-
Einrichtung zur Bestimmung der Gewichtsverhältnisse, in welchen Farben
gemischt werden müssen. Bekanntlich kann man sich jeden Farbton durch Mischung ,der
drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau entstanden denken. Das zahlenmäßige Verhältnis
der Grundfarben in der Mischung ist bisher nur durch umständliche Vorrichtungen
zu ermitteln. Bei den vielfältigen Anwendungen der Anilin- und Erdfarbstoffe muß
man sich zur Beurteilung der Farbentöne und Unterschiede bisher auf das Augenmaß
der Arbeitskräfte verlassen, das beispielsweise erfahrene Färber in der Textilindustrie
auch wirklich besitzen. Für die Industrie genügt aber nicht allein die Kenntnis;
aus wieviel Teilen jeder der drei Grundfarben ein herzustellender Farbton, die »Vorlage«
besteht. Die vom Färber hergestellte, Färbung wird nämlich nicht schon beim
ersten Entwurf genau die »Vorlage« erreichen, sondern noch einer Verbesserung, eines
- »Nachsatzes« bedürfen. In welchem Verhältnis die Grundfarben in dem »Nachsatz«
vorhanden sein sollen, ist die zweite sehr wichtige Frage, deren Lösung dadurch
erschwert wird, daß in der Industrie nicht mit den Grundfarben Rot, Gelb, Blau,
sondern aus wirtschaftlichen und technischen Gründen mit Farbstoffen gearbeitet
wird, die bereits gemischte Töne sind. Überdies fehlt bisher jede Grundlage für
eine genaue und sachgemäße Bezeichnung der Mischfarbentöne, so daß .man einen Ton
nicht, wie in der Musik, durch Worte oder Ziffern, eindeutig bezeichnen kann, sondern
ihn darstellen muß.
-
Die Erfindung bildet nun eine Vorrichtung zur Feststellung von Farbenunterschieden,
mittels der alle in der Färberei zu lösenden Fragen sicher und rasch, und nicht,
wie bisher, durch langwierige Versuche gelöst werden können. Die Lösung erfordert
nicht mehr langjährige praktische Erfahrung, sondern ist auch dem Ungeübten mit
Benutzung der Vorrichtung ohne weiteres möglich. Fig. _, 2 und 3 dienen zur Erläuterung
der Vorrichtung, die in Fig. ¢ dem Wesen nach veranschaulicht ist.
-
Fig. 5 stellt eine Blende dar, welche eine bequemere Benutzung der
Vorrichtung ermöglicht, und Fig. 6 dient zur Erläuterung der Benutzung der Vorrichtung
bei Lösung einer Aufgabe der Färbereitechnik.
-
Nach der Erfindung wird ein Farbendreieck benutzt, dessen Theorie
teilweise schon aus Ilübls Dreifarbenphotographie bekannt ist, das aber zum Zwecke
der erstmaligen Verwertung in der Färbereiindustrie durch parallele Farbenfelderreihen
dargestellt ist: Ein Farbendreieck entsteht auf folgende Art Auf der Linie G-B in
Fig. r seien im Punkt G ein gelber, im Punkt B ein blauer Farbpunkt vorhanden; zwischen
diesen in allmählichem
Übergang die Zwischentöne, so daß beispielsweise
im Punkt C, der von G viermal so weit entfernt ist wie vom Punkt B, ein Farbton
herrscht, der -1/; Gewichtsteile Gelb und Gewichtsteil Blau enthält. Eine solche
Farbenreihe nach Art eines Regenbogens herzustellen. ist technisch schwierig, es
genügt für die Bedürfnisse der Technik vollständig, eine bestimmte Anzahl von Zwischentönen
auszuführen, deren Zahl um so größer sein muß, je mehr Genauigkeit verlangt wird.
