<Desc/Clms Page number 1>
Verfahren zur Desinfektion mit Formaldehyd.
EMI1.1
<Desc/Clms Page number 2>
Es umfasst die folgender. Massnahmen : 1. Anfeuchtung der Räume und der zu desinfizierenden Gegenstände und Imprägnierung und Durchdringung ihrer absorbierenden Oberflächen durch die Dämpfe von ammoniakalischem eventuell azetoniertem Wasser ; 2. Sättigung dieser Dämpfe durch Formaldebyddämpfe ; 3. gleichzeitige Desinfektion dieser Flächen in ihrer ganzen Dicke durch die azetonierten Formaldehyddämpfe (Formazeondämpfe).
EMI2.1
dämpfe haben ergeben, dass bei der normalen Desinfizierung von Räumen und Gegenständen die Durchdringung der absorbierenden Flächen sehr beschränkt ist, gleichgiltig, wie gross die Menge der desinfizierenden Dämpfe und wie hoch die Temperatur ist.
Bei Temperaturen von etwa 15 bis 200 C nach einer Berlibrungsdauer von 24 Stunden, oder bei der Temperatur von 35 bis 400 C nach einer Berührongsdaner von 4 bis 6 Stunden, oder bei Temperaturen
EMI2.2
aber nur in bezug auf eine verhältnismässig geringe Tiefe, da die Desinfektion über eine Stärke von drei übereinander gelegten Tuchlagen nicht hinausgehen kann.
Wenn auch die auf diesem Wege erzielte Durchdringung grösser ist, als die im allgemeinen erreichte, was der Mitwirkung des Azetons zuzuschreiben ist, welches eine erhebliche Diffusionsfähigkeit besit/t, ausserordentlich lösungsfähig in Wasser ist und die Fettstoffe leicht löst, so fehlt doch eine das Eindringen des überschüssigen Formaldehyds erleichternde chemische Einwirkung des Azetons auf das Formaldehyd.
Versuche haben erkennen lassen, dass diese Eigenschaft des Azetons, die bisher von ihm als ein Vorzug angesehen wurde, die Durchdringung nicht zu befördern vermag und dass man, wenn das Azeton durch eine andere Substanz ersetzt wird, welche alle die Vorzüge des Azetons eventuell noch in höherem Masse besitzt, dagegen eine er- hebliche Affinität für das Formaldehyd hat, jede gewünschte Durchdringung erzielt. Diese Bedingungen erfüllt das 200/oige Ammoniak ; es wirkt ausserdem auf die Mikroben und Bakterien und gestattet überdies noch das Azeton teilweise oder ganz, wie dies auseinandergesetzt werden soll, fortzulassen.
Bei geeignet langer Berührungsdauer oder genügender Temperatur imprägnieren die Ammoniakdämpfe infolge ihrer grossen Diffusionsfähigkeit nacheinander und schnell die absorbierenden Oberflächen in ihrer grössten Dicke. Nun sättigt infolge seiner grossen Affinität für das Ammoniak das in Überschuss angewendete Formaldehyd, indem es seinerseits die Gegenstände bezw. ihre Oberflächen imprägniert, das kondensierte Ammoniak und der Überschuss dringt tiefer ein. Ferner werden auch die nicht kondensierten Ammoniakdämpfe durch die Formaldehyddämpfe gesättigt.
Es findet bei dieser augenblicklichen Sättigung eine Zusammenziehung und infolgedessen die Bildung von partiellen Vakuen statt, die ein Ansaugen weiterer Formaldehyddämpfe veranlassen, welche auf diese Weise tief in die Gegenstände eindringen. So konnte das Durchdringen von 13-20 Tuchlagen erreicht werden. Das Verfahren kann natürlich durch Erhöhung der Temperatur, durch Druck oder Evakuieren-letztere beiden natürlich nur bei kleineren Behältorn verwendbar-unterstützt werden.
Beispiele.
1. Desinfektion eines Raumes bei einer Durchschnittstomperatur von
15 bis 200 und einer Dauer von 24 Stunden.
