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Verfahren zur selektiven Entfernung von Schwefelwasserstoff aus Gasen
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur selektiven Entfernung von Schwefelwasserstoff mittels Aminoalkohole aus Gasen, welche Schwefelwasserstoff und Kohlendioxyd und gegebenenfalls auch noch einen oder mehrere andere Bestandteile enthalten.
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B.stoff usw. Geeignete Ausgangsmaterialien sind beispielsweise Luft, ferner Gase, die man bei der vollständigen oder teilweisen Verbrennung von Öl oder Steinkohle erhält, Ölraffineriegase, Leuchtgas, Koksofengas, Wassergas, Propan und Propylen.
Der in der Beschreibung verwendete Ausdruck "Gase" umfasst sowohl Gase als auch Dämpfe.
Unter einem Verfahren zur selektiven Entfernung von Schwefelwasserstoff versteht man ein Verfahren, bei welchem der Entfernungsprozentsatz des Schwefelwasserstoffes grösser ist als derjenige von Kohlendioxyd. Wo also eine selektive Entfernung von H S verlangt wird, muss offensichtlich das Verhältnis der Entfernungsprozentsätze-H S/CO-im allgemeinen so hoch wie möglich sein.
Aus der deutschen Patentschrift Nr. 620932 ist ein Verfahren zur Entfernung von schwachen gasförmigen Säuren aus Gasen durch Auswaschen mit organischen Basen und Regenerieren der Basen durch Erhitzen bekanntgeworden, welches darin besteht, dass Basen verwendet werden, die mindestens zwei Atome Stickstoff im Molekül enthalten und der allgemeinen Formel
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entsprechen, wobei B ein aliphatischer Kohlenwasserstoffrest ist und wobei mindestens eine der Gruppen A eine Alkyl- oder Arylgruppe oder eine einfache oder substituierte Aminogruppe ist.
Verfahren zur selektiven Entfernung von Schwefelwasserstoff aus Gasen, welche sowohl Schwefelwasserstoff als auch Kohlendioxyd und gegebenenfalls noch einen oder mehrere andere Bestandteile enthalten und bei welchen die Selektivität auf dem Unterschied der Absorptionsgeschwindigkeiten von H S und CO basiert, gewährleistet durch die Herabsetzung der Kontaktzeit zwischen dem Gas und der Absorptionsflüssigkeit auf ein ausreichendes Mass, sind unter anderem aus der brit. Patentschrift Nr. 798,070 bekannt. In dem bekannten Handbuch "The Science of Petroleum", Band III, S. 1813-1814, wird für diese"Kurzkontakt"-Verfahren die Verwendung tertiärer Amine, wie Triäthanolamin, empfohlen, weil dieselben eine höhere Selektivität aufweisen als die sekundären und die primären Amine.
Diese bereits bekannten Verfahren sind jedoch mit einer Anzahl ernster Nachteile verbunden.
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In erster Linie bleiben bei den kurzen Kontaktzeiten, die erforderlich sind, um einen ausreichenden Grad der Selektivität zu gewährleisten, die entfernten prozentualen Anteile ziemlich niedrig. Zweitens ist, selbst bei kurzen Kontaktzeiten, der Grad der Selektivität für viele Absorptionsflüssigkeiten relativ gering. Drittens ist die Elastizität des Verfahrens sehr beschränkt, weil die Herabsetzung der Gasbelastung bei einer gegebenen Adsorptionsvorrichtung sofort zu einer Verlängerung der Kontaktzeit mit der sich daraus ergebenden Erniedrigung der Selektivität führt.
Es wurde nunmehr festgestellt, dass eine besonders gute und wirksame selektive Entfernung von US erreicht werden kann, wenn man als Absorptionsflüssigkeit oder als endgültige Absorptionsflüssigkeit eine wässerige Lösung eines oder mehrerer Dipropanolamine verwendet, welche Kohlendioxyd in einer Menge von 0,02 bis zu 0,5 Mol je Mol des Dipropanolamins enthält.
Die Erfindung bezieht sich daher auf ein Verfahren zur selektiven Entfernung von Schwefelwasserstoff mittels Aminoalkohole aus Gasen, die Schwefelwasserstoff und Kohlendioxyd und gegebenenfalls auch noch einen oder mehrere andere Bestandteile enthalten, welches dadurch gekennzeichnet ist, dass man das Gas mit einer ein oder mehrere Dipropanolamine enthaltenden wässerigen Lösung behandelt, welche Lösung Kohlendioxyd in einer Menge von 0,02 bis zu 0,5 Mol je Mol Dipropanolamin enthält.