Für Zwecke der Färberei in der Textilindustrie genügen neun der Reihe nach abgestufte
Zwischentöne (Fig. 2).. Im Punkt i vos links gerechnet, ist demnach ein Farbton
aus 9 Gewichtsteilen Gelb und i Gewichtsteil Blau, im Punkt 2 ein Farbton aus 8
Gewichtsteilen Gelb und 2 Gewichtsteilen Blau, im Punkt 3 ein Farbton aus 7 Gewichtsteilen
Gelb und 3 Gewichtsteilen Blau vorhanden usf. ; ein Farbton im Punkt 9, der aus
i Gewichtsteil Gelb und -9 Gewichtsteilen Blau besteht, worauf am Ende der Linie
(dem Punkt io entsprechend) der Farbpunkt B folgt, der nur Blau enthält.
-
Würde man mehr, etwa qo Zwischentöne, herstellen, dann würde das Auge
zwei aufeinanderfolgende Töne der abgestuften Tonreihe nicht mehr unterscheiden
können.
-
Man kann nun die Farben Gelb und Blau mit der dritten Grundfarbe Rot
kombinieren, indem man die Farbpunkte der Linie G-B mit dem außerhalb angeordneten
Farbpunkt R verbindet (Fig.3). Diese Verbindungsgerade als Farbenmischungslinien
aufgefaßt, führen zum Begriff des Farbendreiecks. Jede Seite des Farbdreiecks ist
so wie die Seite G-B hergestellt. Die Seite G-R zeigt also im Punkt G einen gelben,
im Punkt R einen roten Farbton und dazwischen neun Farbpunkte der Zwischentöne aus
x Gewichtsteil Rot und 9 Gewichtsteilen Gelb, aus 2 Gewichtsteilen Rot und 8 Gewichtsteilen
Gelb usw. (Fig. q,). Die Seite R-B zeigt im Punkt R einen roten, im Punkt B einen
blauen Farbton und dazwischen neun Farbpunkte der Zwischentöne aus i Gewichtsteil
Blau und g "Gewichtsteilen Rot, aus 2 Gewichtsteilen Blau und 8 Gewichtsteilen Rot
usw. Der Höhe nach besitzt das Dreieck neun parallele Reihen von Farbenfeldern,
die. weitere Zwischentöne enthalten. Die zweite Reihe von der Grundlinie aufwärts
bildet die Verbindungsgerade der Farbtöne, die aus i Gewichtsteil Rot, 9 Gewichtsteilen
Gelb und i Gewichtsteil Rot und 9 Gewichtsteilen Blau bestehen. Der Gehalt von Rot
bleibt in den Übergangstönen der Reihe unverändert, der Gehalt an Gelb und'Blau
wechselt ebenso wie in der untersten Farbtonreihe, nur sind acht Übergangstöne vorhanden.
In gleicher Weise sind die weiteren Farbfelderreihen entstanden; die folgende Reihe
hat Farbtöne mit durchweg 2 Gewichtsteilen Rot; Blau und Gelb ändern sich; die Zahl
der Zwischentöne beträgt sieben. Die folgende Reihe hat Farbtöne mit durchweg 3
Gewichtsteilen Rot; Gelb und Blau ändern sich in den sechs Zwischentönen usw., die
vorletzte Reihe besteht nur aus zwei Farbfeldern mit 9 Gewichtteilen Rot und bei
einem Feld mit i Gewichtsteil Gelb und bei dem andern mit i Gewichtsteil Blau. Auch
das Farbendreieck wird also nicht nach Art eines Regenbogens, sondern aus parallelen
Reihen von Farbenfeldern hergestellt (Fig. q.). Jedes Farbenfeld ist durch einen
Kreis in der Zeichnung veranschaulicht (Fig. q.), in dem das Verhältnis der drei
Grundfarben durch die den Buchstaben G, R, B vorangestellten Zahlen ausgedrückt
ist. Überdies sind die Farbenfelder von der Spitze beginnend fortlaufend mit Zahlen
bezeichnet; das Feld an der Spitze mit i, die Felder der folgenden Reihe mit 2 und
3, die Felder der nächsten Reihe mit q., 5 und 6 usw. Das Feld 25 beispielsweise,
das reit 4, R, 3 G, 3 B bezeichnet ist, bildet ein Farbton, der aus q: Gewichtsteilen
Rot, 3 Gewichtsteilen Gelb und 3 Gewichtsteilen Blau besteht; das Feld 44 (2 R,
i G, 7 B) bildet ein Farbton aus 2 Gewichtsteilen Rot, i Gewichtsteil Gelb und 7
Gewichtsteilen Blau.
