Vorrichtung zur vollautomatischen Herstellung von Dragees Auch heute noch ist die übliche Herstellung von ein wandfreien Dragees eine handwerkliche Kunst, die- -viel Übung, Geschicklichkeit und Erfahrung erfordert. Der von der Tablettenmaschine kommende Dragéekern er hält, wenn nötig, zunächst die Isolierschichten, welche die Wirkstoffe vor äusseren Einflüssen schützen. Darauf wird der Kern angedeckt, d. h. mit Zuckersirupen be stimmter Zusammensetzung angefeuchtet und sodann mit Gemischen von Talcum, Kreide und ähnlichen fe sten Füllstoffen versetzt.
Dieses Verfahren wird mehr mals wiederholt, um möglichst schnell soviel Material auf den Kern aufzutragen, dass die Kanten rund wer den. Hierdurch wird aber noch keine glatte Oberfläche erhalten; diese muss vielmehr bei der nun folgenden Stufe des Aufdragierens mit Hilfe von Zuckersirup und Puderzucker geglättet werden. An diesen Vorgang schliesst sich das Färben an, wobei mit Hilfe von vielen Decken aus gefärbter Zuckersiruplösung eine gleich- mässige Farbe erreicht wird. Schliesslich werden die Dragees gewachst bzw. geglänzt.
Zwischen den einzel nen Arbeitsvorgängen werden die Dragees aus dem Kessel genommen und in grossen Trockenschränken getrocknet, so dass die Feuchtigkeit der Decke nicht in den Kern durchschlagen und diesen schädigen kann. Das geschilderte Verfahren erfordert sehr viel Hand arbeit von erfahrenem Personal. Besonders lästig ist das sogenannte Durchgreifen , welches darin besteht, dass man die Dragees mit der Hand in dem Kessel so lange in Bewegung halten muss, bis sie nicht mehr aneinan- derkleben, sondern frei von allein laufen. Das Verfahren ist überdies ausserordentlich zeitraubend.
Die Dragees laufen insgesamt etwa 2 Tage mit Unterbrechungen im Kessel; da die Dragees zwischen den einzelnen Arbeits vorgängen immer wieder getrocknet werden müssen, benötigt man für eine Charge insgesamt 8-10 Tage Fertigungszeit. In den letzten Jahren sind nun auch Schnell-Dragier- verfahren bekannt geworden, bei welchen sämtliche auf die Dragees aufzutragenden Stoffe in einer Dragierungs- suspension vereinigt sind.
So ist in der Literatur ein Ver fahren beschrieben, welches in der Wärme unter Ver wendung einer aus Wasser, Zucker, Stärke und Na- triumcellulose-glykolat bestehenden Dragiersuspension arbeitet. Dieses Verfahren liefert jedoch nur dann gute Resultate, wenn der Dragiervorgang dauernd beauf sichtigt wird (vgl. Gstirner, Grundstoffe und Verfah ren der Arzneibereitung , Verlag F. Enke, Stuttgart, 1960, S.61); das bedeutet selbst gegenüber dem oben ge schilderten üblichen Dragierverfahren, bei dem die Kes sel nicht dauernd unter Beobachtung gehalten werden müssen, einen erheblichen Nachteil.
Weitere Schnell-Dragierverfahren basieren darauf, dass man auf die Verwendung von Zucker völlig ver zichtet und die Dragierung z. B. mit Hilfe alkoholischer Lösungen von Polyäthylenglykolen durchführt (vgl. Gstirner, loc, cit., S. 62). Da Polyäthylenglykole aber schlecht schmecken, sind die auf diese Weise herge stellten Dragees nicht gut einzunehmen und erfüllen daher eine der an Dragees gestellten Hauptforderungen nicht in genügender Weise.
Zweck der vorliegenden Erfindung ist es, eine Vor richtung anzugeben, mit der die oben geschilderten Nachteile vermieden werden und die eine vollautoma tische Herstellung von Dragees ermöglicht, wobei die Suspension mengenmässig und zeitlich exakt dosierbar zur Düse gefördert wird und wobei am Anfang und am Ende des Sprühvorganges der Sprühdruck möglichst schnell auf- und abgebaut werden kann, ohne dass es zu unerwünschtem Vor- oder Nachtropfen kommt.