Die ein oder mehrere Dipropanolamine enthaltende wässerige Lösung wird im nachstehenden auch als Dipropanolaminphase, als Dipropanolaminlösung oder einfach als Aminphase bezeichnet.
Zu den zur Verwendung beim erfindungsgemässen Verfahren geeigneten Dipropanolaminen gehören
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das Diisopropanolamin HN (CH-CHOH-CH) sowie Gemische derselben. Insbesondere wurde das Diisopropanolamin als geeignet befunden, weil diese Substanz leicht in verhältnismässig hoher Reinheit erhältlich ist.
Ausser den Dipropanolaminen kann die Aminphase auch noch ein oder mehrere andere Absorbentien, wie z. B. Diäthanolamin, enthalten. Aus wirtschaftlichen Gründen werden in der Praxis vorzugsweise
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B.Diisopropanolamin und 10 Grew.-% oder darunter Mono- und Tripropanolamine.
Die Konzentration der wässerigen Dipropanolaminlösung kann innerhalb weiter Grenzen schwanken.
Der Dipropanolamingehalt in der Lösung beläuft sich im allgemeinen auf 5 bis zu 60 Gew. -0/0 und insbesondere auf 15-35 Gew.-%. Die Ergebnisse des erfindungsgemässen Verfahrens können manchmal noch weiter verbessert werden, wenn man der wässerigen Dipropanolaminlösung einen oder mehrere Schaumverhinderer bzw. Demulgatoren zusetzt.
Die Menge von CO, welche in der für die Behandlung oder die endgültige Behandlung des Gases verwendeten Absorptionsflüssigkeit enthalten ist, muss zwischen 0,02 und 0,5 Mol je Mol Dipropanolamin liegen. Die Absorptionsflüssigkeit darf nicht mehr als 0,5 Mol Kohlendioxyd je Mol Dipropanolamin enthalten, weil andernfalls die Absorptionsfähigkeit für H S zu niedrig sein würde. Anderseits darf der CO-Gehaltder Absorptionsflüssigkeit nicht unter 0, 02 Mol je Mol Dipropanolamin sein, weil dadurch die Selektivität beeinträchtigt werden würde.
Der CO-Gehalt der Absorptionsflüssigkeit soll sich vorzugsweise auf mindestens etwa 0,06 Mol je Mol Dipropanolamin belaufen, weil dieser Wert beim Regenerieren leicht zu erreichen ist und eine weitere Herabsetzung nicht zu einer merklichen Herabsetzung des H S-Gehaltes der Absorptionsflüssigkeit führt.
Als obere Grenze der CO.-Konzeniration in der für das erfindungsgemässe Verfahren zu verwendenden Absorptionsflüssigkeit wird ein Gehalt von 0,3 Mol je Mol Dipropanolamin bevorzugt.
Natürlich befindet sich das meiste Kohlendioxyd in der wässerigen Lösung nicht in freiem Zustande, sondern ist chemisch gebunden, beispielsweise in Form der Carbamate der vorhandenen Amine. Die im Rahmen der Erfindung erwähnten CO-Anteile beziehen sich auf die Gesamtmenge an CO im freien und im chemisch gebundenen Zustande.
Das Gew.-Verhältnis zwischen der Dipropanolaminphase und der zu behandelnden Gasphase hängt in hohem Masse vom Gehalt des Gases an Schwefelwasserstoff und Kohlendioxyd ab. In der Praxis verwendet man im allgemeinen ein Verhältnis von 0, 1 bis zu 20, in der Regel von 2 bis zu 10.
Es ist vorteilhaft, wenn auch nicht unbedingt notwendig, die zu behandelnden Gase mit der Dipropanolaminlösung bei erhöhtem Druck in Berührung zu bringen. In diesem Falle ermöglicht das kleinere Gasvolumen die Verwendung eines Kontaktapparates kleinerer Abmessungen. Ein weiterer Vorteil ist der, dass der Übergang des Schwefelwasserstoffes in die Aminphase durch den erhöhten Partialdruck der Ver-
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bindungen in dem Gase verbessert wird.
Die Temperatur, bei welcher das erfindungsgemässe Verfahren durchzuführen ist, beläuft sich im allgemeinen auf 0-140 C, vorzugsweise auf 15-90 C.
