Vorrichtung zum Auswerfen einer Kombination, bestehend aus einem Flugzeugsitz und einem Besatzungsmitglied, aus einem Flugzeug Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Auswerfen einer Kombination, bestehend aus einem Flugzeugsitz und einem Besatzungsmitglied, aus einem Flugzeug mittels einer Auswurfkanone in einer vor bestimmten Richtung bezüglich des Flugzeuges.
Bei den bisher verwendeten Flugzeugschleuder sitzen erfolgt das Ausschleudern des Sitzes aus dem Flugzeug mit Hilfe einer Auswurfkanone, die sich aus zwei oder mehreren teleskopartig zusammenwir kenden Teilen zusammensetzt, welche durch beim Zünden wenigstens einer verbrennbaren Ladung er zeugten Druckgase in Achsrichtung auseinanderge- drückt werden. Diese Kanone wirkt zwischen dem Sitzrahmen und einem festen Teil des Flugzeuges und ist in solcher Lage angeordnet, dass der Schub in der Richtung ausgeübt wird, die der Schleuder sitz bei seiner Bewegung aus dem Flugzeug durch fliegen soll.
Wenn die Kombination aus Schleudersitz und Be satzungsmitglied im Notfall aus einem Flugzeug aus geschleudert wird, dann soll diese Kombination aus Sitz und Besatzungsmitglied in einer vorbestimmten Richtung in kürzestmöglichster Zeit eine hohe Ge schwindigkeit erreichen, soweit dies mit der Aufbrin gung physiologisch annehmbarer Beschleunigungs werte für das Besatzungsmitglied verträglich ist. Das heisst mit anderen Worten, es ist wichtig, dass die Flugbahn der Kombination aus Sitz und Besatzungs mitglied relativ zur Flugbahn des Flugzeuges im Zeitpunkt des Auswurfes derart sein soll, dass die Kombination aus Sitz und Besatzungsmitglied aus reichend frei von Teilen des Flugzeuges, beispiels weise dem Leitwerk, kommt.
Es ist ausserdem wichtig, dass die Kombination aus Sitz und Besatzungsmitglied eine Bahnkurve von angemessener Höhe und Dauer erhält, so dass ausreichend Zeit für die Entfaltung und richtige Wirkungsweise des oder der Personen fallschirme verbleibt, durch die der anschliessende Fall gesteuert wird, wenn der Auswurf bei geringen Flugzeuggeschwindigkeiten und Höhen, beispielsweise bei der Geschwindigkeit und Höhe Null, erfolgt.
Die Auswurfkanone eines Schleudersitzes der oben beschriebenen Art kann nur eine wirksame Be schleunigungskraft während der Zeit erzeugen, wäh rend der sich die teleskopartig zusammenwirkenden Teile der Kanone im gegenseitigen Eingriff befinden. Dies bedeutet, dass die Auswurfkanone eine sehr hohe kurzzeitige Beschleunigung erzeugen muss, um eine entsprechend hohe Geschwindigkeit der Kombination aus Sitz und Besatzungsmitglied zu erzielen.
Infolge dessen ist die maximal erzielbare Geschwindigkeit durch den maximalen Beschleunigungswert begrenzt, der auf das Besatzungsmitglied durch die Auswurf kanone aufgebracht werden kann.
Mit dem Ziel, höhere Geschwindigkeiten zu er reichen, ohne unannehmbare Beschleunigungen auf das Besatzungsmitglied zu übertragen, wurde bereits der Vorschlag gemacht, einen Schleudersitz der be schriebenen Art mit einem Raketenmotor zu ver sehen, welcher eine Beschleunigungskraft zur Erhö hung der Geschwindigkeit der Kombination aus Sitz und Besatzungsmitglied liefert, die grösser ist als die jenige, die durch eine Auswurfkanone erzielbar ist. Gemäss diesem Vorschlag wird der Raketenmotor in die Auswurfkanone auf dem Sitzrahmen eingebaut.
