AT116713B - Verfahren zur gleichzeitigen Gewinnung von Kohlensäure, Alkohol und Milchsäure. - Google Patents

Verfahren zur gleichzeitigen Gewinnung von Kohlensäure, Alkohol und Milchsäure.

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AT116713B
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  Verfahren zur gleichzeitigen Gewinnung von Kohlensäure, Alkohol und   Milchsäure.   



   Bisher gelang es nur durch gleichzeitige Aussaat von Milchsäurebakterien und Hefe in verschiedenen zuckerhaltigen Nährböden   Milchsäure,   Kohlensäure und Alkohol zu erzeugen. Beispiele dieser Gärungen bieten die Presshefefabrikation, die Herstellung des Berliner Weissbieres und des Kefirs. 



   Die vorliegende Erfindung hat sich die Aufgabe gestellt, eine kräftige Gärungserscheinung unter gleichzeitiger Bildung von Kohlensäure, Alkohol und Milchsäure durch Anwendung nur eines einzigen
Bakteriums auszulösen. Ein solches Bakterium besitzen wir z. B. in dem Termobaeterium mobile, welches der Erfinder aus dem Aguamiel der Agave americana in Mexiko festgestellt hat und das imstande ist, aus Rohrzucker, Glukose und Fruktose oder deren Gemischen die genannten Stoffe zu bilden. 



   Termobaeterium mobile gehört zu einer Gruppe von Bakterien, die in dem Buch des Erfinders "Mikroskopische Betriebskontrolle in den Gärungsgewerben", 1895, Verlag Paul Parey, Berlin, wegen der Ähnlichkeit mit dem von Ehrenberg und Ferdinand Cohn beschriebenen Bacterium   termo   unter dem Gattungsnamen   Tennobaeterium   zusammengefasst wurden. Gestalt und Bewegungsart des Termobaeterium mobile erinnern durchaus an die von Cohn für Baeterium   termo   gegebene Beschreibung, die man a. a. d. Seite 243, Zeile 7-14, findet. 



   Mikrophotogramme von Tennobaeterium mobile finden sich in des Anmelders"Atlas der mikroskopischen Grundlagen der   Gänmgskunde",   3. Auflage, Band 2,1928, Verlag Paul Parey, Berlin S. W. 10, in den Bildern 990,991, 992 in   1000 facher Vergrösserung.   



   Im Stadium lebhafter Entwicklung sieht man fast nur Doppelzellen von etwa 6 Mikron Länge. Die Bewegung erfolgt durch Geisseln, die an den äusseren Enden der Doppelzellen sitzen und ein   Büschel   von etwa 6 feinen Fäden bilden, die etwa doppelt so lang wie die Zelle selbst sind. Die Bakterie ist lophotrich begeisselt. Sporenbildung ist nie beobachtet worden. 



   In Würzeagarplattenkulturen bildet sie nur winzige Kolonien von kreisrunder Form ohne besondere Merkmale. 



   In Tröpfehenkulturen reihen sich die Zellen bis zu 20 und mehr pallisadenartig aneinander und schieben sich bald nach der einen, bald nach der anderen Richtung am Rand des Tröpfchen entlang. Im festen Nährboden gewachsene Kolonien der Bakterie zerklüften ihn, falls eine der von ihr vergärbaren Zuckerarten Glukose, Fruktose, Saccharose vorhanden ist. 



   Falls der Gärstoff, z. B. eine Flüssigkeit, eine Teigmasse od. dgl., keine der Zuckerarten Rohrzucker, Glukose und Fruktose enthält, so muss man ihm diese einzeln oder in Mischungen zusetzen, bevor man die Impfung mit dem Bakterium vornimmt. 



   Besonders vorteilhaft ist es, wenn einigen solchen Gärungsorganismen, wie dem Termobacterium 
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 in Angriff genommen werden können. 



   Wird mit einem solchen Bakterium die betreffende Masse, gleichviel ob flüssiger oder pastöser Form, geimpft und einer Temperatur ausgesetzt, die der   Vermehrung und Gärung günstig   ist, dann bilden sich nach der gleichmässigen Verteilung der Mikrobe allenthalben die vorher erwähnten Gärprodukte Kohlensäure, Alkohol und   Milchsäure.   



   Auf diese Weise kann man irgendeinen Fruchtsaft oder Pflanzenextrakt, der von Natur mit einer der erwähnten   Zuckerarten   versehen ist, unter Anwendung von   25-35  C schon   in kurzer Zeit in ein moussierendes, schwach alkoholisches und gleichzeitig schwach milchsaures Getränk umwandeln. 

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   Dasselbe ist der Fall, wenn man Milch, gleichviel welcher Wasserverdünnung, ebenso Wasser, Molke usw. mit dem nötigen gärfähigen Zucker versetzt und so behandelt, wie das hinsichtlich des Fruchtsaftes gesagt wurde. 



