DE222374C - - Google Patents
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- A61—MEDICAL OR VETERINARY SCIENCE; HYGIENE
- A61K—PREPARATIONS FOR MEDICAL, DENTAL OR TOILETRY PURPOSES
- A61K39/00—Medicinal preparations containing antigens or antibodies
- A61K39/395—Antibodies; Immunoglobulins; Immune serum, e.g. antilymphocytic serum
- A61K39/39575—Antibodies; Immunoglobulins; Immune serum, e.g. antilymphocytic serum against materials from other living beings excluding bacteria and viruses, e.g. protozoa, fungi, plants
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
- JV! 222374 KLASSE 30 h. GRUPPE
Dr. MAX KRAUSE in BERLIN.
Die bisher bekannten Schlangengiftseren wirken vorwiegend nur gegen die Vergiftungen
durch Bisse ein und derselben Schlangenart. Allerdings soll das Calmettesche Serum, das
aus dem Cobragift, einem Natterngift, auf bei der Heilserumherstellung übliche Weise gewonnen
wird, auch einen gewissen Schutz gegen Kreuzotterngift verleihen. Es besitzt
aber keine Wirkung gegen die Gifte der Vipern
ίο Afrikas und Indiens. Während in diesen Viperngiften das Hämorrhagin den vorherrschenden
Bestandteil bildet, ist beim Natterngift das Neurotoxin das Ausschlaggebende; beide Gifte enthalten außerdem ein Hämolysin.
Das Kreuzotterngift, freilich ein Viperngift, enthält, wie es scheint, so wenig Hämorrhagin,
daß dessen toxische Wirkung bei diesem Gifte nicht in Frage kommt, vielleicht dagegen
etwas Neurotoxin und wie Nattern- und Viperngift·, ein Hämolysin. Diese Neurotoxine
und Hämolysine des Kreuzotterngiftes werden nun auch wohl durch das Calmettesche Serum
neutralisiert. Weil hiernach Calmettesche Natternsera auch eine gewisse Wirkung gegen
die schwach wirkenden europäischen Viperngifte aufweisen, ist wohl die Meinung aufgekommen,
das Calmettesche Serum sei polyvalent.
Indessen gegen die Gifte der großen Vipern Afrikas und Indiens schützt Calmettes Serum
nicht, was Calrnette auch in seiner Serumanweisung zugibt. Es ist nun für Afrika usw.
wichtig, ein polyvalentes Serum zu besitzen, da bei Vergiftungsfällen durch Schlangenbisse
wohl selten angegeben werden kann, ob der Betreffende von einer Viper oder einer Natter
gebissen ist.
Man könnte wohl daran denken, durch Vermischen zweier verschiedener Sera polyvalente
Seren herzustellen. Aber in diesem Falle werden Produkte erhalten, deren Wirkung sehr
viel schwächer ist, als man dem Wirkungsgrade der Bestandteile nach erwarten sollte,
was wohl darauf zurückzuführen ist, daß. durch das Mischen eine Schädigung, eventuell Fällung
der Antikörper erfolgt. Man braucht z. B. von dem brasilianischen bivalenten Serum
(vgl. Naturwissenschaftl. Wochenschrift 1908, S. 344) etwa 30 ecm, um eine hinreichende
Wirkung zu erzielen, also eine sehr große Menge.
Dagegen wurde gefunden, daß man durch abwechselnde Einspritzung von Vipern- und
Natterngift, also zwei biologisch und biochemisch voneinander verschiedenen Giften, in
die Ohrvene von Tieren, z. B. von Kaninchen oder Eseln, in dem Körper dieser Tiere gleichzeitig
die Bildung zweier Antikörper veranlassen und auf diese Weise ein sowohl gegen
Vipern- als auch Natterngift wirksames Serum erhalten kann. Diese Feststellung ist um so
überraschender, als beide Gifte eben verschiedenartig sind und man polyvalente Heilseren
im allgemeinen auf analoge Weise bisher nicht gewinnen konnte; denn die bisher in der
Literatur aufgeführten polyvalenten Seren schützen nur gegen die Toxine ein und desselben Bakteriums, wenn auch verschiedener
Virulenz, nicht aber gegen die Toxine zweier verschiedener Bakterienarten. Es existiert also
ζ. B. kein Serum, das gleichzeitig gegen Typhus und Cholera wirksam wäre, geschweige' ein
solches gegen zwei biologisch und biochemisch vollkommen verschiedene Gifte.
