DE3000808C2 - Verfahren zur Nutzung der fühlbaren Kokswärme an einer Verkokungsanlage sowie Anlage zur Durchführung eines solchen Verfahrens - Google Patents
Verfahren zur Nutzung der fühlbaren Kokswärme an einer Verkokungsanlage sowie Anlage zur Durchführung eines solchen VerfahrensInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Nutzung der fühlbaren Wärme des an einem, z. B. mit vorerhitzter
Kokskohle betriebenen Verkokungsofen anfallenden Kokses durch trockene Kühlung unter Verwendung
eines Wärmeträgergases, wobei der Koks in zwei Stufen gekühlt wird.
Ein solches Verfahren ist beispielsweise aus der DE-OS 22 09 075 bekannt. Die Gaskühlung in dem
Reaktor erfolgt in einer Stufe unter Verwendung des Destillationsgases eines Verkokungsofens, wobei das
Destillationsgas zunächst gekühlt und dann nacheinander einer Teerabscheidung, einer Ammoniakwäsche und
einer Leichtölwäsche unterworfen wird. Hierdurch sind nicht nur aufwendige Anlagenteile für Kühlung und
Reinigung des Kohleentgasungsrohgases erforderlich, sondern der Wärmeinhalt des Kohleentgasungsrohgases
geht auch verloren. Der ersten Kühlstufe mittels des gekühlten und gereinigten Destillationsgases folgt bei
dem bekannten Verfahren eine weitere Kühlung in zwei nachgeschalteten Kammern mittels Wasserkühlmäntel.
Eine solche Kühlung ist wenig wirksam.
Aus der US-PS 38 95 448 wird unter Verwendung
s eines einzigen Kreislaufgases Kokskohle in einem Kokskühler gekühlt Beim Eintritt des Kreislaufgases in
die Kokskühlkammer teilt sich der Kreislaufgasstrom in einen aufsteigenden und einen abfallenden Teilstrom.
Aus der DE-OS 27 33 365 ist es an sich bekannt, die ίο trockene Kokskühlung mit der Kohlevorerhitzungsanlage
über ein nicht vorbehandeltes Rauchgas zu koppeln. Hierbei kann allerdings die bei der Kokskühlung
von dem Rauchgas aufgenommene fühlbare Wärme in der Kohlevorerhitzungsanlage nicht vollständig
ausgenutzt werden. Die Kopplung kann daher hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit verbessert werden.
In der DE-AN 28 37 416.5-24 ist bereits vorgeschlagen worden, Kohleentgasungsrohgas dadurch zu reinigen,
daß es über eine glühende Koksschüttung geleitet wird.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein
Verfahren der eingangs genannten Art vorzuschlagen, das auf einfache Weise großtechnisch ausgeführt
werden kann und bei welchem die trockene Kokskühlung in geeigneter Weise so mit der Reinigung des
Verkokungsgasrohgases kombiniert ist, daß eine optimale Reinigung des Verkokungsrohgases erfolgt und
ein Wärmeträgergas mit möglichst gleichmäßiger, in einer Kohlevorerhitzungsanlage praktisch vollständig
ausnutzbarer fühlbarer Wärme entsteht.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß die Kühlung in einer ersten Stufe mittels des dem
Verkokungsprozeß eigenen Kohleentgasungsrohgases und in einer zweiten Stufe mittels des Wärmeträgergases
erfolgt.
Damit wird das Temperaturniveau des heißen Kokses für die Reinigung des Kohleentgasungsrohgases ausgenutzt,
während das niedrigere Temperaturniveau noch für eine hinreichende Erwärmung des Wärmeträgergases
ausreicht, damit dieses in einem Energieverbraucher, beispielsweise einem Dampferzeuger oder einer Kohlevorerhitzungsanlage,
eingesetzt werden kann. Die Verwendung zweier Kühlgase erlaubt auch die Einstellung
einer möglichst gleichmäßigen Temperatur des Wärmeträgergases im Hinblick auf den nachgeschalteten
Energieverbraucher. Die Aufteilung des Kühlvorganges in zwei Stufen und Verwendung des Kohleentgasungsrohgases
und eines besonderen Wärmeträgergases hat somit den Vorteil der gleichzeitigen Reinigung
des Kohleentgasungsrohgases und den Vorteil der besseren Ausnutzung des Wärmeinhaltes des zusätzlichen
Wärmeträgergases beispielsweise in einer nachgeschalteten Trocken- und Vorerhitzungsanlage der
prozeßeigenen Kokskohle. Sowohl die Reinigung des Kohleentgasungsrohgases bei teilweiser Kühlung des
Kokses als auch die Wärmeübertragung auf das besondere Wärmeträgergas in der zweiten Kühlstufe
erfolgen jeweils in dem günstigsten Temperaturbereich für den jeweils günstigsten Effekt.
