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Grenzrachenlehre. Im allgemeinen Maschinenbau gibt sich mehr und mehr
das Bestreben nach Einführung des Toleranzlehrensystems zu erkennen. Die bisher
bekannt gewordenen Grenzrachenlehren zerfallen in zwei streng voneinander zu unterscheidende
Arten.- Bei der einen Art sind die verschiedenen Meßstellen auf zwei oder mehr Seiten
eines festen oder zusammengesetzten Kernstückes verteilt. Bei der anderen Art liegen
dagegen die der Toleranz entsprechenden beiden Meßstellen auf ein und derselben
Seite dieses Kernstückes. Die Lehren der zweiten Art werden wegen ihres geringeren
Gewichts und infolge der Vermeidung des das Tastgefühl schädlich beeinflussenden
einseitigen Übergewichts den Lehren der ersterwähnten Art vorgezogen.
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Unter den einseitigen Grenzrachenlehren gibt es nun solche, bei denen
die beiden Meßstellen zwischen drei Meßschenkeln nebeneinander liegen, und solche,
bei denen die Meßstellen bei Anwendung von nur zwei Meßschenkeln zwischen diesen
hintereinander angeordnet sind. Die einseitigen, mit nebeneinander liegenden Meßstellen
versehenen Lehren weisen den einseitig zweischenkligen gegenüber wieder den Nachteil
des Übergewichts und der dadurch verursachten schädlichen Beeinflussung des Tastgefühls
auf, auch ist die Handhabung wegen des Umsetzens der Meßstellen beim Messen weniger
bequem und z. B. beim Nachmessen von Massengegenständen auch ganz bedeutend zeitraubender.
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Die Erfindung betrifft. nun die allgemein als am vorteilhaftesten
befundenen, mit zwei hintereinander gelegenen Meßstellen versehenen einseitig zweischenkligen
Grenzrachenlehren. Unter den Lehren dieser letztgenannten Art sind nun auch bereits
solche bekannt geworden, die für verschiedene Maße verstellt werden können. Diese
verstellbaren Lehren weisen jedoch den Nachteil auf, daß die Herstellung derselben
infolge der Anwendung verschraub- und verschiebbarer, nach der Bearbeitung zu härtender
Stellorgane und aufgeschliffener Gleitflächen besonders schwierig und kostspielig
ist. Ein weiterer Übelstand ergibt sich aus dem Umstande, daß bei derartigen Lehren
die Gleitflächen der verstellbaren Meßschenkel senkrecht zu den Meßflächen gerichtet
sein müssen, so daß durch das selbst bei kleinstem Spielraum der Gleitflächen infolge
Anziehens der Feststellorgane verursachte Ecken der aneinander gleitenden Teile
die Parallelität der einander zugekehrten Meßflächen leicht aufgehoben wird. Ferner
wird es nur sehr schwer möglich sein, den nach erfolgter Abnutzung der Meßflächen
erforderlichen Nachschliff so auszuführen, daß genaue Parallelität der einander
zugekehrten Meßflächen erzielt -wird. Die genaueste Parallelität der Meßflächen
ist aber Grundbedingung fürdie Brauchbarkeit der Toleranzlehren überhaupt.
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Von diesen bekannten verstellbaren Lehren unterscheidet sich die den
Erfindungsgegenstand bildende einseitig zweischenklige Grenzrachenlehre mit zwei
hintereinander angeordneten Meßstellen dadurch, daß sie nach dem an sich bekannten
Zusammensetzungsprinzip eingerichtet ist, das bisher nur bei den mit je zwei Meßschenkelenden
nur eine einzige Meßstelle abgrenzenden Lehren zur Anwendung gelangte.
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Bei den nach dem Zusammensetzungsprinzip eingerichteten Lehren können
mit den Meßschenkeln
verschiedene, in ihrer Höhe genau den Grundmaßen
entsprechende Meßklötze verbunden «erden.