Die Vipern- und Natterngifte stehen einander aber biologisch und biochemisch ferner als die Toxine zweier verschiedener Bakterienarten, z. B. der Typhus- und Cholerabazillen. Durch abwechselnde Injektionen steigender
Die Vipern- und Natterngifte stehen einander aber biologisch und biochemisch ferner als die Toxine zweier verschiedener Bakterienarten, z. B. der Typhus- und Cholerabazillen. Durch abwechselnde Injektionen steigender
ίο Dosen von Vipern- und Natterngift immunisierte
Kaninchen vertragen - nach einigen Monaten das etwa sofache der tötlichen Dosis
■ von beiden Giften. Die auf übliche Weise aus dem Blut dieser Tiere gewonnenen Seren
wurden zu 3 ecm zwei Kaninchen eingespritzt, von denen das eine vorher die dreifach tötliche
Dosis Vipern- und das andere die dreifach tötliche Dosis Natterngift erhalten hatte und
bei denen beiden sich vor dem Einspritzen des Serums schon starke Krankheitserscheinungen
bemerkbar machten. Etwa 1 Stunde nach dem Einspritzen des Serums waren beide Tiere
wieder munter, während zwei Kontrolltiere, die die gleichen Dosen Gift in derselben Weise
erhalten hatten, aber ohne Nachbehandlung mit Serum in etwa 60 Minuten verendet waren.
Zwecks Gewinnung des polyvalenten Schlangengif tschutzserums wird z. B. wie folgt verfahren
:
Es wird bei den Injektionen mit einer schwachen Dosis Gift, etwa 1Z2 bis x/4 der Dosis
■ letalis begonnen, und zwar mit 0,2 mg sowohl bei Kaninchen als bei größeren Tieren, wie
Eseln. Die Dosis letalis ist beim Natterngift etwas niedriger als die des Viperngiftes, obwohl
sich das Verhältnis verschiebt, je nachdem, ob das Gift subcutan, intraperitoneal
oder intravenös gegeben wird. Zur Immunisierung werden nur intravenöse Einspritzungen
vorgenommen, besonders deshalb, weil die Schlangengifte oder deren Lösungen nicht steril
erhalten werden können.
Die Wirkung der Einspritzung wird durch Messung der Körpertemperatur beobachtet.
Die Zwischenzeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden Einspritzungen ist abhängig vom
Verlauf der Fieberkurve und vom sonstigen Befinden des Tiefes. Aus der Fieberkurve
kann auch der Zeitpunkt der Überempfindlichkeit festgestellt werden.
Im allgemeinen werden nach Möglichkeit alle 5 Tage Einspritzungen gemacht mit steigender
Dosis, im Anfang sogar alle 3 Tage, je einmal Nattern- und je einmal Viperngift.
Bei Kaninchen wird so weit immunisiert, daß jedes Kaninchen von jedem Gift 15 mg verträgt,
ohne erhebliche Krankheitserscheinungen aufzuweisen, also etwa das 30 bis 40 fache der
Dosis letalis.
Es gelingt gut bei ein^r Reihe von Kaninchen, diese Immunitätsstärke zu erreichen.
Ein Esel verträgt unter Umständen 35 mg von jedem Gift. Selbstverständlich gehen etwa
25 Prozent der Kaninchen während der Immunisierung ein, da die Tiere sehr oft organische
Fehler haben.
Claims (1)
- Patent-Anspruch :Verfahren zur Gewinnung eines polyvalenten Schlangengiftserums, dadurch gekennzeichnet, daß Vipern- und Natterngifte abwechselnd in steigenden Dosen Tieren, z. B. Kaninchen oder Eseln, in die Ohrvene oder Halsvene injiziert werden und das Blut der so behandelten Tiere auf übliche Weise auf Serum verarbeitet wird.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE222374C true DE222374C (de) |
Family
ID=483276
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT222374D Active DE222374C (de) |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE222374C (de) |
Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| US6925773B2 (en) * | 2001-02-21 | 2005-08-09 | Erico International Corporation | Reinforcing bar connection and method |
-
0
- DE DENDAT222374D patent/DE222374C/de active Active
Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| US6925773B2 (en) * | 2001-02-21 | 2005-08-09 | Erico International Corporation | Reinforcing bar connection and method |
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