Beschreibung
Verfahren zur Herstellung eines Chipnutzens mittels eines Hitze- und Druckprozesses unter Verwendung eines thermoplas- tischen Materials.
Ein Chipnutzen oder auch Verbundwafer ist eine mit Halbleiterchips verbundene Kunststoffplatte, wie sie aus der Druckschrift US 6,072,234 unter der Bezeichnung "Neo-Wafer" be- kannt ist. Die Kunststoffplatte weist eine dispensierte oder druckgepresste Kunststoffmasse auf.
Häufig weist ein Chipnutzen zusätzlich ein mit Halbleiterchips bestücktes ümverdrahtungssubstrat auf. Die Oberseite des ümverdrahtungssubstrats, welche die Halbleiterchips trägt, ist unter Einbetten der Halbleiterchips von einer Kunststoffmasse bedeckt. Die Rückseite des Umverdrahtungs- substrats weist Außenkontaktflächen auf, welche mit Außenkontakten bestückt sein können. Derartige Chipnutzen weisen so- mit mehrere elektronische Bauteile auf und können abschließend in einzelne elektronische Bauteile getrennt werden. Ein Nachteil dieser Chipnutzen ist ihr kostenintensiver, komplexer Aufbau, der nur mittels kostenintensiver Verfahrensschritte und komplexer Vorrichtungen verwirklicht werden kann.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren und eine Vorrichtung anzugeben, die zu Kosteneinsparungen bei der Herstellung von Chipnutzen führen.
Diese Aufgabe wird mit dem Gegenstand der unabhängigen Ansprüche gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den abhängigen Ansprüchen.
Erfindungsgemäß wird ein Verfahren zur Herstellung eines Chipnutzens geschaffen, das mittels eines Hitze- und Druckprozesses unter Verwendung eines thermoplastischen Materials einen Chipnutzen auf einfache Weise herstellt. Dazu wird zunächst eine Chipträgerplatte bereitgestellt. Diese Chipträgerplatte wird auf ihrer Oberseite mit Halbleiterchips bestückt. Diese Halbleiterchips werden in Zeilen und Spalten unter Einhaltung eines Abstands a zwischen den Spalten und eines Abstandes b zwischen den Zeilen auf der Chipträgerplatte angeordnet. Weiterhin wird eine Transferplatte bereitgestellt.
Eine der beiden Platten wird bei einem Erwärmungsschritt ver- formbar erweicht, während die andere formstabil bleibt. Dann werden die Transferplatte und die Chipträgerplatte zusammen- gepresst. Dabei werden die Halbleiterchips in die verformbare Transferplatte oder die verformbare Chipplatte soweit einge- presst, bis eine Oberseite der verformbaren Transfer- bzw. Chipträgerplatte und die Oberseiten der Halbleiterchips eine gemeinsame und im wesentlichen nivellierte Oberseite bilden. Nach dem Einpressen der Halbleiterchips in die verformbare Platte wird die formstabile Platte entfernt.
Das Verfahren hat den Vorteil, dass mit einfachen Mitteln preiswert ein Nutzen hergestellt werden kann, bei dem die 0- berseiten der Halbleiterchips frei von Kunststoff sind und eine gemeinsame Oberseite mit dem verformbaren Kunststoff der Chipträgerplatte oder der Transferplatte bilden. Auf dieser gemeinsamen, im nivellierten Oberseite können dann ümverdrah- tungsstrukturen mit Außenkontaktflachen in einer Präzision und Größenordnung aufgebracht werden, wie sie bisher nur auf Halbleiterwafern möglich sind. Die Herstellung mit Halblei-
terchips bestückter ümverdrahtungssubstrate wird vollständig eingespart, da der erfindungsgemäße Chipnutzen mit den eingebetteten Halbleiterchips und freiliegenden Oberseiten der Halbleiterchips als Substrat für eine UmverdrahtungsStruktur und für ein Aufbringen von Außenkontakten zur Verfügung steht.
Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wird eine der beiden Platten, die als Chipträgerplatte oder als Transferplatte eingesetzt sind, beim Erwärmungsschritt über seine Glasübergangstemperatur erhitzt, während die formstabile Platte auf einer Temperatur unterhalb der Glasübergangstemperatur gehalten wird. Unterscheiden sich die Glasübergangstemperaturen von Chipträgerplatte und Transferplatte um etwa eine Zehner- potenz, so können beide aus einem thermoplastischen Kunststoff hergestellt sein. Alternativ kann die formstabile Platte aus einem Duroplast hergestellt sein, der bereits ausgehärtet ist und bis zu seiner Zersetzungstemperatur formstabil bleibt, während die Platte, in die die Halbleiterchip beim Erwärmen eingepresst werden sollen, aus einem thermoplastischen Kunststoff mit einer relativ niedrigen Glasübergangstemperatur besteht, die unterhalb der Zersetzungstemperatur des Duroplastes liegt.
