<Desc/Clms Page number 1>
Verfahren zur Herstellung einer kurzbindenden Quellstärke aus Kartoffeln.
Es gibt zahlrei he Verfahrensarten zur Verarbeitung von Kartoffeln, die die Gewinnung von
Stärke in chemisch veränderter oder unveränderter Form zum Ziel haben. Durch Isolierung von nativer Stärke, gegebenenfalls zusammen mit den Faserbestandteilen, erhält man Kartoffelstärke,
Kartoffelmehl oder ähnliche Produkte. Durch Trocknen von Kartoffelscheiben oder-schnitzeln gewinnt man Trockenkartoffeln oder Kartoffelkonserven.
Durch chemische Umwandlung von nativer Stärke oder solche enthaltenden Produkten gelangt man zu verschiedenen Abbauprodukten, die als Quellstärke oder verkleisterte Stärke, lösliche Stärke, Dextrine, Stärkezucker usw. bekannt sind.
In wissenschaftlichen und technischen Kreisen war man bislang der Auffassung, dass die unter der Bezeichnung Quellstärke in den Handel kommenden Präparate aus dem ersten Abbauprodukt der Hydrolyse nativer Stärke zu einfacheren Körpern bestehen.
Umfangreiche Untersuchungen haben ergeben, dass die nach bekannten Verfahren hergestellten
Quellstärkeprodukte nicht nur aus Quellstärke, sondern auch aus weiteren Abbauprodukten der nativen Stärke, vornehmlich löslicher Stärke und Dextrinen, neben unveränderter nativer Stärke zusammengesetzt sind. Die bislang im Handel befindlichen Quellstärkepräparate bestehen nicht aus Quellstärke, sondern aus einem Gemisch von Quellstärke mit weitergehenden Stärkeabbauprodukten.
Gegenstand vorliegender Erfindung ist die Verarbeitung von Kartoffeln auf solehe Abbauprodukte, die ausschliesslich oder nahezu ausschliesslich aus Quellstärke als Abbauprodukt nativer Stärke bestehen, die noch wechselnde Mengen unveränderter nativer Stärke in geringem Anteil enthalten kann.
Zur klaren begrifflichen Abgrenzung werden im nachstehenden die bekannten Produkte, die neben Quellstärke noch weitergehende Stärkeabbauprodukte enthalten, als Kleister bzw. "kleisterhaltige Quellstärken", dagegen Produkte nach der Erfindung, die aus Quellstärke, gegebenenfalls im Gemisch mit geringen Mengen nativer Stärke bestehen, als,, kleisterfreie Quellstärke"oder als von löslicher Stärke und Dextrinen freie Quellstärke bezeichnet.
Kleisterfreie Quellstärken unterscheiden sich in mehrfacher Beziehung vorteilhaft von solchen Produkten, die neben Quellstärke weitere Abbaukörper enthalten. Quellstärke als das erste Abbauprodukt nativer Stärke zeichnet sich vor der unveränderten Stärke, vor löslicher Stärke, Dextrinen und vor sogenannter Puddingstärke u. a. durch ein hohes Wasserbindungsvermögen aus. Je höher der Gehalt eines Produktes an Quellstärke und je geringer der Gehalt an löslicher Stärke und Dextrinen ist, um so höher ist das Wasserbindungsvermögen, auf die Gewichtseinheit des Produktes bezogen.
Für die Verwendung aufgeschlossener Stärke als Baekhilfsmittel, als Hilfsmittel im Haushalt, als Klebemittel usw. ist die Höhe des Wasserbindungsvermögens ausschlaggebend ; es ist daher wichtig, dass diese Produkte keinen oder einen möglichst niedrigen Gehalt an weiteren Abbaukörpern wie löslicher Stärke und Dextrinen aufweisen.
Den bisherigen Verfahren zur Gewinnung von,, Quellstärke", genauer gesagt von "kleisterhaltiger Quellstärke", ist gemeinsam, dass der Aufschluss nativer Stärke unter Bedingungen erfolgt, die den weiteren Abbau zu löslicher Stärke und Dextrinen herbeiführen. Es hat sich nun aber gezeigt, dass der Stärkeabbau auf das Quellstärkestadium fixiert und die Bildung weiterer Abbauprodukte vollständig oder praktisch vollständig verhindert werden kann.
