Beschreibung
Verfahren zur Änderung eines Parameters für den Betrieb eines Netzwerks sowie Teilnehmer zur Durchführung des Verfahrens
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Änderung eines Parameters für den Betrieb eines Netzwerks, insbesondere der Slot-Time oder der Baudrate eines Netzwerks nach der PROFIBUS-Spezifikation, nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1 sowie einen Teilnehmer zur Durchführung des Verfahrens nach dem Oberbegriff des Anspruchs 7.
Ein Netzwerk dient zur Datenübertragung zwischen verschiedenen Geräten, die beispielsweise in einer automatisierungs- technischen Anlage an verschiedenen Orten über die Anlage verteilt angeordnet sind. Das Netzwerk kann prinzipiell eine beliebige Topologie aufweisen. Teilnehmer des Netzwerks sind Geräte, die an der Datenkommunikation im Netzwerk teilnehmen. Ein Beispiel eines derartigen Netzwerks ist PROFIBUS (process field bus) , ein offenes und in der europäischen Norm
EN 50170, Vol. 2 genormtes Bussystem für die Kommunikation zwischen Feldgeräten innerhalb einer automatisierungstechnischen Anlage. In den einzelnen Geräten müssen jedoch bestimmte Parameter gleich sein, damit eine Datenkommunikation durchgeführt werden kann. Für den Betrieb von PROFIBUS wesentliche Parameter sind beispielsweise die Slot-Time und die Baudrate. In Automatisierungssystemen mit mehreren vernetzten Geräten kann es von Zeit zu Zeit erforderlich werden, eine Neuparametrierung des Netzwerks durchzuführen. Wird durch diese Neuparametrierung auch der für alle Teilnehmer identische Parametersatz für die Steuerung der Datenkommunikation und von diesen Parametern insbesondere ein wesentlicher Parameter, beispielsweise die Baudrate, geändert, so kann es zu einer Dauerstörung des Netzwerks kommen. Diese tritt auf, sobald der erste Teilnehmer mit neuen Betriebsparametern in den Online-Zustand zurückkehrt, die restlichen Teilnehmer jedoch noch mit der alten Betriebsparametrierung arbeiten, so
dass in dem genannten Beispiel zwei unterschiedliche Baud- raten auf dem PROFIBUS-Netz kollidieren. Eine Folge davon ist, dass die zentrale Station die übrigen Teilnehmer nicht mehr erreichen kann. Die Datenkommunikation innerhalb eines PROFIBUS-Netzwerks setzt nämlich zwingend voraus, dass alle Teilnehmer mit der gleichen Übertragungsgeschwindigkeit, d. h. mit der gleichen Baudrate, den Telegrammverkehr abwickeln. Unterschiedliche Baudraten führen zu einer Dauerstörung, weil keine korrekte Synchronisation der Teilnehmer mehr möglich ist.
Aus diesem Grund wird für eine Neuprojektierung der Anlage durch Ändern wesentlicher Betriebsparameter eine Bedienungsperson benötigt, welche „manuell" bei jedem einzelnen Teil- nehmer die Änderung der Betriebsparametrierung vornimmt. Dazu müssen alle Teilnehmer nacheinander in den Offline-Zustand gebracht werden, in welchem sie nicht mehr am Telegrammverkehr teilnehmen. Anschließend werden sie mit der neuen Parametrierung konfiguriert. Alle Teilnehmer müssen mit der neuen Betriebsparametrierung neu anlaufen, um in den Online-
Zustand zurückzukehren. Erst nachdem alle Teilnehmer auf diese Art die neuen Parameter übernommen haben, kann der zentrale Teilnehmer weitere Projektierungsinformationen, beispielsweise Verbindungslisten oder Datensätze, über das nun wieder funktionsfähige Netzwerk an die einzelnen übrigen Teilnehmer übertragen.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Änderung eines Parameters für den Betrieb eines Netzwerks, insbesondere eines Netzwerks nach der PROFIBUS-Spezifikation, zu finden, durch welches der bisher große Aufwand für eine Neuparametrierung der Teilnehmer verringert wird, sowie einen Teilnehmer zu schaffen, der zur Durchführung des Verfahrens geeignet ist .