Da sich die Achse der Auswurfkanone nicht durch den Schwerpunkt der Kombination aus Sitz und Be satzungsmitglied erstreckt, wurden die Auspuffdüsen des Raketenmotors bezüglich der Auswurfkanonen- achse geneigt, so dass die Kraftlinie des Raketen motors nach oben und vorne annähernd durch den Schwerpunkt der Kombination aus Sitz und Besat- zungsmitglied verläuft. Es ist jedoch selbstverständ lich, dass dann, wenn die Kraftlinie des Raketen motors nicht im wesentlichen durch den Schwerpunkt dieser Kombination verläuft, der Raketenmotor ein unerwünschtes Kippmoment auf diese Kombination ausübt.
Da die Kraftlinie des Raketenmotors gemäss dem älteren Vorschlag gegen die sich aus der Wirkung der Auswurfkanone ergebene Ausgangsbahnkurve der Kombination aus Sitz und Besatzungsmitglied geneigt war, bleibt die Ausgangsbahnkurve der Kombination nicht erhalten, sondern wird vielmehr durch die Ra ketenmotorkraft derart abgeändert, dass eine nach vorne gerichtete Geschwindigkeitskomponente ent steht. Bei hohem Schnellflug des Flugzeuges im Mo ment des Auswurfes hat diese nach vorne gerichtete Geschwindigkeitskomponente der Kombination aus Sitz und Besatzungsmitglied den Vorteil, dass sie das Freikommen der Kombination von einem hohen Leit werk unterstützt.
In anderen Fällen, insbesondere bei niedrigen Geschwindigkeiten und wenn das Flugzeug mit der Nase nach unten gerichtet ist, kann die nach vorne gerichtete Geschwindigkeitskomponente dazu führen, dass die Kombination aus Sitz und Besat zungsmitglied auf den Boden geschleudert wird.
Ziel der vorliegenden Erfindung ist die Schaffung einer Auswurfvorrichtung, die den heutigen Anfor derungen stärker gerecht wird als die bisherigen Systeme.
Die Erfindung ist gekennzeichnet durch minde stens einen von der Auswurfkanone unabhängigen Raketenmotor zum Beschleunigen der Kombination in der genannten vorbestimmten Richtung durch Er zeugung einer Schubkraft, deren Kraftlinie mindestens annähernd in der genannten Richtung und durch den Schwerpunkt der Kombination verläuft.
Die Forderung, dass die Kraftlinie des Raketen motors mindestens annähernd durch den Schwer punkt der Kombination aus Sitz und Besatzungsmit glied verläuft, und ausserdem mindestens annähernd mit der vorbestimmten Bahn, längs der der Sitz das Flugzeug verlässt, zusammenfallen soll, macht es er forderlich, dass die Ausströmung des Raketenmotors von unterhalb der Sitzschale im allgemeinen nach unten gerichtet ist. Der Raketenmotor kann gegebe nenfalls auf dem Sitzrahmen montiert sein und eine Ausströmleitung aufweisen, die unter der Sitzschale zu einer Düse führt, die so angeordnet ist, dass sie die Ausströmung in die gewünschte Richtung lenkt.
Vorzugsweise wird jedoch der Raketenmotor unmit telbar unter der Sitzschale montiert. Die Anordnung kann einen einzigen Raketenmotor geeigneter Schub kraft aufweisen. Vorzugsweise enthält die Anordnung jedoch eine Reihe von Raketenmotoren, die einzeln nur geringen Schub, jedoch gemeinsam den erforder lichen Schub erzeugen. Die zuletzt genannte Anord nung ist insbesondere im Falle der Befestigung des Raketenmotors unter der Sitzschale vorzuziehen, da eine Gruppe kleiner Raketenmotoren, die gemeinsam die erforderlichen Schubkräfte liefert, leichter in dem verfügbaren beengten Raum unterzubringen ist als ein einziger Raketenmotor mit dem gewünschten Schub.
Vorzugsweise sind Einrichtungen zum gleichzei tigen Zünden der Raketenmotoren und ein gemein sames Ausströmsystem vorgesehen, so dass beim Aus fallen der Zündung eines Raketenmotors die Schub richtung der Raketenmotorgruppe nicht merklich, wenn überhaupt, beeinflusst wird. Das Ausström- system kann aus einer einzigen Düse bestehen, die durch alle Raketenmotoren beschickt wird. Will man jedoch eine kompaktere Anordnung erreichen, dann besteht das Ausströmsystem vorzugsweise aus einer Vielzahl von miteinander in Verbindung stehenden Düsen.
