DE332071C - Verfahren zur Herstellung von Glasfaeden - Google Patents
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Description
DEUTSCHES REICH
AUSGEGEREN
AM 21. JANUAT? 192Ϊ-
REICHSPATENTAMT
PATENTSCHRIFT
- JVr 332071 KLASSE
32 a GRUPPE 24
Carl Muth in Rathenow.
Patentiert im Deutschen Reiche vom 27. März 1919 ab.
Es ist bekannt, daß man einen Glasstab
durch Erhitzen an einem Ende erweichen oder verflüssigen und aus der weichen oder flüssigen
Glasmasse auf verschiedene Art und Weise einen dünnen Faden abziehen kann.
Von diesen an sich bekannten Gesichtspunkten gelien alle bisher bekannt gewordenen
maschinellen Vorrichtungen zur Herstellung von Glasfaden aus; beispielsweise auch das in
to der Patentschrift 216571 im Zusammenhange
mit Fig. 9 beschriebene Verfahren, welches mit dem vorliegenden Verfahren eine gewisse,
aber nur äußerliche Ähnlichkeit aufweist.
Der Erfinder will in einem hohlen Körper aus Porzellan mit zahlreichen senkrechten
Abteilungen mehrere Glasstäbe und mehrere Kohlenstäbe so anordnen, daß in jeder Abteilung
oder Führung ein Stab steckt und daß die unteren Spitzen der Glasstäbe zwischen
den Spitzen je zweier Kohlenstifte stehen, : wobei die Kohlenstäbe auf dem vollen Boden
des Porzellanbehälters aufruhen, die Glasstäbe ] ■ dagegen auf feinen Durchbohrungen dieses
Bodens. Durch die Durchbohrungen oder Aus-Sperrungen sollen von den Glasstäben Glasfäden
abgezogen werden, indem die Spitzen der Glasstäbe durch einen, zwischen den Spitzen der
Kohlenstifte erzeugten Flammbogen zum »Abschmelzen «gebracht werden. Die unteren Enden
der Glasstäbe oder die daraus entstandene Schmelze werden teils durch das eigene Gewicht
der Glasstäbe, teils durch oben aufgesteckte Gewichte gegen oder in die Bodenöffnungen
gedrückt.
Wenn diese Vorrichtung in der beabsichtigton Weise arbeiten sollte, so werden sämtliche
Glas fäden durch die Bodenöffnungei hindurch von geschmolzenen Glasmassen ai
den unteren Bodenöffnungen abgezogen, als< in der allgemein üblichen Weise aus der Schmelzi
gesponnen.
Auch in dem in der Patentschrift i8352f
beschriebenen Verfahren wird gleichzeitig voi mehreren nebeneinander gelegten Glasstäbei
je ein Glasfaden abgezogen.
Andere Verfahren, auf die nicht näher ein gegangen werden soll, bezwecken zum Beispiel
aus einem Glashafen durch Rotieren flüssige: Glas herauszuschleudern und auf diese Weist
in Glasfäden zu verwandeln, oder auch au· flüssigem Glas, das in einer Reihe von Behäl
tern mit je einer Bodenöffnung untergebrachi ist, mit Hilfe von maschinellen Anhaftvorrich
tungen durch die öffnungen Glasfaden heraus
zuziehen.
Obgleich bei diesem Verfahren mehre« Glasfäden gleichzeitig gebildet werden, se
haben sie gemeinsam den Nachteil, daß infolg« der zur Anwendung kommenden, außerordent
lieh hohen Temperatur und des unvermittelter Überganges von einer starken Glasmasse zx
einem dünnen Faden, die Gefahr des Abreißen; der Fäden, beim Abziehen sehr groß ist. Auct
dieses bedeutet wiederum eine Verzögerung der Fabrikation und ein Verlust an Glasmaterial.
Demgegenüber werden durch die vorliegende Erfindung diese Nachteile vermieden oder vermindert.
Das neue Verfahren unterscheidet sich von den bisher bekannt gewordenen Verfuhren
ganz wesentlich dadurch, daß das GIanicht flüssig und unter Tropfenbüdung an den
Behälteröffnungen versponnen, sondern in Gestalt von dünnen GlasstäbcLen hindurchgepreßt
wird, welche gleichzeitig und laufend in bekannter Weise zu je einem Faden ausgesponnen
werden. Dies wird erreicht durch geeignete. Regelung der Erhitzung an den Bodenöffnungen und des Druckes, mit welchem
das hierbei erweichte Glas gegen und durch die Bodenöffnungen gepreßt wird, sowie durch
ίο die Ausbildung der Bodenöffnungen zu Kanälen
von richtig bemessener Länge. Dabei werden aus einem Glasstabe oder einer zusammenhängenden
nicht unterteilten Glasmasse, welche in einem einheitlichen Behälter mit zahlreichen
eng gescharten Boden öffnungen untergebracht wird, gleichzeitig eine große Zahl von Glasfaden
gewonnen. Dies wird durch Anwendung eines wirklichen Preßverfahrens mit Hilfe starken Druckes erreicht. Die Glasmasse wird
mindestens an ihrem unteren Rande von einem Behälter, der mit einer großen Zahl feiner
Düsenkanäle versehen ist, fest umschlossen, durch entsprechende Erhitzung weich gemacht,
und alsdann durch Anwendung von starkem Druck in eine entsprechende Anzahl dünner
Glasstäbe zerteilt; diese haben beispielsweise 1,5 mm Durchmesser.
