-
Verfahren und Vorrichtung zur Herstellung des Belags von Tasten für
Klaviere und ähnliche Instrumente. Die bekannten Auflagen für die Tasten von Klavieren,
Flügeln o. dgl. Instrumente bestehen entweder aus Elfenbein Zelluloid oder einer
ähnlichen Kunstmasse.
-
In beiden Fälle-i sind diese Auflagen aus zwei Teilen zusammengesetzt,
und zwar aus einem größeren Beleg für die Oberseite und einem kleineren für die
Stirnseite, die beide in den meisten Fällen mittels Klebstoff an dem Tasthebel befestigt
werden.
-
Diese Art von Auflagen, gleichgültig ob sie aus Elfenbein, Zelluloid
oder einer anderen Kunstmasse hergestellt sind, besitzen Aden Nachteil, daß der
Belag sich namentlich in der Wärme (wie z. B. in den Tropen) leicht ablöst, zumal
die obere Tastaturfläche etwas nach vorn vorsteht und dadurch der Gefahr des Abhebens
besonders ausgesetzt ist.
-
Gegenstand der Erfindung ist nun ein Verfahren und eine Vorrichtung,
mittels deren die Bekleidung der Tastatur in einfacher Weise so hergestellt werden
kann, daß sie aus einem rechtwinklig gebogenen und an der Knickstelle in Richtung
des längeren Schenkels
auswärts gekröpften Streifen aus Zelluloid
oder ähnlicher Ku:istniasse besteht. Die Herstellung kann dabei zweckmäßig in der
Weise erfolgen, daß ein Zelluloidstreifen mit dein größeren Teil seiner Länge auf
einem Widerlager festgeklemmt und dann der kürzere, über den Rand dieses Widerlagers
hinausragende Teil des Streifens unter Erweichung und Zusammenstauchung bzw. Kröpfung
der Knickstelle in die rechtwinklige Lage gepreßt wird. Im Interesse einer wirtschaftlichen
Herstellung empfiehlt es sich dabei, beim Biege- und Preßvorgang einen Zelluloidstreifen
oder richtiger eine Zelluloidplatte zu verwenden, welcher die Breite inehrerer.Einzeitasten,
und zwar beispielsweise etwa die haibe Breite eines Klaviers besitzt, und diese
Platte nach dein Stauchen und Fertigpressen in den Einzeltasten in entsprechende
Streifen zu zerschneiden.
-
Zur Ausübung des Verfahrens wird zweckmäßig eine @"orrichtung benutzt,
bei welcher einem festen Widerlager gegenüber ein Tiber die Knickstelle hinausragender
Haltestempel zum Festklemmen des längeren Tastaturschenkel, sowie quer dazu ein
mit einer der Kröpfung entsprechenden Aussparung versehener Preßstempel verschiebbar
angeordnet ist, und unterhalb des letzteren eine den kürzeren Belagschenkel abstützende
Platte vorgesehen ist.
-
Auf der Zeichnung ist ein gemäß :der Erfindung ausgebildeter Belag,
sowie das Herstellungsverfahren in Verbindung mit einer dazu geeigneten Vorrichtung
in einem Ausführungsbeispiel veranschaulicht, und zwar zeigt: .Al>ti, z die- Presse
i;n Vorderansicht, Abb. 2 dieselbe in Draufsicht, Abb. 3 ist ein Schnitt nach Linie
A-,4 der Abb. 2, Abb.4 zeigt denselben Schnitt aber mit eingerückten Stempeln, und
Abb.5 den Klaviaturstreifen iin Schnitt. In dem dargestellten Beispiel ist i der
Pressentisch, dessen nur teilweise dargestellte Füße 2 durch eine Distanzschraube
d. seitlich abgestützt sind. Zu beiden Seiten des Tisches z sind senkrechte Führungssäulen
5 und 6 angebracht, die oben durch eine Traverse 7 miteinander verbunden sind. An
diesen Führungssäulen 5 und 6 ist ein Stempel 8 auf- und abbewegbar, und zwar abwärts
vermittels einer mit ihm durch ein Kugelgelenk 9 verbundenen Spindel io, die iii
der Traverse 7 drehbar gelagert ist, %\#:ihrend für die Aufwärtsbewegung ein Paar
Zugfedern i i und 12 vorgesehen sind, die an den seitlichen Enden des Stempel 8
einerseits und an den Enden der Traverse 7 andererseits in Halteösen 13, 14. bzw.
i5, 16 aufgehängt sind. Dieser zum Festklemmen des Werkstückes bestimmte sclilcreclit
verstellbare Stempci 8 arbeitet finit einen festen Widerlager 27 und mit einen zweiten
Stempel 17 zusammen, der senkrecht zur Bewegungsrichtung des ersten Stempels in
seitlichen Schwalbenschwanzführungen i g und i 9 des Tisches i verschiebbar geführt
ist und seine Bewegung von zwei zweiarmigen Haudliebeln 2o und 21 erhält, die uni
den Schaft der Distanzschraube .I schwingbar sind, und durch einen Schraubenbolzen
22 miteinander in Verbindung stehen, andererseits mit ihren gebogenen oberen Enden
23 und 24 in Schlitze 25 und 26 des Stempels 17 greifen. Diesem Stempel gegenüber,.
der als Form- oder Druckstempel dient, ist auf dein Tisch i ein festes Widerlager
27 befestigt, auf welchem das Werkstück 3o mittels des Stempels 8 festgeklemmt wird.