Zur Lösung dieser Aufgabe weist das neue Verfahren der eingangs genannten Art die im kennzeichnenden Teil des An-
Spruchs 1 angegebenen Verfahrensschritte auf . Besonders vorteilhafte Weiterbildungen des Verfahrens sind in den abhängigen Ansprüchen, ein zur Durchführung des Verfahrens geeigneter Teilnehmer ist in Anspruch 7 beschrieben.
Die Erfindung hat den Vorteil, dass für den Betrieb des Netzwerks wesentliche Parameter bei lediglich kurzer Unterbrechung des Datenverkehrs, also quasi online, verändert werden können. Aufwendige manuelle Eingriffe bei den einzelnen Netz- Werkteilnehmern sind dabei nicht erforderlich. Damit wird die Neuprojektierung eines Netzwerks mit geänderten Betriebsparametern wesentlich vereinfacht, insbesondere bei hohen Teilnehmerzahlen und einer großen Ausdehnung des Netzwerks. Insbesondere bei einem PROFIBUS-Netzwerk können die Baudrate oder die Slot-Time verändert werden, ohne dass hierzu manuelle Eingriffe bei den einzelnen Teilnehmern erforderlich wären. Der dazu erforderliche zeitliche wie personelle Aufwand wird somit erheblich verringert.
Fehler bei der Änderung der Betriebsparametrierung werden in vorteilhafter Weise erkannt, wenn der zentrale Teilnehmer nach Rückkehr in den Online-Zustand durch ein Abfragetelegramm prüft, ob alle übrigen Teilnehmer mit der neuen Betriebsparametrierung in den Online-Zustand zurückgekehrt sind. Dadurch können geeignete Maßnahmen zur Fehlerbehebung ergriffen werden.
Vorteilhaft kann das Verfahren fehlertolerant ausgeführt werden, wenn der zentrale Teilnehmer im Gutfall, d. h. wenn alle übrigen Teilnehmer mit der neuen Betriebsparametrierung in den Online-Zustand zurückgekehrt sind, ein Bestätigungstelegramm zur Mitteilung einer korrekt erfolgten Parametrie- rung an die übrigen Teilnehmer sendet. Im Fehlerfall, d. h. wenn zumindest einer der übrigen Teilnehmer nicht mit der neuen Betriebsparametrierung in den Online-Zustand zurückgekehrt ist, sendet der zentrale Teilnehmer kein derartiges Bestätigungstelegramm an die übrigen Teilnehmer. Wenn die
übrigen Teilnehmer innerhalb einer gewissen Zeitspanne kein Bestätigungstelegramm empfangen haben, wird dies als ein Fehler bei der Neuprojektierung des Netzwerks erkannt und sie gehen in den Offline-Zustand über, übernehmen wieder die alten Betriebsparameter und kehren danach wieder in den On- line-Zustand zurück. Es wird somit wieder der ursprüngliche Zustand des Netzwerks vor Beginn des Verfahrens eingestellt. Dadurch wird sichergestellt, dass keine Dauerstörung auftritt und somit die Bedienbarkeit der Anlage auf jeden Fall erhal- ten bleibt. Dieses Verhalten ist insbesondere bei einer Anwendung des Verfahrens in automatisierungstechnischen Anlagen von großer Bedeutung, da ein durch Kommunikationsstörungen verursachter Anlagenstillstand mit erheblichen Kosten verbunden wäre .
Wenn die übrigen Teilnehmer den Empfang eines von dem zentralen Teilnehmer gesendeten Bestätigungstelegramms quittieren, so hat dies den Vorteil, dass eine zusätzliche Prüfung der Datenkommunikation über das Netzwerk mit den neuen Betriebsparametern erfolgt, da auf diese Weise alle Teilnehmer zumindest einmal ein Telegramm gesendet und empfangen haben.
Das Verfahren arbeitet besonders schnell, wenn das Aufforde- rungstelegramm als so genanntes Broadcast-Telegramm vom zentralen Teilnehmer gleichzeitig an alle übrigen Teilnehmer gesendet wird. Die Übernahme der neuen Betriebsparametrierung erfolgt damit bei allen Parametern gleichzeitig.
