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Verfahren zur Abscheidung yon Mikroorganismen aus FlÜssigkeiten.
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Abscheidung von Mikroorganismen aus Flüssigkeiten und beruht grundsätzlich auf der neuen Erkenntnis, dass es eine Anzahl von Mikroorganismen gibt, welche an sich zur Ausflockung neigen und beim Ausflocken andere in der Flüssigkeit schwebende, nicht oder unvollkommen flockende Mikroorganismen mit zum Ausflocken zu bringen vermögen. Um also, aus einer Flüssigkeit, in welcher sich bereits Mikroorganismen befinden, oder in der solche gezüchtet werden, eine Ausflockung vorzunehmen, setzt man gemäss der Erfindung in irgend einem Stadium des Fabrikationsganges die Ausflockungsmikroorganismen zu.
Selbstverständlich dürfen für die Zwecke der Ausflockung nur unschädliche Mikroorganismen verwendet werden, d. h. solche, welche die Eigenschaften der auszuflockenden Mikroorganismen bzw. der diese enthaltenden Flüssigkeit seib. st nicht in irgend einer unerwünschten Weise beeinträchtigen können.
Das Verfahren ist mannigfache Anwendung fähig und kann insbesondere dort überall mit Nutzen angewendet werden, wo man bisher Mikroorganismen nur mittels komplizierter mechanischer Verfahren aus Flüssigkeiten abzuseheiden vermochte. Es ist deshalb insbesondere für die Hefefabrikation geeignet, um die sogenannten staubigen oder nicht ausreichend flockigen Hefen unter Ausschluss von Zentrifugen u. dgl. aus der Züchtungsflüssigkeit bzw. später aus der Waschflüssigkeit abzuscheiden. Daneben kann es allgemein in vielen Fällen verwendet werden, in denen Flüssigkeiten von Trübungen infolge der Anwesenheit von Mikroorganismen befreit oder Bakterienkulturen niedergeschlagen und gewonnen werden sollen.
Flockige Hefen sind in der Industrie bereits bekannt, teils als an sich flockige Rassen, teils als sogenannte flockenkranke Hefen, d. h. mit schädlichen Mikroorganismen infizierte Hefen. Die an sich flockigen Rassen verlieren im Betrieb bald die Flockungsfähigkeit, die flockenkranken liefern eine minderwertige Hefe ohne befriedigende Haltbarkeit und von verminderter Gärkraft. Demgegenüber ermöglicht die Erfindung, die Ausflockung betriebssicher und dauernd herbeizuführen, ohne dass wertvolle Eigenschaften herabgesetzt oder zerstört werden, bei Hefe z. B. Haltbarkeit und Gärkraft. Wir haben nämlich
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bestehen, das sind Bakterien, welche keine oder nur geringe Spuren flüchtiger Säure zu erzeugen vermögen.
Diese Flockenmilchsäurebakterien bewirken gleichfalls das Absetzen der Hefe, beeinträchtigen dagegen nicht wie die bei den sogenannten flockenkranken Hefen vorhandenen Pilze die Lebensfähigkeit oder die Wirksamkeit der Hefe. Es besteht also, soweit die Hefefabrikation in Frage kommt, die Erfindung in der technischen Anwendung der Erkenntnis, dass man durch den bewussten Zusatz ganz bestimmter Mikroorganismen eine Flockung ohne irgend eine Beeinträchtigung der wertvollen Eigenschaften der Hefe herbeiführen kann.
Der Zeitpunkt der Zugabe der Ausflockungsorganismen regelt sich je nach den besonderen Betriebs- verhältnissen. Beispielsweise kann man die Ausflockungsorganismen mit der Anstellkultur in die Nähroder Züchtungsflüssigkeit einsäen und nach Massgabe der Züchtung selbst laufend mit fortzüchten. Man kann auch erst, nachdem der Züchtungsprozess der auszuflockenden Mikroorganismen bereits mehr oder minder lang fortgeführt ist, die Ausflockungsmikroorganismen beigeben.
Je nach dem Fabrikationszweig kann man die ausgeflockte Mikroorganismen, welche gewöhnlich mit den Ausflockungsmikroorganismen gemischt sind, der unmittelbaren Weiterverarbeitung oder Verwendung zuführen, bzw. einen Teil davon als Anstellkultur für einen neuen Fabrikationsgan ? weiter verwenden.
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Bei der Anwendung auf Hefe vollzieht sich das Verfahren wie folgt : Die mittels an sich bekannter Methoden gezüchtete Flockenmilchsäurebakterien werden den zur Hefezüchtung dienenden Würzen vor oder beim Anstellen mit Hefe oder auch erst in einem späteren Stadium der Hefezüchtung in angemessenen Mengen zugesetzt. Das Verfahren vollzieht sich im übrigen nach den Regeln der Lufthefefabrikation. Sobald die Hefe ausgereift und die Luft abgestellt ist, setzt sich die Hefe unter der Wirkung der Floekenmilchsäurebakterien quantitativ zu Boden, so dass sich jede Anwendung einer Zentrifuge
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handelt, die Hefe nach der endgültigen Abscheidung nochmals zu waschen und sie aus dem Waschwasser wieder zu gewinnen.
Die Floekenmilchsäurebakterien werden in diesem Falle dem Waschwasser zugesetzt.
Die abgeschiedene Hefe kann entweder ohneweiters gepresst und als Bäckerhefe verkauft oderals Stellhefe weiter verwendet werden.
Die Unterscheidung der schädlichen von den unschädlichen Milchsäurebakterien durch das Mikroskop ist nur dem Geübten möglich, da diese Bakterienarten in der Gestalt nur geringe Unterschiede von einander aufweisen. Wir haben die Gruppen der Flocken bildenden Mikroorganismen genau studiert, und es ist uns gelungen, eine Reihe von in diese Gruppen fallenden Organismen nach Art und Wirkung zu kennzeichnen. Diese Organismen tragen in der Sammlung von Mikroorganismenreinkulturen des Institutes für Gärungsgewerbe zu Berlin die Nummern 4h-4s.
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stehend etwas ausführlicher beschriebene Herstellung oder Verarbeitung von Bäckerhefe beschränkt. Es lässt sich auch auf solche Fabrikationen anwenden, bei denen es sieh weniger um die Gewinnung von Hefe, als um die Erzeugung von klaren Flüssigkeiten handelt.
Man kann auf diese Weise z. B. klares obergangs Bier herstellen oder sonstige, schwer zu klärende Flüssigkeiten vollständig klar machen.
Daneben lässt sich das Verfahren allgemein überall da zur Konzentrierung von Mikroorganismen verwenden, wo diese zum Zusammenballen und Absetzen gebracht werden sollen, beispielsweise in der gesamten biologischen Technik, auch soweit sie auf medizinisch-bakteriologisehem Gebiet liegt.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Abscheidung von Mikroorganismen aus Flüssigkeiten durch Ausflockung, dadurch gekennzeichnet, dass man der Flüssigkeit an sich zur Ausflockung neigende Mikroorganismen zusetzt.