DE36784C - Verfahren zur Trennung und Wiedergewinnung thierischer Fasern, welche mit Pflanzenfasern verunreinigt sind, mittelst Fluorwasserstoffsäure - Google Patents
Verfahren zur Trennung und Wiedergewinnung thierischer Fasern, welche mit Pflanzenfasern verunreinigt sind, mittelst FluorwasserstoffsäureInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
KLASSE 29: Gespinnstfasern.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 26. Januar 1886 ab.
Die Trennung der Wolle von den vegetabilischen Stoffen, die derselben beigemischt
sein können, wird bisher in der Praxis theils durch Maschinen, wie bei der Entklettung der
Wolle, theils durch Carbonisation, wie bei der Wiedergewinnung von Seide- und Wollbeimengungen
(bezw. Herstellung von Seide- und Wollextracten), theils durch Anwendung von Salz- oder Schwefelsäure in beiden vorstehenden
Fällen bewerkstelligt.
Die Entklettung oder Wiedergewinnung von Wollfasern durch Carbonisation oder Anwendung
der vorgenannten Säuren greift gewöhnlich die thierische Faser bis zu einem gewissen
Grade an, theils durch die durch die Carbonisation bedingte hohe Temperatur, theils durch
die übrigen zahlreichen chemischen Manipulationen, denen die zu behandelnde Waare
noch unterzogen werden mufs.
In allen Fällen sind aber beide Verfahren nicht geeignet zur Wiedergewinnung der »beigemengten«
Seide bezw. des Seide - Extractes aus Stoffen, in welchen die Seide mit Pflanzenfasern,
wie Baumwolle, Nessel etc., verbunden ist.
Des Erfinders Untersuchungen haben ihn auf ein neues Verfahren gebracht, das ebensogut
auf die Entklettung roher, gewaschener oder gewebter Wolle anwendbar ist, als zur
Wiedergewinnung der Seide und Wolle aus Stoffen oder Lumpen, in welchen diese thierischen
Fasern mit irgend welchen Pflanzenfasern gemischt sind.
Das dabei angewendete Mittel, diese Pflanzenstoffe bezw. Fasern anzugreifen, so dafs sie
nachträglich durch Schlagmaschinen zu Pulver bezw. Staub zerfallen, sei es, dafs es sich um
Entklettung oder um Wiedergewinnung von Seide- und Wollbeimengungen (bezw. Herstellung
von Seide- und Wollextracten) handelt, ist die Fluorwasserstoffsäure entweder in
gasförmigem oder flüssigem Zustande.
Diese sehr wasseranziehende Säure wirkt sehr rasch auf die Pflanzenfasern, indem sie dieselben
carbonisirt, während sie, wenn sie in geeigneter Verdünnung angewendet wird, die
thierischen Fasern in keiner Weise angreift.
Bei Anwendung derselben in gasförmigem Zustande bringt man die vorher stark mit
Wasser durchtränkten Wollen- oder Seiden-(bezw. die diese Stoffe enthaltenden) Gewebe
in Kammern, welche aus einem von der Fluorwasserstoffsäure nicht angreifbaren Material
construirt sind, oder Kammern, die mit Bleiplatten oder sonstigen von der Fluorwasserstoffsäure
nicht angreifbaren Materialien ausgefüttert sind.
Die gasförmige Säure erhält man nach irgend einer der bekannten Herstellungsmethoden,
welche auf der Zersetzung des natürlichen Flufsspathes beruhen, und verwendet insbesondere
den Kryolith, wobei unter Anwendung von Schwefelsäure als Nebenproduct Alaun gebildet
wird, und leitet diese gasförmige Säure in die vorgenannten Kammern. Dieselbe vermischt
sich rasch mit dem Wasser, mit welchem die
zu behandelnden Stoffe getränkt sind, und carbonisirt die Pflanzenfasern, ohne die thierischen
Fasern irgendwie anzugreifen.
Eine Stunde genügt gewöhnlich für diese erste Operation. Die Stoffe werden alsdann
aus den Kammern herausgenommen, reichlich in Wasser ausgewaschen, rasch in einer
Trockenkammer getrocknet und dann einem starken Geschläge unterworfen. Sämmtliche
Pflanzentheile, selbst die härtesten, wie z. B. die den australischen und südamerikanischen Wollen
anhaftenden Kletten, fallen als Staub nieder und man erzielt die reine, von jedem Pflanzenstoff
freie thierische Faser.
Behufs Anwendung der Fluorwasserstoffsäure in flüssigem Zustande werden hölzerne, event,
mit Bleiplatten ausgefütterte Kufen verwendet. Nachdem ein gewisses Quantum Wasser hineingebracht,
zersetzt man darin irgend einen natürlichen Flufsspath, insbesondere Kryolith, durch Zusatz eines genau berechneten und zur
Neutralisirung der betreffenden Basen nöthigen Quantums Schwefelsäure, wodurch dann die
Fluorwasserstoffsäure frei wird, welche sich dann sofort im Wasser auflöst. In das auf
diese Weise hergestellte Bad, dessen Temperatur auf ca. 700C. gehalten wird, taucht man die
zu behandelnden Stoffe. Diese erste Operation dauert gewöhnlich 1 bis 2 Stunden. Darauf
folgt ein starkes Ausschwenken, Auspressen in einer Schleudermaschine, rasches Trocknen in
einer Trockenstube und ein Geschläge, wie vorstehend schon erwähnt.
Bei diesen Operationen ist es nicht nöthig, die Säure zu entfernen, da bei der Flüchtigkeit
der Fluorwasserstoffsäure alle beim Auswaschen etwa davon übrig gebliebenen Spuren
in der Trockenkammer vollständig verschwinden.
Dasselbe Verfahren ist auch auf alle thierischen Fasern, wie Haare und dergl., sobald
dieselben mit Pflanzenfasern vermengt sind, anwendbar.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Verfahren zur Trennung und Wiedergewinnung von thierischen Fasern, welche mit Pflanzenfasern vermischt sind, insbesondere zur Wiedergewinnung von Seide und Wollbeimengungen und zur Entklettung der Wolle durch Behandlung der betreffenden Fasergemenge oder Wolle mit gasförmiger oder wässeriger Fluorwasserstoffsäure.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE36784C true DE36784C (de) |
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| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT36784D Expired - Lifetime DE36784C (de) | Verfahren zur Trennung und Wiedergewinnung thierischer Fasern, welche mit Pflanzenfasern verunreinigt sind, mittelst Fluorwasserstoffsäure |
Country Status (1)
| Country | Link |
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| DE (1) | DE36784C (de) |
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