Bei einem mehrstufigen Verfahren kann es zweckmässig sein, ein Temperaturgefälle anzuwenden, wobei die höchste Temperatur in der Stufe herrscht, in welcher das zu behandelnde Gas erstmals mit der Dipropanolaminlösung behandelt wird.
Es ist bekannt, eine wässerige Absorptionsflussigkeit, die zur Absorption von HS,CO und mögli- cherweise noch anderer Bestandteile aus einem Gas verwendet worden ist, durch Kochen und bzw. oder Strippen mittels Wasserdampf zu regenerieren. Eine solche "fette" Lösung ergibt dabei eine"magere" Lösung sowie ein Gas, welches Schwefelwasserstoff, Kohlendioxyd und gegebenenfalls noch andere Komponenten enthält.
Das gilt auch für die Absorptionslösungen, welche nach Verwendung für die selektive Entfernung von AS regeneriert werden können und dabei eine wässerige Lösung von vermindertem HS-und CO -Gehalt sowie ein Gas, das HzS, CO und gegebenenfalls noch andere Komponenten enthält, ergeben.
Der Wirkungsgrad und die Wirtschaftlichkeit dieses Verfahrens hängen in der Hauptsache von der Menge der sauren Bestandteile ab, welche von der wässerigen Lösung je Arbeitsspiel absorbiert werden, weil die Menge der Lösung, die wieder in Umlauf gesetzt werden muss, umgekehrt proportional zu der Menge der absorbierten sauren Bestandteile ist und weil die zum Regenerieren der Lösung erforderliche Gesamtwärmemenge in der Hauptsache von der Menge der wieder in Umlauf zu bringenden Lösung abhängt.
Um die Menge der sauren Komponenten, die je Arbeitsspiel in der Lösung aufgelöst werden, zu erhöhen, ist es üblich, das Schwefelwasserstoff und Kohlendioxyd enthaltende Gas und die wässerige Lösung in einem Gegenstrom-Absorber miteinander in Berührung zu bringen. In einem solchen Apparat kommt die magere Lösung zunächst-beim erfindungsgemässen Verfahren mit dem vorher angegebenen CO-Ge- halt-mit dem austretenden Gas, aus dem im wesentlichen der gesamte Gehalt an Schwefelwasserstoff bereits ausgewaschen wurde, in Berührung, während die gerade vor dem Regenerieren stehende fette Lösung die an Schwefelwasserstoff reiche Flüssigkeit berührt. Ein derartiger Gegenstromaustausch erfolgt im allgemeinen in einem Waschturm, welcher die geeigneten Kontaktvorrichtungen, wie z. B. Glockenböden oder Raschigringe, enthält.
Das H S-haltige Gas tritt am Boden des Waschturms in denselben ein und verlässt den Turm am oberen Ende in gereinigtem Zustande, während die magere Lösung am oberen Ende des Turmes aufgegeben und am unteren Ende desselben, mit Schwefelwasserstoff beladen, abgezogen wird.
Andere Methoden, die ersonnen wurden, um die Menge der je Arbeitsspiel absorbierten sauren Komponenten zu erhöhen und den Zustand der Reinigung des austretenden Gases zu verbessern, umfassen beispielsweise die Aufspaltung der mageren Lösung in zwei Teilströme, von denen der eine noch weiter
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je Mol Dipropanolamin, der nahe dem oberen Ende des Waschturms eingeführt wird, während der verbleibende "magere Strom", der weniger intensiv regeneriert wurde, an einem tieferen Punkt eingeführt wird (sogenannter verzweigter Fluss, s. beispielsweise die USA-Patentschrift Nr. 2, 157, 879).
Das Regenerieren kann beispielsweise in der Weise bewerkstelligt werden, dass man die Aminlösung bei einer Temperatur von 40 bis 130oC, vorzugsweise 80-120 C, in einen Regenerator einführt, in welchem die aus den behandelten Gasen absorbierten Komponenten und bzw. oder die gebildeten Hydrolyseprodukte durch den aus der siedenden Lösung entwickelten Wasserdampf abgetrennt werden. Diese Behandlung kann in sehr zweckmässiger Weise durch das indirekte Erhitzen der zu regenerierenden Lösung mit Niederdruckdampf ausgeführt werden, wobei die absorbierten Bestandteile des Gases, wie Schwefelwasserstoff, Kohlendioxyd usw., in wirksamer Weise abgetrieben werden. Man kann aber auch den Wasserdampf von aussen her direkt in die Lösung einspritzen bzw. einblasen.
