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Leitungsanlage zur Entwässerung von Grundstücken. Entwässerungsanlagen
für Wiesen und Felder wurden bisher nach Maßgabe der Nässe des Bodens und entsprechend
der Neigung des zu entwässernden Geländes entworfen. Nach diesen Gesichtspunkten
zog man die Entwässerungsgräben oder verlegte in dem Boden die Abzugsrohre, wobei
man iin allgemeinen eine Reihe paralleler Leitungen in ein Hauptrohr einmünden ließ,
neben dein aber an besonders feuchten Stellen noch weitere Verbindungen zwischen
den Ouerleitungen hergestellt wurden. Je nach der Richtung des stärksten Gefälles
sprach man von Längs-und Querdränage.
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Zum Unterschied von dieser Bekannten Art. eine Entwässerungsanlage
zu entwerfen, soll gemäß der Erfindung zuerst planmäßig der Verlauf der unterirdischen
Wasseradern, z. B. finit Hilfe der Wünschelrute, erkundet un1 hiernach auf Grund
jener Voruntersuchung (las Entwässerungsnetz angelegt werden, wobei . die einzelnen
Wasseradern an der Sohle gefaßt werden sollen und auf dem kürzesten Wege miteinander
zu verbinden bzw. an (las Vorflutgebiet anzuschließen sind. Ein Leitungsnetz, das
nach diesen Gesichtspunkten entworfen ist, wird selbstverständlich in den meisten
Fällen kein solch regelmäßiges Grabensystein ergeben, wie es nach dem heutigen Stande
der Wissenschaft bei der Anlage einer gewöhnlichen Längs- und Ouerdrä :age der Fall
ist. Nach der Erfindung lassen sich vielmehr große Teile des bisher für notwendig
gehaltenen Leitungsnetzes völlig sparen, so daß die Anlage wohlfeiler und schneller
auszuführen ist als es bisher möglich war.
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Um den Unterschied der neuen Leitungsanlage gegenüber dem Bekannten
klar hervortreten zu lassen, ist in der anliegenden Zeichnung außer einem Entwurf
für eine Längs-' und Querdränage bekannter Art in Abb. r auch ein solcher nach den
neuen Gesichts-, punkten in Abb. z wiedergegeben. Beide Ab-Bildungen beziehen sich
auf das gleiche Grundstück.
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Nach Abb. i sind in der-bisher üblichen Weise eine Mehrzahl paralleler
Entwässerungsleitungen a. an die Hauptleitung b angeschlossen. Je nach der Feuchtigkeit
der i einzelnen Stellen können die Leitungen a untereinander durch weitere Zweigleitungen
verbunden sein. Das Leitungsnetz nach Abb. i ist im wesentlichen gemäß der Richtun-
des stärksten Gefälles in dem trockenzulegenden Gelände entworfen.
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Wesentlich anders als bei dem Leitungsnetz nach Ab. i ist der Entwurf
nach Abb. 2 ausgeführt. Den i Entwurf selbst ging eine sorgfältige Vorarbeit voraus,
durch die zunächst der Lauf der unterirdischen Wasseradern mittels der `V ünschelrute
festgestellt i wurde, wobei unter dieser letzteren Bezeichnung jedes Gerät zu verstehen
ist, mit dein man das Vorhandensein unterirdischer Wasserstellen ermitteln kann,
gleichgültig, ob zur Handhabung des letzteren bestimmte psychische Fähigkeiten des
Rutengängers notwendig sind oder ob die Anzeigen des Gerätes ausschließlich auf
physikalischen Erscheinungen beruhen. Da man schon heute mit der Wünschelrute nicht
nur die Lage unterirdischer Wasserstellen, sondern auch bis zu einem gewissen Grade
die Sohlentiefe derselben und die Stärke des Wasserlaufes ermitteln kann, so steht
nichts im Wege, diese Angaben dem Entwurf eines Entwässerungsnetzes zugrunde zu
legen, wobei aber auch die Wasserdurchlässigkeit des Bodens und andere geologische
Tatsachen zu berücksichtien sind. Es empfiehlt sich, die unter-;Z
irdischen
Wasseradern dort anzuschneiden, wo sie sich am leichtesten fassen lassen. Stets
muß man aber bestrebt sein, sie an ihrer Sohle zu fassen, um alles Wasser ableiten
zu können. Vorteilhaft, aber nicht immer notwendig ist es, die Adern nahe an ihrer
Eintrittsstelle in das zu entwässernde Gebiet zu fassen. Sie sollen dann auf der
kürzesten Linie miteinander und mit dem Vorflutgraben verbunden werden. Zu diesem
Zweck sind mitunter dieEntwässerungsleitungen statt ingerader Richtung in einer
Schlangenlinie zu führen, damit sich mehrere Wasseradern mit einer Leitung fassen
lassen. Letztere braucht dein Lauf der Wasseradern jedoch nicht zu folgen, kann
diese vielmehr unter einem .rechten "Winkel schneiden. Im übrigen ist aber zu beachten,
daß die Laufrichtung einer unterirdischen Wasserader nicht immer parallel zu dein
stärksten Gefäll der Erdoberfläche ist; sondern auch entgegengesetzt oder schräg
dazu gerichtet sein kann.
