Verfahren zum Nachweis mindestens einer Nu leinsäuresequenz
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Nachweis mindestens einer Nukleinsäuresequenz und einen Kit zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens.
Zum Nachweis einer Nukleinsäuresequenz ist es allgemein bekannt, die nachzuweisende Nukleinsäuresequenz mittels spezifischer DNA-Primer in einer Polymerase-Kettenreaktion (PCR) zu vervielfältigen. Die vervielfältigten Sequenzen können dann mittels einer Hybridisierung mit einer für die nachzuweisende Nukleinsäuresequenz spezifischen Bindungssequenz nachgewiesen werden. Bei diesem Verfahren ist es nachteilig, daß für jede nachzuweisende Nukleinsäuresequenz eine spezifi- sehe Bindungssequenz erforderlich ist. Weiterhin ist es von Nachteil, daß für jede Hybridisierung mit dieser Bindungssequenz spezifische Hybridisierungsbedingungen eingehalten werden müssen.
Aus Whitcombe, D. et al . , Nature Biotechnology 17 (1999) Seiten 804 bis 807 ist es bekannt, eine PCR mit einem speziellen Primer durchzuführen. Der Primer weist einen Bereich auf, in dem die Synthese eines Gegenstrangs durch ein Blockiermittel für eine Polymerase verhindert wird. Der Bereich weist ein Fluorophor und einen Quencher auf, welche sich durch Basenpaarungen in unmittelbarer Nachbarschaft befinden. Ein Fluoreszenz-Signal kann nicht erzeugt werden. Der Bereich weist in einem nicht basengepaarten Abschnitt eine Sequenz auf, die komplementär zu einem durch die Verlängerung des Primers bei der PCR entstehenden Produkt ist. Nach einer Denaturierung des Produkts, kommt es unter geeigneten Bedingungen zu einer Basenpaarung des Abschnitts mit dem komplementären Bereich in dem Produkt. Dadurch wird der Quencher von dem Fluorophor ge-
trennt, so daß ein Fluoreszenz-Signal entstehen kann. Das Fluoreszenz-Signals dient als Nachweis für das Vorhandensein einer für den Primer spezifischen DNA-Sequenz. Bei dem Verfahren ist es nachteilig, daß ein für jede nachzuweisende Nu- kleinsäuresequenz spezifischer Primer mit einem spezifischen komplementären Abschnitt synthetisiert werden muß. Durch die verschiedenen funktioneilen Einheiten ist der Primer verhältnismäßig lang und damit aufwendig herzustellen.
Aus der EP 0 401 037 ist es bekannt bei einer PCR Nukleotide einzusetzen, die in der zu vervielfältigenden Nukleinsäuresequenz nicht vorkommen. Ein solches Nukleotid kann Desoxy- Uridin sein. Nach einer Vervielfältigungsreaktion kann ein unerwünschtes Produkt mit Uracil-DNA-Glycosylase behandelt werden. Uracil-DNA-Glycolyase spaltet die gycosidische Bindung zwischen der Base Uracil und dem Zucker Desoxy-Ribose eines in einem DNA-Molekül eingebauten Desoxy-Uridin-Rests . Dadurch kann das unerwünschte Produkt bei einer weiteren Vervielfältigungsreaktion nicht mehr als Matrize dienen. Ein weiteres einsetzbares Nukleotid ist Bromdesoxy-Uridin. Brom- desoxy-Uridin enthaltende DNA kann durch Behandlung mit Licht unter geeigneten Bedingungen abgebaut werden.
Aus der US 5,744,311 ist ein auf einer Strangverdrängung ba- sierendes Vervielfältigungsverfahren für Nukleinsäuren bekannt. Dabei wird ein Primer mit dem 3 ' -Ende einer zu vervielfältigenden einzelsträngigen Nukleinsäure hybridisiert und mittels einer DNA-Polymerase verlängert. Zum Verlängern werden Desoxy-Nukleosidtriphosphate verwendeten, die zum Teil derivatisiert sind. Geeignete derivatisierte Desoxy-Nukleosidtriphosphate sind z.B. α-Thio-Desoxy-Nukleosidtriphospha- te . Ein Strang der entstandenen doppelsträngigen DNA mit derivatisierte Desoxy-Nukleotid-Resten wird an bestimmten Stel-
len von einer Restriktionsendonuklease erkannt und geschnitten. Ausgehend von dem Schnitt verlängert die DNA-Polymerase das 3 ' -Ende des geschnittenen DNA-Strangs. Der andere Teil des geschnittenen DNA-Strangs wird von der doppelsträngigen DNA verdrängt. Durch Wiederholen des Verfahrens wird der verdrängte DNA-Strang vervielfältigt.
