Verfahren zur Herstellung von mehrfarbigen Zierfilmen auf Oberflächen aller Art. Zur Herstellung farbiger Lackschichten hat man bereits zwei oder mehr verschieden farbige Pigmente in einem Anstrichmittel vereinigt. So hat man z.
B. für Rostschutz farben gleichzeitig Eisenglimmer und Alu miniumpulver verwendet, die sowohl eine Farbwirkung, aahs auch eine schwach sichtbare Reflaxions#wirkung besitzen. Ferner ist es zum Beispiel zur Herstellung von gunatlederlacken bekannt, einer Zelluloseesterlösung neben Zinkweiss noch Farbstoffe, wie Pariser Blau, Schweinfurter Grün, Fuchsin oder Ocker zu zusetzen.
Die hiermit hergestellten Anstrich schichten besassen aber die übliche Misch farbe, da stets durch eine starke Vermahlung der Pigmente mit dem Bindemittel die Schwimmfähigkeit der Pigmente unterdrückt wurde, um eine Entmischung zu verhindern.
Es wurde nun gefunden, dass sich mehr farbige Zierfilme auf Oberflächen aller Art dadurch gewinnen lassen, dass man ein Über zugsmittel, dem zwei oder mehrere verschie- denfarbige, in ihren physikalischen Eigen- schaften voneinander abweichende Pigmente derart zugesetzt sind, dass mindestens für ein Pigment die Schwimmfähigkeit erhalten bleibt, aufbringt.
Unter "Schwimmfähigkeit" wird die Eigenschaft der Pigmente verstan den, nach der Auftragung des @Überzugs- mittels auf die Gegenstände an die Oberfläche des Filmes zu treten.
Zur Erzielung des Mehrfarbeneffektes werden zwei oder mehrere Pigmente ver wendet, wobei absichtlich vermieden wird, eines dieser Pigmente vollständig zu be netzen. Gewöhnlich wird bei der Herstellung von farbigen Überzugsmitteln eine Benetzung der Pigmente durch die üblichen Mahl verfahren und mechanischen Mischverfahren erzwungen. Bei den gemäss der Erfindung hergestellten Farbenmischungen ist wenig stens eines der Pigmente nicht vollständig benetzt, so dass es seine Schwimmfähigkeit behalten hat.
Das andere Pigment kann vollständig benetzt sein; es kann aber ge gebenenfalls auch unvollständig benetzt sein, so dass es ebenfalls schwimmend ist. Die un vollständige Benetzung mindestens eines Pig mentes wird beispielsweise dadurch erreicht, dass das oder die betreffenden Pigmente, deren Schwimmfähigkeit erhalten werden soll, nur leicht mit dem Bindemittel ver mischt werden.
Dieses wird in der Praxis zum Beispiel in der Weise ausgeführt, dass zunächst in üblicher Weise ein in Lösungsmitteln ge löstes Bindemittel mit einer oder mehreren Buntfarben fein vermahlen wird und dass so dann dieser durchgemahlenen Mischung vor dem Aufspritzen eine nur angerührte Paste eines schwimmenden Pigmentes, z. B. einer Bronze, zugesetzt und das Ganze geschüttelt wird.
Es empfiehlt sich, die so hergestellten Überzugsmittel, die zwei oder mehrere ver schiedenfarbige Pigmente unter Erhaltung der Schwimmfähigkeit von mindestens einem Pigment enthalten, auf die Gegenstände in vorsichtiger Weise aufzutragen.
Unter "vorsichtigem" Auftragen ist hier zu verstehen die richtige Wahl der Auftrags methode im Verhältnis zum Verhalten des Anstrichsmittels, insbesondere in bezug auf Anziehen (erstes Trocknen), Trockenzeit, Verlauf und zu erwartender Filmstärke, so dass die schwimmfähig gebliebenen Pigment teilchen nach dem Auftrag bei Verlauf und Trocknung des Überzuges sich nicht gleich mässig mit den übrigen Pigmentteilchen mischen, sondern sich ganz oder teilweise von ihnen scheiden und an die Oberfläche der Überzugsschicht treten können,
ohne durch die mechanische Berührung mit dem zum Auftragen benutzten Handwerkszeug oder Apparat darin gestört zu werden. In dieser Beziehung liegen die Verhältnisse beim Spritzen besonders günstig.
Ein langsam an ziehendes Ü@berzugsmittel kann man bei- spielsweise auch streichen, ein schnell an ziehendes dagegen schlecht, weil die Pigment teilchen aus bekannten Gründen wenigstens zum Teil etwa auf dem Platze verbleiben würden, auf den sie durch den Druck des Pinsels befördert worden sind, und daher die schwimmfähigen; Pigmente nicht aus- reichend an die Oberfläche der Überzugs- schieht treten.