Die erforderliche Konzentration an Kohlendioxyd kann nach verschiedenen Methoden aufrechterhalten werden, wie unter Bezugnahme auf die Zeichnungen noch ausführlicher erklärt wird.
Fig. 1 der Zeichnung ist ein vereinfachtes Fliessbild einer Anlage zur Durchführung des erfindunggemässen Verfahrens. Fig. 2 ist eine Darstellung von Kurven, die bei der Durchführung eines Verfahrens in der in Fig. 1 dargestellten Anlage aufgezeichnet wurden.
Die Fig. 1 zeigt eine Anlage mit einem Glockenbodenturm 1, der als Absorber verwendet wird und in welchen die "magere" Absorptionsflüssigkeit durch die Leitung 2, das Schwefelwasserstoff und Kohlendioxyd enthaltende Gas durch die Leitung 3 eingeführt wird, während die "fette" Lösung durch die Leitung 4 und das gereinigte Gas durch die Leitung 5 abgezogen werden. Die "fett ! ! Lösung strömt durch den
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Wärmeaustauscher 6 und wird anschliessend in den oberen Teil des Glockenbodenturms 7 eingeführt, in welchem die"fette"Lösung regeneriert und die resultierende magere Lösung am Boden durch die Leitung 2 abgezogen wird. Diese magere Lösung kehrt wieder in den Absorber zurück.
Der Turm 7 ist mit einem Aufkocher 8 und einem Kondensator 9 versehen, um das richtige Strippen der fetten Lösung durch Wärme und Abdampfen zu ermöglichen. Ferner wird in den unteren Teil des Turmes durch die Leitung 10 hindurch Frischdampf eingeführt. Die oben abziehenden Dämpfe, welche in der Hauptsache Schwefelwasserstoff, Kohlendioxyd und Wasserdampf enthalten, strömen durch den Kondensator 9, und das entstehende Gemisch gelangt durch eine Leitung 11 in einen Gas/Flüssigkeitsabscheider 12. Ein Gasstrom, der in der Hauptsache aus HS und CO besteht, verlässt diesen Scheider durch eine Rohrleitung 13 und kann für jeden beliebigen Zweck, wie z. B. die Herstellung von Schwefel, Schwefelsäure oder verflüssigten Schwefelwasserstoff verwendet, oder-falls dies vorgezogen werden sollte-überhaupt beseitigt werden.
Die den Abscheider 12 durch eine Leitung 14 verlassende Flüssigkeit wird am oberen Ende des Turmes 7 durch eine Leitung 15 hindurch wieder in den Verfahrensgang eingeführt und bzw. oder mit der mageren Lösung vereinigt, indem man die erstere über eine Leitung 16 zu der Leitung 2 ablenkt.
Nun muss gemäss der Erfindung die Anwesenheit von Kohlendioxyd in der mageren Lösung in den
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werden.
Zu diesem Zweck kann Kohlendioxyd über die Leitungen 17 und 18 in die Leitung 2, durch welche die magere Lösung strömt, eingeführt werden. In diesem Falle leitet man das Gemisch vorzugsweise durch einen Verweilbehälter 19 hindurch, in welchem das Gas völlig in der Lösung aufgelöst wird. Man kann CO aber auch über eine Leitung 20 in die Leitung 16 einführen, durch welche hindurch das Kondenswasser aus dem Abscheider 12 in die Leitung 2 gelangt. Auch hier kann man wieder einen Verweilbehälter 21 vorsehen, in welchem das Kohlendioxyd völlig in dem Kondenswasser gelöst wird, bevor das letztere mit der aus dem Boden des Turmes 7 abziehenden mageren Lösung vermischt wird, wobei vorausgesetzt wird, dass diese magere Lösung selbst nicht durch einen Verweilbehälter hindurchzuströmen braucht.
Gemäss der besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemässen Verfahrens wird kein Kohlendioxyd aus fremden Quellen gebraucht, sondern die fette Lösung wird in der Weise regeneriert, dass
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zen enthält.