Im folgenden wird ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand der Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen: Fig. 1 eine schematische Darstellung verschiede ner Bahnkurven der Kombination aus Sitz und Be satzungsmitglied, die sich aus der verschiedenen Art des Auswurfes der Kombination aus einem Flugzeug ergeben, Fig. 2 eine schematische Darstellung eines Flug zeugschleudersitzes, der mit einem Raketenmotor aus gerüstet ist, Fig. 3 einen Teilschnitt durch eine Raketenmo- torgruppe gemäss einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung,
Fig. 4 eine Seitenansicht der Raketenmotorgruppe nach Fig. 3, Fig. 5 eine Vorderansicht der Raketenmotor gruppe nach Fig. 3, Fig. 6 einen Teillängsschnitt längs der Linie VI-VI der Fig. 5 und Fig. 7 eine schematische Darstellung einer zweck mässigen Befestigung der Raketenmotorgruppe nach den Fig. 3 bis 6 an einem Flugzeugschleudersitz.
Die schematische Darstellung nach Fig. 1 deutet ein Flugzeug mit dem Strich 1 in der Nähe des Bo dens 2 an und zeigt die verschiedenen Bahnkurven der Kombination aus Sitz und Besatzungsmitglied, die sich beim Ausschleudern der Kombination aus dem Flugzeug 1 ergeben. Die mit der Linie 3 be zeichnete Bahnkurve wurde bei einem Versuch mit einem Schleudersitz erzielt, der mit einem Raketen motor in Übereinstimmung mit den früheren hier dis kutierten Vorschlägen ausgerüstet ist, wenn das Flug zeug 1, das im Falle des entsprechenden Versuchs lediglich ein Versuchsfahrzeug war, sich von links nach rechts nach Fig. 1 mit einer Geschwindigkeit von 90 km/h bewegte.
Längs der Linie 3 sind die aufeinanderfolgenden Zustände der Kombination aus Sitz und Besatzungsmitglied schematisch dargestellt. Man erkennt die Trennung des Besatzungsmitgliedes von seinem Sitz und die Entfaltung seines Fallschir mes. Die Bahnkurve 3 erreicht eine maximale Höhe von 44 m über dem Boden, und der Fallschirm des Besatzungsmitgliedes hatte sich voll entfaltet in einer Höhe von 22 m über dem Boden nach dem Fall des Besatzungsmitgliedes vom höchsten Punkt der Bahnkurve. Die horizontale Erstreckung der Bahnkurve beträgt 160 m.
Die strichpunktierte Linie 2a in Fig. 1 zeigt die Schnittebene der Bahnkurve 3 mit dem Boden, falls der Auswurf aus einem Flugzeug erfolgt, das sich unter einem Winkel von 10 dem Boden nähert, wobei der Auswurf unmittelbar vor dem Aufschlag erfolgt, und die anderen Bedingungen unverändert bleiben. Man erkennt, dass die Bodenebene 2a die Bahnkurve 3 vor der vollen Entfaltung des Besat zungsfallschirmes schneidet.
Die mit der Linie 4 in Fig. 1 wiedergegebene Bahnkurve erhält man bei einem Versuch, der unter den oben beschriebenen Bedingungen ausgeführt wird, wobei jedoch eine Schleudersitzeinrichtung ge mäss der vorliegenden Erfindung Verwendung findet. Man erkennt aus der schematischen Darstellung der Stufen der Trennung zwischen Sitz und Besatzungs- mitjlied und der Entfaltung des Fallschirmes, dass bei diesem Versuch der Personenfallschirm bis zu dem Zeitpunkt, in dem das Besatzungsmitglied den höchsten Punkt der Bahnkurve erreicht hat, im we sentlichen voll entfaltet ist, und dass das Besatzungs mitglied mit einem voll entfalteten Fallschirm aus einer Höhe von 120 m herabsinkt.
