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Die vorliegende Erfindung betrifft eine Fliese zur Verlegung mit Klebemörtel an Wänden, Böden od. dgl., mit einer transparenten Glasschicht und einer auf der Rückseite der Glasschicht aufgebrachten Farbschicht.
Zur Verkleidung von Wänden oder Böden von Gebäuden ist seit langer Zeit die Verwendung von keramischen Fliesen bekannt. Wesentliche Eigenschaften solcher Fliesen sind die einfache Verlegbarkeit mit Hilfe von Klebemörtel und die harte und wasserundurchlässige Oberfläche, die diese Fliesen bieten. Weiters sind verflieste Flächen durch entsprechende Farbgebung und Mustergestaltung der Fliesen in ästhetisch ansprechender Weise gestaltbar.
Weiters ist es bekannt. Fliesen aus gefärbtem undurchsichtigen Glas herzustellen, wobei solche Fliesen beispielsweise in Mosaiken verwendet werden.
Bei keramischen Fliesen ist es aufgrund ihres inneren Aufbaus naturgemäss so, dass sich die entsprechende Farbschicht durch den Aufbau der Glasur ergibt. Die Farbwirkung ist daher stets oberflächig.
Auch bei durchgefärbten Glasfliesen ist nur eine oberflächige Farbwirkung zu beobachten, da Lichtstrahlen nicht nennenswert ins Innere der Glasschicht eindringen können. Ein weiterer Nachteil von herkömmlichen Glasfliesen besteht darin, dass diese mit den beim Fliesenlegen üblicherweise vorhandenen Mitteln nicht bearbeitet werden können. Solche Glasfliesen eignen sich daher hauptsächlich für die Anwendung in Mosaiken, da hier eine Bearbeitung der einzelnen Fliesen im allgemeinen nicht erforderlich ist. Bei der Verfliesung von Flächen mit Fliesen in einem herkömmlichen Format, etwa 20 x 30 cm, muss jedoch eine Vielzahl von Fliesen in ihrer Form bearbeitet werden, um die Verfliesung an Raumecken, Türen, Fenster, Schalter, Armaturen u. dgl. anzupassen.
Da eine Mehrzahl von Fliesenlegern nicht über die Werkzeuge und Kenntnisse von Fachleuten für die Glasverarbeitung verfügt, ist eine Verfliesung mit Glasfliesen in kommerziellem Umfang bisher nicht möglich gewesen.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine Fliese zu schaffen, die sich in einem optischen Erscheinungsbild deutlich von herkömmlichen Fliesen unterscheidet und die grund- sätzlich wie eine keramische Fliese verarbeitbar ist.
Erfindungsgemäss werden diese Aufgaben dadurch gelöst, dass die Glasschicht wärmebehan- delt ist und dass die Farbschicht aus einem mit Klebemörtel kompatiblen Lack besteht.
Durch die Wärmebehandlung der Glasschicht wird erreicht, dass eine Gefügeveränderung auf- tritt. die ein gezieltes Brechen des Glases im Zuge einer Bearbeitung ermöglicht. Bei der
Verlegung von Fliesen treten allgemein zwei unterschiedliche Bearbeitungsvorgänge auf : Bei
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üblicherweise dadurch erfolgt, dass die Fliese mit einem aus Hartmetall bestehenden Schneidrad an der Teilungslinie geritzt wird und dann entsprechend gebrochen wird. Die andere Art von Bearbeitungsvorgängen ist erforderlich, wenn in eine Fliese eine Ausnehmung. etwa für
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chen Fällen erfolgt vielfach das Ausbrechen der Ausnehmung mit entsprechend geformten Zangen (Kröselzangen) oder mit wassergekühlten Diamanttrennscheiben.
Mit der erfindungsgemässen Fliese sind beide Typen von Bearbeitungsvorgängen im wesentlichen in analoger Weise zu keramischen Fliesen durchführbar. Daher kann die erfindungsgemässe Fliese ohne besondere Massnahmen von Fliesenlegern verarbeitet werden. Lediglich das Herstellen genauer Bohrungen ist bei erfindungsgemässen Fliesen etwas aufwendiger als bei keramischen Fliesen.