-
Allerdings weist auch Ostwalds »Farbenfibel« Dreiecke mit parallelen
Farbenfelderreihen auf, doch besteht je eine Ecke der Dreiecke aus Schwarz und Weiß,
so daß jede Anwendungsmöglichkeit nach der vorliegenden Erfindung ausgeschlossen
ist.
-
Das nach der Erfindung hergestellte Farbendreieck gestattet aber die
Lösung fast aller die Farbenmischungen in der Färbereitechnik betreffenden Fragen.
Es weisen zwar alle Töne der Tafel die gleiche Stärke auf, und ein Vergleich der
Intensität zweier Töne mit dieser Tafel ist demnach nicht durchführbar, doch ist
eine solche Beurteilung auch dem weniger Geübten möglich und kann erforderlichenfalls
durch Anfertigen mehrerer Tafeln mit Farbenfeldern verschiedener Intensität erleichtert
werden. Jede Farbtafel kann mit verschiedener Anzahl Felder hergestellt werden;
die Wahl der Anzahl müß die Erfahrung ergeben, ebenso, ob das menschliche Auge wirklich
zwischen Rot und Blau ebenso viele deutlich wahrnehmbare Zwischentöne empfindet,
wie zwischen Gelb und Blau. Das Dreieck muß nicht gleichseitig sein. Die Farbtafel
ermöglicht vor allem eine einfache Benennung der Farbtöne.
-
Hat man sich einmal über die Anzahl der zwischen zwei Grundfarben
liegenden Übergangs- oder Zwischentöne geeinigt, dann kann man jeden Zwischenton,
wie in der Zeichnung, mit einer Zahl oder mit einem Namen bezeichnen und jederzeit
aus dem bekannten entsprechenden Mischungsverhältnis der Grundfarben den gleichen
Ton herstellen. Die Farbtafel
ermöglicht die Beurteilung geringer
Unterschiede im Farbton. Infolge der Beschaffenheit des Farbendreieckes entspricht
jeder Bewegung in dem Dreieck eine Änderung des Farbtones. Bewegt man sich beispielsweise
von Feld 25 (4 R, 3 G, 3 B) aufwärts nach dem Feld 13 (6 R, 2 G, 2 B), so hat bei
Abnahme der Menge, aber gleichbleibendem Verhältnis von Gelb und Blau, Rot zugenommen.
Begibt man sich aber vom Feld 31(3 R, 5 G, 2 B) aufwärts nach dem Feldi7
(5 R, 4 G, i B), dann findet man den Unterschied leicht, indem die Verbindungslinie
der Felder 31, 17 bis zur Dreieckseite fortgesetzt wird, wo das Feld 7 (7 R, 3 G)
liegt, welches das Mischungsverhältnis der Grundfarben für den Nachsatz angibt,
den man zur Farbe des Feldes 31 zusetzen muß, um die Farbe des Feldes 17 zu erhalten.
Jede Dreieckseite ist vom Feldmittelpunkt zu Feldmittelpunkt für genauere Unterschiede
in zehn gleiche Teile geteilt, wodurch eine hundertteilige Skala erhalten wird.