Eine formstabile Transferplatte kann eine vollständig ebene Platte sein, so dass beim Zusammenpressen der Transferplatte und der Chipträgerplatte eine vollständig ebene, gemeinsame Oberseite aus Halbleiterchipoberseiten und Kunststoffoberseite der Chipträgerplatte entsteht. Dabei weisen die Oberseiten der Halbleiterchips integrierte Schaltungen mit ihren frei zugänglichen Kontaktflächen auf. Somit hat das Verfahren den Vorteil, dass die Kontaktflächen beim Aufbringen einer Um- verdrahtungsstruktur auf den Chipnutzen nicht mehr freigelegt
werden müssen, da die Oberseite der Halbleiterchips frei von der Kunststoffmasse der Chipträgerplatte bleibt und auch keine zusätzliche Kunststoffschicht auf die Oberseiten der Halbleiterchips vor einer Umverdrahtung aufzubringen sind. Damit werden weitere, bisher übliche Verfahrensschritte eingespart, nämlich ein Aufbringen einer gemeinsamen Isolationsschicht und ein Verfahrensschritt zum Öffnen von Kontaktfenstern des Halbleiterchips in dieser gemeinsamen Isolationsschicht vor einem Aufbringen einer UmverdrahtungsStruktur .
Eine Vorrichtung insbesondere zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens weist eine Transferplatte aus einem während des Erwärmungsschritts formstabilen Material auf, die mit Stempelflächen versehen ist. Dabei sind die Stempelflä- chen in Anordnung und Größe den Halbleiterchips auf einer verformbaren Chipträgerplatte angepasst. Vor einem Zusammenpressen der formstabilen Transferplatte und der mit Halbleiterchips bestückten Chipträgerplatte werden die Stempelflächen zu den Halbleiterchips ausgerichtet, so dass die Stem- pelflächen beim Zusammenpressen von Chipträgerplatte und
Transferplatte das Eindringen der Halbleiterchips in die verformbare Chipträgerplatte unterstützen. Eine derartige Vorrichtung hat den Vorteil, dass die Oberseite der Transferplatte nicht das verformbare Material der Chipträgerplatte berührt und ein Verkleben mit derselben vermieden wird. Dabei weist die Chipträgerplatte vorzugsweise einen thermoplastischen Kunststoff auf.
Alternativ kann die Vorrichtung zur Durchführung des erfin- dungsgemäßen Verfahrens eine Transferplatte aus verformbarem Material, wie einer thermoplastischen Folie, aufweisen und die Chipträgerplatte ein formstabiles Material besitzen. Dabei sind die Halbleiterchips mit ihren Oberseiten auf der
formstabilen Chipträgerplatte angeordnet. Bei Erwärmen und Zusammenpressen von Transfer- und Chipträgerplatte werden die Rückseiten und die Randseiten der Halbleiterchips in die verformbare Transferplatte eingepresst. Dabei entsteht auf der Oberseite der Chipträgerplatte eine Ebene, die aus verformbarem Material der Transferplatte und den Oberseiten der Halbleiterchips gebildet ist. Bei dieser Alternative nimmt die Transferplatte die Halbleiterchips auf, während die formstabile Chipträgerplatte abschließend entfernt wird, um einen Zugriff zu den Kontaktflächen auf der Oberseite der Halbleiterchips und ein Aufbringen einer Umverdrahtungsstruktur auf die gemeinsame Ebene aus Transferplattenmaterial und Oberseiten der Halbleiterchips zu gewährleisten.
Für beide Varianten weist der Vorrichtung eine Flächenpresse auf. Diese Flächenpresse hat ihrerseits mindestens eine aufheizbare Pressfläche, mit der die Transferplatte und/oder die Chipträgerplatte über die niedrigere der beiden Glasübergangstemperaturen erwärmt werden kann. Die aufgeheizten Pressflächen mit Transferplatte beziehungsweise Chipträgerplatte werden präzise bis zu einer Nivellierung der Oberseiten von Halbleiterchips und verformbarem Material aufeinan- dergepresst .