Dieses Ergebnis lässt sieh herbeiführen, wenn der Wassergehalt und der Durchmesser bzw. die Dicke des in Quellstärke überzufuhrenden Materials bestimmte Grenzen nicht unter-und überschreiten.
<Desc/Clms Page number 2>
EMI2.1
Bottichen, durch Filtrieren in Saugzellenfiltern oder in anderer Weise geschehen. In dem Kartoffeli reibsei etwa vorhandene Schalenbestandteile können mit dem Fruchtwasser z. B. in Vollmantel- schleudern gleichzeitig mitentfernt werden. Wenn die Gewinnung der im Frucktwasser gelösten Eiweiss- stoffe zusammen mit der Quellstärke als Endprodukt angestrebt wird, können dem Reibsel vor der
Abtrennung des Fruchtwassers Säuren oder andere die Ausfällung der Eiweissstoffe bewirkenden
Chemikalien zugesetzt werden.
Um die Reste des Fruchtwassers aus der Reibselmasse herauszuholen, wird diese anschliessend mit einer grösseren Menge Wasser aufgeschwemmt und erneut in eine der ge- nannten Trennvorrichtungen eingeführt. Diese Massnahme kann mehrere Mate wiederholt werden, um das Fruchtwasser vollständig oder nahezu vollständig zu entfernen.
Die vom Fruchtwasser vollständig oder weitgehend befreite Reibselmasse wird nun auf einen bestimmten Wassergehalt, der zweckmässig in den Grenzen zwischen etwa 40-60% liegt, eingestellt.
Vorzugsweise verwendet man hiefür ein Saugzellenfilter, an dem man mit ziemlicher Genauigkeit die Grösse des Vakuums, die Porengrösse des Filters, die Umdrehungszahlen usw. einstellen kann. Auf
Grund der Einstellung dieser Faktoren hat man die Gewähr, dass der abfiltirierte Rückstand stets ein und denselben Wassergehalt aufweist.
Zur Vereinfachung dieser Vorbehandlung kann vor einer Entfernung des Fruchtwassers durch
Abschleudern. Absaugen, Absitzenlassen usw. und/oder von dem Auswaschen der Reibselmasse nach
Entfernung des Fruchtwassers abgesehen werden. Um die für die Überführung der Stärke in Quell- stärke ermittelten Bedingungen einzuhalten, kann man auch den Fruchtwassergehalt auf etwa 40 bis
EMI2.2
Bei der Einregelung des Wassergehaltes wurde beobachtet, dass die spätere Formung der Reibsel- masse an sieh durch einen hohen Wassergehalt erleichtert wird. Ein hoher Wassergehalt begünstigt
EMI2.3
einlagen bespannt sind.
Bei der Umdrehung der Trommel wird der eingeführte Reibselrückstand durch die mechanische Reibung an den Sieböffnungen bzw. Drahtnetzöffnungen in kleinere Einheiten auf-
EMI2.4
Transportvorrichtung.
Auf dieser Transportvorrichtung werden die Partikeln in einen, zweckmässig in der Richtung der Bewegung des Gutes geneigten rotierenden Zylinder übergeführt. Dieser ist vorteilhaft auf seiner Innenfläche mit spiralartig eingesetzten Winkeleisen verselten, zwischen und an denen die Teilchen durchgerollt werden und dabei etwa die Gestalt von Kügelchen annehmen.
Anschliessend können aus der Masse auf Sieben die Kügelchen mit einem Durchmesser von etwa 0#5-2 mm ausgesiebt werden. Kleinere oder grössere Teilchen werden nach vorherigem Einteigen wieder auf den angegebenen Wassergehalt, z. B. in Saugzellenfiltern, eingestellt.
EMI2.5
usw. aufzuteilen, kann der Riibselrückstand in eine Bahn von etwa 0. 5-2 mm Dicke übergeführt werden. Die Herstellung der Bahn kann durch Ausbreiten der Reibselmasse auf einem endlosen Band erfolgen. Die Menge der aufzubringenden Masse kann durch Zuteilungsvorrichtungen, die vor dem Auflaufen der Masse auf das endlose Band angeordnet sind, oder durch Abstreichmesser nach Aufbringen der Reibselmasse auf das endlose Band geregelt werden.
