DE42469C - Verfahren zur Herstellung von Oelfarben und Malmittel, welche unter Benutzung event. eines passenden Malgrundes durch Erwärmen gehärtet werden - Google Patents
Verfahren zur Herstellung von Oelfarben und Malmittel, welche unter Benutzung event. eines passenden Malgrundes durch Erwärmen gehärtet werdenInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT
K. C. SCHNITGER in BERLIN.
Das neue Verfahren zur Beschleunigung und Erleichterung der Technik der Oelmalerei besteht:
a) in der Bereitung und Verwendung von härtbaren Oelfarben;
b) in der künstlichen Härtung' dieser Oelfarben nach erfolgtem Auftrage auf die Bildfläche
durch Erwärmung während kurzer Zeit;
c) in der Bereitung eines Malgrundes, welcher bei gewöhnlicher Temperatur für das Bindemittel
der Oelfarben undurchlässig ist, bei höherer Temperatur aber dasselbe einsaugt;
- d) in der Durchlässigmachung des Malgrundes nach erfolgtem Farbenauftrage durch Erwärmung,
und
e) in der Bereitung und Verwendung eines neuen Malmittels, welches durch kurze Erwärmung
härtbar ist.
a) Die härtbaren Oelfarben.
Als Härtungsmaterial für die Oelfarben wird Carnaubawachs, Palmwachs, Schellack oder
eine Mischung dieser Stoffe verwendet.
Die Herstellungsweise der Farben richtet sich danach, ob bei der späteren Härtung die
scharfen Umrisse des Farbenauftrages stehen bleiben oder aber theilweise in einander verschmelzen
sollen.
Im ersteren Falle verfahre man folgendermafsen:
Der Farbkörper wird zunächst unter Zusatz von Schellack mit Carnaubawachs oder Palmwachs
oder mit einer Mischung aus beiden auf das feinste verrieben, darauf zur Beseitigung
etwaiger Feuchtigkeit einige Zeit erwärmt und dann auf ca. 100 bis 1200C. erhitzt, damit
Schmelzung des Wachses und vollständige Durchdringung erfolgt. Nach dem völligen
Erkalten wird das für gewöhnliche Oelfarben übliche Bindemittel zugesetzt und abermals fein
gerieben.
Im zweiten Falle erfolgt die Bereitung dadurch, dafs der Farbkörper zunächst mit dem
bisher üblichen Oelbindemittel gemischt und dann unter Zusatz von Carnaubawachs oder
Palmwachs feingerieben wird.
Das gegenseitige Gewichtsverhältnifs von Farbe und Härtungsmaterial bestimmt sich nach
dem durch die Erwärmung zu erzielenden Härtegrade.
Farben, die hauptsächlich mit dem Pinsel verarbeitet werden, sollen durch die Härtung
die Consistenz von Talg annehmen und erfordern ca. 2 bis 10 Gewichtsprocente von den
aufgeführten Härtungsmaterialien.
Für Farben, die nach der Härtung hauptsächlich mit dem Spachtel verarbeitet werden sollen
(Spachtelfarben), ist ein Zusatz von ca. 10 bis 30 Gewichtsprocenten erforderlich , ohne im
übrigen das Herstellungsverfahren zu ändern.
b) Die künstliche Härtung der Oelfarben.
Die Behandlungsweise der härtbaren Oelfarben ist die folgende:
Der Auftrag auf die Bildfläche erfolgt in gleicher Weise wie mit den bisher gebräuchlichen
Oelfarben; auch halten sich die härtbaren Farben, sich selbst überlassen, auf der
Palette und im Bilde ebenso lange nafs und und weich wie jene, so dafs man ebenso lange
nafs in nafs malen kann.
Der Unterschied gegen die bisherige Maltechnik besteht darin, dafs der nasse Farbenauftrag,
sobald eine Uebermalung erfolgen soll, auf der Bildfläche jederzeit sofort künstlich erhärtet
werden kann.
Zu diesem Zwecke erwärme man denselben einige Secunden bis einige Minuten lang auf
ca. 40 bis 8o° C, am besten mit Hülfe eines Reflectors, und lasse wieder vollständig erkalten.