Ein weiterer wesentlicher Punkt der Erfindung ist, dass die Lackschicht durch den beim Fliesenlegen verwendeten Klebemörtel nicht angegriffen wird. Dies bedeutet, dass bei der Verlegung der Fliese keine chemische Reaktion der Lackschicht mit dem stark alkalischen Klebemörtel auftritt, die etwa zu einer Farbveränderung führt, oder die eine Ablösung der Lackschicht von der Glasschicht bewirkt.
Die erfindungsgemässe Fliese ermöglicht es, ein von herkömmlichen Fliesen völlig unterschiedliches Erscheinungsbild zu verwirklichen. Da sich die Farbstruktur, die das Muster der Fliese bildet, hinter einer transparenten Glasschicht befindet, wird ein räumlich wirkendes Erscheinungsbild der Fliese verursacht. Durch verschiedene Brechungseffekte u. dgl. werden Wirkungen erzielt, die bei herkömmlichen Fliesen nicht zu beobachten sind.
Als besonders günstig zur Ausbildung der Farbschicht hat es sich in der Praxis bewährt, einen Zweikomponentenlack zu verwenden. Insbesonders ein Zweikomponenten-Acryllack, wie er speziell für die Ganz- und Teillackierung von Nutzfahrzeugen, Tankfahrzeugen, Bussen u. dgl. entwickelt worden ist, hat sich für die erfindungsgemässen Fliesen besonders bewährt.
Wichtig sind dabei seine hohe mechanische und chemische Belastbarkeit und die dauerhafte Glanzhaltung sowie die Beständigkeit gegen Benzin, Fette und andere Lösungsmittel. Lacke dieser Art sind in allen gängigen Farbtönen erhältlich und können auch benutzerspezifisch gemischt werden. Die hochglänzende Eigenschaft dieser Lacke ermöglicht ein besonders vorteilhaftes Erscheinungsbild.
Die räumliche Strukturwirkung der erfindungsgemässen Fliese kann weiter dadurch verbessert werden, dass die Oberflächen der Glasschicht nicht glatt ausgebildet sind. Eine Strukturierung der Oberflächen, d. h. eine wellige Ausbildung, ermöglicht die Erzielung von ästhetisch besonders interessanten Effekten.
Zusätzlich zu der auf der Rückseite der Glasschicht angebrachten Farbschicht kann die Glasschicht auch noch eine innere Farbstruktur aufweisen. Dies bedeutet, dass das Glas durchgängig oder an bestimmten Stellen eingefärbt ist. Es muss dabei jedoch sichergestellt werden, dass das Glas zumindest bereichsweise transparent ist, um die oben beschriebenen Wirkungen erzielen zu können.
Weiters betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Herstellung einer Fliese, bestehend aus folgenden Schritten :
Schneiden einer Glasplatte auf einem Abschnitt in der gewünschten Form der Fliese,
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- Wärmebehandeln des Abschnitts, - Aufbringen einer Lackschicht auf eine Seite des Abschnitts.
Vorzugsweise sollte bei der Wärmebehandlung der Erweichungspunkt des Glases überschritten werden. Dies wird allgemein dadurch erreicht, dass die Erwärmung auf eine Maximaltemperatur in einem Bereich von 7500 bis 8500 erfolgt. In einer besonders begünstigten Ausführungsvariante des erfindungsgemässen Verfahrens ist vorgesehen, dass die Wärmebehandlung erfolgt während der Abschnitt liegend auf einem Formsandbett gelagert ist, wobei eine besondere räumliche Wirkung dadurch erzielt werden kann. wenn das Asbestsandbett vor dem Auflegen des Abschnitts strukturiert wird.
Üblicherweise wird die Wärmebehandlung so durchgeführt, dass die zu behandelnden Glasplatten in den kalten Ofen eingelegt werden. Dieser Ofen wird dann auf die Maximaltemperatur gebracht. die von der Glassorte und der Dicke des Materials abhängt. Wesentlich an der Wärmebehandlung ist die Abkühlphase, bei der verschiedene Haltepunkte vorzusehen sind. Durch das Vorsehen dieser Haltepunkte kann erreicht werden, dass die fertige Glasfliese weitgehend spannungsfrei ist. was für die weitere Verarbeitung und die Haltbarkeit wesentlich ist.
