-
Verfahren und Vorrichtung zum Aufbringen von Fasergut auf eine Karde
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Aufbringen von Fasergut auf eine Karde
unter Verwendung eines mit einer Waage versehenen Auflegeapparates und eines Schiebers
zum Anlegen des jeweils aus der Waageschale ausgeworfenen Fasergutes an die auf
dem Kardeneinlauftuch bereits befindliche Fasergutschicht. Die Erfindung betrifft
weiter eine Vorrichtung zur Ausführung dieses Verfahrens.
-
Bei gewissen Arten von Fasergut ist es gebräuchlich, dieses mit Hilfe
eines Selbstauflegers, der aufeinanderfolgende Fasergutsätze in einer Waageschale
abwiegt, der Karde zuzuführen. Diese Waageschale entleert automatisch die abgewogenen
Sätze in Reihenfolge auf ein Vorlegtuch, welches das Fasergut der Karde zuführt
und sich im Verhältnis zu den Kardiermitteln der Karde mit einer gewissen Geschwindigkeit
bewegt, wobei die aufeinanderfolgenden Sätze von der Waageschale von einem in der
Längsrichtung des Tuches hin und her verschiebbaren Schieber zu einer zusammenhängenden
Schicht auf dem Tuch zusammengepackt werden. Das Abwiegen des Fasergutes in den
bekannten Selbstauflegern geschieht nicht mit genügender Genauigkeit, sondern es
sind stets verhältnismäßig große Fehler beim Wiegen zu beobachten, welche
oft
io % und noch mehr betragen, besonders wenn es sich um systematische Fehler von
langer oder kurzer Dauer handelt. Auf Grund dieser Fehler beim Wiegen entstehen
selbstverständlich Ungleichmäßigkeiten in dem von der Karde hergestellten Vlies,
und diese Ungleichmäßigkeiten machen sich auch in dem Garn bemerkbar. Selbstverständlich
bedeuten diese Ungleichmäßigkeiten eine Verschlechterung der Qualität des Enderzeugnisses,
und außerdem verursachen sie große Störungen in Form von Brüchen bei der Herstellung
des Garnes, von der Karde ab bis zu dem fertigen Erzeugnis. Man hat deshalb versucht,
das Abwiegen des Fasergutes zu verbessern, aber bis jetzt hat man sich darauf beschränken
müssen, Maßnahmen vorzunehmen, um eine geeignetere Zufuhr des Fasergutes zur Waageschale
zustande zu bringen, die Empfindlichkeit der Waage zu steigern und Überwachungsapparate
anzuordnen, welche das Personal auf große Fehler beim Wiegen aufmerksam machen,
so daß das Personal schnellstens eingreifen und die Fehler beseitigen kann. Hierdurch
ist es jedoch noch lange nicht gelungen, eine vollständige Kompensation der Fehler
beim Wiegen in dem Selbstaufleger zu erreichen. Man hat auch vorgeschlagen, daß
der Schieber, welcher die von der Waageschale abgegebenen Fasergutsätze zu einer
zusammenhängenden Schicht auf dem Vorlegtuch zusammenpackt, hin und zurück geschoben
werden soll mit einer Geschwindigkeit, die proportional zu der in der Waageschale
tatsächlich abgewogenen Fasergutmenge variiert, aber auf diese Art und Weise kann
man keine Kompensation von Serien von Fasergutsätzen mit Unter- oder Übergewicht
erreichen.
-
Die vorliegende Erfindung bezieht sich dagegen auf ein Verfahren und
eine Vorrichtung zum Kompensieren von Fehlern beim Wiegen bei derartigen Selbstauflegern
für Karden und bezweckt durch einen verhältnismäßig einfachen und für den praktischen
Bedarf geeigneten Weg sowohl in der Theorie wie in der Praxis eine vollständige
Kompensation der Fehler beim Wiegen zu erreichen.
-
Die Erfindung soll an Hand der Zeichnung, welche rein schematisch
eine Ausführungsform einer Vorrichtung gemäß der Erfindung darstellt, näher beschrieben
werden.
-
In der Zeichnung ist ein Teil eines Selbstauflegers i für eine nicht
gezeigte vVollkarde dargestellt. Der Selbstaufleger i ist hauptsächlich von bekannter
Konstruktion und hat ein. Nadellattentuch 2, welches über zwei Umkehrrollen 3 und
4 läuft und von der Karde auf bekannte und nicht näher gezeigte Weise über ein Rad
5 und eine auf elektrischem Wege lösbare und auf bekanntem, mechanischem Wege einschaltbare
Kupplung 6 getrieben wird. Das INladellattentuch 2 befördert auf bekannte Weise
Wolle zu einer Waageschale 7, welche auf einem Waagearm 8 aufgehängt ist, der ein
das Eigengewicht der Waageschale ausbalancierendes Gegengewicht 9 hat. Der Boden
der Waageschale 7 ist auf bekannte Weise von zwei Klappen to gebildet, welche dadurch
niedergeklappt werden können, daß man auf elektrischem Wege einen Riegel i i auslöst,
während die Klappen auf mechanischem Wege auf bekannte Weise wieder geschlossen
werden können. Beim Öffnen der Klappen io der Waageschale 7 fällt der in der Waageschale
abgewogene Wollsatz auf ein Speiselattentuch i2 hinab, welches über eine Rolle 13
läuft und sich bis zu der in der Zeichnung nicht dargestellten Karde erstreckt.
