<Desc/Clms Page number 1>
EMI1.1
Gegenwärtig sind hauptsächlich zwei Methoden der Salpeterzuführung in Gebrauch : Die Zuführung in Form von flüssiger Salpetersäure durch den Gloverturm und die Zuführung von Salpetergasen, welche z. B. durch die Wärme der Röstgase aus einem Gemisch von Natronsalpeter und Schwefelsäure entwickelt werden und mit den Röstgasen durch den Gloverturlll in die Bleikammern gelangen.
Das vorliegende Verfahren stellt eine Vereinigung beider Methoden dar, indem zum Beispiel durch die Wärme der Röstgase aus dem Gemisch von Natronsalpeter und Schwefel-
EMI1.2
dieser Gase wird im Turm kondensiert und findet sich in der Absorptionssänre als Salpeter- säure vor, der Rest reagiert mit der schwefeligen Säure, die in den Gay-Lussacturm mit den Abgasen aus der letzten Bleikammer gelangt. Hiebei wird die schwefelige Säure in Schwefelsäure bezw. Nitrosylschwefelsäure übergeführt, die ebenfalls von der Absorptionssäure aufgenommen wird. Die auf diese Weise mit Salpeterverbindungen angereicherte Nitrose wird im Oovertnrm denitriert, worauf die Fabrikation im weiteren Verlaufe in der üblichen Weise vor sieh geht.
Im nachfolgenden wird eine Ausführungsform des neuen Verfahrens mit Bezug auf die beigefügten schematisch Zeichnungen beschrieben.
Zwei gusseiserne Zylinder a, b (siehe Fig. 1), beispielsweise von 5 cm Wandstärke, 70 cm innerem Durchmesser und ungefähr 270 cm Länge, welche zweckentsprechend durch einen Eisenmantel c (siehe Fig. 2) von 1 cm Dicke verstärkt sind, werden horizontal nebeneinander in die an den Pyritofen d sich anschliessende Flugstaubkammer e eingemauert. Durch die Beschickungstürme f1 und f2 werden die Zylinder abwechselnd chargiert, indem man eine grössere Menge konzentrierte Schwefelsäure, etwa 1-2 q durch die Öffnung g (siehe Fig. 2) einlässt und nach Bedarf in regelmässigen Zeitabschnitten Natronsalpeter in Mengen von wenigen Kilogrammen eintriigt.
Die durch die Röstgase angewärmte Schwefelsäure zersetzt den eingetragenen Natronsalpeter und die sich entwickelnden Salpetergase gelangen durch die Öffnung A (siehe Fig. ) in den aus säurefesten Steinen gemauerten Kanal i, welcher den Zersetzungszylindern gemeinsam ist. Der Kanal i leitet die Gase in den Gay-LnssactuI"m k1, wo sie, wie bereits erwähnt wurde, teilweise kondensiert worden bezw. teilweise eine Oxydation der schwefeligen Säure bewirken.
Wenn ein Zylinder durch kontinuierliches Chargieren auf Salpeter gefüllt ist, lässt man seinen Inhalt vor dem Entleeren entsprechend sich anwärmen, um die letzten Spuren von Salpeter vollständig zu zersetzen. In der Zwischenzeit wird der andere Zylinder beschickt. Die Entleerung eines Zylinders erfolgt durch die Öffnung l (siehe Fig. 2), welche vor dem Füllen mit Säure durch einen eisernen Pfropf verschlossen und ausserdem noch mit Ihm verschmiert wird. Zum Schütze des Hteies werden die unteren Abteilungen des mit dem Salpeterzylinder in Verbindung stehenden Gay-Lussacturmes im Inneren mit
EMI1.3
<Desc/Clms Page number 2>
Die Schwefolsäurefabrikation verläuft mit diesem Salpeterzuführungssystem wie folgt :
Vor dem Pyritofen d, welcher seinen Zug eventuell durch einen am Ende des Kammersystemes aufgestellten Ventilator n erhält, gelangen die Röstgase durch die Flugstaubkammer e, in welcher sie den Salpeterzylinder anwärmen, in den Gloverturm o. Hier denitrieren sie die nach dem beschriebenen Verfahren erhaltene Nitrose und werden hierauf in den Bleikammern I, 1I und 111 auf bekannte Weise in Schwefelsäure über- geführt.
Die Abgase aus der dritten Kammer, welche an reaktionsfähigen Gasen Stickstoffoxyd und schwefelige Säure enthalten, gelangen in die Gay-Lussact. ürme k1 und k2 und treffep besonders in kl mit den Salpetersäuredämpfen aus den Zersetzungszylindern zu- sammen, wodurch in den Gay-Lussactürmen mehr schwefelige Säure übergeführt wird, als es mittels der bisherigen Methoden der Fall war. Die Abgase aus den Türmen kl und k2 werden durch den Ventilator n angesaugt und treten hierauf ins Freie. Bei Ventilatorbetrieb ist es notwendig, dass der Ventilator n am Ende des Kammersystemes oder hinter jenem Gay-Lussacturm angebracht wird, welcher mit den Salpeter-Zersetzungszy1indern verbunden ist, weil hiedurch ein Ansaugen der sich in den Zylindern entwickelnden Salpeter- gase stattfindet.
Es wird auf diese Weise jeder Salpeterverlust vermieden und das
Beschicken der Zylinder erfolgt ohne Zurückstossen von der Gesundheit schädlichen Salpetorgasen.
In einer vorhandenen Anlage, bei welcher drei cchwefelsäuresysteme im Gebrauch sind, wird mit diesem Verfahren 0#5 kg 96%iger Natronsalpeter auf 100 kg Kammersäure
EMI2.1
98-99%inSchwefelsäureübergeführt.
Es sollen nun jene Punkte hervorgehoben werden, in welchen das neue Verfahren die gegenwärtig hauptsächlich angewendeten Methoden übertrifft.
Die Zuführung des Salpeters in Form von flüssiger Salpetersäure durch den Glover- turm setzt die Fabrikation dieser Säure als solche in einem eigenen Apparat voraus. Bei vorliegender Methode wird hingegen direkt eine an Stickstoff-Sauerstoffverbindungen genügend starke Nitrose erzeugt, wodurch somit die Erzeugungskosten für flüssige Salpetersäure in Wogfall kommen. Ferner ist die Ausbeute an Schwefelsäure grösser als nach den üblichen Methoden, weil, wie bereits erwähnt wurde, gerade an einem Punkte, wie dem (iay-Lussacturm, wo nur wenig schwefelige Säure sich vorfindet, mehr Salpeterverbindungen zugegen sind.
Ausserdem ist beim vorliegenden Verfahren die umständliche und gefährliche Hantierung mit flüssiger Salpetersäure vermieden und es findet weder ein Zurückstossen der Salpeterzylinder noch des Pyritofens statt. Die Entwicklung der Salpetergase geht vielmehr so glatt vor sich, dass eine automatische Beschickung mit Natronsalpeter in Aus- sicht genommen ist. Es ist ferner zu beachten, dass nach vorliegender Methode eine schädliche Einwirkung auf die Flugstaubkammcr, sei es durch die Salpetergase oder die Hisulfatlosung, nicht erfolgen kann, da die sich bildenden Produkte mit der Flugstaub- kammerüberhauptnichtinBerührungkommen.
Gegentiber der zweiten der zum Vergleich herangezogenen Methoden besitzt das vor- liegende Verfahren noch den weiteren wichtigen Vorteil, dass der Salpeter kontinuierlich und gleichmässig den Kammern gegeben wird, wodurch eine äusserst regelmässige Kammerarbeit ermöglicht ist.