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Verfahren zur Herstellung von Geweben.
Es ist vorgeschlagen worden, besondere Effekte bei Webstoffen dadurch zu erzielen, dass normal gedrehte Garne zunächst durch Tränken mit einem Klebstoff verleimt werden und das Gebilde dann so weit aufgedreht wird, dass die Garne keinen oder nur noch ganz geringen Drall besitzen. Diese Gebilde werden dann als Schussgarn verwendet und schliesslich von dem eingetragenen Klebstoff befreit. Durch diese Verfahrensart werden tatsächlich wertvolle Effekte erzielt ; dieses Verfahren ist jedoch ziemlich umständlich und kostspielig, da es eine vierstufige Behandlung der Schussgame erfordert.
Es ist auch schon vorgeschlagen worden, bei der Herstellung von kunstseidenen Textilwaren Fadenbündel zu benutzen aus unmittelbar von den Kunstseidenmaschinen gelieferten Fäden, die nicht gezwirnt sind, sondern nur durch eine Appretur zusammengehalten werden. Auch ist schon der Vorschlag gemacht worden, ohne Benutzung einer Verleimung oder gleichwirkenden Appretur bei Wirk-und Striekwaren ein luntenartiges Fasergebilde zur Bildung der Ware, insbesondere der Maschen der Strickware, zu benutzen, da solches leichtgedrehtes Vorgespinst beim Wirken oder Stricken dann verwendet werden kann, wenn dafür Sorge getragen wird, dass das Material nicht gestreckt oder gezogen wird, so dass die Fasern hiebei auseinandergezogen werden.
Auch war vorgeschlagen worden, bei der Herstellung handgewebter, einfacher, glatter Teppiche als Schuss ungesponnene Rohwolle (gewaschene Schurwolle) zu verwenden, die gegebenenfalls beim Einlegen von Hand in das Fach etwas verdreht werden kann.
Nun ist die Beanspruchung der Fäden bei der Herstellung von Geweben auf mechanischen Webstühlen eine ungleich grössere, so dass die Eignung von Garnen mit nur unvollständiger Drehung nicht zu erwarten war. Die Erfinderin hat nun überraschenderweise festgestellt, dass bei der Herstellung von Webwaren ohne Verwendung einer Appretur bzw. Verleimung die Benutzung von befeuchteten Schussgarnen mit nur unvollständiger Drehung wider Erwarten nicht nur bei der maschinellen Weberei durchaus technisch möglich ist, sondern auch, dass auf diese einfache Art die gleichen und sogar besseren Effekte als mit Verleimung erzielt werden können.
Die Garne mit unvollständiger Drehung nämlich, deren Zugfestigkeit zur Verwendung als Schuss im trockenen Zustande unzureichend ist, führen bei Eintragen in eine beliebige Webkette als befeuchtetes Schussgarn zu Geweben von guter Fülle und Weichheit und ausgezeichneten Glanzeffekten.
Ein Befeuchten von Schussgarnen ist in der Weberei zwar schon, namentlich in der Feinweberei, üblich gewesen, doch handelt es sich dabei um die Befeuchtung normaler Webgarne zwecks Glättens des Fadens zur Erzielung einer möglichst geringen gegenseitigen Reibung der Fäden beim Webvorgang.
Die Erfinderin hat dagegen festgestellt, dass die lose gedrehten Garne durch das Befeuchten eine Erhöhung der Zugfestigkeit um das Vielfache erfahren. Beispielsweise zeigte ein lose gedrehtes Garn in trockenem Zustande am Dynamometer eine Reissbelastung von 28 g, nach dem Befeuchten aber von 245 g, also eine fast neunfach Erhöhung der Zugfestigkeit. Das Befeuchten wird vorteilhaft kurz vor dem Verweben vorgenommen. Dies kann durch Einlegen der Schussbobinen in Wasser geschehen, gegebenenfalls unter Zuhilfenahme eines evakuierten Gefässes, um das Eindringen des Wassers zu gewährleisten. Dem Wasser können Netzmittel zwecks besseren Eindringens oder hygroskopisch Stoffe, um ein vorzeitiges Eintrocknen der Sehussgarne zu verhindern, zugesetzt werden.
Es kann in manchen Fällen auch genügen,
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Schützenantrieb des Webstuhles einwandfrei arbeitet.
Ausführungsbeispiel :
Zur Herstellung eines Gewebes gemäss der Erfindung mit der Fadenzahl 22/24 (pro franz. Zoll) wird das Schussgam folgendermassen vorbereitet : Ein einfaches, rohes Garn (engl. Nr. 40) mit der Drehungzahl von nur zehn Drehungen pro Inch wird in Bündeln über Nacht in gut angefeuchtete Tücher eingeschlagen und am folgenden Tag feucht verwoben mit einem Kettgam (engl. Nr. 90 einfach) mit der
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Es ergibt sich ein weiches, mattglänzendes Gewebe, welches der Seide sehr ähnlich sieht.