Das Verfahren wird vorzugsweise so ausgeführt, daß der mit einer Temperatur von etwa 11000C anfallende
Koks in der ersten Stufe nur bis auf eine Temperatur oberhalb 7500C, vorzugsweise auf etwa 8500C, und in
der zweiten Stufe auf etwa 2000C gekühlt wird.
Dabei wird das z. B. mit einer Temperatur von etwa 600 bis 750°C anfallende Kohleentgasungsrohgas zum
Zwecke der Reinigung in der ersten Stufe um etwa 100 bis 2500C aufgewärmt. Bei der Reinigungsprozeßstufe
wird also sowohl der eigene Wärmegehalt des Kohleentgasungsrohgases als auch die fühlbare Wärme
des Kokses wirkungsvoll ausgenutzt
Das Wärmeträgergas erfährt in der zweiten Stufe vorzugsweise eine Erwärmung auf etwc 700 bis 800° C.
Damit ist es, wenn es die zweite Stufe verläßt, vorteilhaft für die Trocknung und/oder Voferhitzung
der prozeßeigenen Kokskohle einsetzbar.
Bekanntlich enthält das Kohleentgasungsrohgas einen beträchtlichen Anteil Wasserdampf. Bei Einsatz
von feuchter Kohle, z.B. bei Naßkohle mit 10% Wasseranteil, liegt der Wasserdampfgehalt des Kohleentgasungsrohgases
bei etwa 30%. Dieser Wasserdampfanteil bewirkt eine Umsetzung des Methans, höherer Kohlenwasserstoffe des im Kohleentgasungsrohgases
enthaltenen Teers sowie unter Umständen eines geringen Anteils an Kohlenstoff. Da alle diese
Reaktionen endotherm verlaufen, ist der Umsetzungsgrad durch die fühlbare Wärme des Kokses in einem
Temperaturbereich, in welchem diese Reaktionen noch genügend schnell verlaufen, begrenzt. Will man die
Umsetzung des Gases weitestgehend verhindern, so ist dies durch die thermische Vorbehandlung der Kohle in
einer Kohlevorerhitzungsanlage zweckmäßig. Dann ist lediglich das Bildungswasser im Kohleentgasungsrohgas
vorhanden, so daß die genannten Spaltungsprozesse in nur geringem Umfang eintreten.
Die Erfindung bezieht sich auch auf eine Anlage zur Durchführung des zuvor erläuterten Verfahrens. Eine
solche Anlage hat vorteilhafterweise zwei übereinander angeordnete, über eine Schleuse miteinander verbundene
Kokskammern, wobei die obere Kokskammer einen Kohleentgasungsrohgas-Eintritt und -Austritt und die
untere Kammer einen Wärmeträgergas-Eintritt und -Austritt aufweist. Hierbei ist eine besondere Förderung
des Kokses in der Anlage entbehrlich, da der Koks aufgrund des Eigengewichtes die verschiedenen Verfahrensstufen,
z. B. im Gegenstrom mit dem Kohleentgasungsrohgas und dem Wärmeträgergas durchläuft. Mit
Hilfe der Schleuse können die beiden Kammern so voneinander getrennt werden, daß ein Gasübertritt
verhindert wird.
Die Trennung der beiden Kokskammern kann noch dadurch unterstützt werden, daß sie unter etwa
gleichem Druck betrieben werden.
