Die vorliegende Erfindung betrifft eine Rollgestellanlage mit mindestens zwei motorisch verschiebbaren Gestellen.
Solche Rollgestellanlagen sind an sich bekannt und seit langem bestens bewährt. Sie ermöglichen eine optimale Raum ausnutzung, da sie nicht wie bei normalen Gestellen pro Gestell einen mindestnotwendigen Zutrittsraum benötigen, sondern ein solcher für die ganze Anlage nur ein einziges Mal erforderlich ist. Im allgemeinen handelt es sich dabei um eine Anzahl von Gestellen, welche manuell oder motorisch so zusammen- oder auseinandergeschoben werden können, dass jeweils zwischen zwei gewünschten Gestellen ein Zwischenraum gebildet wird, der den Zutritt zu einer offenen Längsseite des jeweiligen Gestells ermöglicht. Die Längsseiten der anderen Gestelle liegen dabei ohne wesentlichen Zwischenraum aneinander.
Da nun eine Verschiebung solcher Gestelle von Hand oft mühsam oder wegen der nicht selten erheblichen Beladungen ganz unmöglich ist, hat man motorische Antriebsvorrichtungen der verschiedensten Art für solche Anlagen gebaut. Während man ursprünglich mit einer in der Anlage umlaufenden Kette oder einem Seil arbeitete, die von einem einzigen Elektromotor angetrieben wurde und an welche das, beziehungsweise die betreffenden Gestelle mechanisch nach Art gewisser Typen von Seilschwebebahnen angekuppelt wurden, so ist man heute immer mehr bestrebt, jedem Gestell seinen eigenen Antrieb zu geben, der zuweilen auch aus mehreren Motoren bestehen kann. Meistens, um nicht zu sagen ausschliesslich, handelt es sich dabei um Elektromotoren herkömmlicher Bauart.
Diese Motoren stellten zwar bis vor nicht allzu langer Zeit ein Optimum an Wirtschaftlichkeit dar und sind auch sonst recht umweltfreundlich, haben aber trotzdem noch immer den entscheidenden Nachteil, dass sie eine translatorische Bewegung nur über den Umweg einer rotatorischen Bewegung vermitteln können. Sich bewegende Massen stellen jedoch immer Probleme, die selten ohne Kompromisse lösbar sind. Bewegung erzeugt Reibung, was wiederum einen Energieverlust mit sich bringt, um nur eine dieser Schwierigkeiten zu nennen.
Überdies werden bei gewissen Typen von Motoren mit Bürsten auch beträchtliche elektrische Funken erzeugt, so dass diese in explosionsgefährdeten Räumen aus Sicherheitsgründen nicht zum Einsatz gelangen können. Bis jetzt musste man jedoch alle diese Nachteile mangels besserer Antriebsmittel in Kauf nehmen. Wegen der vorstehend genannten Nachteile der Motoren ist natürlich die Störungsanfälligkeit der herkömmlichen Rollgestellanlagen immer noch trotz aller im Laufe der Zeit gemachten Fortschritte und Verbesserungen relativ hoch. Bei einer Störung oder Wartung muss die Anlage für die Dauer der Reparatur beziehungsweise Wartungsarbeiten ausser Betrieb genommen werden, was natürlich oft empfindliche Auswirkungen auf den normalen Arbeitsverlauf im Zusammenhang mit der Anlage haben kann.
Die vorliegende Erfindung hat es sich deshalb zur Aufgabe gestellt, eine Rollgestellanlage zu schaffen, die die durch die herkömmlichen Elektromotoren bedingten Mängel nicht mehr aufweist und welche möglichst wenig Aufwand an Wartungszeit und -kosten erfordert.
Gelöst wird diese Aufgabe erfindungsgemäss durch eine Rollgestellanlage, die dadurch gekennzeichnet, dass sie Linearmotoren mit einem Primärteil und einem Sekundärteil aufweist, wobei jedes Gestell mit mindestens einem Primärteil versehen ist und die zu je einem Primärteil aller Gestelle gehörenden Sekundärteile eine einzige sich in der Verschieberichtung erstreckende ortsfeste Schiene bilden.
Vorzugsweise ist dabei die als Sekundärteil dienende Schiene als Laufschiene ausgebildet, auf welcher die Gestelle verschoben werden können. Es können pro Gestell ein, zwei oder mehrere Primärteile vorhanden sein, je nach Grösse und vorgesehener Beladung der Gestelle.
Nachfolgend wird zum besseren Verständnis ein Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemässen Rollgestellanlage anhand der beiliegenden Zeichnung erläutert.
Es zeigen darin:
Fig. 1 eine perspektivische Gesamtansicht des erfindungsgemässen Ausführungsbeispiels und
Fig. 2 eine schematische Darstellung eines Linearmotors, eingebaut in den Sockel eines der Gestelle der Anlage.
Die erfindungsgemässe Rollgestellanlage weist zwei seitliche, feststehende Gestelle 1 und 2 sowie eine Anzahl, hier acht, von seitlich zwischen diesen beiden verschiebbaren Gestellen 3 auf. Der Abstand der beiden festen Gestelle entspricht dabei etwa dem Neunfachen der Breite eines beweglichen Gestells, so dass zwischen zwei Gestellen ein Zwischenraum von der Breite eines Gestells bleibt, wenn die anderen mit ihren senkrecht zur Verschiebungsrichtung verlaufenden Längsseiten dicht aneinander stehen. Jedes Gestell weist einen Fahrschemel 3 a auf, auf welchem die jeweiligen Aufbauten 3b angebracht sind. Bei diesem Ausführungsbeispiel handelt es sich um Aufbauten mit Regalen 5, auf welche die abzulagernden Waren gelegt werden können.