Es ergibt sich somit, dass das Flugzeug mit einem erheblich steileren Winkel zur Erde stürzen kann, ohne dass die Gefahr besteht, dass das Besatzungsmitglied vor völliger Ent faltung seines Fallschirmes auf den Boden aufschlägt.
Die durch die Linie 5 angedeutete Bahnkurve in Fig. 1 entspricht der Bahnkurve nach der Linie 4, jedoch im Falle des Auswurfes einer Schleudersitz anordnung gemäss der vorliegenden Erfindung aus einem still am Boden stehenden Fahrzeug unter ruhi gen Windverhältnissen. Man erkennt, dass in diesem Fall der Fallschirm des Besatzungsmitgliedes prak tisch voll entfaltet ist, bevor dieses den höchsten Punkt der Bahnkurve erreicht hat, und dass es mit voll entfaltetem Fallschirm aus einer Höhe von etwa 140 m und im Abstand von etwa 62 m hinter dem Auswurfpunkt zur Erde sinkt.
Bei der Ausführungsform, der die Bahnkurve 3 nach Fig. 1 entspricht, ist die Kraftlinie des Raketen motors, mit dem der Schleudersitz ausgerüstet ist, durch den Pfeil 6 angedeutet. Die Raketenkraftlinie der Einrichtung, die zu den Bahnkurven 4 und 5 führt, ist durch die Pfeile 7 und 8 in Fig. 1 wieder gegeben.
Fig. 2 zeigt schematisch einen Flugzeugschleu dersitz, der mit einem einzigen Raketenmotor aus gerüstet ist. Die in der Praxis zusammen mit dem Sitz allgemein verwendete übliche Auswurfkanone ist in der Zeichnung der Übersichtlichkeit halber nicht wiedergegeben.
Der in Fig. 2 dargestellte Schleudersitz enthält einen Sitzrahmen 10, der eine zur deutlicheren Wie dergabe des allgemein mit 11 bezeichneten Raketen motors nicht gezeichnete Sitzschale aufnimmt. Der Raketenmotor besteht in diesem Fall aus einem sich in Querrichtung erstreckenden Kanister 12, der an seinen Enden mit Hilfe geeigneter Befestigungskon solen 13 auf dem Sitzrahmen 10 gelagert ist. Der Kanister 12 enthält eine geeignete Antriebsladung, beispielsweise einen stranggepressten rohrförmigen Antriebskörper mit wenigstens einer Längsrille in seinem Rande und Öffnungen, die sich von der Boh rung in diesem Körper in die Rille erstrecken.
Der Körper ist so im Kanister angeordnet, dass die Rille mit einer nach unten gerichteten Düse 14 fluchtet, die sich von der Mitte der unteren Wandung des Kanisters 12 erstreckt. Die Anordnung der Ladung im Kanister 12 ist derart gewählt, dass die durch die Verbrennung der Ladung erzeugten Antriebsgase der Düse 14 zugeleitet werden.
Die Düsenachse, die die Kraftlinie des Raketenmotors festlegt, erstreckt sich durch oder im wesentlichen durch den Schwerpunkt der Kombination aus Sitz und Besatzungsmitglied und verläuft im wesentlichen parallel zur Kraftlinie der Auswurfkanone, d. h. im wesentlichen parallel zur Anfangskurvenbahn des Sitzes, die ,sich bei Betäti gung dieser Auswurfkanone ergibt.
Die Zündung der Antriebsladung im Kanister 12 kann in üblicher Weise erfolgen. Eine geeignete Anordnung ist in Fig. 2 wiedergegeben. Bei dieser Anordnung ist der Kanister 12 mit einem sich nach vorne erstreckenden Kanal 15 versehen, dessen vor deres Ende als Verschluss für eine Zündpatrone aus gebildet und mit einer Zündnadelvorrichtung aus gerüstet ist, die beim Auswurf des Sitzes aus dem Flugzeug betätigt wird.