Diese Methode wird ganz besonders deswegen bevorzugt, weil im Falle derDipropanolaminedie Regenerierung sehr einfach und wirksam ist. Das wird durch Fig. 2 klargestellt, welche eine graphische Darstellung der H S-und CO-Gehalte der regenerierten mageren Aminlösungen (auf der Ordinatenachse angegeben in Mol H S oder CO je Mol des Amins) in Abhängigkeit von der Temperatur am oberen Ende des Regenerators (aul der Abszissenachse in OC angegeben) ist. Das Kurvenblatt gilt für einen durchschnittlichen Regeneratordruck von 0, 18 kg/cnf Überdruck, für Aminkonzentrationen von 1, 5 Mol/m, für eintretende "fette" Lösungen mit einem Gehalt von 0,8 Mol an H S + CO je Mol des Amins sowie für einen Regenerator mit 18 Glockenböden.
Die hiebei verwendete Anlage war diejenige nach dem Fliessbild in Fig. 1, unter Weglassung der mit den Zahlen 16 - 21 gekennzeichneten Rohrleitungen und Gefässe.
Kurve I zeigt die CO2-Gehalte regenerierter Diisopropanolaminlösungen, Kurve II die H2S-Gehalte solcher Lösungen, während die Kurven III und IV zum Vergleich die CO-und H S-Gehalte regenerierter Diäthanolaminlösungen darstellen. Die Figur lässt die überraschende Tatsache erkennen, dass die Kurve für den H S-Gehalt regenerierter Diisopropanolaminlösungen zunächst sehr steil abfällt und dann ziemlich abrupt in eine Linie sehr geringer Neigung übergeht, wobei der H S-Gehalt im Bereich dieser letzteren sehr gering ist. Im Bereich des flachen Verlaufes der Kurve II zeigt die Kurve I der CC-Ge- halte einen steilen Verlauf und nur eine leichte Krümmung und obendrein ist die Kurve I sehr viel höher gelegen.
Daraus geht also hervor, dass es möglich und in der Tat sehr leicht ist, in einer solchen Weise
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wendig ist. Aus dem Kurvenblatt ergibt sich deutlich, dass der CO-Gehalt der mageren Lösung vorzugsweise bei etwa 0,06 Mol je Mol oder noch etwas niedriger sein sollte, weil man bei diesen Werten sehr niedrige Konzentrationen an H S bekommt, während das Arbeiten mit noch niedrigeren CO-Konzentrationen nur höhere Temperaturen erfordert (also mehr Wärmeenergie) und überdies dabei die Selektivität des Absorptionsvorganges herabgesezt wird. Ein Vergleich der Kurven I und II mit den Kurven III und IV
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Bei andern Verhältnissen, als sie oben angegeben wurden, kann die jeweilige Lage der verschiede- nen Kurven in dem Konzentration-Temperatur-Diagramm etwas verschieden von den Lagen in Fig. 2 sein, aber das qualitative Bild bleibt im wesentlichen das gleiche.
Die genauen Verhältnisse des Regenerierens, welche zur Anwendung gelangen müssen,, um eine ma- i gere Lösung mit dem richtigen Anteil an CO zu bekommen, hängen in weitem Masse von dem Betrieb der betreffenden Anlage ab, d. h. von den Bedingungen des Strippens, der Anzahl der Stufen, der Tem- peratur und dem Druck, bei welchen gearbeitet wird, der Zusammensetzung der fetten Lösung usw. Diese
Daten sind nicht leicht vorher zu bestimmen, aber sie können durch die übliche Anpassung der Betriebs- verhältnisse leicht festgestellt werden.
Die bei der Erfindung verwendeten Absorbentien sind nicht nur von sehr selektiver Wirkung, sondern besitzen auch noch eine Anzahl anderer bedeutender Vorteile gegenüber andern Absorbentien.
Wie z. B. aus den Daten in Fig. 2 hervorgeht, braucht man zur Regenerierung einer verbrauchten Di- propanolaminlösung eine geringere Wärmemenge als bei der Regenerierung einer entsprechenden ver- brauchten Diäthanolaminlösung auf die gleiche Konzentration an H S.
Man hat weiterhin festgestellt, dass die für das Verfahren gemäss der Erfindung verwendeten Absor- bentien saure Verbindungen in höherem Masse absorbieren als das Diäthanolamin es tut, so dass also in dem ersteren Falle eine geringere Menge an Absorptionsflüssigkeit erforderlich ist. Ein praktischer Ver- such hat dargelegt, dass aus einem gewissen Gas 1 Mol H S-f-CO von 5 Mol Diäthanolamin aufgenommen werden kann, während unter sonst gleichen Verhältnissen dazu nur 3 Mol Diisopropanolamin erforderlich waren.