Die erfindungsgemässe Vorrichtung zur vollautoma tischen Herstellung von Dragees, enthaltend eine Sprüh einrichtung, ein Vorratsgefäss für eine Dragiersuspen- sion, eine Warmluftquelle und elektrische Zeitsteuer geräte, welche unter Zwischenschaltung von Ventilen und Leitungen miteinander verbunden sind, ist dadurch gekennzeichnet, dass die Ventile so geschaltet und ge steuert sind, dass die Pumpenableitung während der Sprühphase mit der Sprühdüsenzuleitung und in der Sprühpause sowohl die Pumpenableitung als auch die Sprühdüsenzuleitung mit der Rückleitung zum Vor ratsgefäss verbunden sind, wobei die Vorrichtung fer ner so geschaltet und eingestellt ist,
dass die Dragier- suspension kontinuierlich unter Druck aus dem Vor- ratsgefäss gefördert wird. Mit Hilfe der neuen Vorrichtung lassen sich Dra gees beispielsweise wie folgt vollautomatisch herstellen. Eine bestimmte Menge einer Dragiersuspension wird mit Hilfe der Sprüheinrichtung auf die im Dragierkessel rotierenden Kerne gesprüht. Dann lässt man die Dra- géekerne eine gewisse Zeit ohne äussere Einwirkung laufen, trocknet anschliessend mit einem Warmluft strom und wiederholt diese 3 Phasen solange, bis die vorgesehene Gesamtmenge Dragiersuspension aufgetra gen ist.
Man kann beispielsweise eine Dragiersuspension verwenden, die 40 bis 50 Gewichts-% Zucker und 10 bis 20 Gewichts-% feste Füllstoffe enthält. Durch Zusatz einer geringen Menge von Polyäthylenglykolen zu der zuckerhaltigen Dragiersuspension kann das Stadium der Klebrigkeit beim Antrocknen der Suspension überwun den werden, d. h. die Dragees kleben weder aneinander noch bleiben sie an der Kesselwand haften. Es ist nun mehr möglich, das Auftragen der Dragiersuspension und das Trocknen mit Hilfe der einfachen mechanischen Vorrichtung in einem Arbeitsgang durchzuführen. Da bei kann jegliche Handarbeit - mit Ausnahme der zu Beginn und zu Ende des Verfahrens erforderlichen Ein stellung der Vorrichtung - entfallen. Es sind auch keine geübten Fachleute zur Bedienung notwendig.
Fer ner werden keine Trockenschränke mehr benötigt, so dass auch der bei dem üblichen Dragierverfahren so lästige mehrmalige Transport der Dragees vom Kessel zum Trockenschrank und zurück entfällt. Die Ferti gungszeit für eine Charge beträgt bei Verwendung der neuen Vorrichtung beispielsweise nur etwa 1 Tag, wo bei noch zu bemerken ist, dass die Kapazität pro Kessel gegenüber dem alten Verfahren und Vorrichtungen ver vielfacht ist; während früher die Kesselfüllung auf die jenige Menge begrenzt war, die noch mit der Hand < :durchgegriffen werden konnte, ist nunmehr die grösst- mögliche Kesselfüllung einsetzbar.
Ein besonderer Vor teil liegt weiter darin, dass jede - nur relativ dünn aufgetragene - Decke sofort getrocknet werden kann; ein Durchschlagen der Feuchtigkeit beim Dragieren in den Kern ist daher nicht zu beobachten. Da man von Anfang an glatte Schichten erhält, kann die Gesamt decke auch viel dünner als üblich sein (etwa bis zum 1¸-fachen des Kerngewichts; früher etwa 2-fach). Ausführungsbeispiele der erfindungsgemässen Vor richtung werden nachfolgend anhand der Tabelle und Zeichnungen näher erläutert, dabei zeigen Tabelle 1 die Zusammensetzung von Dragiersuspensionen; Tabelle 2 die Daten von mittels der neuen Vorrichtung hergestell ten Dragees.
Fig. 1 und 2 Schaltschemen einer Vorrichtung zum Dragieren und Fig. 3 eine zu einer Einheit zusammengebaute Vor richtung gemäss den Schaltschemen der Fig. 1 und 2.
Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, die Dragiersus- pension in einer Vorrichtung gemäss den Fig. 1 bis 3 zu verarbeiten, in der die Dragiersuspension mit Hilfe einer Zahnradpumpe 1 auf 10 atü gebracht wird. Wie man der Fig. 1 weiter entnehmen kann, wird eine ge wisse Menge der Dragiersuspension kontinuierlich von einem Vorratsgefäss 2 mittels der Pumpe 1 über ein Dreiwege-Magnet-Ventil 3 entweder zu einer Sprüh dose 4 oder bei geschlossenem Dreiwege-Magnet-Ventil durch ein Sicherheitsventil 5 zum Vorratsgefäss zurück gefördert.