Aus der WO 97/31256 ist es bekannt, Zielsequenzen in Nukleinsäuren mittels einer Ligase-Reaktion und einer immobilisierte Bindungssequenzen aufweisenden adressierbaren Matrix nachzuweisen. Dabei wird für jede nachzuweisende Zielsequenz eine Oligonukleotid-Sonde verwendet, die einen Zielsequenz-spezifischen und einen Bindungssequenz-spezifischen Anteil aufweist. Ferner wird eine eine Markierungssubstanz aufweisende zweite Oligonukleotid-Sonde eingesetzt, die an der nachzuweisenden Zielsequenz in unmittelbarer Nachbarschaft zu der ersten Oligonukleotid-Sonde binden kann. Beim Vorhandensein der Zielsequenz binden die erste und die zweite Oligonukleotid- Sonde an der Zielsequenz. Sie werden durch eine Ligase kova- lent miteinander verbunden. Die verbundenen Oligonukleotid-
Sonden werden mit den immobilisierten Bindungssequenzen in Kontakt gebracht, so daß eine Hybridisierung stattfindet. Das Vorhandensein der Zielsequenz wird durch das Detektieren der Markierungssubstanz am Ort der Hybridisierung nachgewiesen. Der Nachteil des Verfahrens besteht darin, daß es häufig falsch-positive Ergebnisse liefert.
Die U.S. 5,525,494 beschreibt ein Verfahren zur Amplifizie- rung einer Ziel-Nukleotidsequenz, wobei ein erster Primer verwendet wird. Der erste Primer weist einen Bindungsabschnitt auf, der im wesentlichen komplementär zur Ziel-Nukleotidsequenz ist. Daran ist ein Verlängerungsabschnitt gebunden. Der Verlängerungsabschnitt ist so ausgebildet, daß
eine Synthese eines dazu komplementären Verlängerungsabschnitts unterdrückt wird. Der am 5 ' -Ende gebildete Verlängerungsabschnitt bleibt einzelsträngig. Damit können die bei der Polymerasekettenreaktion (PCR) gebildeten Produkte an ge- eigneten an einer festen Phase immobilisierten Oligonukleoti- den gebunden werden. - Die Nachweisempfindlichkeit des bekannten Verfahrens ist nicht besonders hoch.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, die Nachteile nach dem Stand der Technik zu beseitigen. Insbesondere sollen ein universelles Verfahren und ein Kit zum parallelen Nachweis von Nukleinsäuresequenzen angegeben werden.
Die Aufgabe wird durch die Merkmale der Ansprüche 1 und 33 gelöst . Zweckmäßige Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den Merkmalen der Ansprüche 2 - 32 und 34 - 43.
Nach Maßgabe der Erfindung ist ein Verfahren zum parallelen Nachweis von Nukleinsäuren unter Verwendung einer abschnitts- weise einzelsträngige Nukleinsäuren erzeugenden Reaktion vorgesehen mit folgenden Schritten:
a) Bereitstellen von Verbindungen jeweils gebildet aus einem für die nachzuweisenden Nukleinsäuren spezifischen ersten Primer und einer für die ersten Primer spezifischen Identifizierungssequenz, wobei die Identifizierungssequenz aus einer Gruppe von Identifizierungssequenzen ausgewählt ist, welche bei vorgegebenen einheitlichen Hybridisierungsbedingungen nicht untereinander und nicht mit den ersten Primern kreuzhy- bridisieren, und wobei in der Verbindung ein Mittel vorgesehen ist, daß die Einzelsträngigkeit eines Abschnitts des in lit. c gebildeten Produkts bewirkt,
b) Inkontaktbringen der Nukleinsäuren mit den Verbindungen und mit für die nachzuweisenden Nukleinsäuren spezifischen zweiten Primern, wobei die zweiten Primer aus einer Gruppe von zweiten Primern ausgewählt sind, welche bei vorgegebenen einheitlichen Hybridisierungsbedingungen mit den Identifizierungssequenzen nicht kreuzhybridisieren,
c) Durchführen der Reaktion, wobei die Verbindungen und die zweiten Primer durch eine Polymerase verlängert werden und Hybride bilden derart, daß spezifische Produkte bestehend aus einem doppelsträngigen Abschnitt und einem einzelsträngigen Abschnitt hergestellt werden, wobei der einzelsträngige Abschnitt entweder die Identifizierungssequenz oder die komplementäre Identifizierungssequenz ist,