Bei der wiedergegebenen Ausführungsform ent hält die Zündnadeleinrichtung einen gegabelten Stem pel 16, der einen Keil 17 umfasst. Dieser Keil wirkt mit einer Rolle 18 auf dem Stempel 16 derart zu sammen, dass beim Abwärtsziehen des Keiles 17 aus dem Bereich zwischen den Armen des Stempels 16 zuerst eine Vorwärtsbewegung dieses Stempels zum Spannen einer nicht gezeichneten Feder hervorgeru fen wird. Diese Feder treibt anschliessend die Zünd nadel nach hinten zur Zündung der Einleitungspa- trone, sobald der Keil 17 voll von der Rolle 18 abgezogen ist.
Der Keil 17 kann zwischen den Armen des Stempels 16 während des Auswurfes des Schleu dersitzes nach unten gezogen werden, was zu einer Zündung der Antriebsladung im Kanister 12 durch die heissen Verbrennungsprodukte der Zündpatrone im richtigen Augenblick des Auswurfes erfolgt.
Die Einrichtungen zum Abziehen des Keiles 17 können beispielsweise aus einem Teleskopglied 19 bestehen, das mit Hilfe einer geeigneten Konsole 20 an der Flugzeugzelle verankert ist. Das Teleskopglied 19 streckt sich während des anfänglichen Auswurfes des Sitzes, bis der Sitz einen Punkt erreicht hat, an dem der Keil 17 abgezogen wird, wenn das Glied 19 aufhört, sich zu strecken und somit den Keil festhält, während der Sitz sich längs seiner Auswurf bahn bewegt.
Während bei der Ausführungsform nach Fig. 2 der Kanister 22 innerhalb des Sitzrahmens 10 an- geordnet ist, kann der Kanister 12 selbstverständlich auch an der Unterseite des Sitzrahmens befestigt wer den. Anstelle eines einzigen Kanisters kann man zwei oder drei der wiedergegebenen Ausführungsform ähn liche Kanister, jedoch mit einer geringeren Antriebs ladung, jeweils an den Kanal 15 anschliessen, so dass die Ladungen in den Kanistern gleichzeitig gezündet werden. Ausserdem kann der Kanister 12 oder eine Anzahl kleinerer Kanister auch so angeordnet wer den, dass sie ,sich in Längsrichtung, d. h. in Flug richtung, statt quer dazu erstrecken.
Eine bevorzugte Ausführungsform des Erfin dungsgegenstandes ist in den Fig. 3 bis 7 wieder gegeben. Bei dieser Ausführungsform enthält der schematisch in Fig. 7 wiedergegebene Schleudersitz einen Sitzrahmen 21, der mit einer nicht gezeichneten, an sich bekannten Au:swurfkanone ausgerüstet ist, und trägt unter der Sitzschale eine allgemein mit 22 angedeutete Raketenmotorgruppe. Die Gruppe 22 ist zweckmässig am Sitzrahmen 21 mit Hilfe herabhän gender Konsolen 23 befestigt, die sich auf jeder Seite des Sitzrahmens befinden.
Die Konstruktion der Raketenmotorgruppe 22 lässt sich im einzelnen aus den Fig. 2 bis 6 entneh men. Wie man aus diesen Figuren erkennt, besteht die Gruppe aus einem Mittelkörper 24, der an seinen beiden Enden verschlossen ist und mit den Enden an den Konsolen 23 hängt. Der Mittelkörper besitzt in Abständen über seine Länge diametral gegenüber liegende Öffnungen 25 (Fig. 6), die mit rohrförmigen Stutzen 26 in Verbindung stehen.
Diese Stutzen 26 sind am Mittelkörper angeschweisst oder in anderer Weise befestigt und besitzen Innengewinde zur Auf nahme von entsprechenden Gewindeköpfen von die Antriebsladungen enthaltenden Kanistern 27. Wie man aus Fig. 3 erkennt, haben die Kanister 27 unter schiedliche Längen und enthalten unterschiedliche Mengen der Antriebsladung, wobei die Anordnung der Kanister unterschiedlicher Grösse auf dem Mittel körper 24 so gewählt ist, dass der Schwerpunkt der Raketenmotorgruppe als ganzer an der richtigen Stelle zu liegen kommt. Selbstverständlich ist das Gewicht der gesamten Antriebsladung so gewählt, dass die Gruppe den gewünschten Schub und die gewünschte Brenndauer aufweist.