Selbstverständlich können die Gestelle 3 auch selbsttragend konstruiert sein, so dass sie keinen eigentlichen Fahrschemel 3a benötigen. Im folgenden wird jedoch der untere Teil der Gestelle, in welchem der Antrieb untergebracht ist, als solcher bezeichnet.
An der Vorderseite des letzteren sind zwei von Fuss bedienbare Schalterklappen 3c und 3d angeordnet, wobei die erstere zum Starten des betreffenden Gestells und die letztere zum Notstoppen aller Gestelle dient. Die elektrische Schaltung des Antriebssystems sowie der zugehörigen Sicherheitsvorrichtungen ist nicht dargestellt, da sie im wesentlichen den gebräuchlichen Systemen entspricht. Jedes Gestell rollt auf Schienen 4, von denen in der Fig. 1 nur eine dargestellt ist. In jedem Fahrschemel 3a der Gestelle 3 befinden sich neben elektrischen Schaltelementen zwei Primärteile 7 von Linearmotoren, wie aus der Fig. 2 hervorgeht.
Ein Linearmotor besteht im Prinzip aus einem Primärteil, welcher dem Stator beim Asynchronmotor entspricht, und einem Sekundärteil, welcher dem Rotor entspricht. Der Primärteil ist als Induktorkamm 7a ausgebildet, der in seinen Einschnitten die Erregerwicklungen 7b trägt. Er ist mit seiner gezahnten Seite dicht am Sekundärteil gelagert, und zwar so, dass er sich bezüglich des letzteren in der Richtung von einem Kammzahn zum anderen usw. verschieben kann. Durch eine an die Erregerwicklungen angeschlossene Drehspannung wird ein Wanderfeld erzeugt, welches auf den Sekundärteil eine in Kammrichtung gerichtete Kraft ausübt.
Da der hier gleichzeitig als Laufschiene 4 angebildete Sekundärteil fest im Boden verankert ist, bewegt sich also aufgrund der Kraftwirkung des Wanderfeldes der Primärteil 7 und damit der Fahrschemel 3a längs der Schiene 4 in die eine oder die andere Richtung, je nach Polung der drei Phasen des Drehstroms.
Da sich der Wirkungsgrad eines Linearmotors wesentlich erhöht, wenn der Sekundärteil ein guter Leiter ist, bestehen die Laufschienen 4 aus drei Schichten. Einer stählernen Grundschiene 4a, welche ihr die Festigkeit verleiht, einer dem Induktorkamm 7b zugewandten Schichtauflage 4b aus Elektrolytkupfer und schliesslich einer das Kupfer schützenden Kunststoffschicht 4c, welche die Kupferauflage 4b vor allzu starkem Abrieb durch die Räder 6 der Gestelle schützt.
Da ein Linearmotor bekanntlich keine bremsende Wirkung nach Abschalten des Stromes hat, sind an jedem Gestell Bremsvorrichtungen 8 vorgesehen, die sich nach dem Abstellen der Motoren automatisch einschalten und an den Schienen 4 angreifen, wodurch das Gestell sofort zum Stillstand kommt.
Die Sekundärteile eines jeden Linearmotors bilden also eine für alle Gestelle gemeinsame Schiene, wobei selbstver ständlich pro Schiene nur ein Primärteil in jedem Gestell in Frage kommt. Falls jedes Gestell mehrere Primärteile aufweist, müssen eben mehrere Schienen vorhanden sein. Natürlich könnte man auch die Funktionen der Schienen als Laufschienen und Sekundärteile trennen. Dies hätte zwar den Vorteil, dass man für die Laufschienen ganz gewöhnliche Stahlschienen verwenden könnte, aber den Nachteil, dass man dann pro Primärteil in einem Gestell eine zusätzliche Zugschiene haben müsste.
Aus Konstruktions- und Kostengründen ist daher die Vereinigung der beiden Funktionen der Schienen zweckmässiger, ausgenommen dann, wenn pro Gestell nur ein einziger Primärteil vorgesehen ist, weil dann der Angriffspunkt vernünftigerweise in der Mitte zwischen den Auflagern, also den Schienen, liegen sollte.
Eine andere Möglichkeit der Ausgestaltung einer Rollgestellanlage wäre auch die mit hängenden Gestellen. Dann wäre natürlich die Anordnung der Linearmotoren im oberen Gestellteil zweckmässiger.
Mit einer erfindungsgemässen Rollgestellanlage lassen sich grosse Vorteile gegenüber herkömmlichen, mit gewöhnlichen Elektromotoren betriebenen Anlagen erreichen. Schon allein die Tatsache, dass keinerlei rotierende oder sonstwie bewegliche und deshalb reibende Teile verwendet werden müssen, spricht für sich. Dadurch braucht die Anlage praktisch überhaupt nicht mehr gewartet zu werden, zumindest nicht von der mechanischen Seite her. Dass man dadurch viel Zeit und Arbeit und unter Umständen auch viel Zeitverlust, der durch den während der Dauer der Wartungsarbeiten bedingten Stillstand der Anlage verursacht wird, sparen kann, liegt auf der Hand. Wegen der Funkenfreiheit lässt sich auch das Einsatzgebiet der Rollgestellanlagen auf explosionsgefährdete Räume erweitern.