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Verfahren zur dauernden Kreislaufverwendung von oxydischen Reinigungsmassen unter Gewinnung von Berlinerblau-Verbindungen und Schwefel bei Verfahren zum Reinigen von Gasanstalts-, Kokerei-und ähnlichen Gasen.
Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur dauernden Kreislaufverwendung von oxydischen
Reinigungsmassen unter Gewinnung von Berlinerblau-Verbindungen und Schwefel bei Verfahren zum
Reinigen von Gasanstalts-, Kokerei-und ähnlichen Gasen, wobei die Massen von Zeit zu Zeit mittels
Schwefellösungsmittel mehrmals entschwefelt, nach der durch die mehrmalige Gasbeaufschlagung bewirkten Anreicherung an Berlinerblau-Verbindungen mittels Kalk aufgeschlossen und sodann unter Befreiung von ihrem Gehalt an Cyanverbindungen und Ballastsalzen ausgelaugt werden.
Das Neue des Verfahrens besteht darin, dass der Aufschluss der Gasreinigungsmasse unter Verzieht auf die jedesmal restlose Gewinnung der Cyanverbindungen mit einer derart geringen Menge gelöschten oder ungelöschten Kalkes erfolgt, dass der in der Masse verbleibende restliche Kalkgehalt ihre Wiederverwendung als Gasreinigungsmasse nicht beeinträchtigt.
Der Aufschluss von in Gasreinigungsmasse enthaltenen Berlinerblau-Verbindungen mittels gebranntem Kalk ist zwar an sich bekannt und in der älteren und neueren Fachliteratur beschrieben (Bössner,"Die Verwertung der ausgebrachten Gasreinigungsmassen", 1902, S. 31,55, 60 ; Ullmann, "Enzyklopädie der technischen Chemie", 1929,2. Auflage, Band 3, S. 487 ff. ). Diese bekannten Ver- fahren arbeiten jedoch mit sehr hohen Kalkübersehüssen (etwa eben so viel CaO als Ferrocyankalium in der Masse), um einen möglichst restlosen Aufschluss der Berlinerblau-Verbindungen in der Masse zu erzwingen und dadurch Verluste durch Resteyan in der abgehenden Masse zu vermeiden. Der hohe Kalkzusatz bedingt eine nachteilige Veränderung der physikalischen Eigenschaften der Masse.
Wenn man gemäss der Erfindung unter Verzieht auf den Aufschluss der letzten Prozente Cyan bei der jedesmaligen Behandlung der Masse mit wesentlich geringeren Kalkzugaben als früher üblich arbeitet, wird dieser Nachteil vermieden. Gerade der Aufschluss der letzten Prozente Cyan, auf den man bei den bekannten Verfahren den grössten Wert gelegt hat, bedingt nämlich einen unverhältnismässig hohen Kalkübersehuss (Bössner, S. 56 und 57, Tabelle 1 und 2, Versuch Nr. 2,3 und 4.
S. 58, Zeile 24 : In allen Fällen sind die Aufschlüsse [91'5-97%] als sehr gute zu bezeichnen, allerdings mit gewaltigen Überschüssen). Bei der Wiederverwendung der entcyanisierten Masse im Kreislauf kann man sich jedoch durchaus mit einem weniger vollständigen Aufschluss der Berlinerblau-Verbindungen begnügen, ohne dafür Cyanverluste mit in Kauf nehmen zu müssen. Man erhält auf diese Weise ein besonders einfaches und wirtschaftliches Verfahren.
Wie bereits bekannt ist, kann die Aktivität von Gasreinigungsmassen durch Zumischen von gebranntem oder ungebranntem Kalk in zwei verschiedenen Richtungen beeinflusst werden, indem sehr geringe Kalkzugaben in den Grenzen von etwa 2 bis 5% als Reaktionsbeschleuniger wirken und die Aktivität der Masse steigern, höhere Kalkgehalte dagegen die ursprüngliche Aktivität der Massen verringern.
Diese Erkenntnis wird bei dem neuen Verfahren in neuer und eigenartiger Weise ausgenutzt ; sie ist für die richtige Durchführung eines Kreisprozesses der dauernden Kreislaufverwendung oxydischer Reinigungsmassen auf Kalkgrundlage von grosser Wichtigkeit.
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Das Wesen der Erfindung liegt nämlich in dem Vorschlag, in dem an sich bekannten Kreislauf solcher Massen, die bisher vorgeschlagene Cyangewinnungsstufe abzuändern und den Kalkzusatz jeweils so zu bemessen, dass unter Verzieht auf weitestgehenden jedesmaligen Cyanaufschluss stets eine Masse mit einem Restkalkgehalt von etwa 2 bis 5% und somit von höchster Aktivität erhalten wird.
Vergleiehsversuehe haben überrasehenderweise bestätigt, dass der Cyanaufschluss tatsächlich auch mit solch geringen Kalkmengen in wirtschaftlicher Weise durchführbar ist, sofern man diese
Verwendung mengenmässig genau begrenzter Kalkmengen beim Cyanaufschluss eben im Rahmen des bekannten Kreislaufes oxydischer Massen vornimmt.
Die durch die scheinbar nur nebensächliche einfache Abänderung der bekannten Vorschläge erreichte fortschrittliche Neuwirkung besteht darin, dass eine wirtschaftliche Arbeitsweise durchführbar gemacht worden ist ; und obendrein sogar noch unter gleichzeitiger regelmässiger Aktivitätssteigerung der Masse für ihre Wiederverwendung erzielt wird.
Bei dem neuen Verfahren ist es auch möglieh, den Kalk durch geeignete Alkalien bzw. andere Erdalkalien teilweise zu ersetzen, wobei diese Zusammenstellung jedoch so zu wählen ist, dass diese Stoffe unter sich oder zusammen mit Ferrocyan keine wasserunlöslichen Doppelsalze bilden.
Um mit möglichst geringen Mengen von Anfsehlussstoffen auszukommen, ist es wichtig, dass vor dem Aufschliessen der Cyanverbindungen die wasserlösliehen Ballastsalze aus der Masse entfernt sind, was durch vorheriges Auslaugen in bekannter Weise geschehen kann. Eine solche besondere Auslaugung kann fortfallen, wenn sie schon im Zusammenhang mit der letzten der Entcyanisierung vorangehenden Entschwefelung-sei es vor oder nach letzterer oder auch sowohl vor als auch nach ihr-vorweggenommen worden ist.