Die Gegenstände werden im Innern des Raumes in bekannter Weise angeordnet und alle Auslässe des Raumes dicht verschlossen ; alsdann wird die Tür, auf deren innerer Seite der Apparat zur Verteilung der Dämpfe angeordnet ist, dicht abgeschlossen. Nun wird zunächst azetoniertes Wasser in dem Räume verteilt, dem eine Menge Ammoniak zu- gesetzt worden ist, die sich nach der Anzahl und der Art der zu desinfizierenden Gegen- stände und nach dem Inhalt des Raumes usw. richtet. Nach einer Stunde wird sodann
EMI2.3
ausreicht, um das Ammoniak der ersten Verteilung genau zu sättigen, in dem Räume zur Verteilung gebracht. Nach 2 bis 6 Stunden wird eine leichte Verteilung von Wasserdämpfen vorgenommen, welcher nach 24 Stunden eine letzte Verteilung von Ammoniak folgt, um die ganze Menge des verteilten Formazetons zu sättigen.
Alsdann wartet man noch etwa 4 oder 6 Stunden, damit die Reaktion möglichst vollständig vor sich geht, schliesslich wird der Raum geöffnet und entlüftet.
2. Desinfektion eines Raumes in 4 oder 6 Stunden.
EMI2.4
des Raumes wird dicht mit einer abnehmbaren Tür abgeschlossen, welche die Zugehörteile eines Erhitzers und des Verteilers trägt. Eine Lufteinlass-Öffnung mit dichtem Verschluss ist an der Tür vorgesehen, und zwar an dem unteren Teile derselben ; dieser Lufteinlass
EMI2.5
<Desc/Clms Page number 3>
erste Verteilung (azetoniertes Wasser + Ammoniak) vorgenommen und bis auf 35 oder 400 erhitzt, alsdann das Feuer verlöscht und nach etwa ¸ Stunde wieder angezündet.
Hierauf wird eine Stunde nach der ersten die zweite Verteilung (Formazeton + Form- aldehyd) vorgenommen. Man setzt die Erhitzung 10 bis 15 Minuten fort und löscht das Feuer alsdann aus. Nach einer Stunde wird die im Beispiel 1 erwähnte zusätzliche Verteilung von Wasserdampf vorgenommen und 4 oder 6 Stunden nach der zweiten Verteilung erfolgt die dritte unter Erhitzen (10 bis 15 Minuten lang). Falls der Druck beim Erhitzen nicht zu gross wird, kann man das Erhitzen weiter 15 bis 20 Minuten fortsetzen. Etwa zwei oder drei Stunden später öffnet man ein wenig einen der Auslässe des Raumes, ebenso den Lufteinlass unten an der Tür und erhitzt den Raum, uin den Wasserdampf und andere Dämpfe zu vertreiben ; schliesslich wird in den Raum wieder frische Luft eingeführt.
3. Beim Desinfizieren von Gegenständen in einem Behälter oder dgl., welcher luftdicht verschlossen werden kann, ist die Arbeitsweise die gleiche, aber von geringerer Dauer, sie schwankt dann zwischen einer bis zwei Stunden.
Die Desinfektion von Bettzeug in einem Raume wird in folgender Weise ausgeführt.
Ein tragbarer mit dichten Fugen versehener Kasten dient zur Aufnahme der Bettstucke.
Sodann erfolgt die Erhitzung und die Verteilung der Dämpfe in der bereits beschriebenen
Weise ; nach jeder Verteilung in dem Raum wird eine solche Verteilung in dem Kasten vorgenommen. Der Desinfektionskasten ist an zwei gegenüberliegenden Stellen mit Luft- einlässen versehen, von denen der eine oben und der andere unten angeordnet ist ; beide
Einlässe werden geöffnet, sobald die Ventilation vor sich geht, sei es nun, dass diese sich auf den Kasten allein oder gleichzeitig damit auch auf den Raum erstrecken soll, in dem der Kasten zur besonderen Desinfektion von Bettzeug, Matratzen, Keilkissen, Kleidungs- stücken usw. aufgestollt ist ; in letzterem Falle wird die Ventilation des Kastens gleich- zeitig mit derjenigen des Raumes vorgenommen, in welchem der Kasten Aufstellung findet.