Ein sehr bedeutender Vorteil ist der Umstand, dass die Entfernung von H S vollständiger vor sich geht als bei andern bekannten Absorbentien. So kann man beispielsweise aus einem gegebenen Rohgas mit einem beliebigen Gehalt an H2S ein gereinigtes Gas mit einem H S-Gehalt von 0,5 Raumteilen je 106
Raumteile des Gases erhalten oder leicht auch noch weniger, während bei der Verwendung von Diäthanol- amin oder Monoäthanolamin unter den gleichen Bedingungen Fertigprodukte mit ungefähr 100Raumteilen
H S je 106 Raumteilen des Gases erhalten werden.
Ein praktisches Hilfsmittel war in einem solchen Falle eine Wäsche mit einer Alkalilauge nach der Behandlung mit dem Di- oder Monoäthanolamin, aber eine solcheAlkaliwäsche ist schon an und für sich kostspielig und wird es noch mehr bei der Verarbeitung CO- haltiger Gase, weil auch CO ein Alkaliverbraucher ist. Ein weiteres Hilfsmittel war die Anwendung des sogenannten"Spaltfluss"-Verfahrens (verzweigter Strom), das indessen auch ziemlich kostspielig ist. Bei der Verwendung der erfindungsgemässen Absorber sind Alkaliwäschen und Spaltfluss-Methoden in der Regel überflüssig.
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Ein in der Hauptsache aus Wasserstoff und leichten Kohlenwasserstoffen (mit 1-3 Kohlenstoffatomen im Molekül) bestehendes Gas, ferner mit einem Gehalt von 3,6 Vol.-% Schwefelwasserstoff und 1, 1 Vol.-% Kohlendioxyd, mit einer Temperatur von 140C und einem Druck von 10,5 ata, wurde stetig in den Boden einer Kolonne mit einem Durchmesser von 1, 1 m und einer Höhe von 15,5 m, mit 21 Glockenböden versehen, eingeführt.
Eine 19loge wässerige Lösung eines technischen Diisopropanolamins, aus 94 Gew.-% Diisopropanolamin, 4 Gew.-% Monopropanolamin und 2 Gew.-% Tripropanolamin bestehend, wurde nahe dem oberen Ende der Kolonne stetig eingeführt. Diese magere Lösung mit einer Temperatur von 320C enthielt 0,06
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SGas entfernt worden waren.
Bei Verwendung einer wässerigen Diäthanolaminlösung wurden, unter sonst unveränderten Verhältnissen, 99, 90% des Schwefelwasserstoffes und 90% des Kohlendioxyds aus dem Gas entfernt.
Die von der Absorptionskolonne ablaufende Diisopropanolaminlösung, mit einem Gehalt von 0,75
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Beheizung mit Wasserdampf auf 1040C gehalten, wobei am oberen Ende eine Temperatur von 810C herrschte. Bei dieser Temperatur siedet die Diisopropanolaminlösung und die aus dem Gas aufgenommenen Komponenten des letzteren werden von dem sich aus der siedenden Lösung entwickelnden Wasserdampf mitgerissen. Bei einem Gesamtverbrauch von 1, 75 kg Wasserdampf je kg der am oberen Ende der Kolonne abziehenden sauren Gase enthielt die am Boden der Kolonne ablaufende Diisopropanolaminlösung noch 0,0077 Mol H S und 0,06 Mol CO je Mol Diisopropanolamin. Nach Kühlen in einem Wärme- C austauscher wurde diese Lösung wieder in den Verfahrensgang eingeführt.
Die Konzentration der am oberen Ende der Regenerierungskolonne abziehenden Gase an Schwefelwasserstoff ist so hoch, dass die Gase ohne weitere Behandlung in einer Schwefelwiedergewinnungsanlage verarbeitet werden können.
Beim Regenerieren einer entsprechenden verbrauchten Diäthanolaminlösung auf die gleiche HS- Konzentration musste man je kg der am oberen Ende der Kolonne abziehenden sauren Gase insgesamt 2,8 kg Wasserdampf aufwenden.
PATENTANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur selektiven Entfernung von Schwefelwasserstoff mittels Aminoalkohole aus Gasen, welche Schwefelwasserstoff und Kohlendioxyd und gegebenenfalls noch einen oder mehrere andere Bestandteile enthalten, dadurch gekennzeichnet, dass man das Gas mit einer ein oder mehrere Dipropanolamine enthaltenden wässerigen Lösung behandelt, welche Lösung Kohlendioxyd in einer Menge von 0,02 bis zu 0,5 Mol je Mol Dipropanolamin enthält.