d) Trennen der spezifischen Produkte von nicht verlängerten Verbindunge ,
e) Inkontaktbringen der spezifischen Produkte mit an einem Träger immobilisierten Bindungssequenzen, welche komplementär zu den einzelsträngigen Abschnitten der Produkte sind, so daß die Bindungssequenzen mit den einzelsträngigen Abschnitten der Produkte spezifisch hybridisieren, wobei die Bedingungen so gewählt sind, daß die doppelsträngigen Abschnitte der spe- zifischen Produkte erhalten bleiben, und wobei die Bindungssequenzen aus einer Gruppe von Bindungssequenzen ausgewählt sind, welche mit nicht vollständig komplementären einzelsträngigen Abschnitten der spezifischen Produkte bei vorgegebenen einheitlichen Hybridisierungsbedingungen nicht kreuzhy- bridisieren, und
f) Nachweis der Hybridisierung der spezifischen Produkte mit den Bindungssequenzen.
Unter einem Primer wird ein durch eine Polymerase verlängerbares Oligonukleotid verstanden. Die Primer können aus DNA bestehen. Für die nachzuweisende Nukleinsäuresequenz spezifische erste und zweite Primer sind Primer, welche unter geeig- neten Hybridisierungsbedingungen spezifisch mit der nachzuweisenden Nukleinsäuresequenz oder einem dazu komplementären Gegenstrang hybridisieren. Eine für den ersten Primer spezifische Identifizierungssequenz ist eine Identifizierungssequenz, die eindeutig dem ersten DNA-Primer zugeordnet ist. Das Mittel kann innerhalb der Identifizierungssequenz, innerhalb des ersten Primers oder zwischen dem ersten Primer und der Identifizierungssequenz enthalten sein.
Unter einem spezifischen Produkt wird ein Produkt verstanden, welches spezifisch für die nachzuweisende Nukleinsäuresequenz ist. Ein solches Produkt wird beim Schritt lit. c insbesondere unter stringenten Bedingungen gebildet .
Beim Schritt lit. e erfolgt das spezifische Hybridisieren der Identifizierungssequenz bzw. des einzelsträngigen Abschnitts mit der Bindungssequenz unter geeigneten stringenten Bedingungen. Diese Bedingungen sind abhängig von den Identifizierungssequenzen bzw. den BindungsSequenzen.
Der Vorteil des Verfahrens besteht darin, daß das gebildete spezifische Produkt direkt mit der immobilisierten Bindungssequenz hybridisieren kann, ohne zuvor denaturiert zu sein. Dadurch wird verhindert, daß die den doppelsträngigen Abschnitt des spezifischen Produkts bildenden Einzelstränge die Hybridisierung mit den Bindungssequenzen, z.B. durch Kreuzhy- bridisierung, stören. Weiterhin ist es bei dem Verfahren vorteilhaft, daß bei der Hybridisierung der Produkte mit den Bindungssequenzen einzelsträngige Bereiche hybridisieren. Ei-
ne Hybridisierung zwischen einzelsträngigen Abschnitten ist erheblich schneller und effizienter im Vergleich zu einer Hybridisierung zwischen denaturierten doppelsträngigen Abschnitten. Weiterhin ist es vorteilhaft, daß die Träger mit einem Satz von immobilisierten Bindungssequenzen zum Nachweis verschiedener Nukleinsäuresequenzen verwendet werden kann. Vorgegebene identische Identifizierungssequenzen können in verschiedenen Nachweisverfahren mit unterschiedlichen ersten Primern verbunden sein. Identische Bindungssequenzen können dann für den Nachweis unterschiedlicher Nukleinsäuresequenzen verwendet werden. Das erfindungsgemäße Verfahren ist universell zum Nachweis von Nukleinsäuren einsetzbar. Wegen der vorgeschlagenen Auswahl von Primer-Identifizierungs- und Bindungssequenzen, können beliebig viele Nukleinsäuren in einem parallelen Verfahren nachgewiesen werden. Diese Eigenschaft wird auch als Multiplexfähigkeit bezeichnet.