Andernteils ist es empfehlenswert, dass das Überzugsmittel in genügender Schicht dicke im Verhältnis zur Pigmentteilchen- grösse und Menge aufgetragen wird, so dass die Pigmentkörnchen, ohne auf dem Unter- grund hängen zu bleiben oder sich gegen- seitig in der Einordnung zu behindern,
den ihnen auf Grund der vorstehend erwähnten Vorgänge zukommenden Platz im Film bezw. an der Oberfläche einnehmen können. Die Überzugsmittel müssen vor dem Gebrauch gut aufgerührt oder geschüttelt werden.
Zu dicker Auftrag kann wiederum ungleich- mässige Anordnung oder Ballung der Farb- teilchen zur Folge haben.
Als derartige Pigmente, die in ihren physikalischen Eigenschaften, so .insbeson- dere im spezifischen Gewicht, Korngrösse, Kornform, Ölaufnahmefähigkeit oder La dung, voneinander verschieden sind, können z.
B. verwendet werden einerseits Bronze farben, insbesondere Aluminiumbronze, Kup- ferbronze, Messingbronze, oder schuppen- artige Pigmente, wie etwa Glimmer, und an- derseits Russ, Graphit, Bleichromat, Zink- oxyd,
Ocker und andere Erdfarben, Anilin- rot, Ultramarinblau und dergl. Die Bronze farben und schuppenförmigen Pigmente kön nen gegebenenfalls auch in gefärbtem Zustand verwendet werden und zur Erhöhung der Schwimmfähigkeit beim <RTI
ID="0002.0119"> Stampfen mit palmitinsaurer Tonerde und andern die Schwimmfähigkeit begünatägenden Stoffen, z. B. Stsarinsäure, Talg, Olivenöl, Rapsöl und dergl., vorbehandelt sein.
Zur Erzielung der erstrebten Wirkung ist es zweckmässig, die optimale Pigmentmenge festzustellen. Sie wird beeinflusst durch die erwähnten Eigenschaften. der Pigmente, durch den Gehalt des Bindemittels an nicht ver- dunstenden Stoffen (Körpergehalt)
und durch die Art der Vermischung. Wird ein körper- armes Bindemittel verwendet, so muss die Pigmentmenge niedriger gehalten werden als bei einem körperreichen. Wird sie zu gross gewählt, so können sich die Pigmentteilchen nicht den ihnen gemäss, ihrer besonderen physikalischen Beschaffenheit zukommenden Platz suchen.
Diese Grenze liegt aber vert- hältnismässig hoch.
Bei jeder Mischung von Pigmenten er gibt sich eine Minimal- und eine Maximal grenze, innerhalb der noch Mehrfarbeneffekt vorhanden ist. So überwiegt bei einer Ni sehung von einem Russ, mit einer Goldbronze bei einem Verhältnis von 10 Teilen Gold bronze auf 1 Teil Russ die Goldbronze derart, dass sie .die Russmenge vollständig überdeckt.
Anderseits ist bei einem Teil Goldbronze auf 7 Teilen Russ die Zweifarbenwirkung prak- tisch aufgehoben und es ergibt sich ein Film, der als praktisch einfarbig anzusprechen ist.
Das optimale Mischungsverhältnis der zwei oder mehr Pigmente kann von einem Fach mann leicht fastgestellt werden, wenn er die vorstehend angegebenen Bedingungen beachtet.
Für die Herstellung der .Überzugsmittel können beliebige bekannte Bindemittel ver wendet werden, so z. B. Üllacke, Kunstharz- lacke, Zelluloselacke, Chlorkautschuklaeke, ferner Leim, Kasein,
Wachs und ähnliche Bindemittel. Diese Bindemittel können .ge gebenenfalls eine transparente Anfärbung besitzen. Es ist von Vorteil, solche zu wählen, die eine Entmischung der verschiedenfarbigen Pigmente begünstigen. Dieses geschieht zum Beispiel dadurch, !dass;
sieh infolge des Gehaltes an schwerflüchtigen und! leiohtflüchtigen Lö sungsmitteln beim Verdunsten Konvektions- ströme bilden können, oder wenn die lTber- zugsmittel solche flüchtige oder nichtflüch tige Stoffe enthalten, die eine ausgespro chene Flotationswirkung besitzen.
Beim vorsichtigen Auftragen derartiger Überzugsmittel, die je ein oder mehrerE verschiedenfarbige Pigmente derart enthal ten, dass mindestens für ein Pigment die Schwimmfähigkeit erhalten .geblieben ist, tritt eine Entmischung der Pigmente ein,
so dass sich die Pigmente in ziemlich regel mässiger Musterung nebeneinander bezw. untereinander anordnen und eine prächtige Mehrfürbenwixkung erzielt wird.