Bei einer besonderen Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Anlage ist der oberen Kokskammer eine
Vorkammer vorgeschaltet, von welcher aus der zu kühlende Koks kontinuierlich in die darunter befindlichen
Kokskammern abgegeben wird. Der heiße Keks
wird der Kokskammer selbst chargenweise aufgegeben. Auf diese Weise kann eine Vergleichmäßigung der
Temperaturbedingungen in der erfindungsgemäßen Anlage, insbesondere eine weitgehend zeitliche Konstanz
der Austrittstemperatur des Wärmeträgergases erreicht werden. Hierzu kann aber auch ein System
ohne Vorkammer mit einem »By-Pass« oder ein System eingesetzt werden, bei welchem die Wärmeträgergasverteilung
beim Eintritt in die untere Kokskammer in Abhängigkeit der Wärmeträgergasaustrittstemperatur
über eine Regelarmatur gesteuert wird.
Anhand der beiliegenden Zeichnung wird ein Anlagenausführungsbeispiel zur Durchführung des
erfindungsgemäßen Verfahrens näher erläutert.
Es zeigt die einzige Figur schematisch eine erfindungsgemäße Anlage zur Ausführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens.
Die dargestellte Anlage hat am oberen Ende einen Koksaufgabetrichter 1, von welchem aus der chargenweise
aufgegebene, den Verkokungsofen verlassende heiße Koks über eine Koksaufgabevorrichtung 2 in eine
Vorkammer 3 gelangt. Von der Vorkammer 3 wird der heiße Koks kontinuierlich in die darunter befindliche
obere Kokskammer 10 überführt, in welcher dieser sich
im Gegenstrom zu dem Kohleentgasungsrohgas bewegt, welches von unten liegenden Kohleentgasungsrohgaseintritten
5 zu oberen Kohleentgasungsrohgasaustritten 4 strömt. An das untere Ende der oberen
Kokskammer 10 schließt sich eine Schleuse 6 an, die eine weitgehend gasdichte Trennung von einer darunter
liegenden zweiten Kokskammer 11 bildet. In der zweiten Kokskammer 11 bewegt sich der bereits in der
ersten Stufe teilweise abgekühlte Koks im Gegenstrom zu einem Wärmeträgergas, welches von unteren
Wärmeträgergaseintritt 9 zu oberen Wärmeträgeraustritten 7 geführt ist. Der Wärmeträgergaseintritt 9 läßt
eine regelbare Verteilung des Wärmeträgergases über den Querschnitt der unteren Kokskammer 11 zu. Der
weitgehend abgekühlte Koks wird am unteren Ende in der Kammer 11 über die Koksabzüge 8 abgezogen.
Hierzu 1 Blatt Zeichnungen
Claims (8)
1. Verfahren zur Nutzung der fühlbaren Wärme
des in einem, z. B. mit vorerhitzter Kokskohle betriebenen Verkokungsofen anfallenden Kokses
durch trockene Kühlung unter Verwendung eines Wärmeträgergases, wobei der Koks in zwei Stufen
gekühlt wird, dadurch gekennzeichnet, daß die Kühlung in einer ersten Stufe mittels des
dem Verkokungsprozeß eigenen Kohleentgasungsrohgases und in einer zweiten Stufe mittels des
Wärmeträgergases erfolgt
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der mit einer Temperatur von etwa
11000C anfallende Koks in der ersten Stufe nur bis
auf eine Temperatur oberhalb 750° C, vorzugsweise auf etwa 8500C, und in der zweiten Stufe auf etwa
2000C gekühlt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das z. B. mit einer Temperatur
von etwa 600 bis 7500C anfallende Kohleentgasungsrohgas
in der ersten Stufe um etwa 100 bis 250°C erwärmt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Wärmeträgergas
in der zweiten Stufe auf etwa 700 bis 8000C erwärmt
wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß das die zweite Stufe
verlassende Wärmeträgergas für die Trocknung und/oder Vorerhitzung der prozeßeigenen Kokskohle
verwendet wird.
6. Anlage zur Durchführung eines Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 5, gekennzeichnet
durch zwei übereinander angeordnete, über eine Schleuse (6) miteinander verbundene Kokskammern
(10, 11), wobei die obere Kokskammer (10) einen Kohleentgasungsrohgaseintritt (5) und -austritt (4)
und die untere Kokskammer (11) einen Wärmeträgergaseintritt (9) und -austritt (7) aufweist.
7. Anlage nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß die beiden Kokskammern (10, 11) unter
etwa gleichem Druck betrieben werden.
8. Anlage nach Anspruch 6 oder 7, gekennzeichnet durch eine der oberen Kokskammer (10) vorgeschaltete
Vorkammer (3).
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