Alternativ dazu kann das Aufforderungstelegramm ein an jeden einzelnen übrigen Teilnehmer adressiertes, quittiertes Telegramm sein. In diesem Fall wird nacheinander an jeden der übrigen Teilnehmer jeweils ein derartiges Aufforderungstelegramm gesendet . Durch den Quittungsbetrieb des Telegramm- Verkehrs erfolgt eine Rückmeldung der einzelnen angesprochenen Teilnehmer und es wird eine bessere Betriebssicherheit erreicht .
Anhand der Zeichnungen, in denen ein Ausführungsbeispiel der Erfindung dargestellt ist, werden im Folgenden die Erfindung sowie Ausgestaltungen und Vorteile näher erläutert.
Es zeigen:
Figur 1 ein Netzwerk mit mehreren Teilnehmern, Figur 2 ein Ablaufdiagramm des Verfahrens für einen zentralen Teilnehmer und Figur 3 ein Ablaufdiagramm des Verfahrens für einen der übrigen Teilnehmer.
Gemäß Figur 1 sind Teilnehmer 1 ... 5 in einem Netzwerk zur Datenkommunikation miteinander verbunden. Dazu weisen die Teilnehmer 1 ... 5 jeweils eine Busanschaltung auf, an welche eine Busleitung 6 angeschlossen ist. In dem gezeigten Ausführungsbeispiel handelt es sich bei Teilnehmer 1 um ein Automatisierungsgerät, bei den Teilnehmern 2 ... 5 um Feldgeräte einer automatisierungstechnischen Anlage. Das Netzwerk genügt der PROFIBUS-Spezifikation. Der Teilnehmer 1 hat die Funktion eines zentralen Teilnehmers, welcher das Verfahren zur Änderung der Betriebsparametrierung der Teilnehmer 1 ... 5 initiiert. Die Teilnehmer 2 ... 5 werden als übrige Teilnehmer bezeichnet . Für die Dauer des Verfahrens wird diese Funktionsaufteilung beibehalten. Danach kann sie jedoch ge- ändert werden. In der folgenden Beschreibung des Verfahrens wird davon ausgegangen, dass lediglich der Teilnehmer 1 Zugriff auf eine Anlagenprojektierung besitzt und eine Neuparametrierung der Teilnehmer 1 ... 5 einleitet. Soll eine Änderung der Betriebsparameter vorgenommen werden, prüft der zentrale Teilnehmer 1 zunächst, ob durch die Änderung der
Projektierung auch der aktuell eingestellte, für alle Teilnehmer 1 ... 5 einheitliche Satz von Netzwerkparametern verändert wird. Werden durch die Neuprojektierung elementare, d. h. für den Betrieb wesentliche Parameter, beispielsweise die Baudrate, geändert, so wird hierzu das im Folgenden näher beschriebene Verfahren zur Änderung eines Parameters für den Betrieb des Netzwerks angewandt.
Zur näheren Erläuterung des Verfahrens sind in den Figuren 2 und 3 Diagramme des prinzipiellen Verfahrensablaufs für den zentralen Teilnehmer 1 bzw. exemplarisch für Teilnehmer 2 als einen der übrigen Teilnehmer 2 ... 5 dargestellt. Das Ver- fahren beginnt in beiden Fällen bei „Start". Zur Ermδglichung einer späteren Erkennung von Fehlern beim Verfahrensablauf wird zunächst durch den zentralen Teilnehmer 1 eine erste, so genannte Life-List erstellt. Hierzu wird vom PROFIBUS ein FDL(field data link) -Dienst angeboten, welcher eine aktuelle Liste der im Netzwerk befindlichen, funktionsfähigen Teilnehmer liefert. Das Erstellen der ersten Life-List erfolgt in einem in Figur 2 dargestellten Schritt 20. Danach sendet der zentrale Teilnehmer 1 in einem Schritt 21 ein Aufforderungstelegramm Tl an die übrigen Teilnehmer 2 ... 