In dem folgenden Ausführungsbeispiel wird anhand einer 8 mm dicken Glasfliese ein typischer Verfahrensablauf für die Wärmebehandlung dargestellt :
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<tb>
<tb> Phase <SEP> Anfangstempe-Haltetem-Endtemperatur <SEP> Zeitdauer
<tb> ratur <SEP> peratur
<tb> 1 <SEP> 180C <SEP> 2500C <SEP> 30 <SEP> min <SEP>
<tb> 2 <SEP> 2500C <SEP> 10 <SEP> min <SEP>
<tb> 3 <SEP> 2500C <SEP> 7500C <SEP> 90 <SEP> min <SEP>
<tb> 4 <SEP> 7500C <SEP> 10 <SEP> min <SEP>
<tb> 5 <SEP> 7500C <SEP> 7850C <SEP> 18 <SEP> min <SEP>
<tb> 6 <SEP> 7850C <SEP> 20 <SEP> min <SEP>
<tb> 7 <SEP> 7850C <SEP> 5200C <SEP> schnell
<tb> 8 <SEP> 5200C <SEP> 50min <SEP>
<tb> 9 <SEP> 5200C <SEP> 4850C <SEP> 40 <SEP> min <SEP>
<tb> 10485 C40min
<tb> 11 <SEP> 4850C <SEP> 3200C <SEP> 120 <SEP> min <SEP>
<tb> 12 <SEP> 3200C <SEP> 180C <SEP> 300 <SEP> min <SEP>
<tb>
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Eine
besonders günstige Haftung der Lackschicht auf der Glasschicht kann dadurch erreicht werden, dass die Fliese nach dem Aufbringen der Lackschicht auf eine Temperatur von mehr als 60 C erwärmt wird.
In der Folge wird die Erfindung anhand eines in der Figur dargestellten Ausführungsbeispiels näher erläutert.
In der Figur ist schematisch eine erfindungsgemässe Fliese in einem Schnitt dargestellt.
Die Fliese besteht aus einer Glasschicht l, die eine Sichtseite 2 und eine Rückseite 3 aufweist.
An der Rückseite 3 ist eine Farbschicht 4 aus einem Zweikomponentenlack aufgebracht. Es handelt sich dabei um Zweikomponenten-Acryllack, der im Verhältnis 2 : 1 mit Härter zu mischen ist. Ein solcher Acryllack wird beispielsweise von der HENELIT Lackfabrik GRÜNINGER GMBH angeboten. Es ist ersichtlich, dass sowohl die Sichtseite 2 als auch die Rückseite 3 nicht völlig eben sind, sondern eine wellige Struktur besitzen. Die optische Wirkung der Fliese ergibt sich dadurch, dass die einfallenden Lichtstrahlen 5 an der Sichtfläche 2 gebrochen werden, die Farbschicht 4 erreichen, reflektiert werden und wiederum an der Sichtfläche 2 austreten. Durch die unebene Beschaffenheit der Oberflächen 2 und 3 erfolgt die Brechung und die Reflexion an den einzelnen Stellen der Fliese unterschiedlich. Auf diese Weise wird eine besondere optische Wirkung erzielt.
Weiters ist aus der Fig. ersichtlich, dass durch die Wärmebehandlung aufgrund der Oberflächenspannung der Fliese die Kanten 6 nicht scharfkantig sondern abgerundet sind. Dies ist eine der Fliesen allgemein erwünschte Tatsache.
Es ist für den Fachmann ohne weiteres ersichtlich, dass die Glasschicht 1 auch aus mehreren gleichen oder unterschiedlichen Glasschichten zusammengesetzt sein kann, die teilweise oder völlig miteinander verschmolzen sind.
Mit der vorliegenden Erfindung wird es in kommerziellem Massstab möglich, aus Glas hergestellte Fliesen in grossem Umfang in einer Art wie keramische Fliesen einzusetzen.