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die einzelnen Chips in einem definierten Abstand auf einem Thermoplastträger zu einem Chipnutzen aufgebracht sind. Das Umhüllen und Einbetten der einzelnen Chips erfolgt durch Hitze und eine definierte Krafteinwirkung. Mit diesem Verfahren und der erfindungsgemä- ßen Vorrichtung sind folgende Vorteile verbunden:
1) Kein chemischer Schrumpf,
2) die Nutzengröße wird nicht durch die Materialeigenschaften limitiert,
3) eine Positionsgenauigkeit der Halbleiterchips in unabhängig von dem Material des Nutzens,
4) eine Kostenreduzierung während der Nutzenmontage,
5) keine zusätzlichen Trägermaterialien oder Schutzmateria- lien erforderlich,
6) es besteht die Möglichkeit der Verwendung von Thermoplasten für Trägerplatte und Transferplatte, was eine erhöhte thermische und mechanische Belastung bei Folgeprozessen ermöglicht, 7) eine Einsatzmöglichkeit von strahlungsvernetzten Thermoplasten, die nach entsprechender Behandlung, beispielsweise mit Betastrahlen, duroplastische Eigenschaften aufweisen,
8) Kosteneinsparung durch die Herstellung von großen Nut- zen,
9) Verwendung von kostengünstigen Materialien,
10) Kostenreduzierung durch Testen der Bauelemente im Nutzen.
Aufgrund der Eigenschaften der Thermoplaste und aufgrund der nivellierten gemeinsamen Oberfläche aus Oberflächen der Halbleiterchips und Kunststoffoberflächen können in vorteilhafter Weise für die Weiterverarbeitung Dünnfilmtechniken, wie Sput- tern, Photolithographie, galvanisches Verstärken von Metall- schichten sowie Trocken- und Nassätzen eingesetzt werden.
Ferner können mit Hilfe von Dickfilmtechniken um eine Größenordnung breitere Verbindungsleitungen hergestellt werden. Darüber hinaus ist es möglich zur Herstellung von Verbindungsleitungen elektrisch leitende Kunststoffe mittels Dis- pensen auf die gemeinsame Oberfläche aufzubringen.
Die Erfindung wird nun anhand der beiliegenden Figuren näher erläutert.
Figur 1 zeigt einen schematischen Querschnitt einer Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens,
Figur 2 zeigt einen schematischen Querschnitt einer alternativen Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens,
Figur 3 zeigt einen schematischen Querschnitt eines Chipnutzens, der mit Hilfe einer der Vorrichtungen gemäß Figur 1 oder Figur 2 hergestellt ist,
Figur 4 zeigt eine prinzipielle Draufsicht eines Chipnut- zens gemäß Figur 3.
Figur 1 zeigt einen schematischen Querschnitt einer Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens. Diese Vorrichtung weist eine formstabile Transferplatte 5 auf, die mit Transferstem- peln 9 bestückt ist. Ferner weist die Vorrichtung eine verformbare Chipträgerplatte 2 auf, die auf ihrer Oberseite 3 in Zeilen und Spalten angeordnete Halbleiterchips 4 aufweist. Während die verformbare Chipträgerplatte 2 einen Thermoplast aufweist, ist die Transferplatte formstabil und aus einem Du- roplast hergestellt. Die Glasübergangstemperatur des Thermoplasten der Chipträgerplatte 2 liegt dabei unterhalb der Zersetzungstemperatur des Duroplasten der Transferplatte 5.
Zum Einformen der Halbleiterchips in das Thermoplastmaterial der Chipträgerplatte 2 kann die Vorrichtung die Chipträgerplatte 2 und die Transferplatte 5 auf eine Verfahrenstemperatur oberhalb der Glasübergangstemperatur der Chipträgerplatte 2 und unterhalb der Zersetzungstemperatur des Duroplasten der
Transferplatte 5 aufheizen. Vor einem Zusammenfahren der Transferplatte 5 und der Chipträgerplatte 2 werden die Platten 2 und 5 derart aufeinander ausgerichtet, dass die Transferstempel 9 mit ihren Stempelflächen 8 deckungsgleich zu den Halbleiterchips 4 auf der Chipträgerplatte 2 ausgerichtet sind. Darüber hinaus sind Flächengröße und Anordnung der Stempelflächen 8 an die Oberseiten 6 der Halbleiterchips 4 angepasst .
Nach einem Ausrichten von Transferplatte 5 und Chipträgerplatte 2 sowie einem Erwärmen der Platten 2 und 5 fährt eine nicht gezeigte Vorrichtung mit Pressplatten, zwischen denen Chipträgerplatte 2 und Transferplatte 5 angeordnet sind, die beiden Platten 2 und 5 aufeinander zu. Dabei pressen die Transferstempel 9 die Halbleiterchips 4 in die erweichte
Thermoplastmasse der Chipträgerplatte 2. Das Zusammenfahren von Transferplatte 5 und Chipträgerplatte 2 wird gestoppt, wenn die Oberseiten 6 der Halbleiterchips 4 mit der Oberseite 3 der verformbare Chipträgerplatte 2 nivelliert sind und eine gemeinsame Oberseite ausbilden.