Die vorgeschlagene Auswahl der ersten und zweiten Primer bewirkt, daß die Bildung von Primerdimeren reduziert wird. Pri- merdimere würden beim Schritt lit. e zu falsch-positiven Ergebnissen führen und die Menge der gebildeten spezifischen Produkte beim Schritt lit. c reduzieren.- Indem nach weiterer Maßgabe der Erfindung ausgeschlossen ist, daß die ersten Primer mit den Identifizierungssequenzen hybridisieren, wird verhindert, daß die Menge der zur Bildung des spezifischen Produkte benötigten ersten Primer verringert wird. Außerdem wird verhindert, daß die Menge der zur Bildung des spezifischen Produkts benötigten einzelsträngigen Abschnitte verringert wird.
Die Multiplexfähigkeit erfordert spezifische Eigenschaften der verwendeten zweiten Primer, der Identifizierungssequenzen und der BindungsSequenzen. Die zweiten Primer sollten aus ei-
ner Gruppe von zweiten Primern ausgewählt sein, welche unter einer für alle Primer geltenden Hybridisierungsbedingung spezifisch jeweils an ihre komplementären Sequenzen an den nachzuweisenden Nukleinsäuren binden. Ferner sind die zweiten Primer so ausgewählt, daß unter dem Hybridisierungsbedingungen gemäß lit. c keine Kreuzhybridisierung untereinander und keine Hybridisierung der Primer mit den Identifizierungssequenzen stattfindet. Außerdem ist es zweckmäßig, die zweiten Primer so auszuwählen, daß unter den Bedingungen des Schritts lit. e eine Kreuzhybridisierung der zweiten Primer mit den Bindungssequenzen ausgeschlossen ist . Das ist insbesondere dann zweckmäßig, wenn im Schritt lit. d freie Primer nicht abgetrennt werden.
Die Auswahl der Identifizierungssequenzen hat den Vorteil, daß die Menge der im Schritt lit. c gebildeten Produkte erhöht und gleichzeitig die Menge an unspezifischen Produkten verringert wird.
Die einzelsträngigen Abschnitte der Produkte können aus einer Gruppe von einzelsträngigen Abschnitten ausgewählt sein, die zumindest unter den Bedingungen des Schritts lit. e nicht untereinander hybridisieren. Eine Hybridisierung wäre in diesem Fall nachteilig, weil die Konzentration der für die Bindung der einzelsträngigen Abschnitte an die Bindungssequenzen reduziert würde .
Die Bindungssequenzen sind zweckmäßigerweise aus einer Gruppe von Bindungssequenzen ausgewählt, die zumindest unter den Be- dingungen des Schritts lit. e spezifisch mit den komplementären, einzelsträngigen Abschnitten der Produkte hybridisieren. Sie hybridisieren nicht mit nicht-komplementären einzelsträngigen Abschnitten der Produkte. Eine Hybridisierung der Bin-
dungsSequenzen mit nicht vollständig komplementären Bindungssequenzen der Produkte würde zu falsch-positiven Resultaten oder zumindest einer geringeren Nachweisempfindlichkeit der nachzuweisenden Nukleinsäuren führen.
Auch die ersten Primer können aus einer Gruppe von ersten Primern ausgewählt sein, welche bei vorgegebenen einheitlichen Hybridisierungsbedingungen nicht kreuzhybridisieren.
Die Verbindungen können nach einer vorteilhaften Ausgestaltung ein Mittel enthalten, welches bei der Reaktion eine Synthese eines zur Identifizierungssequenz komplementären Gegenstrangs verändert . Bei dem Mittel kann es sich um PNA (=Peptid-Nucleic-Acid) , einen PEG (=Polyethylenglycol-Lin- ker, eine Peptid- oder Disulfid-Bindung handeln.
Die Verbindungen können nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung ein Mittel enthalten, welches bei der Reaktion eine Abbaureaktion der Identifizierungssequenz oder ihres komplementären Gegenstrangs ermöglicht. Das Mittel kann z.B. ein Uracil, ein Thionukleotid und/oder ein Ribonukleotid sein.
