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Die normale Zusammensetzung der Milch kann durch die verschiedensten Einflüsse eine Veränderung erleiden. Besonders gefährlich sind solche Veränderungen, wenn sie die Folge von Eutererkrankungen, insbesondere von Mastitiden, darstellen, da dann die Milch wegen der Beimengung von Leukozyten unappetitlich wird. infolge ihrer veränderten Zusammensetzung bei der Verarbeitung häufig zu Betriebsstörungen fahrt und nach den übereinstimmenden Feststellungen verschiedener Autoren sogar schwere gesundheitlich Schädigungen beim Menschen hervorrufen kann. wenn die Krankheitserreger in den Verdammgskanal gelangen.
Insbesondere für Säuglinge und Kinder ist die Milch euterkranker Tiere geradezu gefährlich.
Es ist deshalb von besonderer Wichtigkeit, derartige Eutererkmnkungen möglichst schon beim Melken festzustellen, um zu verhindern, dass die infizierte Milch mit gesunder Milch anderer Tiere vermengt wird.
Neben den auf Erkrankungen zurückzufUhrendpl1 Veränderungen kommen aber noch andere Veränderungen in Frage, die ebenfalls einer schnellen Feststellung bednrfen. Hier ist insbesondere das Kolostrum zu erwähnen, welches vom Muttertier in den ersten Tagen nach dem Kalben gegeben wird, und dessen Beimengung zu anderer Milch sehr leicht die gesamte Milch für Käsereizwecke u. dgt. unbrauchbar machen kann. Da die Kolostralperiode nicht immer gleichartig verläuft, bestellt also auch ein. Bedürinis nach einem einfachen und sicheren Verfahren, um das Ende der Kolostralperiode und damit den Zeitpunkt zu bestimmen, von dem ab die Milch des Muttertieres ganz oder teilweise dem Verkehr zugeführt werden darf.
Es sind nun zwar bereits verschiedene Verfahren vorgeschlagen worden, welche einerseits Eutererkrankungen, anderseits das Vorhandensein des Kolostrums nachzuweisen gestatten. Es ist bisher jedoch noch nicht gelungen, eine sogenannte Schnellmethode zu finden, die in ganz kurzer Zeit und durch ungeübte Kräfte ansfiihrbar ist und wirklich brauchbare Ergebnisse liefert.
So sind z. B. für die Feststellung von Eutererkrankungen kolorimetrische Methoden vorgeschlagen worden, bei welchen die Milch aus den verschiedenen Eutervierteln mit einem Indikator versetzt wird. durch den im Falle einer Störung andere Farben als normalerweise hervorgerufen werden ; oder es wurde vorgeschlagen, den Chlorgehalt der Milch zu ermitteln, um hieraus einen Schluss auf die Gebrauchsfähigkeit bzw. die Gesundheit der Milch zu ziehen. Derartige Untersuchungen der einzelnen Proben durch Titrierung o. dgl. - selbst wenn durch die Titration nur das Über-bzw. Unterschreiten eines bestimmten Grenzwertes festgestellt werden soll-sind ziemlich umständlich und können zweifellos nicht von ungeübten Kräften ausgeführt werden.
Ausserdem nehmen sie längere Zeit in Anspruch und bieten auch keine
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festgestellt, dass beim Vorhandensein von Kollostrum (wie auch bei sonstigen Sekretionsstörungen) durch Zusatz eines Peroxyds mehr oder minder starke Sauerstoffentwicklung erfolgt, während andere Eigenschaften des Kolostrums von denjenigen normaler Milch nicht abweichen.
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Man hat ferner festgestellt, dass bei Eutererkrankungen sich Veränderungen lediglich an dem erkrankten Euterviertel zeigen, während sich demgegenüber Veränderungen auf
Grund von Fütterungs-oder sonstigen Einflüssen stets zugleich an allen Eutervierteln be- merkbar machen.