Der in Teilchen bestimmter Korngrösse aufgeteilte Reibselrüekstand wird nun unter Überführung der in ihm enthaltenen nativen Stärke in Quellstärke verquollen. Hiefür erweist sich ein langes Rohr mit doppeltem Mantel als geeignet, das durch in den Mantelraum eingeführten Dampf, heisse Luft oder ein anderes Heizmedium etwas über die Aufschliessungstemperatur der Stärke erhitzt und zweck-
EMI2.6
allmählich nach dem andern etwas tiefer gelegenen Ende des Rohres gelangen.
An dem Abzugsende treten die Teilchen, die aus Quellstärke und geringen oder grösseren Mengen nativer Stärke je nach der Dämpfungsdauer bestehen, aus.
Wenn die Reibselmasse nicht in Teilehen beliebiger Korngrösse, sondern in eine Bahn bestimmter Dicke unterteilt ist, wird diese in einem stationären langen Rohr, das, wie oben angegeben, durch den Mantelraum erhitzt werden kann, aufgeschlossen und zu diesem Zweck auf Unterlagen in das Rohr entsprechend dessen Länge oder in Form mehrerer Bahnen eingebracht.
<Desc/Clms Page number 3>
EMI3.1
der wegen des hohen Wassergehaltes des Behandlungsraumes einem Trockenprozess nicht gleichgestellt werden kann.
Die das Aufschliessungsrolir verlassende Masse, die zum grössten Teil aus Quellstärke besteht, ist noch feucht und bedarf eines Trocknungsprozesses. um lagerfähig zu werden.
Anschliessend wird die Masse z. B. in einer Trockentrommel getrocknet, in der das Gut sich in ständiger Bewegung, zweckmässig von dem einen Ende der Trommel zum andern, befindet. Der Transport der Masse kann durch Neigung der Trommelachse, durch Schaufelwerke oder in anderer Weise bewerkstelligt werden. Zur Erreichung eines möglichst hohen Nutzeffektes wird das trocknende Medium, z. B. erhitzte Luft, im Gegenstrom zum Gut durch die Trommel geführt.
Der in Teilchen bestimmter Korngrösse oder in Bahnen bestimmter Dicke aufgeteilte Reibselrückstand kann auch unter Ausschaltung der Dämpfung unmittelbar getrocknet werden, u. zw. bei so hohen Temperaturen, dass ein teilweiser Aufschluss der nativen Stärke dabei erfolgt.
Für manche Anwendungszwecke kann es erwünscht sein, wenn nur ein Teil der nativen Stärke in Quellstärke übergeführt wird und ein grösserer Teil nativer Stärke in dem fertigen Troekenprodukt zurückbleibt.
Die getrocknete Stärke kann die ihr erteilte Form beibehalten oder zu Produkten von verschiedener Teilchengrösse vermahlen werden.
Von den bekannten Verfahren zur Herstellung kleisterhaitiger Quellstärke unterscheidet sich das neue Verfahren dadurch, dass die Stärke von bestimmtem Flüssigkeitsgehalt in einer bestimmten Schichtendicke bei nicht zu hoher Temperatur zunächst in Quellstärke übergeführt und dann die noch anhaftende Feuchtigkeit in einem Trocknungsprozess, der, wenn nicht kontinuierlich, sondern diskontinuierlich gearbeitet wird, in der Aufschliessungsvorrielhtung bei höherer Temperatur unter Abziehen der Dämpfe aus dem Troekenraum durchgeführt werden kann, entfernt wird.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Herstellung einer kurzbindenden Quellstärke aus Kartoffeln. wobei Fruchtwasser von dem Kartoffelreibsel abgetrennt und der Reibselrückstand erhitzt wird, dadurch gekennzeichnet, dass von dem Fruchtwasser befreites Kartoffelreibsel, gegebenenfalls nach einmaligem oder wiederholtem Auswaschen, auf einen Wassergehalt von etwa 40-no% eingestelJt, in Schichten, Bahnen oder geformte Massen von etwa 0-5-2 ww Dicke iibergeführt wird, diese bei Temperaturen, die etwas oberhalb der AufseMiessungstemperatur der Stärke und bis etwa 100 C liegen, gekämpft und schliesslich getrocknet werden.