5. Durch dieses Telegramm Tl wird beispielsweise dem Teilnehmer 2 mitgeteilt, dass eine neue Betriebsparametrierung des Netzwerks eingestellt werden soll. Gleichzeitig werden die Betriebsparameter übergeben. Nach Empfang eines Telegramms T in Schritt 39 wertet der Teilnehmer 2 in einer Abfrage 40 das empfangene Tele- gramm aus, ob es sich um ein Aufforderungstelegramm Tl zur Parameteränderung handelt. Falls ein Aufforderungstelegramm Tl empfangen wurde, beginnt das eigentliche Verfahren und der Teilnehmer 2 geht in einem Schritt 31 in einen Offline-Zustand über, in welchem er nicht an dem Datenverkehr des Netz- werks teilnimmt. Andernfalls führt er in einem Schritt 42 andere Aktionen des Normalbetriebs gemäß der jeweiligen Applikation durch, die für das hier beschriebene Verfahren jedoch ohne weitere Bedeutung sind. Nach einer kurzen Wartezeit, um allen übrigen Teilnehmern 2 ... 5 genügend Zeit zu geben, in den Online-Zustand zu wechseln, fertigt der zentrale Teilnehmer 1 in einem Schritt 22 eine zweite Life-List an, die, wenn alle übrigen Teilnehmer 2 ... 5 das Verfahren unterstützen, leer ist. In einer Abfrage 23 wird also überprüft, ob sich der zentrale Teilnehmer 1 alleine am Netzwerk befindet. Ist dies nicht der Fall, so bricht der zentrale
Teilnehmer 1 an dieser Stelle das Verfahren ab und behält die alte Betriebsparametrierung, welche vor Beginn des Verfahrens
herrschte, bei. Die gewünschte Änderung der Betriebsparametrierung muss dann mit großem Aufwand auf die bereits bekannte Weise durchgeführt werden.
Das beschriebene Erstellen einer zweiten Life-List und der Vergleich dieser Life-List mit der zu Beginn erstellten ersten Life-List sind selbstverständlich nur erforderlich, wenn nicht von vornherein sichergestellt werden kann, dass alle Teilnehmer das Verfahren unterstützen. Andernfalls kön- nen diese Schritte optional auch entfallen.
Es besteht zudem die Möglichkeit, die Schritte 22 und 23, welche dazu dienen, die übrigen Teilnehmer abzufragen, ob sie das Verfahren zur Parameteränderung unterstützen, durch eine Alternative zu ersetzen. Beispielsweise könnte der zentrale Teilnehmer ein Multicast-Telegramm versenden und mit diesem alle übrigen Teilnehmer auffordern, ein Datentelegramm zurückzusenden. Die Daten dieses Antworttelegramms könnten dann die Busadresse des jeweils antwortenden Teilnehmers und einen Code zur Kennzeichnung, ob dieser das Verfahren unterstützt, enthalten. Diese Alternative hätte jedoch den Nachteil, dass eine der Zahl der übrigen Teilnehmer entsprechende Anzahl von Antworttelegrammen über das Netz übertragen und ausgewertet werden müsste. Damit wäre je nach Größe des Netz- werks ein erheblicher Zeitaufwand verbunden.
Nach der Überprüfung der zweiten Life-List in der Abfrage 23 wechselt auch der zentrale Teilnehmer 1 in einem Schritt 24 in den Offline-Zustand, in dem er so lange verbleibt, bis eine vorgebbare Mindestdauer, dargestellt als Verzögerung 25, vergangen ist. Der Teilnehmer 2 verharrt ebenfalls für eine vorgebbare Mindestdauer im Offline-Zustand, wie es in Figur 3 durch eine Verzögerung 43 veranschaulicht wird. Durch diese Zeitvorgaben wird der Tatsache Rechnung getragen, dass die Teilnehmer 1 ... 5 am Netzwerk wegen unterschiedlichen Geräteverhaltens oder voneinander abweichenden Ablaufumgebungen verschieden schnell reagieren. Die Wartezeit richtet sich
nach dem langsamsten dieser Teilnehmer. Sie muss nicht in allen Teilnehmern gleich groß sein, ist jedoch so zu wählen, dass auf jeden Fall alle Teilnehmer des Netzwerks in den Offline-Zustand übergehen können, bevor irgendein anderer Teilnehmer mit neuer Betriebsparametrierung in den Online- Zustand zurückkehrt. Die Zeitmessung der Wartezeit kann beispielsweise im Teilnehmer 1 mit dem Senden des Telegramms Tl, in den Teilnehmern 2 ... 5 mit dessen Empfang gestartet werden.