   Setzt man einer Mehlteigmasse das Bakterium zu, so vergärt dies die darin vorhandene Glukose in ähnlicher Weise wie der Sauerteig, der bekanntlich Hefen   und Milchsäurebakterien   enthält, und es bildet sich Kohlensäure, Alkohol und Milchsäure, von denen die beiden ersten auftreiben wirken und 
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 ein geringer Zusatz von kohlensaurem Kalk zum Mehlteig geboten. Es bildet sich milchsaurer Kalk und Kohlensäure, welche den Teig weiter auftreiben hilft. 



   Bei den Temperaturen von   25-35  C   vermehrt sich das Bakterium kräftig, wenn es neben Zucker stickstoffhaltige Nahrung geboten erhält, zwischen 35 und 45  C ist die Vermehrung fast Null, aber die
Gärwirkung macht sich noch geltend. Bei reichlicher Aussaat wird man also auch ohne Darbietung von
Stickstoffnahrung und ohne dass eine Vermehrung des Bakteriums stattfindet, in Zuckerlösungen noch eine kräftige Gärwirkung erhalten. So kann man z. B. gezuckerten Tee, dessen Stickstoffgehalt nur ganz gering ist, so dass er für die Vermehrung der Bakterie nicht in Betracht kommt, durch reichliche Aussaat des Bakteriums bei einer Temperatur von etwa 40  C von heut zu morgen in ein moussierendes Getränk verwandeln, namentlich, wenn man die Gärung in einem geschlossenen Gefäss vor sich gehen lässt, so dass die Kohlensäure nicht entweichen kann.

   Der Geschmack des moussierenden Tees ist natürlich etwas säuerlich, wenn nicht von vornherein etwas kohlensaurer Kalk zugegeben war. 



   Bei Anwendung des Verfahrens auf die Vergärung von Malzwürzen oder   Malzextraktlosungen   oder von gezuckerter Milch ist zu bemerken, dass in diesen die Maltose und der Milchzucker nicht vergoren werden, sondern nur die Glukose der ersteren und der Zuckerzusatz der letzteren. Wegen der reichlich vorhandenen Stickstoffverbindungen eignen sich sowohl   Malzlösungen   sowie gezuckerte Milch ausgezeichnet zur Heranzucht grösserer Bakterienmengen bei den vorher erwähnten Temperaturen von   25-35  C.   Bei der   Milchgärung   tritt mit der Säurebildung eine Ausfällung des Kaseins und die Abson-   derring   einer ziemlich klaren Molke ein.

   Das Kasein schliesst eine beträchtliche Bakterienmasse ein und kann nach dem Auslaugen in sterilem Wasser und nach dem Eintrocknen bei niedrigen Temperaturen geradezu als bequem versandfähiger Impfstoff bentitzt werden. 



   In Lösungen mit nur vergärbaren Zuckern kann fast eine   Endvergärung   erzielt werden, und es besteht bei verschlossenen Flaschen die Gefahr der Explosion, sofern nicht die Gärung rechtzeitig unterbrochen wird oder die Lösung nicht genügend verdünnt gewählt war. 



   Zur Impfung solcher Lösungen, die moussierende Getränke liefern sollen, empfiehlt sich frisch gärende Milch wegen der klärenden Wirkung des ausfallenden Kaseins. In Milchwirtschaften, die moussierende   Milchliefem   wollen, empfiehlt sich, frisch gärende Milch bereits der eben gemolkenen Milch in dem Melkeimer zuzusetzen, zumal hier gerade günstige Temperaturen für die Vermehrung der Bakterie vorhanden sind. Das gleiche Verfahren wird man anwenden können bei dem Einsammeln des Palmen-oder Agavensaftes, um   unerwünschte   Mikroben von vornherein auszuschalten oder   zurückzudrängen.   



   Bei Gärungen in offenen oder nur lose bedeckten Gefässen, so bei der Gärung der Gurken, des Grünfutters, bei der Fermentation des Kakaos und der Kaffeefrüchte, wird durch die frühzeitige Bildung der Kohlensäure und Milchsäure die Entwicklung der unerwünschten Essigsäurebakterien unterbunden. 



  Aus den vergorenen Massen kann dann noch Alkohol und Milchsäure gewonnen werden. 



   PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur gleichzeitigen Gewinnung von Kohlensäure, Alkohol und Milchsäure aus Rohrzucker, Glukose oder Fruktose oder Gemischen dieser Stoffe, dadurch gekennzeichnet, dass die diese Zuckerarten enthaltenden Substanzen mit dem im Aguamiel der Agave americana vorkommenden Bakterium mobile vergoren werden.

Claims (1)

  1. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die mit dem Bakterium geimpften EMI2.2
    4. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass als bequem versandfähiger Impfstoff das ausgefällte und das Bakterium in reichlichen Mengen einschliessende Kasein nach Auslaugung mit sterilem oder schwach alkalisch gemachten Wasser und Trocknung benutzt wird.
AT116713D 1927-08-16 1928-06-27 Verfahren zur gleichzeitigen Gewinnung von Kohlensäure, Alkohol und Milchsäure. AT116713B (de)

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