Bei geschlossenem Dreiwege-Ventil 3 ist die Zuleitung zur Düse 4 mit einer Rückleitung zum Vor- ratsgefäss 2 für die Dragiersuspension verbunden, und steht daher während der Sprühpause nicht unter Druck. über zwei Schalter 6 werden sowohl die Pumpe 1 als auch ein Zeitsteuergerät 7 ein- und ausgeschaltet, wobei der Pumpmotor 1 kontinuierlich läuft, während das Dreiwege-Ventil und eine Warmluftquelle 8, beispiels weise ein Haarföhn oder ein Händetrockner usw., im vorbestimmten Rhythmus des Zeitsteuergerätes 7 ein- oder ausgeschaltet werden.
Fig. 2 zeigt eine typische Schaltung für eine solche Vorrichtung bei Verwendung von Drehstrom. Die 3 Phasen R, S, T sind mit dem Motorhauptschalter 6 für den Pumpmotor 1 über den Motorschutzschalter 9 ver bunden. Das Zeitsteuergerät 7 ist über einen weiteren Hauptschalter 6 mit einer der stromführenden Phasen (T) verbunden. Das Zeitsteuergerät schaltet über Relais 10 im vorbestimmten Rhythmus sowohl die Warmluft quelle 8 und das Magnet-Dreiwege-Ventil 3. Aus Si cherheitsgründen sind vor alle 3 Phasen des Pumpen motors sowie die stromführenden Phasen der Warmluft quelle und des Dreiwege-Ventils Sicherungen 11 einge baut.
Das elektrische Zeitsteuergerät kann z. B. rotieren de Kurvenscheiben enthalten, welche die notwendigen Kontakte öffnen und schliessen. Es hat sich aber als zweckmässig herausgestellt, wenn man die Zeit des Auf sprühens, die Pause und die Zeit des Trocknens jeweils genau einstellen kann, was über drei Verzögerungsschalt werke geschehen kann. Bei Verwendung dieser letzt genannten Geräte kann man die eingestellten Zeiten so gar während des Betriebes verändern, was bei Kurven geräten nicht ohne weiteres möglich ist.
Fig. 3 zeigt die Vorrichtung gemäss den Schaltsche men der Fig. 1 und 2 zu einem fahrbaren Aggregat zusammengebaut.
Wenn auch die zweckmässigerweise verwendeten Dragiersuspensionen im allgemeinen nicht zum Absetzen neigt; so hat es sich doch als günstig erwiesen, wenn man durch Rühren jedwede Sedimentbildung von vorne herein ausschliesst. Beim Umwälzen mit Hilfe der Zahn radpumpe, gemäss vorliegendem Beispiel, kann eine besondere Rühreinrichtung entfallen.
Die folgende Tabelle 1 gibt die prozentuale Zu sammensetzung einer Reihe von Dragiersuspensionen an, welche sich besonders zum Betrieb der Vorrichtung eignen. Wie ersichtlich, kann man gewünschtenfalls von vorneherein Farbe zusetzen, wodurch eine gleichmässige Färbung der Dragees erzielt wird.
Solche Dragiersus- Pensionen lassen sich sehr einfach herstellen, indem man die Bestandteile zusammenrührt und die erhaltene Sus-
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Tabelle <SEP> 1
<tb> Zusammensetzung <SEP> der <SEP> Dragiersuspension <SEP> (in <SEP> %)
<tb> Beispiel <SEP> I <SEP> 1 <SEP> ( <SEP> 2 <SEP> 3 <SEP> 4 <SEP> I-5 <SEP> I <SEP> 6 <SEP> ' <SEP> 7 <SEP> I <SEP> 8 <SEP> I <SEP> 9 <SEP> I <SEP> 10
<tb> Zucker <SEP> 46 <SEP> 45 <SEP> 45 <SEP> 45 <SEP> 46 <SEP> 46 <SEP> 46 <SEP> 45 <SEP> 50 <SEP> 50