Um auf diesem Wege zu einer glatten, reibungslosen Fabrikation zu gelangen, müssen
folgende Bedingungen erfüllt werden:
1. Die Erweichung des Glases darf nur bis zu einem solchen Grade erfolgen, daß das Glas
nicht flüssig wird, damit es nicht an den Düsenwandungen anhaftet, noch beim Austritt
aus den Düsenkanälen zusammenfließt. Dementsprechend müssen bei der weiter unten
beschriebenen Ausführungsform 3, bei welcher unmittelbar aus dem Hafen mit flüssigem Glas
gearbeitet wird, die Steigerohre des aufliegenden Kolbens so lang gewählt werden, daß die
Glasmasse bis zu dem oben beschriebenen Grade abgekühlt ist, wenn sie in die metallenen
Düsenkanäle eintritt.
2. Die' Düsen müssen aus einem Material
bestehen, das einerseits dem erforderlichen starken Druck Widerstand leistet und andererseits
genügend lange Zeit die benötigte Temperatur aushält. Den Beanspruchungen, wie sie an die Siebdüse gestellt werden, genügt
jeder Werkstoff, dessen Schmelzpunkt üher 900° liegt und der beim Erhitzen möglichst
wenig zundert. Solche Metalle sind z. B. Platin, Iridium, Reinnickel, Chromnickelstahl und
ähnliche Legierungen. Außerdem dürften auch Porzellan und Schamotte, in geeigneter Weise
angebracht, zweckdienlich sein.
3. Die Düsenkanäle müssen von hinreichender Länge sein, so daß die herausgepreßte
Glasmasse die Düse in geraden, parallel zueinander laufenden dünnen Glasstäben verläßt.
4. Die Durchmesser der in einer Düse befindlichen Kanäle müssen verschieden groß
gewählt und so untereinander abgestuft sein, daß trotz des nach der Mitte der Düse zunehmenden
Druckes und der zunehmenden Temperatur das Heraustreten der dünnen Glasstäbe aus der Düse mit gleichmäßiger
Geschwindigkeit erfolgt. Hierbei ist zu be-,
achten, daß bei gleichem Druck die Geschwindigkeit der Glasstaberzeugung mit der Verminderung
des Querschnittes der Düsenkanäle , abnimmt.
5. Endlich muß die Erhitzung der Düse, der zur Anwendung kommende Druck und
die Geschwindigkeit des Abziehens der Glasfäden untereinander derartig abgestimmt sein,
daß die Spinnstelle, also die Enden der Glasstäbchen die richtige Temperatur und Weichheit
behalten, um einerseits die Erzeugung : möglichst feiner Glasstäbe zu gewährleisten
und andererseits das Abreißen der Glasfaden • nach Möglichkeit zu verhindern.
Der Hauptfortschritt der vorliegenden Erfindung gegenüber allen bisher bekannt gewordenen
Verfahren besteht darin, daß es bei Anwendung des oben beschriebenen Verfahrens und bei genauer Erfüllung der angegebenen
Bedingungen möglich ist, eine bestimmt abgemessene Glasmasse in eine große Anzahl
feiner Glasstäbchen zu zerteilen, aus welchen Glasstäbchen alsdann die Glasfaden gewonnen
werden. Während nach den bisherigen Verfahren, bei welchen aus einer bestimmt abgemessenen
Glasmasse immer nur je ein Faden gewonnen wird, beispielsweise zur Ausspinnung eines Glasstabes von im Länge und etwa 9 mm.
Durchmesser reichlich 3 Arbeitsstunden benötigt werden, erfolgt die Verarbeitung eines
solchen Glasstabes nach dem neuen Preßverfahren in etwa 10 bis 15 Minuten. Dabei wird xoo
es obendrein aus noch anderen zu besprechenden Gründen für eine Arbeitskraft leichter
sein, die gleich große Anzahl von Stäben zu bedienen "wie bei den alten Methoden. Die
ungleich schnellere Verarbeitung bedeutet aber eine ganz wesentliche Verbilligung der Produktion.