Die Abbaureaktion kann mittels Uracil-DNA-Glycosylase, Exonu- klease, RNAseH, unter Lichteinwirkung oder mittels einer die Identifizierungssequenz oder deren Gegenstrang spaltenden Restriktionsendonuklease, insbesondere BsrI, BstNI, BsmAI , BsII, BsoBI oder BstOI durchgeführt werden.
Unter einer Abbaureaktion wird eine die Identifizierungssequenz oder deren Gegenstrang modifizierende Reaktion verstanden. Sie bewirkt eine Trennung der Identifizierungssequenz oder des Gegenstrangs vom jeweils nicht modifizierten komple-
mentären Strang. Die Abbaureaktion kann eine nur einzelne Bindungen in der Identifizierungssequenz oder dem Gegenstrang spaltende Reaktion sein. Eine solche Reaktion kann zu einer Fragmentierung der Identifizierungssequenz oder des Gegen- Strangs führen. Das Hybrid aus der Identifizierungssequenz und dem Gegenstrang wird dadurch thermodynamisch so destabilisiert, daß es spätestes unter den für Schritt lit. e erforderlichen stringenten Bedingungen dissoziiert.
Die Identifizierungssequenz kann in den terminalen Bereichen komplementär ausgebildet sein. Sie kann eine, vorzugsweise 4 bis 10 Basenpaare aufweisende, Rückfaltung besitzen. Das erhöht die Stringenz der Hybridisierung in Schritt lit. e.
Nach einem vorteilhaften Ausgestaltungsmerkmal wird die Reaktion unter der Bildung von Primerdimeren entgegenwirkenden Bedingungen durchgeführt . Das trägt zur Verhinderung von falsch-positiven Ergebnissen bei. Die Bedingungen sind dabei so gewählt, daß bei der das Produkt erzeugenden Reaktion die ersten und zweiten Primer nicht miteinander hybridisieren.
Zur Verhinderung einer solchen Kreuzhybridisierung der Primer können die Primer aus einer Gruppe von Primern ausgebildet sein, bei denen die Schmelzpunkte der Kreuzhybride mindestens 10° C unterhalb des geringsten Schmelzpunkts eines spezifi- sehen Hybrids eines Primers mit der nachzuweisenden Nuklein- säure liegt. Weiterhin können die Primer aus einer Gruppe von Primern auswählt sein, bei der Kreuzhybride aus Primern und Identifizierungssequenzen mindestens 10° C unterhalb des geringsten Schmelzpunkts eines spezifischen Hybrids eines Pri- mers liegt. Vorteilhafterweise liegen die vorgenannten
Schmelzpunkte aller verwendeten Primer innerhalb eines Temperaturbereichs von 5° C. Es ist zweckmäßig, daß alle Primer
eine im wesentlichen gleich Länge und einen im wesentlichen gleichen GC-Gehalt aufweisen.
Bei der Reaktion kann es sich um eine Primerverlängerungsre- aktion, vorzugsweise eine Polymerase-Kettenreaktion (PCR) oder eine Strang-Displacement-Reaktion, handeln. Zweckmäßigerweise werden bei der Primerverlängerungsreaktion als Bedingungen hot-start-Bedingungen gewählt. Das wirkt der Bildung von Primerdimeren und anderen unspezifischen Produkten entgegen.
Bei der nachzuweisenden Nukleinsäuresequenz kann es sich um eine DNA oder auch eine RNA handeln. Sofern es sich um eine RNA handelt, kann die Verbindung zusätzlich mit einer rever- sen Transkriptase in Kontakt gebracht werden und beim Schritt lit. c zusätzlich eine reverse Transkription durchgeführt werden. Dabei kann beim Schritt lit. b zusätzlich ein dritter, für die nachzuweisende Nukleinsäuresequenz spezifischer Primer zugesetzt werden, an welchem beim Schritt lit. c mit- tels der reversen Transkriptase Nukleotide angefügt werden.
Nach einer weiteren Ausgestaltung kann bei der Reaktion eine optisch oder elektrisch nachweisbare Markierung in das Produkt eingebaut werden. Z.B. kann der zweite Primer über eine bevorzugt 5 ' -terminale Markierungsgruppe verfügen, oder es können während des Schritts lit. c markierte Nukleotide in das Produkt durch Polymerisation eingefügt werden. Als Markierung eignen sich z.B. fluoreszierende Nukleotide, Biotin, Hapten oder auch Redoxmarker.
