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Verfahren und Vorrichtung zum Trocknen von Schuhen während ihrer Herstellung.
Bei der Herstellung von Schuhen, insbesondere von Rahmenschuhen, ist es üblich, zwischen Brandsohle und Laufsohle eine Einlage, vielfach auch Füllsohle genannt, einzubringen. Diese Einlage wird in der neuzeitlichen Schuhherstellung mit Hilfe einer Masse hergestellt, die in den Raum zwischen Brandsohle und Laufsohle eingestrichen wird und die eine gleichmässige und den verschiedenen Höhenverhältnissen entsprechende Verteilung innerhalb dieses Raumes ermöglicht. Diese Masse besteht im allgemeinen aus einem kleinförmigen, z. B. körnigen, durch einen Klebstoff zusammengehaltenen Isolierstoff, wie Kork, Filz, Leder, Textilfasern u. dgl., welcher eine gewisse Porosität aufweist.
Die Masse wird in breiigem Zustand auf die Brandsohle aufgetragen und muss vor dem Anbringen der Sohle, welche durch Dämpfen ebenfalls stark durchfeuchtet ist, getrocknet werden. Dieses Trocknen nimmt infolge der schlechten Wärmeleitfähigkeit des Isolierstoffes und des diesen verbindenden Klebstoffes mehrere Stunden in Anspruch. Das gleiche gilt für das Trocknen der auf die Brandsohle und die Einlage befestigten Sohle oder für mit Lack überzogene Sehuhteile.
Beim Trocknen dieser Sehuhteile ist auch darauf Rücksicht zu nehmen, dass das Leder, wenn
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nicht zulässig erschien.
Es sind bereits Verfahren und Vorrichtungen zum Trocknen von Schuhen oder einzelner Teile derselben bekanntgeworden, bei welchen eine Bewärmung der Schuhe bzw. der Schuhteile dadurch stattfand, dass man warme Luft auf sie einwirken lässt. Dies erfolgte in der Weise, dass die Schuhe über Heizvorrichtungen gelagert wurden oder dass die warme Luft im Kreislauf so lange über die Schuhe geführt wurde, bis ein Feuchtigkeitsausgleieh in diesen stattgefunden hat. Durch diese Massnahmen war es aber weder möglich eine schnelle Trocknung noch eine die nicht zu trocknenden Schuhteile schonende Teiltrocknung herbeizuführen, da die Einwirkung der Wärme auf die Schuhe bzw. die zu trocknenden Teile eine zu langsame war, so dass die andern Schuhteile jedenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurden.
Den Gegenstand der Erfindung bildet nun ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Trocknen von Schuhteilen während der Herstellung der Schuhe, durch welche es ermöglicht wird, die erwähnten Schuhbestandteile unter Schonung der vor starken Wärmeeinfluss zu schützenden Teile in wesentlich kürzerer Zeit, im allgemeinen einer Viertelstunde, zu trocknen und dadurch die für die Herstellung der Schuhe notwendige Zeit bedeutend abzukürzen.
Das Verfahren besteht darin, dass die Schuhteile oder die Schuhe in dem für die Trocknung bereiten Arbeitszustande erst einem Unterdruck (Vakuum) unterworfen und dann einer Erhitzung ausgesetzt werden. Durch diesen Vorgang werden aus allen porösen Stoffen und gegebenenfalls auch aus dem Klebstoff und dem Lack die in ihnen befindliche Luft wie auch Flüssigkeits-oder Dampfteilchen in erheblichem Masse entzogen. Die Wirkung dieses Vorganges wird sich erhöhen,-wenn vor der Herstellung des Unterdrucks eine Erwärmung der zu trocknenden Gegenstände erfolgt.
Die hierauf zugeführte warme Luft wird von den unter Unterdruck stehenden Teilen angesogen werden und in alle Poren derselben eindringen, wodurch sie auf deren Umgebung wesentlich schneller einwirken wird als die sonst nur auf die Aussenfläche der zu trocknenden Teile wirkende Wärme. Hiebei ist es auch möglich, bei höherer als der sonst zulässigen Temperatur, u. zw. bis zu 80 C, zu arbeiten, da die Dauer der Wärme-
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einwirkung-die innerhalb der zur vollständigen Trocknung notwendigen Zeit mit der Herstellung des Unterdruckes mehrfach wechselt-so kurz sein kann, dass irgendeine schädliche Einwirkung auf das Leder nicht statthaben kann.