Ferner wird die Qualität der Glasfaden, die in hohem Grade von deren Feinheit abhängig ist, dadurch verbessert, daß aus den
vorerzeugten dünnen Glasstäben sich naturgemäß ein feineres Gespinst gewinnen läßt,
als dies aus einem stärkeren Glasstabe oder direkt aus dem flüssigen Glase möglich ist.
Denn während bei den Methoden, bei welchen das Gespinst nur durch Abziehen aus der
Glasmasse gewonnen wird, mit der Geschwindigkeit des Aufhaspeins, von welcher ja die
Feinheit der Fäden abhängig ist, die Gefahr des Abreißens sehr groß wird, ist nach dem
vorliegenden Verfahren dieser erhebliche Übelstand bedeutend vermindert. Denn infolge
des zur Anwendung kommenden Preßverfah-
rens folgt die Glasmasse schnell und gleichmäßig mit bereits stark vermindertem Durchmesser
nach, .wodurch die Zugbeanspruchung der Glasfaden vermindert und besser geregelt
wird, und wodurch andererseits die Reduzierung der vorerzeugten dünnen Glasstäbchen
zu Glasfaden in gleichmäßigerer Weise vor
sich geht, als dies bei den früheren Verfahren zu erreichen ist.
to Die beiliegenden drei Figuren kennzeichnen drei Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung.
1. Ausführungsform.
Ein homogener Glasstab α (Fig. 1) wird mit
seinem unteren Ende in eine Düse /; aus geeignetem Material eingeführt. Die Düse, die
an ihrem unteren Ende feine öffnungen c hat, deren Längen und Durchmesser bestimmt bemessen
sind, wird durch eine Stichflamme d
.-£■■ auf .eine solche Temperatur gebracht, daß der
Glasstab erweicht. Vermittels sehr starken Druckes, beispielsweise durch ein Gewicht e,
wird der am unteren Ende weichgewordene Glasstab durch die Öffnungen c gepreßt und
in eine entsprechende Anzahl feiner Glasstäbe f zerlegt. Das Ausziehen der vor erzeugten dünnen
Glasstäbchen zu Glasfäden erfolgt durch Aufhaspeln der Glasfaden nach bekannter
Methode.
2. Ausführungsform.
In einem Behälter α (Fig. 2), der an seinem
unteren Ende eine Düse b mit feinen Öffnungen c hat, deren Längen und Durchmesser
bestimmt bemessen sind, bringt man gemahlenes Glas vermengt mit einem geeigneten
Flußmittel (z. B. Kalisalpeter). Die Düse δ
wird durch eine Stichflamme d auf eine solche Temperatur gebracht, daß das darin befindliche
Glasgemenge erweicht wird. Durch starken Druck, beispielsweise durch Preßluft e, wird die
weich gewordene Glasmasse durch die Düsenöffnungen c gepreßt und in eine entsprechende
Anzahl feiner Glasstäbe f zerlegt. Das Ausziehen der vorerzeugten dünnen Glasstäbchen
zu Glasfaden erfolgt durch Aufhaspeln der Glasfaden nach bekannter Methode.
3. Ausführungsform.
Ein Glashafen α (Fig. 3), in dem flüssiges
Glas erzeugt wird, wird durch einen Schwimmer in Kastenform b, an dessen Boden eine
Anzahl Düsen c angebracht sind, verschlossen. Durch geeigneten Druck d des Schwimmers δ
wird die Glasmasse durch die Öffnungen der Düsen c herausgepreßt und in dünne Glasstäbchen
zerlegt. Das Ausziehen der vorerzeugten dünnen Glasstäbchen zu Glasfaden
erfolgt durch Aufhaspeln der Glasfäden nach bekannter Methode. Um zu verhüten,
daß die flüssige Glasmasse zwischen den Wandungen des Hafens und des Schwimmers infolge
des Diuckes herausquillt, sind die Düsen unterhalb des oberen Schwimmerrandes angebracht.
Nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren muß demnach die Glasmasse eher aus den Düsen quillen, als sie über den Rand des
Glashafens treten kann.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Verfahren zur Herstellung von Glasfaden, bei welchem das Glas aus mehreren öffnungen eines Behälters unter Druck austritt .und an jeder öffnung gleichzeitig und laufend zu einem Glasfaden ausgesponnen wird, dadurch gekennzeichnet," daß die in einem nicht unterteilten Behälter untergebrachte Glasmasse durch geeignete Regelung ihrer Temperatur und des zum Aus-1 ·* pressen angewendeten Druckes sowie durch die Ausbildung der vorzugsweise eng gescharten Behälteröffnungen zu Kanälen von bemessener Länge in Gestalt einer entsprechenden Zahl von Glasstäbchen ausgepreßt wird, welche gleichzeitig und laufend zu je einem Faden ausgesponnen werden.Hierzu 1 Blatt Zeichnungen.
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