Hierdurch ist die vorher weiche, nasse Farbe in einen härteren Aggregatzustand übergegangen,
so dafs sie bei leichter Berührung nicht mehr abfärbt und so als Unterlage für eine neue,
rein aufzusetzende Uebermalung dienen kann.
Dieser Härtezustand der Farben ist nicht gleichbedeutend mit dem natürlichen Austrocknen
derselben; letzteres erfordert vielmehr nach der Härtung noch ebenso lange Zeit wie im
ungehärteten Zustande, nämlich je nach der Jahreszeit einen bis einige Tage.
c) Die Bereitung des Malgrundes.
Die Herstellung erfolgt entweder mit oder ohne Benutzung des bereits bekannten einsaugenden
Malgrundes.
Im ersteren Falle verfährt man folgendermafsen:
' Der bekannte einsaugende Malgrund wird mit einem Ueberzuge versehen, welcher bei
gewöhnlicher Temperatur für OeI undurchlässig ist, bei höherer Temperatur aber das Eindringen
des Oeles wieder zuläfst.
Als Material hierzu dient Wachs, hartes Fett, harte Fettsäure, Mineralwachs, Paraffin, Harz
und Gummiharz oder eine Mischung dieser Stoffe.
In welcher Weise dieser Ueberzug auf den einsaugenden Malgrund gebracht wird, ist für
das in Rede stehende Verfahren unwesentlich oder doch nur insofern von Bedeutung, als
sich nicht alle Methoden mit gleicher Leichtigkeit ausführen lassen.
Beispielsweise sei hier eine Methode des Ueberziehens näher beschrieben,' welche sehr
leicht ausführbar ist.
Man löse in der Wärme 1 Gewichtstheil Bienenwachs in 4 bis 6 Gewichtstheilen Terpentinöl
und lasse vollständig zu einer Emulsion erkalten. Mit dieser mache man einen
mäfsig dicken Aufstrich auf einen in der OeI-malerei
bisher üblichen einsaugenden Malgrund und stelle zum Verdunsten des Terpentinöles
bei Seite. Nach einigen Tagen überziehe man die Oberfläche noch mit einem Aufstrich aus
ι Gewichtstheil Elemi-Harz in 4 bis 6 Theilen
Spiritus. Nach dem Trocknen auch dieses Ueberzuges bringe man den Malgrund kurze
Zeit über .Wasserdampf von ioo° C, wodurch der Wachs- und Elemi-Ueberzug in der Oberfläche
des Malgrundes haftend gemacht wird. Nach Verdunstung der anhaftenden Feuchtigkeit
ist der Malgrund zum Gebrauche fertig.
Wenn der neue Malgrund ohne Mitbenutzung eines bereits vorhandenen einsaugenden MaI-grundes
angefertigt werden soll, verfährt man folgendermafsen: .
Man verreibt die bekannte, aus Thon, Kreide, Gyps, Bolus oder Farbstoff und einem
Bindemittel bestehende, zum Grundiren . der Leinwand bisher gebräuchliche magere Grundirmasse
mit ca. 25 pCt. Wachs, Mineralwachs, Paraffin, hartem Fett oder harter Fettsäure,
macht damit einen Aufstrich auf Gewebe, Papier, Pappe oder Holz und erwärmt nach
dem Austrocknen kurze Zeit auf ca. 1200C,
wobei vollständige Durchdringung erfolgt.
d) Die Durchlässigmachung des neuen Malgrundes.
Der Farbenauftrag auf den neuen Malgrund erfolgt in derselben Weise wie bei dem gebräuchlichen,
nicht einsaugenden Malgrunde. Auch bleiben die Farben, sich selbst überlassen, ebenso lange feucht und malrecht wie
dort, so dafs man ebenso lange nafs in nafs malen kann.