Das Verfahren kann ferner dahin erweitert werden, dass die Schuhteile oder Schuhe an den zu trocknenden Stellen einer grösseren Erwärmung unterworfen werden als jene Teile, die durch die Einwirkung höherer Hitzegrade Schaden nehmen könnten. Dies geschieht in der Weise, dass gegen die zu trocknenden Teile, nachdem sie unter Unterdruck gesetzt worden sind, ein heisser Luftstrom geleitet wird. Der Vorgang ist hiebei zweckmässig der, dass die, im allgemeinen durch Saugen erzeugte Strömung durch Absperrung der Zufuhr unterbrochen wird, wodurch um die und innerhalb der zu trocknenden Teile ein Unterdruck entsteht. Für eine Trocknung sind nur einige wenige Unterbrechungen erforderlich.
In der Zeichnung sind schematisch zwei beispielsweise Ausführungsformen der erfindungsgemässen Vorrichtung sowie Schuhabschnitte mit den zu trocknenden Teilen dargestellt. Es zeigen Fig. 1 den Längsschnitt einer Vorrichtung, bei welcher an einem als Trockenraum dienenden Behälter eine Absaug-
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öffnungen für die erwärmte Luft sowie Heizrohre für die Abgabe strahlender Wärme besitzt und an eine Absaugvorrichtung angeschlossen ist. Fig. 3 veranschaulicht den Schnitt eines Schuhteiles mit auf der Brandsohle aufgebrachter Füllmasse und Fig. 4 den Schnitt eines solchen Schuhteiles mit bereits auf ihm angebrachter Sohle.
Bei der Ausführungsform nach Fig. 1 ist an einem luftdicht verschliessbaren Behälter 1, in welchem Roste 2 zur Aufnahme der auf Leisten 3 sitzenden Schuhteile oder Schuhe 4 angeordnet sind, einerseits durch eine Leitung 5, eine z. B. aus einer Luftpumpe bestehende Absaugvorrichtung 6, anderseits durch einen Stutzen 1, der durch ein Sperrglied 9, z. B. einen Hahn, mit einem Stutzen 29 verbunden ist, ein Heizraum 8 angeschlossen. An dem Heizraum 8 sind'für den Einlass des Heizmittels, z. B. Dampf, ein Einlassstutzen 11 und für den Auslass derselben oder von Heizstoffüberresten ein Auslassstutzen 12 vorgesehen, welche durch eine Rohrschlange 10 miteinander verbunden sind. Für den Eintritt der Luft ist ein Stutzen 30 an dem Heizraum 8 vorgesehen.
Unter dem Behälter 1 befindet sich eine Heizquelle 28 zur Vorwärmung der in demselben befindlichen Luft.
Bei der Ausführungsform nach Fig. 2, bei welcher in gleicher Weise ein zur Trocknung dienender Behälter 1 an eine Saugvorrichtung 6 und an einen Heizraum 8 angeschlossen ist, hat der Behälter 1 in der oberen Wand eine grössere Anzahl von Einlassöffnungen 13, die mit Zeigleitungen 14 eines Anschlussstutzens 15, der zu dem Absperrglied 9 führt, verbunden sind. Diese Einlassöffnungen befinden sich an jenen Stellen, an welche die zu trocknenden Gegenstände 4 zu liegen kommen. Diesen Einlass-
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über den Stellen, an welche die Schuhteile oder Schuhe 4 zu liegen kommen, Heizrohren 19 vorgesehen, welche durch strahlende Wärme auf die zu trocknenden Stellen der Schuhteile oder Schuhe einwirken können.
Der Sehuhteil nach Fig. 3 besteht aus einer auf einem Leisten 3 angebrachten Brandsohle 20 mit aufstehenden Nählippen 21, an welcher ausserhalb dieser Lippen der Oberteil 22 und der Rahmen 23 durch eine Naht 24 befestigt und auf welcher innerhalb dieser Lippen die eine Trocknung erfordernde
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Die Wirkungsweise der Vorrichtung und das mit ihr durchführbare Verfahren sind folgende : Der Schuhteil wird in der aus Fig. 3 ersichtlichen Weise vorgerichtet, indem auf die Brandsohle 20 des auf dem Leisten 3 aufgezogenen Teiles die breiige Füllmasse 25 aufgestrichen wird, so dass sie den Raum zwischen den Nählippen 21 und dem äusseren Boden der Brandsohle füllt.