Es emp- fiehlt sich, bei der Herstellung der neuen Überzugsmittel die verschiedenartigen Pig mente nur grob miteinander zu mischen, auf alle Fälle so, dass, die Schwimmfähigkeit mindestens für ein Pigment erhalten bleibt.
Es ist ferner gefunden worden, dass- be sonders schöne und eigenartige Zierwirkun gen erreicht werden, wenn zur Herstellung der mehrfarbigen Zierfilme sogenannte Effektlacke verwendet werden, die die Fähig- keit haben, beim Trocknen eine Oberfläohen- musterung, z.
B. eine sogenannte Eisblumen- bildung oder Runzelbildung, zu liefern (vergl. Kolke "Neuzeitliche Effektlacke und ihre Anwendung", 19'32). Bei Verwendung derartiger Effektlacke tritt an der Ober fläche, auf der sich .die verschiedenen:
Pig mentteilchen unter Trennung voneinander verteilen, infolge der Oberflächenmusterung -eine Verstärkung der Mehrfarbenwirkung ein, so .dass sie noch lebhafter zum Aus druck kommt. Fürderartige Effektlacke kön nen z.
B. Holzöllacke, Zelluloselacke unter Zusatz von Acetanilid, Phthalsäureglycerid- lacke, Verwendung finden.
Das. -Verfahren gemäss, der Erfindung kann zur Herstellung von mehrfarbigen Zier- filmen auf Gegenständen beliebiger Art, ins- besondere auf Metall, Papier (Tapeten), Pappe, Leder, Linoleum, Textilstoffen, kera- mischen Waren und dergl, verwendet werden.
<I>Beispiel</I>
EMI0003.0160
70 <SEP> Gewichtsteile <SEP> eines <SEP> in <SEP> bekannter <SEP> Weise
<tb> aus <SEP> <B>21</B> <SEP> Gewichtsteilen <SEP> Harzester, <SEP> 8 <SEP> Ge wichtsteilen <SEP> Leinöl, <SEP> 34 <SEP> Gewichtsteilen
<tb> Holzöl <SEP> hergestellten <SEP> Harzesterlackes,
<tb> ,dessen <SEP> Konsistenz <SEP> ebenfalls <SEP> in <SEP> üblicher
<tb> Weise <SEP> mit <SEP> 37 <SEP> Gewichtsteilen <SEP> Verdün nungsmittelgemisch <SEP> (Benzin <SEP> und <SEP> Benzol)
<tb> eingestellt <SEP> ist,
<SEP> werden <SEP> mit
<tb> 26 <SEP> Gewichtsteilen <SEP> Chromgelb <SEP> und
<tb> 5 <SEP> Gewichtsteilen <SEP> Titanweiss <SEP> auf <SEP> dem <SEP> Walz werk <SEP> fein <SEP> vermahlen <SEP> und <SEP> d <SEP> as <SEP> Ganze <SEP> mit
<tb> 5 <SEP> Gewichtsteilen <SEP> Aluminiumbronzepulver
<tb> in <SEP> einem <SEP> langsam <SEP> umlaufenden <SEP> Planeten rührwerk <SEP> kalt <SEP> vermischt.
<tb> 105 <SEP> Gewichtsteile.
Beispiel <I>2:</I> Ein in üblicher Weise hergestellter Eis- blumenlaok aus
EMI0004.0008
9 <SEP> Gewichtsteilen <SEP> Harzerster
<tb> 43,1 <SEP> Gewichtsteilen <SEP> Holzöl
<tb> 3,4 <SEP> Gewichtsteilen <SEP> Leinöl <SEP> und
<tb> 34,2 <SEP> Gewichtsteilen <SEP> VeTdütnnungsmittalge <B>m18ch <SEP> (Benzin <SEP> und <SEP> Benzol) <SEP> wird <SEP> in</B>
<tb> bekannter <SEP> Weise <SEP> auf <SEP> einem <SEP> langsam
<tb> umlaufenden <SEP> Planetenrührwerk <SEP> mit
<tb> 12,,85 <SEP> Gewichtsteilen <SEP> Pudergraphit <SEP> und
<tb> 1,
45 <SEP> Gewichtsteilen <SEP> Aluminiumbronzepul ver <SEP> kalt <SEP> innig <SEP> vermischt.
<tb> 100 <SEP> Gewichtsteile. Das IAaok-iergut wird, z. B. in elektrischen Ofen, in bekannter Weise getrocknet.