Zweckmäßigerweise ist der Schmelzpunkt des doppelsträngigen Abschnitts des Produkts größer als die Hybridisierungstempe-
ratur eines aus dem einzelsträngigen Abschnitt des Produkts mit der Bindungssequenz gebildeten Hybrids.
Die Bindungssequenz kann in den terminalen Bereichen komple- mentär ausgebildet sein. Sie kann eine, vorzugsweise 4 bis 10 Basenpaare aufweisende, Rückfaltung besitzen. Das erhöht die Stringenz der Hybridisierung der Bindungssequenzen mit den einzelsträngigen Bereichen der Produkte.
Beim Schritt lit. d werden die Produkte von nicht verlängerten Verbindungen getrennt. Die Trennung kann mittels Glas/Silika-Partikeln oder einem Filter erfolgen. Durch die Abtrennung der nicht verlängerten Verbindungen, werden insbesondere Identifizierungssequenzen entfernt. Dadurch wird die Nachweisempfindlichkeit des Verfahrens wird erheblich gesteigert. Zum Abtrennen der Identifizierungssequenzen nicht verlängerten Verbindungen können die Identifizierungssequenzen nach der Bildung der spezifischen Produkte gezielt zerstört werden. Das ist beispielsweise bei der Verwendung von Uracil in den Identifizierungssequenzen und der Behandlung mit Ura- cilglycolyse bei der Verwendung von Ribonukleotiden in den Identifizierungssequenzen möglich. Eine solche Behandlung erfolgt zweckmäßigerweise im alkalischen Milieu. In diesem Fall wird das Milieu anschließend wieder neutralisiert, um eine Renaturierung zum Doppelsträng des Produkts vor dem Kontakt mit dem Bindungssequenzen zu gewährleisten. Es ist aber auch möglich, nicht in das Produkt umgewandelte Identifizierungssequenzen gemeinsam mit den freien Primern von den Produkten zu trennen. Dazu können z.B. herkömmliche Primer-Removal-Kits hergenommen werden. Die Produkte können in Schritt lit. d außerdem von zweiten Primern und Spaltprodukten getrennt werden.
Nach weiterer Maßgabe der Erfindung ist ein Kit zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens vorgesehen, enthaltend:
a) an einem Träger immobilisierte Bindungssequenzen und
b) Verbindungen, jeweils gebildet aus einem für die nachzuweisenden Nukleinsäuren spezifischen ersten Primer und einer für den ersten Primer spezifischen Identifizierungssequenz, wobei die Identifizierungssequenz aus einer Gruppe von Identifizierungssequenzen ausgewählt ist, welche bei vorgegebenen einheitlichen Hybridisierungsbedingungen nicht kreuzhybridisieren.
Wegen der vorteilhaften Ausgestaltungen des Kits wird auf die vorangegangenen Ausführungen verwiesen. Die dort erwähnten Merkmale können sinngemäß auch Merkmale und/oder Bestandteile des Kits sein.
Der Kit kann des weiteren aktivierte Identifizierungssequenzen enthalten, die zur Kopplung an 5 'modifizierte Primer geeignet sind. Die Identifizierungssequenz können aus einer Gruppe von Identifizierungssequenzen ausgewählt sein, welche bei vorgegebenen einheitlichen Hybridisierungsbedingungen nicht kreuzhybridisieren. Das Ende einer Identifizierungssequenz kann über eine Maleiimid- oder Succiimidgruppe verfügen. Diese Gruppen ermöglichen eine einfache Kopplung der Identifizierungssequenz an einen mit einer Thiol- oder Amin- gruppe modifizierten Primer. Der Vorteil eines solchen Kits besteht darin, daß ein Anwender des Verfahrens den gleichen Satz an immobilisierten Bindungssequenzen und Identifizierungssequenzen für jeweils seine spezifischen nachzuweisenden Nukleinsäuren nutzen kann.
Wegen der weiteren vorteilhaften Ausgestaltungen des Kits wird auf die vorangegangenen Ausführungen verwiesen. Die dort erwähnten Merkmale können sinngemäß auch Merkmale und/oder Bestandteile des Kits sein.