Hierauf wird der Sehuhteil mit dem Leisten in den Behälter 1 der Vorrichtung nach Fig. 1 oder Fig. 2 mit der zu trocknenden Füllmasse nach oben auf die Roste 2 aufgelegt und der Behälter dicht abgeschlossen. Bei der Vorrichtung nach Fig. 1 wird die in dem Behälter 1 befindliche Luft durch die Heizquelle 28 etwas vorgewärmt und hierauf durch die Saugvorrichtung 5, 6 so weit abgesaugt, bis ein gewisser Unterdruck erreicht ist. Nachher wird der Hahn 9 geöffnet, wodurch heisse Luft durch das Rohr 7 in den Behälter 1 einströmt.
Durch das Absaugen der Luft und Herstellung eines Unterdruckes in dem Behälter 1 ist auch innerhalb aller porösen Teile des Schuhes, somit auch innerhalb der Füllmasse 25, ein Unterdruck entstanden, der bei Einströmen der heissen Luft ein Eintreten derselben in die Poren der Masse zur Folge hat und sie somit ganz durchdringt. Die Luft nimmt die Feuchtigkeit auf, wird neuerdings abgesaugt, bis wieder Unterdruck eintritt, und wird sodann neuerdings durch frische Heissluft ersetzt. Nach drei-bis viermaligem Luftwechsel ist die Füllmasse trocken.
Das gleiche Verfahren wird angewendet, wenn die auf den so vorbereiteten Schuhteil angebrachte Sohle (Fig. 4), die infolge Dämpfung viel Feuchtigkeit enthält, getrocknet werden soll.
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Bei dem bisher beschriebenen Verfahren wie auch mit der beschriebenen Vorrichtung kann wesentlich höher erhitzte Luft, als sie bisher zum Trocknen verwendet wurde, benutzt werden, da bisher auf die Einwirkungszeiten Rücksicht genommen werden musste, um eine Beeinträchtigung des Leders zu vermeiden. Diese Vorsicht ist bei Benutzung der Vorrichtung nach Fig. 2 nicht erforderlich, durch welche auch eine weitere Beschleunigung der Trocknung erreicht werden kann. Der Vorgang ist hiebei
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Vorrichtung nach Fig. 1 angegebenen Weise in den Behälter 1 eingebracht, wobei jedoch darauf zu achten ist, dass die Gegenstände mit den zu trocknenden Stellen den Einlassöffnungen 13 für die heisse Luft und den Heizröhren ? gegenüberstehen (Fig. 2). Dies kann durch entsprechend ausgebildete Einschiebevorrichtungen ohne Schwierigkeit erreicht werden.
Nach Einführung der zu trocknenden Gegenstände wird der Hahn. 9 geöffnet und die Absaugvorrichtung in Betrieb gesetzt. Hiedurch tritt eine Luftströmung innerhalb des Behälters 1 ein, welche die heisse Luft in lotrechter Richtung von den Einström- öffnungen 13 zu den Ausströmöffnungen 16 führt und bewirkt, dass diese Luft auf die zu trocknenden Stellen am stärksten auftrifft, während sie an den der Strömung abgewendeten Stellen des Schuhes nur vorbeistreicht, ohne eine wesentliche Wärmewirkung auszuüben. Hiedurch nimmt die Masse 25 nach Art eines Speichers Wärme auf. Sobald dies geschehen ist, wird der Hahn 9 geschlossen, die Absaugung aus dem Behälter 1 findet aber weiter statt, wodurch neben den oben dargelegten Wirkungen des Unterdruckes eine stärkere Absaugung der Feuchtigkeit stattfindet.
Nach neuerlicher Öffnung des Hahnes 9 dringt die strömende Heissluft mit erhöhter Kraft in die Masse 25 ein, was die Trocknung beschleunigt.
Eine andere Art, die Wärme nur oder in erhöhtem Masse auf die zu trocknende Stelle einwirken zu lassen, wird durch die Führung der in dem Behälter 1 einströmenden Luft oder, wie bereits erwähnt, durch die Heizröhren 19 erreicht (Fig. 2). Der Vorgang bei der Einrichtung nach Fig. 2 ist hiebei im wesentlichen der gleiche wie bei der Vorrichtung nach Fig. 1, nur dass die einströmende oder durchströmende Luft, die nicht erwärmt sein muss, durch die Heizröhren 19 erwärmt wird. Eine Beeinträchtigung
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strahlung nicht getroffen werden.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zum Trocknen von Schuhen während ihrer Herstellung, dadurch gekennzeichnet, dass die zu trocknenden halbfertigen oder fertigen Schuhe erst einem Unterdruck unterworfen und hierauf der Einwirkung warmer Luft ausgesetzt werden.