Die Anordnung kann offenbar durch geeignete Wahl der Grösse der am Mittelkörper zu befestigenden Kanister und damit zur Erzielung eines gewünschten Gesamtladungsgewichtes den ver schiedensten Gegebenheiten angepasst werden.
Die Ladungen in den Kanistern 27 sind vorzugs weise aus ähnlich geformten rohrförmigen Körpern festen Ladungsmaterials gepresst, wie man bei 27a in Fig. 6 erkennt. Aus noch zu erläuternden Gründen besitzt die Ladung 27a in jedem Kanister vorzugs weise eine Verlängerung 27b, die sich durch die ent sprechende Öffnung 25 im Mittelkörper 24 erstreckt und so in die Bohrung des letzteren vorsteht.
Der Mittelkörper 24 ist ferner in Abständen längs seiner Länge mit einer Reihe von Austrittsöffnungen 28 versehen, deren Achsen von der Achse des Mittel- körpers 24 nach vorne und unten gerichtet sind, falls der Mittelkörper so orientiert ist, dass die Kanister 27 im wesentlichen horizontal liegen. Die Öffnungen 28 stehen mit Düsenstutzen 29 in Verbindung, wel che Hohlstopfen 30 aufnehmen. Die Stopfen 30 hal ten nicht gezeichnete Membranen, welche die öff- nungen 28 verschliessen, bis die Ladungen in den Kanistern 27 gezündet werden.
In der Nähe der Mitte ihrer Längserstreckung besitzt der Mittelkörper 24 eine den nach vorne zeigenden Öffnungen 25 entsprechende Öffnung, die jedoch mit einem Rohrstutzen 31 statt mit einem Kanister 27, wie bei den Öffnungen 25, in Verbin dung steht. Der Rohrstutzen 31 trägt eine Zündvor richtung aus einem rohrförmigen Körper 32, der innerhalb des Rohrstutzens 31 sitzt und an letzterem mit Hilfe von zusammenwirkenden Schraubgewinden 33 auf dem Körper 32 bzw. dem Rohrstutzen 31 fixiert ist. Das innere Ende des Körpers 32 ist mit einem abnehmbaren rohrförmigen Stopfen 34 verse hen, der ein Gehäuse für eine nicht gezeichnete Zündpatrone bildet.
Der Körper 32 ist innen durch eine Trennwand 35 in zwei Kammern unterteilt, die eine Mittelöffnung aufweisen, durch die eine Zünd nadel 36 in das Zündpatronengehäuse 34 eindringen und die darin sitzende Patrone zünden kann.
Die Zündnadel 36 ist auf dem Kopf eines gega- belten Stempels 37 montiert, der in Richtung der Trennwand 35 mit Hilfe einer Druckfeder 38 ge drückt wird, welche zwischen dem Kopf des Stem pels 37 und einer Kappe 39 sitzt, die das äussere Ende des Körpers 32 abschliesst. Der Stempel 37 erstreckt .sich durch eine Mittelöffnung in der Kappe 39 und die Arme 40 dieses Stempels tragen eine Rolle 41, die mit einem Keil 42 in Eingriff steht, welche sich zwischen den Armen 40 erstreckt und zwischen Rollen 41 und Kappe 39 eingesetzt ist.
Beim Abziehen des Scherstiftes erfolgt zuerst eine Auswärts- oder Vorwärtsbewegung des Stempels 37 zum Zusammendrücken der Feder 38, worauf der Stempel 37 freikommt und die Feder 38 den Stempel nach innen drückt. Dadurch wird die Zündnadel 36 durch die Öffnung in der Trennwand um 35 gedrückt und zündet die Zündpatrone im Patronengehäuse 34 am inneren Ende des Körpers 32. Die Einrichtung zum Abziehen des Keiles 42 im richtigen Augen blick während des Auswurfes kann von geeigneter Form sein und beispielsweise der Einrichtung nach Fig. 2 entsprechen.