Nach Ablauf der Mindestdauer kehren die Teilnehmer mit einer neuen Betriebsparametrierung in den Online-Zustand zurück. Dies geschieht in Figur 2 für den zentralen Teilnehmer 1 in einem Schritt 26 und in Figur 3 für Teilnehmer 2 in einem Schritt 44.
Zu diesem Zeitpunkt ist der Kern des Verfahrens zur Änderung der Betriebsparametrierung der Netzwerkteilnehmer bereits abgeschlossen. Die folgenden Schritte dienen einer Fehler- erkennung und Fehlerbehandlung, die zu einer Erhöhung der
Betriebssicherheit des Verfahrens durchgeführt werden können.
In einem Schritt 27 in Figur 2 erstellt der zentrale Teilnehmer 1 anschließend eine dritte Life-List derjenigen Teil- nehmer, die mit der neuen Betriebsparametrierung erfolgreich in den Online-Zustand zurückgekehrt sind. Durch geeignete Vorgabe der zuvor erwähnten Mindestdauer oder durch eine zusätzliche Wartezeit des zentralen Teilnehmers 1 kann in einfacher Weise sichergestellt werden, dass die übrigen Teil- nehmer 2 ... 5 genügend Zeit hatten, mit der neuen Betriebsparametrierung in den Online-Zustand zurückzukehren. In einer Abfrage 28 wird die dritte Life-List mit der zu Beginn des Verfahrens erstellten ersten Life-List verglichen. Ist der Inhalt beider Listen gleich, so sendet der zentrale Teil- nehmer 1 in einem Schritt 29 ein Bestätigungstelegramm T2 an die übrigen Teilnehmer 2 ... 5 zur Mitteilung, dass die Parameteränderung erfolgreich durchgeführt wurde. Durch eine Ab-
frage 45 in Figur 3 wartet der Teilnehmer 2 eine vorgegebene Mindestdauer ab. Falls ja, so endet das Verfahren für den Teilnehmer 2 mit erfolgreicher Einstellung der neuen Betriebsparametrierung. Wird dagegen kein Bestätigungstelegramm innerhalb dieser Mindestdauer empfangen, d. h. wurde die Abfrage 45 mit ja beantwortet, so geht der Teilnehmer 2 in einem Schritt 47 erneut in den Offline-Zustand über, übernimmt erneut die alten Betriebsparameter und kehrt mit der alten Betriebsparametrierung wieder in den Online-Zustand zurück. Das Verfahren ist mit der Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands beendet.
Wenn die Abfrage 28 in Figur 2 ergab, dass die dritte Life- List von der ersten Life-List abweicht, hat zumindest einer der übrigen Teilnehmer 2 ... 5 die Neuparametrierung nicht korrekt durchgeführt und die zentrale Station 1 geht in einem Schritt 30 erneut in den Offline-Zustand über. Erst nach Ablauf einer weiteren vorgegebenen Mindestdauer in einer Verzögerung 31 kehrt der zentrale Teilnehmer 1 mit der Ursprung- liehen Betriebsparametrierung in den Online-Zustand zurück und das Verfahren wird abgebrochen. Durch geeignete Vorgabe der Wartezeit vor erneuter Rückkehr in den Online-Zustand wird sichergestellt, dass die übrigen Teilnehmer 2 ... 5 das Ausbleiben des Bestätigungstelegramms T2 erkannt haben und in den Offline-Zustand übergegangen sind. Es befinden sich somit zu keinem Zeitpunkt Teilnehmer mit verschiedenen Betriebs- parametrierungen gleichzeitig im Online-Zustand.