Sobald jedoch der Maler eine Uebermalung aufzusetzen oder die Malerei zu erhärten wünscht,
setzt er den neuen Malgrund mit dem Farbenauftrage einige Minuten lang einer höheren
Temperatur von ca. 40 bis 8o° C. aus. Die vorher nicht einsaugende Schicht wird bei
dieser Temperatur einsaugend, so dafs ein Theil des in den Farben enthaltenen Oeles in den
Malgrund dringt, wodurch der Farbenauftrag erhärtet und für die Uebermalung geeignet wird.
Die Erwärmung geschieht am besten mit Hülfe eines Reflectors.
WTenn die durch die Absorbirung von OeI
stumpf gewordenen Farben ihren ursprünglichen Ton wieder erhalten sollen, wird ein
Aufstrich von Retouchirfirnifs in bekannter Weise gemacht.
Die unter b) beschriebene Härtung der Farben wird durch die vorstehend unter d) beschriebene
Behandlung des Malgrundes wesentlich gesteigert.
e) Das neue Malmittel.
Dasselbe dient dazu, um die Farben auf der Palette ein wenig zu verdünnen, wenn sehr
dünn gemalt werden soll.
Die Herstellung erfolgt durch Zusatz von 5 bis 20 pCt. Carnaubawachs oder Palmwachs
zu einem der jetzt schon gebräuchlichen Malmittel.
Claims (5)
1. in der Bereitung und Verwendung von härtbaren Oelfarben, welche bei gewöhnlicher
Temperatur die weiche Consistenz der bekannten gebräuchlichen Oelfarben besitzen,
durch Erwärmung auf ca. 40 bis 800C. aber in der Zeit von einigen Secunden
bis einigen Minuten in einen härteren Zustand übergeführt werden können: a)-durch
Feinreiben des Farbkörpers mit Schellack und Carnaubawachs oder Palmwachs oder einer Mischung dieser Stoffe in der Menge
von ca. 2 bis 30 Gewichtsprocent, längeres Trocknen, Erhitzen auf ca. 100 bis 1200C,
Erkaltenlassen und nochmaliges Feinreiben mit dem für die bekannten Oelfarben üblichen
Bindemittel, b) oder durch Zusatz von ca. 2 bis 30 pCt. Carnaubawachs oder
Palmwachs zu gewöhnlichen Oelfarben und nachheriges Feinreiben;
2. in der künstlichen Härtung der härtbaren Oelfarben durch Erwärmung derselben auf
ca. 40 bis 8q°'C. während einiger Secunden bis einiger Minuten;
3. in der Darstellung und Verwendung von Malgrund oder Unterlagen für Malereizwecke,
welche bei gewöhnlicher Temperatur für das Oelbindemittel der Farben undurchlässig sind, bei Temperatur von
ca. 40 bis 8o° C. aber einen Theil des in den aufgemalten Farben enthaltenen OeI-bindemittels
aufsaugen und dieselben dadurch erhärten: a) durch Anbringung eines Ueberzuges aus Wachs, hartem Fette, harter
Fettsäure, Mineralwachs, Paraffin, Harz, Gummiharz oder einer Mischung dieser Stoffe auf einer der in der Oelmalerei bereits
gebräuchlichen einsaugenden Unterlagen, als mager grundirtem Gewebe, Pannelen, Malpappe, Malpapier; b) durch Verreiben
der zum Gruhdiren der Leinwand bisher gebräuchlichen mageren Grundirmasse mit ca. 25 pCt. Wachs, Mineralwachs,
Paraffin, hartem Fett, harter Fettsäure oder Mischungen dieser Körper, Auftragen auf
Gewebe, Holz, Pappe oder Papier und nachheriges Erwärmen bis ca. 1200 C.; .
4. in der künstlichen Erhärtung der auf dem zu 3. genannten Malgrunde hergestellten
Farbenaufträge durch Erwärmung während einiger Minuten auf ca. 40 bis 8o° C.;
5. in der Darstellung und Verwendung eines ■ durch kurze Erwärmung auf ca. 40 bis
8o° C. härtbaren Malmittels durch Vermischen des bisher in der Oelmalerei' gebräuchlichen
Malmittels mit ca. 5 bis 20 pCt. Carnaubawachs oder Palmwachs und nachheriges Feinreiben.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
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| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
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