Nachfolgend werden Ausfuhrungsbeispiele der Erfindung anhand der Zeichnung beschrieben. Hierin zeigen:
Fig. 1 a, b eine schematische Darstellung der Vervielfäl- tigung einer nachzuweisenden Nukleinsäuresequenz mittels einer PCR,
Fig. 2 a - c eine schematische Darstellung von auf einem Träger immobilisierten Bindungssequenzen und deren Hybridisierung mit (Fig. 2 b) und ohne
(Fig. 2 c) die Entfernung freier Verbindungen,
Fig. 3 eine schematische Darstellung der Vervielfältigung einer RNA mittels einer Reversen Tran- skriptase und einer DNA-Polymerase in einem
Flußdiagramm und
Fig. 4 eine schematische Darstellung einer Vervielfältigung einer nachzuweisenden Nukleinsäure- sequenz mittels einer PCR und einer anschließenden Abbaureaktion.
In Fig. 1 a ist eine aus einem ersten Primer 10 und einer Identifizierungssequenz 12 zusammengesetzte Verbindung 14 dargestellt. Der Primer 10 bindet an die nachzuweisende Nukleinsäuresequenz 16. Der zweite Primer 18 weist eine Markierungssubstanz 20 auf. Er bindet an den Gegenstrang der nachzuweisenden Nukleinsäuresequenz 16. In Fig. lb ist Schema-
tisch das Ergebnis einer PCR gezeigt, die mit der in Fig. 1 a dargestellten Verbindung 14, dem zweiten Primer 18 und der nachzuweisenden Nukleinsäuresequenz 16 durchgeführt worden ist. Die Identifizierungssequenz 12 enthält Mittel, die es verhindern, daß der Bereich der Identifizierungssequenz 12 doppelsträngig wird. Es sind Produkte mit einem doppelsträn- gigen Abschnitt und der einzelsträngigen Identifizierungssequenz entstanden.
Fig. 2 a zeigt einen Träger 22. Dabei kann es sich z.B. um eine Membran handeln. An dem Träger 22 sind über Linker 24 Bindungssequenzen 26 gebunden. In Fig. 2b ist die Situation nach dem Inkontaktbringen der in Fig. 2a dargestellten Bindungssequenzen 26 mit den einzelsträngigen Abschnitten der Produkte gezeigt . Durch die Markierungssubstanz ist die Hybridisierung auf dem Träger 22 nachweisbar. Fig. 2c zeigt im Vergleich dazu eine Situation, bei der nicht verlängerte Verbindungen vor dem Inkontaktbringen des Produkts mit dem Bindungssequenzen 26 nicht entfernt worden sind. Durch das gleichzeitige Vorhandensein von Produkt- und freien Verbindungen kann es zu einer Kompetition um die spezifischen Bindungssequenzen auf dem Träger 22 kommen. Wegen der größeren Beweglichkeit, der geringeren Größe, der geringeren Ladungsdichte und der größeren Anzahl der freien Verbindungen im Vergleich zu dem Produkt ist die Bindung der freien Verbindung die bevorzugte Reaktion mit den Bindungssequenzen 26.
Fig. 3 zeigt schematisch ein Verfahren, bei den die nachzuweisende Nukleinsäuresequenz 16 eine RNA ist. Dabei bindet zunächst der die Markierungssubstanz 20 enthaltende zweite
Primer 18 an die RNA. Er wird mittels einer Reversen Transkriptase verlängert. Dabei entsteht ein doppelsträngiges DNA-RNA-Hybrid. Nach einer Denaturierung des DNA-RNA-Hybrids
bindet der erste Primer 10 an den DNA-Strang. Zur Vervielfältigung des DNA-Strangs wird eine PCR durchgeführt.
Fig. 4 zeigt eine aus einem Primer 10 und einer Identifizie- rungssequenz 12 bestehende Verbindung 14. Die Identifizierungssequenz 12 weist Nukleotide 13 auf, die durch eine Abbaureaktion spaltbar sind. Eine PCR-Reaktion mit dieser Verbindung, einer nachzuweisenden Nukleinsäuresequenz 16 und einem zweiten Primer 18 führt zu vollständig doppelsträngigen PCR-Produkten. Die darin enthaltenen Identifizierungssequenzen werden durch eine Abbaureaktion entfernt. Es entstehen doppelsträngige Produkte mit einem einzelsträngigen Gegenstrang der Identifizierungssequenz.
Bezugszeichenliste
10 erster Primer
12 Identifizierungssequenz 13 modifizierbares Nukleotid
14 Verbindung
16 Nukleinsäuresequenz
18 zweiter Primer
20 Markierungssubstanz 22 Träger
24 Linker
26 Bindungssequenz