Wird eine Zündpatrone im Patronengehäuse 34 durch den Zündstift 36 beim Abziehen des Keiles 32 gezündet, dann treten offenbar die heissen Ver brennungsprodukte der Patrone in die Bohrung des Mittelkörpers 24 ein. Da auf dem Mittelkörper 24 unmittelbar gegenüber dem Rohrstutzen 31 ein Ka nister 27 montiert ist, wird die Ladung in diesem Kanister unmittelbar durch die in den Mittelkörper aus dem Rohrstutzen 31 eintretenden heissen Ver brennungsgase gezündet. Da die Ladungen in und am Kanister in die Bohrung des Mittelkörpers 24 durch die entsprechenden Öffnungen' 25 vorstehen, werden auch die Ladungen 27a wenigstens in den in der Nähe des Rohrstutzens 31 liegenden Kanistern 27 ebenfalls durch die aus dem Rohrstutzen 31 und dem Mittelkörper eintretenden heissen Verbrennungs produkte gezündet.
Alle nicht durch diese heissen Verbrennungsprodukte gezündeten Ladungen 27a werden unmittelbar durch die aus den gezündeten Ladungen 27a in den Mittelkörper austretende Aus strömung gezündet.
Die zerbrechlichen Membranen, die die öffnun- gen 28 abschliessen, besitzen eine so grosse Festigkeit, dass sie der Druckwelle bei der Zündung der Zünd- patrone widerstehen, so dass der Mittelkörper gegen die Aussenatmosphäre abgeschlossen ist, bis wenig stens eine Ladung 27a gezündet ist und im Mittel körper einen Druck erzeugt, der zum Bruch der zerbrechlichen Membrane ausreicht. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass wenigstens eine Ladung vor dem Öffnen des Mittelkörpers richtig gezündet wird.
Man erkennt, dass unter bestimmten Umständen, beispiels weise in grossen Höhen, ein Zünden der Ladungen 27a durch einen zu niedrigen Druck innerhalb des Mittelkörpers 24 verhindert würde, wenn dieser vor der vollen Zündung wenigstens einer Ladung 27a bereits mit der Atmosphäre in Verbindung stünde.
Es wurde bereits erwähnt, dass zuerst die Aus wurfkanone gezündet wird, um die Kombination aus Sitz und Besatzungsmitglied zuerst aus dem Flug zeug auszuschleudern, worauf der oder die Raketen motoren gezündet werden, um eine zusätzliche Be schleunigung dieser Kombination hervorzurufen. Der Punkt beim Auswurf, an dem der oder die Raketen motoren gezündet werden, ist vorzugsweise so ge wählt, dass sich die Raketenkraft während der Ver minderung der Kraft der Auswurfkanone ausbildet, so dass die Beschleunigung der Kombination aus Sitz und Besatzungsmitglied im Bereich zwischen der Zündung der Auswurfkanone und der Zündung des oder der Raketenmotoren nicht auf den Wert Null absinkt.
Bei einer typischen Anordnung erzeugt die Aus wurfkanone rasch eine Kraft, die zu einer Beschleu nigung von vielleicht 15 g führt, welche dann im wesentlichen auf Null in der Zeit absinkt, in der sich die teleskopartig zusammenwirkenden Teile der Auswurfkanone trennen. Der oder die Raketenmoto ren sind dann so ausgelegt, dass sie eine Beschleuni gung von etwa 10 g erzeugen.
Der Zündpunkt des oder der Raketenmotoren ist vorzugsweise so gewählt, dass der oder die Raketenmotoren eine Raketenkraft während der Abnahme der Kraft der Auswurfkanone erzeugen, dass die Beschleunigung der Kombination aus Sitz und Besatzungsmitglied bis zum Aufhören der Raketenkraft niemals unter 10 g fällt. Durch die Einstellung eines solchen Zündpunktes für den oder die Raketenmotoren wird das Besatzungsmitglied einer angemessenen konstanten Beschleunigung nach der durch die Auswurfkanone während der vorher- gehenden Auswurfperiode erreichten Spitzenbeschleu nigung ausgesetzt.