<tb> Carbowachs <SEP> 6000 <SEP> 4 <SEP> - <SEP> - <SEP> 5 <SEP> - <SEP> 4 <SEP> - <SEP> - <SEP> 4 <SEP> Carbowachs <SEP> 20 <SEP> 000 <SEP> - <SEP> 5 <SEP> 5 <SEP> - <SEP> 4 <SEP> - <SEP> 4 <SEP> 4,5 <SEP> - <SEP> 4
<tb> Stärkesirup <SEP> - <SEP> 2,5 <SEP> 2,5 <SEP> 2 <SEP> - <SEP> 2 <SEP> 2 <SEP> 2 <SEP> - <SEP> 2
<tb> Gummi <SEP> arabicum <SEP> - <SEP> - <SEP> 0,
5 <SEP> 1 <SEP> 1 <SEP> - <SEP> - <SEP> 0,5 <SEP> - <SEP> Kreide <SEP> 15 <SEP> 10 <SEP> 6 <SEP> 8 <SEP> - <SEP> - <SEP> - <SEP> - <SEP> 10 <SEP> 6
<tb> Kaolin <SEP> - <SEP> - <SEP> 6 <SEP> - <SEP> 10 <SEP> 12 <SEP> 10 <SEP> 6 <SEP> 4 <SEP> 6
<tb> Talcum <SEP> - <SEP> - <SEP> - <SEP> 5 <SEP> - <SEP> 3 <SEP> - <SEP> 6 <SEP> - <SEP> Titandioxyd <SEP> 5 <SEP> 2,5 <SEP> - <SEP> - <SEP> 4 <SEP> 3 <SEP> - <SEP> - <SEP> 2 <SEP> 2
<tb> Tricalciumphosphat <SEP> - <SEP> - <SEP> - <SEP> - <SEP> - <SEP> - <SEP> 8 <SEP> 6 <SEP> - <SEP> Farbe <SEP> q. <SEP> s. <SEP> q. <SEP> s. <SEP> q. <SEP> s. <SEP> q. <SEP> s. <SEP> q. <SEP> s. <SEP> q. <SEP> s. <SEP> q. <SEP> s. <SEP> q. <SEP> s. <SEP> q. <SEP> s. <SEP> q.
<SEP> s.
<tb> Wasser <SEP> ad <SEP> 100 <SEP> 100 <SEP> 100 <SEP> 100 <SEP> 100 <SEP> 100 <SEP> 100 <SEP> 100 <SEP> 100 <SEP> 100 Folgendes Beispiel veranschaulicht die Betriebswei se der neuen Vorrichtung: in einem mit einer gut zie henden Absaugvorrichtung versehenen Kessel von 60 cm gibt man 8 kg Dragéekerne von 6 mm (Ge wicht der Kerne 80 mg, Anzahl 100 000 Stück). Die Spritzeinrichtung wird so eingestellt, dass pro Decke ca. 80 ml der neuen Dragiersuspension innerhalb 25 Se kunden auf die Dragéekerne aufgesprüht werden. Dann lässt man die Kerne 1,5 Min ohne äussere Einwirkung laufen, damit sich die Suspension gleichmässig auf der Oberfläche verteilen kann. Anschliessend wird 2 Minu ten mit einem Warmluftstrom getrocknet.
Diese 3 Pha sen werden solange wiederholt, bis 8,5 kg Suspension
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<I>Tabelle <SEP> 2</I>
<tb> Dragéekerne <SEP> Dragee- <SEP> 1 <SEP> Sprühdecke
<tb> .a <SEP> mm <SEP> Gew. <SEP> (mg) <SEP> Stückzahl <SEP> Ges. <SEP> Gew. <SEP> Gewicht <SEP> Suspension <SEP> Trocken (kg) <SEP> (mg) <SEP> (ml) <SEP> gew.(g)
<tb>
<tb> 6 <SEP> 80 <SEP> <B>100000</B> <SEP> 8 <SEP> 130 <SEP> 80 <SEP> 56
<tb> 6 <SEP> 80 <SEP> <B>100000</B> <SEP> 8 <SEP> 115 <SEP> 60 <SEP> 42
<tb> 10 <SEP> 330 <SEP> 120000 <SEP> 39,6 <SEP> 500 <SEP> 500 <SEP> 350
<tb> 9 <SEP> 360 <SEP> 120000 <SEP> 43,2 <SEP> 560 <SEP> 450 <SEP> 315
EMI0003.0002
<I>Fortsetzung <SEP> Tabelle <SEP> 2</I>
<tb> Kessel <SEP> p' <SEP> Zeit <SEP> pro <SEP> Sprühdecke <SEP> (Sek.) <SEP> Gesamt
<tb> (cm)
<SEP> Sprühen <SEP> Pause <SEP> Trocknen <SEP> a <SEP> + <SEP> b <SEP> Dragierzeit
<tb> (a) <SEP> (b) <SEP> (c) <SEP> +c <SEP> (Std.)
<tb>
<tb> 60 <SEP> 25 <SEP> 90 <SEP> 120 <SEP> 235 <SEP> 6,5-7
<tb> 60 <SEP> 5 <SEP> 55 <SEP> 120 <SEP> 180 <SEP> 6,5-7
<tb> 100 <SEP> 12 <SEP> 90 <SEP> 138 <SEP> 240 <SEP> 4
<tb> 100 <SEP> 11 <SEP> 90 <SEP> 109 <SEP> 210 <SEP> 4