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Die Erfindung baut sich auf die Vorstellung auf, daß das Grundwasser
nicht gleichmäßig über eine größere Fläche verteilt von unten her in ein Geländestück
eintritt, sondern daß es genau so wie das oberirdische Wasser auf bestimmten, scharf
begrenzten Wegen nach Art der Gräben. Flüsse und Ströme das Erdreich durchfließt.
Hierbei kann es sich allerdings über undurchlässigen Schichten anstauen und ein
mehr oder weniger großes Gelände in übermäßigem Maß durchfeuchten. Auf dieser grundlegenden
Erkenntnis ist das oben beschriebene neue Entwässerungssystem aufgebaut. Es ist
ohne weiteres verständlich, daß sich eine wesentliche Ersparnis an Erdarbeit erzielen
läßt, wenn man das in ein Gelände eintretende Wasser restlos an bestimmten Stellen
erfassen und von dort auf dem kürzesten Wege aus dem Gelände herausleiten kann,
statt daß man zu dem gleichen Zweck nach den bisherigen Vorstellungen ein umfangreiches,
gleichmäßig verteiltes Leitungsnetz anlegen muß. Dabei ist zu beachten, daß (las
angestaute Wasser ohne weiteres verschwindet, wenn man das zufließende Wasser an
der Sohle der unterirdischen Adern faßt. Wenn dies an einer Stelle nicht ohne weiteres
gelingt, so wird man die gleiche Wasserader noch an einer zweiten Stelle anschneiden
müssen. Das gleiche wird auch dann notwendig, wenn unterhalb der ersten Leitung
neues Wasser von der abgefangenen Ader in solcher Menge aus einem anderen Einzugsgebiet
aufgenommen wird, daß daraus nachteilige Folgen zu erwarten sind. Die Eigenart der
neuen Entwässerungsanlagen bedingt t#s, (laß :in vielen Fällen, insbesondere bei
der Trockenlegung eines größeren Gebietes, kein endgültiger Entwurf für die Anlage
der Gräben von vornherein fertig ausgearbeitet wer-#len kann, sondern daß man während
der Bauausführung ständig den Erfolg der getroffenen Maßnahmen überwachen und demgemäß
die weiteren Leitungen anordnen muß. Häufig wird der Fall eintreten, daß man das
geplante Leitungsnetz vereinfachen und an Gräben sparen kann. Bei all diesen Entschließungen
darf jedoch der Zweck der Anlage nicht aus dem Auge verloren werden. Flachdränagen.
für landwirtschaftliche "Zwecke, bei denen also die Nachteile einer zu großen Bodennässe
zu beseitigen sind, müssen nach anderen Gesichtspunkten behandelt werden als Anlagen
für Haushalt- und Industriezwecke. Im übrigen darf man in der Ebene ebensolche wirtschaftlichen
Ersparnisse nach dem neuen Entwässerungssystem wie im Gebirge erwarten.
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Diese Ersparnisse werden durch die eigenartige Verwendung der Wünschelrute
bedingt. Während man letztere bisher nur dort benutzte, wo sich das unterirdisch
vorhandene Wasser nicht an der Oberfläche bemerkbar machte, wird sie erfindungsgemäß
auch dort zur Anwendung gebracht, wo sich an der Erdoberfläche aus einem Über fluß
an Wasser Nachteile geltend machen. Daß auch unter solchen Umständen die Wünschelrute
brauchbare Ergebnisse liefert, ist von erheblichem Wert, der in wirtschaftlicher
Hinsicht durch die Erfindung genutzt wird.