Der Haltestempel 8 ragt etwas über die Knickstelle des Werkstückes3o hinaus und
der Preßstempe117 ist der Knickstelle gegenüber mit einer rillenförmigen Aussparu::ig
.Io versehen. An beiden Stempeln ist außerdem in der Nähe der Knickstelle ein elektrischer
Heizkörper 28 bzw. 29 angeordnet. Zwischen dem wagerecht verschiebbaren Stempel
17 und (lern festen Widerlager 27 ist nun in einem an den Seitenflächen des Tischgestelles
befestigten Lager 31 ein Zapfen .I1 drehbar gelagert, an dessen freiem Ende der
untere Schenkel 42 eines rechtwinklich gebogenen Flacheisens kefestigt ist, so daß
.,seitlich ausgeschwenkt werden kann, während der obere, parallel und in Höhe der
Widerlageroberfläche verlaufende Schenkel 43 als Ansclilagsbegrenzung nach vorne
zu für den auf das Widerlage -27 gelegten Zelluloidstreifen- 33 dient. .
-
Die Arbeitsweise dieser Presse ist nun folgende: Ein Zelluloidstreifen
30, welcher etwa die halbe Breite ,der vollständigen Tastatur eines Klav ieres besitzen
kann, wird auf das Widerlager 27 gelegt, wobei der über den Rand des Widerlagers
27 überstehende Teil des Zelluloidstreifens 3o an dem oberen Hebelschenkel 43 eine
vordere Anschlagsbegrenzung findet. Dann deckt man den auf dem Widerlager liegenden
Teil der Streifen durch eine Zinkplatte 32 ab, deren vorderes Ende etwas über den
Rand des Widerlagers 27 vorsteht. Hierauf wird der Stempel 8, dessen Heizkörper
schon vorher über die Kontaktstifte 35 an eine elektrische Leitung angeschlossen
worden ist, vermittels der Spindel io fest gegen die Oberfläche des Widerlagers
27 gepreßt und dadurch der Zelluloidstreifen festgeklemmt und gegen Verschiebung
gesichert. Der erwärmte Stempel 8 bewirkt hierbei ein Erweichen des Zelluloids,
so daß der frei überstehende Teil des Streifens 30 sich unter (lein Einfluß
seines Eigengewichts, in <ler
Knickstelle durchbiegend, in der
Pfeilrichtung in die strichpunktierte Lage nach unten senkt, wie aus Abb. 3 ersichtlich
ist. Nachdem nun die beiden rechtwinklig gebogenen Anschlagwinkel 42,43 seitwärts
ausgeschwenkt sind, verschiebt man ,den Stempel 17, der ebenfalls vorher durch seinen
elektrischen Heizkörper a9 angewärmt worden ist, mittels der beiden Handhebel 2o
und 21 in Richtung des in Abb. 3 angegebenen Pfeiles und drückt dadurch das freie
Ende des Zelluloidstreifens 30 unter gleichzeitiger Zusammenstauchung mit
der Stirnseite des Stempels fest gegen die Stirnseite des Widerlagers 27. Da durch
den Haltestempel 8 der Klaviaturstreifen bereits vornehmlich in der Nähe der Knickstelle
erwärmt worden ist und andererseits eine weitere Erwärmung an dieser Stelle durch
den Druckstempel 17 stattfindet, so findet die durch den vorhandenen Längenunterschied
bedingte Stauchung hauptsächlich in der Nähe der Knickstelle statt, so daß dabei
die Aussparung .Io des Stempels 17 ausgefüllt wird und die aus den Abb. d. und 5
ersichtliche Kröpfung entsteht. Nach Zurückschieben des Druckstempels und Hochschrauben
des Haltestempels kann der fertig gebogene Klaviaturstreifen zusammen finit der
Zinkplatte 3 2 herausgenommen werden, an der er infolge der Erwärmung vorläufig
noch festklebt, und es kann sofort ein neuesWerkstiick in die Presse eingelegt werden,
welches in gleicher `'eise durch ei,_ie dünne Zinkplatte abgedeckt und dann gepreßt
werden kann. In der "Zwischenzeit löst sich mit dem Erkalten des ersten Werkstücks
dasselbe von seiner Zinkplatte los und letzteres kann von neuem benutzt werden.
In ähnlicher Weise kann erforderlichenfalls auch zwischen dem Druckstempel 17 und
dem Werkstück eine "Zinkplatte eingeschaltet werden.
-
Der auf einer solchen Presse hergestellte Klaviaturstreifen, welcher
der Bauart der Presse gemäß vorteilhaft schon die halbe Breite einer Klaviatur besitzen
kann, wird dann in den einzelnen Tasten entsprechen breite Streifen zerschnitten,
und letztere können nun ohne weiteres als Tastaturbelag für Klaviere, Flügel tt.
dgl. Instrumente verwendet werden.
-
Die Erfindung ist nicht auf das dargestellte Beispiel beschränkt,
vielmehr sind auch andere Ausführungsformen möglich. Beispielsweise könnte der Zelluloidstreifen
auch schon vor dem Auflegen auf das Widerlage 27 von Hand oder maschinell vorgebogen
sein.