In vorteilhafter Weise handelt es sich bei dem Bestätigungs- telegramm T2 um ein quittiertes Telegramm, dessen Empfang dem zentralen Teilnehmer 1 durch die übrigen Teilnehmer 2 ... 5 durch ein Antworttelegramm angezeigt wird. Damit ist nach Abschluss des Verfahrens eine funktionierende Kommunikation sichergestellt, da alle Teilnehmer mit der neuen Betriebs- parametrierung sowohl Telegramme gesendet als auch Telegramme empfangen haben. Das Erstellen der dritten Life-List in Schritt 27 und die Überprüfung dieser Life-List in Schritt 28
der Figur 2 dient zur Überprüfung, ob alle übrigen Teilnehmer 2 ... 5 mit der neuen Betriebsparametrierung in den Online- Zustand zurückgekehrt sind. Zum selben Zweck könnte selbstverständlich der zentrale Teilnehmer 1 alternativ hierzu nach Rückkehr in den Online-Zustand ein Abfragetelegramm an die übrigen Teilnehmer 2 ... 5 senden. Das beschriebene Ausführungsbeispiel mit Erstellen der dritten Life-List hat jedoch den Vorteil eines geringeren Aufwands, da ein vorhandener FDL-Dienst der PROFIBUS-Spezifikation angewendet wird. Dieser Dienst basiert selbstverständlich auf einer Abfrage der übrigen Teilnehmer durch ein Abfragetelegramm.
Das in Schritt 21 gemäß Ablauf in Figur 2 durch den zentralen Teilnehmer 1 gesendete Aufforderungstelegramm Tl kann als unquittiertes PROFIBUS-Broadcast-Telegramm gleichzeitig an alle übrigen Teilnehmer 2 ... 5 gesendet werden. Das Senden kann optional aus Sicherheitsgründen mehrfach erfolgen, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass es von allen übrigen Teilnehmern 2 ... 5 empfangen wird. Der Vorteil dieser Vari- ante liegt darin, dass die Umschaltung auf die Neuparametrierung gleichzeitig eingeleitet wird und schnell erfolgt.
In einer anderen Variante kann der zentrale Teilnehmer 1 Aufforderungstelegramme Tl der Reihe nach an alle übrigen Teilnehmer 2 ... 5 als quittierte PROFIBUS-Telegramme senden. Der Vorteil dieser Variante ist darin zu sehen, dass durch das Quittungstelegramm eine Rückmeldung der angesprochenen Teilnehmer erfolgt.
Die Vorteile des Verfahrens werden im Folgenden noch einmal zusammengefasst :
- Das Verfahren wird von einem zentralen Teilnehmer angestoßen. Wenn dieser Zugriff auf die Netzwerkprojektierung hat, kann eine geänderte Projektierung in einfacher Weise in eine neue Betriebsparametrierung der Teilnehmer des Netzwerks umgesetzt werden.
- Alle übrigen Teilnehmer können auf Initiative des zentralen Teilnehmers eine Neuparametrierung erfahren.
- Das Verfahren kann fehlertolerant ausgeführt werden: In einem Fehlerfall, z. B. wenn eine neue Baudrate bei zu hohen Entfernungen zwischen den einzelnen Teilnehmern nicht funktionsfähig ist, wechseln die Teilnehmer wieder auf die ursprüngliche Einstellung zurück. Dadurch bleibt eine automatisierungstechnische Anlage weiterhin bedienbar. - Das Problem einer Dauerstörung der Kommunikation in einer automatisierungstechnischen Anlage wird ausgeschlossen.
- Für die Realisierung des Verfahrens können im Wesentlichen in der PROFIBUS-Spezifikation vorhandene Layer-2- und Layer-4-Kommunikationsmechanismen, z. B. Transport- Verbindungen und Erstellen einer Life-List, verwendet werden. Es müssen nur wenige neue Mechanismen implementiert werden.
- Der zentrale Teilnehmer kann im Fehlerfall Informationen darüber liefern, welche übrigen Teilnehmer nicht korrekt die Neuparametrierung übernommen haben. Dadurch lässt sich die Fehlerursache leicht eingrenzen.
In Abhängigkeit der Art und der Anzahl der Teilnehmer sowie der aktuellen und der neuen Betriebsparametrierung können die jeweiligen Wartezeiten von einer Projektiereinrichtung berechnet werden. Danach können die Wartezeiten den einzelnen Teilnehmern über Telegramme mitgeteilt werden, bevor das Verfahren gestartet wird. Alternativ können die Wartezeiten standardmäßig bei jedem Teilnehmer vordefiniert sein und vor jedem Start des Verfahrens der Projektiereinrichtung in Telegrammen zur Überprüfung mitgeteilt werden. Dadurch ist eine flexible Auslegung der Wartezeiten möglich bzw. es wird eine Erhöhung der Betriebssicherheit erreicht.