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Gemäß der Erfindung sollen nun mit den auswechselbaren Meßklötzen
zwei eigenartig gestaltete Meßschenkel derart verbunden werden, daß die beiden Meßstellen
hintereinander vor dem einen Ende des Meßklotzes liegen. Die eigenartiga Gestaltung
der Meßschenkel in dieser Verbindung mit dem Meßklotz führt zu besonderen gewerblichere
Vorteilen-Auf der Zeichnung ist der Erfnidungsgegenstand in zwei verschiedenen Ausführungsbeispielen
dargestellt. - - -Fig. Z, 2 und 3 veranschaulichen die eine Ausführungsform in Vorder-,
Seiten- und Oberansieht.
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Die Fig. 4., 5 und 6stellen gleiche Ansichten der zweiten Ausführungsform
dar.
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Wie die Zeichnung erkennen läßt, ist die neue Rachenlehre aus den
beiden Meßschenkeln a und b und dem Meßklotz c zusammengesetzt. Die Meßschenkel
haben zweckmäßig U-förmigen Querschnitt erhalten, um sie bei bedeutender Widerstandsfähigkeit
gegen Verbiegen möglichst leicht zu machen, da geringes Gewicht für den Gebrauch
solcher Lehren von wesentlicher Bedeutung ist. Aus dem gleichen Grunde hat der Meßklotz
c T-förmigen Querschnitt erhalten und ist derselbe außerdem noch mit Aussparengen
versehen worden. Der Meßklotz c ist mit den beiden Meßschenkeln a, b durch Schrauben
d verbunden, deren Köpfe bei dem ersten Ausführungsbeispiel zwischen den Seitenrändern
der U-förmigen Meßschenkel vollständige Aufnahme finden, so daß sie nach außen nicht
hervorstehen, während bei dem zweiten Ausführungsbeispiel die Meßschenkel in der
Längsrichtung außen je einen Mittelsteg erhalten haben, der auf einen Teil seiner
Länge zwecks Aufnahme der Schraubenköpfe in Versenkungen entsprechend verbreitert
ist.
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Die vom Meßklotz c aus hervorragenden Enden der Meßschenkel a, b begrenzen
nun die beiden hintereinander gelegenen Meßstellen. Dort, wo die hintere engere
Meßstelle an die .vordere weitere Meßstelle anschließt, ist jeder der Meßschenkel
mit einer Quernut versehen, die ein unwillkürliches Einzwängen des zu prüfenden
bzw. zu messenden Gegenstandes in die Verengerung an der Übergangsstelle verhindern
sollen.
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Von besonderer Bedeutung für das `Fesen der Erfindung ist nun die
eigenartige Gestaltung der beiden Meßschenkel. Diese Eigenartigkeit besteht darin,
daß der eine Meßschenkel über seine ganze Länge an der für die Abmessungen und für
die Verbindung mit dem Meßklotz in Betracht kommenden Fläche plangeschliffen ist,
während der andere bei gleichem Planschliff des hinteren Teils nur an dem vor der
Quernut befindlichen Ende um den Unterschied der hintereinander liegenden Meßstellen
abgesetzt ist.