Während des Erhitzens und bis zu der ersten Verteilung lässt man den oberen Lufteinlass offon. Bei der Sterilisierung, Konservierung und Desinfizierung von Leichen vollzieht sich das Verfahren in dem Kasten im wesentlichen in der gleichen Weise, indessen wird die
Behandlung ein wenig abgeändert, namentlich in bezug auf das Erhitzen und die Mengen- verhältnisse der desinfizierenden Stoffe ; ausserdem wird jede Verteilung von Wasserdämpfen fortgelassen. Die zu verwendenden Mengenverhältnisse der zur Verteilung kommenden Stoffe sind zweckmässig die aus dem folgenden ersichtlichen, können aber, wie Versuche ergeben haben, ein wenig abgeändert werden, je nach der Art des Raumes und der Gegenstände, der Dicke der absorbierenden Oberflächen etc. Für einen Ranm von 100 cm3 :
EMI3.1
meter, Wasser 30 cm3.
2. Verteilung : Formaldehyd 71/2-101/2 cm3 für die Sättigung des Ammoniaks und 30-45 cm3 für die Desinfektion per Kubikmeter, Azeton : 1/3 des freien (nicht gesättigten) Formaldehyds. Zusätzliche Verteilung 10-11 cm3 Wasser per Kubikmeter.
3. Verteilung : Ammoniak 500/Q des freien Formaldehyds und 330/0 des Azetons.
Für die Desinfektion in dem Kasten :'
1. Verteilung : Wasser bis 3 Kubikmeter 400 cm3 per Kubikmeter, über 3 300 CM3"
EMI3.2
Azeton : 30 cms per Kubikmeter bis zu 3 Kubikmeter,
20 cm3 über 3 n Für jede Matratze 60 cm3, jedes Keil- und Kopfkissen 25 cm3.
Ammoniak : die gleichen Verhältnismengen wie für Azeton.
EMI3.3
für die Sättigung des Ammoniaks der ersten Verteilung das 11/2fache des Volumens des verwendeten Ammoniaks.
Azeton : 1/3 des nicht gesättigten Formaldehyds.
Zusätzliche Verteilung : Wasser bis 3 Kubikmeter 300 cm3 per Kubikmeter, über 3 250 CM3
3. Verteilung : Ammoniak 500/0 des freien (nicht gesättigten) Formaldohyds 300/0 desAzetons.
<Desc/Clms Page number 4>
Das Azeton kann weggelassen werden, man muss indessen dann die Menge von Ammoniak steigern und auch ein wenig mehr Formaldehyd zur Verteilung bringen, um die Wirkung anzugleichen, welche die grosse Diffusionsfähigkeit des Azetons herbeigeführt. Das Azeton verhindert ausserdem die Polymerisation des Formaldehyds und in vielen Fällen darf man seine wesentliche, Insekten tötende Eigenschaft nicht übersehen. Dieses neue Vorfahren weicht wesentlich von anderen bekannten Desinfektionsverfahren ab, insofern es gestattet, die vol1kommenste Durchdringung in allen Tiefen der absorbierenden Oberflächen zu erzielen, die bisher äusserst beschränkt war (man konnte eine grössere Dicke als die von drei Tuchlagen beispielsweise nicht durchdringen).
Bei der Durchführung des Verfahrens bei gewöhnlicher Temperatur, was naturgemäss eine längere Zeit beanspruchte, werden die Gegenstände aus Eisen und Kupfer oberflächlich oxydiert. Der Verlust an Formaldehyd, veranlasst durch die Sättigung des Ammoniaks der ersten Verteilung, kann als besonders lästig und bedenklich mit Rücksicht auf die erzielten Erfolge nicht gelten.