzes zu durchdringen. Die Einachnittsfüllungen (Filterscheiben) werden sorgfältig
unter Verwendung geeigneter Dichtungsmaterialien gegen- die Atmosphäre abgedichtet
und das Ganze sich selbst überlassen. Der gesamte, vors den. Wurzeln aufsteigende
Saft des lebenden Baumes wird auf diese Weise zum Durchtritt durch die Filterscheiben
gezwungen. Während dieses Durchtritts umspült der Saft in vollkommener Weise die
homogen durch die Filtermasse verteilten löslichen Chemikalienteilchen, wobei er
mit einem gewissen, für j--de Mischung charakteristischen Höchstbetrag an Chemikalie
gesättigt wird. In dem Maße, wie sich das Volumen der Filtermasse durch das Herauslösen
der Chemikalien automatisch verringert, nehmen die beigemischten Sägespäne durch
Szhwellung an Volumen zu, Auf diese Weise wird eine Querzirkulation von Flüss.ig'.ceit
innerhalb der Filterscheiben unmöglich gemacht und eine gleichmäßige aufsteigende
Flüssigkeitsbewegung durch die Filterscheiben hindurch gewährleistet. Dies hat zur
Folge. daß der gesamte, aus den Filterscheiben nach oben durchtretende Saft ein
und dieselbe Höchstkonzentration an Chemikalien aufweist, unabhängig davon, in welchem
Teile des Stammes er aufsteigt. Dadurch wieder wird eine gleichmäßige Durchtränkung
des gesamten saftführenden Stammes mit Lösungen gleich hoher Konzentration gesichert.
Dieser Prozeß kommt beim Eintritt von Chemikalien in. die Blätter und das dadurch
verursachte Absterben der Blätter zum Stillstand. Da diese Imprägnierung mit der
Geschwindigkeit des natürlichen Saftaufstieges vor sich geht, dieser aber, wie durch
Messungen erhärtet, recht beträchtlich ist, kann das vorliegende Verfahren mit vollem
Recht als ein Schnellimprägnierverfahren bezeichnet %v erden. Es verbindet Zuverlässigkeit
mit höchster Wirtschaftlichkeit, da es nur verhältnismäßig geringen Arbeitsaufwand
und keine Wartung erfordert, ist, da von Witterungsverhältnissen und Wasserbedingungen
unabhängig, überall dort anwendbar, wo die Lebensbedingungen für einen Baum gegeben
sind, und ergibt ein allen technischen Anforderungen genügendes, konserviertes bzw.
i gefärbtes Holz.