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Neben dem Vorteil, zur Herstellung derartiger Meßschenkel das überall
erhältliche und bequem zu bearbeitende Stangenmaterial benutzen zu können, ergeben
sich aus der Anordnung der beschriebenen Meßschenkel noch besondere, für die gewerbliche
Verwertbarkeit - hochwichtige Vorteile. In erster Linie wird durch diese Anordnung
die für die Normenschaffung wichtige rationelle Reihenherstellung ermöglicht. Die
Herstellung genauer Meßklötzchen bietet keinerlei Schwierigkeiten mehr und kann
erfolgen, ohne große Werte auf Läger festlegen zu müssen. Der eine vollkommen plangeschliffene
Meßschenkel ist nun innerhalb weiter Grenzen für die verschiedensten Lehren verwendbar
und braucht daher nur in verhältnismäßig sehr kleinen Mengen vorrätig gehalten zu
werden. Da dieser Meßschenkel auf der Planschleifmaschine bearbeitet werden kann,
so ist er auch sehr leicht herzustellen. Aber auch die Herstellung des anderen Meßschenkels
bietet keine besonderen Schwierigkeiten, da auch dieser zunächst in seiner ganzen
Länge auf der Planschleiffnaschine plangeschliffen und dann erst um den geringen
Unterschied vor der Quernut abgesetzt wird. Da nach den Vorschlägen des deutschen
Normenausschusses für Meßbereiche von ziemlich weit auseinanderliegenden Grenzen
der gleiche Unterschied der Abmaße festgelegt ist, so kann ebenfalls auch der am
vorderen Ende abgesetzte Meßschenkel für die verschiedensten Lehrengrößen benutzt
werden, so daß auch von dem abgesetzten Meßschenkel nur ein verhältnismäßig geringer
Vorrat am Lager gehalten zu werden braucht. Da nun die Meßschenkel gleicher Abmessungen
mit Meßklötzen von verschiedener Höhe verbunden werden können, so lassen sich durch
schnelle Zusammenstellung der am Lager vorrätig gehaltenen Teile die Wünsche der
Besteller in kürzester Zeit und in weitgehendsten Grenzen befriedigen, d. h. es
werden bei Bestellungen trotz verhältnismäßig geringer Vorräte die gewünschten Lehren
fast immer sofort lieferbar sein.
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Von ganz besonderer Bedeutung ist aber der Umstand, daß die- gemäß
der Erfindung eingerichteten Rachenlehren im Betriebe des Gebrauchers selbst leicht
instandgehalten und für andere, jeweils erwünschte Maße neu zusammengestellt werden
können. Da der in seiner Höhe dem genauen Maß entsprechende bfeßklotz einer Abnutzung
überhaupt nicht unterworfen ist, so brauchen im Falle einer Abnutzung der Meßflächen
auch nur die Meßschenkel nachgeschliffen zu werden, was, wie bereits erwähnt, sehr
leicht mittels der Planschleifmaschine bewirkt 'werden kann. Das Nachschleifen des
vor der Quernut .befindlichen Endes des abgesetzten
Schenkels um
die vorgeschriebene Differenz macht keine besonderen Schwierigkeiten. Wer es nicht
wagen will, ,das Absetzen des einen Schenkels um die genaue Differenz zu bewirken,
der erreicht schon eine annähernde Wiederherstellung der abgenutzten Lehre durch
einfaches Planschleifen des vollständig geraden Schenkels und geringes Nachschleifen
des vollkommen geraden Teils des abgesetzten Schenkels, was keinerlei Schwierigkeiten
macht. Schon allein durch Planschleifen des vollständig geraden Schenkels wird die
halbe Abnutzungsdifferenz aufgehoben, da beide Meßschenkel sich an den Meßflächen
gleichmäßig abnutzen werden. Man wird demnach, solange man die vom N ormenausschuß
festgelegten Grenzen noch nicht erreicht hat, überhaupt nur den vollständig geraden
Schenkel nachzuschleifen brauchen.
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Aus dem einseitigen Absetzen der Meßschenkel ergibt sich für die praktische
Verwendung der Lehre noch der Vorteil, daß das Übergehen von der weiteren in die
engere Meßstelle erleichtert wird, weil die hintereinander folgenden Flächen an
der einen Seite der Meßstellen in ein und derselben Ebene liegen und der zu messende
Gegenstand an dieser Seite beim Übergang von einer Meßstelle in die andere keinen
Widerstand findet, dagegen aber sichere Führung erhält. Es kann somit das feinste
Tastgefühl ausgenutzt werden,-ohne daß Klemmungen an der Übergangsstelle möglich
sind.