Figur 2 zeigt einen schematischen Querschnitt einer alternativen Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens. Bei der alternativen Vorrichtung gemäß Figur 2 weist die Chipträgerplatte 2 einen bei der Verfahrenstemperatur formstabilen Kunststoff auf. Auf der Oberseite 3 der formstabilen Chipträgerplatte 2 sind Halbleiterchips 4 in Zeilen und Spalten angeordnet. Darüber hinaus weist die Vorrichtung eine Transferplatte 5 auf, die aus einem Thermoplastkunststoff be- steht, dessen Glasübergangstemperatur unterhalb der Verfahrenstemperatur liegt. Beim Erwärmen von aufheizbaren Pressflächen einer nicht gezeigten Pressvorrichtung erweicht die Transferplatte 5. Beim nachfolgenden Zusammenfahren der
Pressflächen werden die Halbleiterchips 4 auf der formstabilen Chipträgerplatte 2 in den Thermoplast der Transferplatte 5 eingepresst.
Die formstabile Chipträgerplatte 2 aus Glas, Keramik oder einer Folie aus Duroplast oder einer Thermoplastplatte mit höherer Glasübergangstemperatur als die Verfahrenstemperatur kann nach dem Einbetten der Halbleiterchips 4 in die verformbare Transferplatte 5 entfernt werden. Ein derartiges Entfer- nen ist durch Absprengen, Abätzen, Absputtern oder durch Abziehen beispielsweise einer Folie von der erkalteten Oberseite der Transferplatte 5 nach Einbetten der Rückseiten und Randseiten der Halbleiterchips 4 in den Thermoplast der Transferplatte 5 möglich.
Der Unterschied zwischen den beiden Vorrichtungen liegt einerseits in den unterschiedlichen Materialien von Chipträgerplatte 2 und Transferplatte 5 sowie in der unterschiedlichen Anordnung der Halbleiterchips auf der Chipträgerplatte 2. Im Verfahren gemäß Figur 1 werden die Rückseiten der Halbleiterchips auf der verformbaren Chipträgerplatte 2 angeordnet. Hingegen im Verfahren gemäß Figur 2 werden die Oberseiten β der Halbleiterchips 4 auf der Oberseite 3 der formstabilen Chipträgerplatte angeordnet.
Figur 3 zeigt einen schematischen Querschnitt eines Chipnutzens 1, der mit Hilfe einer der Vorrichtungen gemäß Figur 1 oder Figur 2 hergestellt ist. Dieser Chipnutzen 1 zeichnet sich durch eine gemeinsame und nivellierte Oberseite 7 aus Oberseiten 6 der Halbleiterchips 4 und Oberseiten entweder einer Chipträgerplatte oder einer Transferplatte, wie sie in den Figuren 1 und 2 gezeigt werden, aus. Auf diese gemeinsame Oberseite 7 des Chipnutzens 1 kann ohne weitere Zwischen-
schritte eine Umverdrahtungsstruktur aufgebracht werden, die einen Zugriff zu den freiliegenden Oberseiten 6 der Halbleiterchips 4 und damit zu den integrierten der Schaltungen Halbleiterchips 4 ermöglicht. Außerdem kann die Umverdrahtungsstruktur mit Außenkontaktflachen versehen werden und diese wiederum mit Außenkontakten, so dass ein derartiger Chipnutzen mit relativ wenigen Fertigungsschritten herstellbar und zu einzelnen elektronischen Bauteilen auftrennbar ist .
Figur 4 zeigt eine prinzipielle Draufsicht eines Chipnutzens gemäß Figur 3. Die Oberseiten 6 der Halbleiterchips 4 sind dabei in Zeilen 10 und Spalten 11 angeordnet, wobei zwischen den Halbleiterchips 4 der Abstand a zwischen Spalten 11 und der Abstand b zwischen Zeilen 10 mit einer thermoplastischen Kunststoffmasse aufgefüllt ist. Mit Hilfe eines derartigen Chipnutzens 1 kann die zur Verfügung stehende Fläche zur Anordnung von Außenkontakten gegenüber der reinen Chipoberflächengröße beliebig vergrößert werden, was lediglich von dem Abstand a beziehungsweise dem Abstand b zwischen den Halbleiterchips abhängt.