Alle diese Erkenntnisse und bekannten Tatsachen benutzt nun die Erfindung, um eine Schnell- methode zu schaffen, mit der es möglich ist, auch durch ungeübte Kräfte schon beim Melken ohne weiteres feststellen zu lassen, ob die ermolkene Milch für den Verbrauch geeignet oder unge- eignet ist. Das Verfahren nach der Erfindung besteht darin, dass die aus den vier Euter- vierteln getrennt entnommenen Proben ebenfalls getrennt mit einer bestimmten Menge einer Prüfflüssigkeit, bestehend aus einem Peroxyd und einem Indikator, versetzt werden, dessen
Umschlagsbereich zwischen == 6 und == 8 liegt, wobei sich dann bei (krankhaften) Se- kretionsstörungen an den betreffenden Proben Farbumschläge zeigen,
die gegenüber den übrigen Proben charakteristisch unterschiedlich sind und von einer gleichzeitigen Sauerstoff- abscheidung begleitet sein können, während bei Vorliegen von Kolostrum nur Sauerstoff- abspaltung erfolgt.
Es ist also bei dem Verfahren nach der Erfindung von Wichtigkeit, dass bei der an- gewandten kolorimetrischen Methode der Farbvergleich nicht zwischen den Proben und fest- stehenden Farbwerten erfolgt, wie es früher vorgeschlagen wurde, sondern dass die aus den vier Eutervierteln entnommenen Proben nach Zusatz der Prümüssigkeit untereinander ver- glichen werden.
Wenn die Milch frisch und normal ist, ergibt sich eine charakteristisch gelbgrüne
Färbung, während selbst schon bei beginnenden, ganz schwachen Sekretionsstörungen die
Farbe auffällig blaugrün wird. Wenn in fortgeschrittenen Fällen die Wasserstoffionenkon- zentration stark erhöht ist, die sich an sich bei beginnender Erkrankung des Euters zunächst vermindert, dann aber sehr steil ansteigt, tritt eine reine gelbe Färbung auf.
Als besonders geeigneter Indikator für diese Zwecke hat sich Bromthymolblau gezeigt, u. zw. auch deshalb, weil gerade dieser Indikator von dem schwankenden Metallsalzgehalt der Milch praktisch nicht beeinflusst wird. Ferner bewirkt eine alkoholische Lösung des In- dikators bei starken Eutererkrankungen neben der starken Gelbfärbung eine gleichzeitige Aus- flockung, die eine scharfe Unterscheidung gegenüber normaler Milch gestattet.
Wenn man diesen Indikator, mit Alkohol gelöst und mit einem Peroxyd versetzt, als
Prüfflüssigkeit vorrätig hält und jeweils eine bestimmte Menge davon den aus den vier Euter- vierteln entnommenen Proben zusetzt, kann man sofort, gegebenenfalls nach einfachem Um- schütteln, durch Vergleich der vier Proben feststellen, ob irgendwelche Veränderungen der
Milch vorliegen und ob diese Veränderungen wegen der aufgetretenen Farbunterschiede auf
Mastitiserkrankungen od. dgl. oder wegen der Gasabscheidung auf das Vorliegen des Kolostrums zurückzuführen sind. Man hat also auf diese Weise ein Mittel zur Hand, um im Rahmen einer wirklichen Schnellmethode durch ungeübte Kräfte die Milch schon beim Melken genau zu untersuchen.
Man kann dann auch noch weitergehen und namentlich bezüglich der Sauerstoffabscheidung beim Vorliegen des Kolostrums mit Hilfe geeignet geeichter Gefässe die Menge des ab- geschiedenen Gases feststellen und daraus den Grad der Veränderung der Milch ableiten. Es lassen sich dann genaue Regeln aufstellen, so dass der Untersuchende sowohl aus dem Farb- umschlag als auch aus der Menge der Gasentwicklung genau ersehen kann, ob die betreffende
Milch noch brauchbar ist. oder ob sie dem Verkehr nicht zugeführt werden darf.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Prüfung von Milch auf Abweichungen von normalen Sekretionsver- hältnissen, insbesondere zur Prüfung bei Erkrankungen (Mastitis) und zur Erkennung des Endes der Kolostralperiode, dadurch gekennzeichnet, dass aus den vier Eutervierteln gleichmässig
Proben entnommen werden, die gleichzeitig mit je einer bestimmten Menge einer Prüfflüssigkeit versetzt werden, bestehend aus einem Peroxyd und einem Indikator, dessen Umschlagsbereich zwischen pH = 6 und PH= 8 liegt, und dass die Proben untereinander verglichen werden.