DE162995C - - Google Patents
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
M 162995 KLASSE 89 h.
Es ist bekannt, daß man Rohzucker- und Melasselösungen von einem Teil des Nichtzuckers
befreien kann durch Behandlung mit Bleisaccharat. Es gelingt jedoch auf diese Weise nicht, aus unreinen Produkten der
Rübenzuckerfabrikation Sirupe zu gewinnen, die für Speise- oder Brauzwecke verwendbar
wären.
Wir haben gefunden, daß man selbst aus
ίο schlechten Rohzuckermelassen einen hellen,
geruchfreien Sirup erhalten kann, der direkt konsumfähig ist, wenn man die Reinigung
mittels Bleisaccharats mit dem aus der Patentschrift 58828, Klasse 89 bekannten Austreiben
der flüchtigen Säuren durch Kochen in saurer Lösung vereinigt. Beim Kochen tritt mit der
Inversion des Zuckers, welche durch entsprechende Kochdauer zweckmäßig bis zu einem Drittel oder bis zur Hälfte geführt
wird, zugleich eine hydrolytische Veränderung der Nichtzuckerstoffe ein, die sich durch andauernde
Kohlensäure-Entwicklung kenntlich macht.
Soll eine besonders weitgehende Entsalzung erzielt werden, so kann noch eine elektrodialytische
Austreibung des Alkalis mit dem hier beschriebenen \7erfahren verbunden werden.
Beispiel: 500 kg einer Melasse mit etwa 8 Prozent Asche werden mit 20 1 konzentrierter
Schwefelsäure oder entsprechenden Mengen anderer Säure, gelöst in 250 1 Wasser, versetzt und am besten unter Lufteinblasen
in offenem Behälter gekocht, indem man 500 bis 1000 1 dünner Süßwässer in dem Maße
zulaufen läßt, daß die Konzentration der kochenden Lösung annähernd dieselbe bleibt.
Dann wird Kalkmilch oder kohlensaurer Kalk (20 bis 25 kg) zugegeben, so daß die Lösung
noch sauer bleibt (etwa 20 bis 50 ecm Normalsäure pro 100 g Melasse) und heiß filtriert.
Das Filtrat wird bei 40 bis 50 ° mit 250 bis 350 kg Bleisaccharat (mit etwa 14 Prozent
Zucker) versetzt und filtriert. Die erhaltene Lösung wird mit Kalk- und Kohlensäure entbleit,
wenn eine besonders helle Farbe gewünscht wird, über Knochenkohle filtriert und zum Sirup eingedampft. Das Produkt ist
natürlich um so süßer, je höher der Zuckergehalt des verwendeten Materials (Melassen,
Nachprodukte oder Rohzucker) war. Die günstigsten Mengen an Säure und Saccharat müssen für jedes Produkt ausprobiert werden;
im allgemeinen ist der Aschengehalt maßgebend.
Das Bleisaccharat kann auch durch andere unlösliche basische Bleiverbindungen, ζ. Β.
Bleihydroxyd, ersetzt werden, oder aber durch entsprechende Zinkverbindungen, obgleich
deren Wirkung weniger weitgehend ist.
Wie eingehend durchgeführte analytische Untersuchungen zeigen, wird bei diesem
Reinigungsverfahren eine wesentliche Erhöhung des Quotienten nicht erzielt; die technische
Wirkung beruht also hauptsächlich in einer qualitativen Änderung der Nichtzuckerzusammensetzung,
welche durch jedes der
beiden Kombinationselemente für sich allein nicht herbeigeführt wird, wie frühere Versuche
der Erfinder gezeigt haben.
Für die Reinigung zuckerhaltiger Lösungen sind nach einer bekannten Zusammenstellung
v. Lippmanns etwa 200 verschiedene Mittel vorgeschlagen worden. Man wird nicht behaupten
können, daß es dem Fachmann möglich sei, für jede der 40000 Variationen je zweier solcher Mittel die Gesamtwirkung
vorauszusehen und daß somit jede solche Kombination von vornherein des Erfindungscharakters entbehre.
Worauf die Kombinationswirkung beruht, ist bei der Unkenntnis über die Natur der
Nichtzuckerstoffe im einzelnen schwer nachzuweisen. Unzweifelhaft kommt folgendes
Moment in Betracht. Beim andauernden Kochen in saurer Lösung zwecks Austreibung flüchtiger Säuren tritt neben dieser günstigen
Wirkung eine Zersetzung stickstoffhaltiger Substanzen ein, die, wie schon oben erwähnt,
den Geschmack -ungünstig beeinflussen. Diese störende Wirkung wird dann durch das Bleisaccharat
wieder beseitigt. Aber hiermit ist die Kombinationswirkung nicht erschöpft. Bei der völligen Dunkelheit über das Wesen
und die Zusammensetzung von Geschmackswirkungen läßt sich überhaupt weder voraus-
sehen noch im einzelnen nachprüfen, weshalb sich bei Anwendung zweier Reinigungsmethoden die Wirkungen gerade so ergänzen,
daß die Gesamtwirkung eine wesentlich bessere wird; daß dies nicht notwendig der Fall zu
sein braucht, ist ohne weiteres einleuchtend. Es sei z. B. an die bekannten Versuche von
Zuntz erinnert, wonach bei einem Gehalt von wenigen Hunderteln Prozent Kochsalz die
Süßigkeit des Rohrzuckers erhöht wird, bei erheblich größerem Gehalt aber vermindert.
Bezüglich des Verhältnisses vorliegender Erfindung zum Gegenstand des Patentes 156986
sei bemerkt:
Die in der Patentschrift 156986 beschriebene Behandlung mit Bleisaccharat führt Strontianrestmelassen
in hochwertige Produkte über, die in Aussehen, Geruch und Geschmack den aus Rohrzuckerprodukten hergestellten sogen,
indischen Sirupen gleichkommen und unverschnitten genossen werden. Die Anwendung
des gleichen Verfahrens auf gewöhnliche Melassen liefert ein für den Konsum überhaupt
unbrauchbares Produkt. Wird dagegen die Reinigung mittels Bleisaccharats mit dem Ausblasen
der flüchtigen Säuren vereinigt, so sind die Produkte zwar von geringerer Qualität
als die nach Patent 156986, aber doch unmittelbar für Brauzwecke verwendbar und in
der für Speisesirupe sonst üblichen Weise mit Stärkesirup verschnitten auch für Genußzwecke.
Auch ist, abgesehen von der Verschiedenheit der Produkte, das Verfahren des Beispiels der genannten Patentschrift durchaus
nicht das gleiche wie das hier unter Schutz gestellte, da hier die Austreibung der flüchtigen Säuren als wesentlich hinzukommt.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Verfahren zur Überführung von Rohzuckern, Nachprodukten und Melassen der Rübenzuckerfabrikation in konsumfähigen Sirup, dadurch gekennzeichnet, daß die in bekannter Weise durch Kochen in saurer Lösung von den flüchtigen Säuren befreiten Produkte einer Nachreinigung mit Bleisaccharat oder anderen unlöslichen basischen Blei- oder Zinkverbindungen unterworfen werden.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE162995C true DE162995C (de) |
Family
ID=428734
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT162995D Active DE162995C (de) |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE162995C (de) |
-
0
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