-
Hat der Färbermeister beispielsweise den Auftrag, den Farbenton des
Feldes 17 herzustellen, beim ersten Versuch aber den Farbenton des Feldes 31 erhalten,
dann verbindet er zur Ermittlung der Zusammensetzung des Nachsatzes die Felder 31
und 17, verlängert die Verbindungslinie bis zur Dreieckseite ,wo er im Feld 7 (7
R, 3 G) das Verhältnis der Grundfarben 7 Gewichtsteile Rot, 3 Gewichtsteile Gelb
findet. Erleichtert wird dieser Vorgang bei Benutzung von Blenden, die gestatten,
zwei Farbenfelder allein zu beobachten und die übrigen Farbenfelder zu verdecken;
-sie lassen die Verlängerung ihrer Verbindungslinie frei (Fig. 5) ; für verschieden
entfernte Felder sind verschiedene Blenden erforderlich. Die Farbtafel kann auch
dazu benutzt werden, den sich aus einer Mischung von zwei gleich starken Farben,
beispielsweise der Farben der Felder 54, 16, ergebenden Farbton vorauszusagen. Es
wird die -Stelle in der Mitte der Verbindungslinie der Felder 34-16, d. i. Feld
33 gesucht. Der Halbierungspunkt könnte auch zwischen zwei oder drei benachbarten
Feldern liegen, in welchem Fall ihm ein Übergangston entsprechen würde.
-
Bei Mischung zweier Töne verschiedener Stärke, beispielsweise des
Tones 54, der dreimal stärker als der- Ton 16 sei, wird in folgender Weise vorgegangen:
Die Verbindungslinie der Tonfelder wird im umgekehrten Verhältnis zur Stärke geteilt;
also in vier Teile, wobei der dem Feld 54 zunächst gelegene, Punkt maßgebend
ist. Die Mischung dreier Bleichstarker Töne erfolgt, indem der Schwerpunkt des betreffenden
Dreieckes gesucht wird. Zur Mischung dreier Töne in verschiedener Menge wird zunächst
der Mischton zweier von ihnen gesucht und der auf diese Art gefundene Ton mit dem
dritten gegebenen kombiniert. Um einen bestimmten Ton, beispielsweise den Farbton
des Feldes 4o mit Benutzung dreier Farben herzustellen (beispielsweise der der Felder
11, 62, q8), wird in folgender Weise vorgegangen (Fig.6). Möglich ist die Lösung
nur, wenn sich Feld 4o innerhalb des Dreieckes der Felder 11, 48, 62 befindet. Im
Schnittpunkt der Verbindungslinie der Felder 4o-62 und der Verbindungslinie der
Felder i=-48 wird Punkt Z bestimmt, woraus sich das Verhältnis von ii und 48 ergibt;
ebenso zeigt die Lage des Feldes 4o das Verhältnis von Feld 62 und Z an, der aus
den Farben der Felder ii und 48 im bekannten Verhältnis gemischt ist.
-
Um zu einer bekannten Farbe die Komplementärfarbe zu suchen, muß zuerst
' der Schwarzpunkt S des Farbendruckes gefunden werden. Dieser weist die drei Grundfarben
in gleicher Stärke, also je 31/,, auf und liegt auf der Zeichnung zwischen 25, 32
und 33. Jetzt ist es bloß erforderlich, wenn i die Farbe ist, zu der die Komplementärfarbe
gesucht wird, i mit.S zu verbinden und die Strecke i bis S um die Hälfte ihrer Länge
zu verlängern. Man kommt so zu 61. i und 61 müssen sich daher zu schwarz ergänzen.
-
Um zu einem Farbton, z. B. 3, die beiden Dreiklänge zu finden (das
sind die harmonischen Farben, die mit ihm Schwarz ergeben), ist es nur notwendig,
um den Schwarzpunkt S des Farbendreieckes mit der Verbindungsstrecke zwischen Schwarzpunkt
und Mittelpunkt des Farbenfeldes 3 zwei aufeinanderfolgende Drehungen um je i2o°
auszuführen. Durch die erste Drehung um ißo ° gelangt man zum Farbenton 65 und durch
eine weitere Drehung um i2o ° -zum Farbenton 46. Die Farbentöne 65 und 46 mit dem
Farbenton 3 ergeben einen schwarzen Farbenton.