Die Rolle 13 wird auf bekannte Weise von der Karde getrieben, und zwar mit
einer Geschwindigkeit, die zu der Geschwindigkeit der Kardiermittel der Karde direkt
proportional ist. Auf der Achse 14 der Rolle 13 ist eine Riemenscheibe 15
befestigt, welche mittels eines Riemens 16 eine Riemenscheibe 17 treibt. Die Riemenscheibe
17 ist mit Hilfe einer Eintourenkupplung i9, die von an sich bekannter Konstruktion
sein mag und die auf elektrischem Wege einschaltbar ist, mit einer Kurbel 18 zusammenkuppelbar.
-
Bei jeder Einschaltung der Eintourenkupplung i9 wird demnach die Kurbel
18 eine Umdrehung ausführen und dann in Ruhelage bleiben, bis die Eintourenkupplung
i9 durch einen Stromimpuls wieder eingeschaltet wird. Die Kurbel 18 ist durch eine
Kurbelstange 2o mit dem einen Arm 2 1 eines Winkelhebels verbunden, dessen anderer
Arm 22 einen Schlitz 23 hat, in dem ein Zapfen 24 verschiebbar ist. Der Zapfen 24
wird in einer mit dem oberen Teil des Speiselattentuches parallelen Nut 25 in dir
Seitenwand des Selbstauflegers i geführt und ist an einem sich quer über das Lattentuch
12 erstreckenden, senkrecht gestellten Schieber 26 befestigt. Der Winkelhebel 21,
22 ist auf einer drehbar gelagerten Achse 27 befestigt, die sich unter dem Tuch
i2 bis zur entgegengesetzten Seite des Selbstauflegers i erstreckt, wo ein entsprechender
Winkelhebel angeordnet ist, der dazu vorgesehen ist, einen auf entsprechende Weise
in einer Nut 25 geführten Zapfen 24 auf dem anderen Ende des Schiebers 26 zu betätigen.
Wenn die Kurbel i8 um eine Umdrehung gedreht wird, wird also der Schieber 26 in
einem Arbeitsgang hin und her in der Nut 25 von der mit punktierten Linien gezeigten
Lage in die strichpunktierte Lage 26' geführt und zurück, wobei ein aus der Waageschale
7 auf das Tuch 12 entleerter Wollsatz von dem Schieber 26, der sich schneller bewegt
als das Tuch 12, nach rechts verschoben wird und mit einer zusammenhängenden Wollschicht
28, die von früher abgewogenen und auf das Tuch 12 abgelegten Wollsätzen gebildet
worden ist, zusammengepackt wird.
-
Die Waageschale 7 ist mittels einer Leine 29 oder dergleichen mit
einem Mechanismus 30, welcher einen Zeiger 31 hat, der über eine Gewichtsskala 32
spielt, verbunden. Der Mechanismus ist so ausgeführt, daß die Gradierung der Skala
32 linear ist, d. h., der Zeiger 31 macht vom Nullstrich 32' einen zum Gewicht
der in der Waageschale 7 befindlichen Wolle direkt proportionalen Ausschlag längs
der Skala. An irgendeinem Punkt der Skala 32 kann man eine Marke 33 zum Bestimmen
des gewünschten Gewichtes jedesWollsatzes befestigen.
Die Marke
33 ist mit einem oder mehreren Kontakten versehen, die mittels einer Leitung 34
mit der Kupplung 6 verbunden sind, welche außerdem durch eine Leitung 35 mit dem
einen Pol einer Stromquelle 36 verbunden ist. Der Zeiger 31 hat einen oder mehrere
Kontakte 37, die mittels einer Leitung 38 an den anderen Pol der Stromquelle 36
angeschlossen sind. Wenn der Zeiger 31 während des Abwiegens eines Wollsatzes eine
Lage erreicht, die der Marke 33 gerade gegenüberliegt, werden die Kontakte der Marke
33 und die Kontakte 37 des Zeigers 31 über die Leitungen 35 und 34, 38 einen Stromkreis
schließen, so daß die treibende Verbindung zwischen dem Rade 5 und dem Nadellattentuch
2 unterbrochen wird, wodurch die Wollzufuhr zur Waageschale 7 aufhört. Nach einigem
Pendeln bleibt der Zeiger 31 in einer Gleichgewichtslage, die dem wirklichen Gewicht
des Wollsatzes in der Waageschale 7 entspricht, stehen, und diese Einstellage des
Zeigers wird oft neben der .Marke 33 liegen. In der Zeichnung ist ein gewisses übergewicht
des Wollsatzes in der Waageschale angedeutet.
-
Koaxial mit dem Zeiger 31 ist ein Sperrad 39 gelagert, welches stets
auf eine nicht näher beschriebene Weise mit einer Geschwindigkeit gedreht wird,
die zur Geschwindigkeit der Kardiermittel der Karde und somit zur Geschwindigkeit
des Nadellattentuches 12 direkt proportional ist. Koaxial mit dem Zeiger 3i und
dem Sperrad 39 ist außerdem ein Fühler 4o mit einem oder mehreren Kontakten 41 zum
Zusammenwirken mit einem oder mehreren Kontakten 42 auf dem Zeiger 31 gelagert.
Die Kontakte 42 des Zeigers sind an die Leitung 38 angeschlossen, während die Kontakte
des Fühlers 40 mittels einer Leitung 43 an ein auf dem Fühler angebrachtes Solenoid
44 angeschlossen sind, welches seinerseits mittels einer Leitung 45 an einen Zeitschalter
46 angeschlossen ist, der wiederum mittels einer Leitung 47 an den Riegel i i auf
der Waageschale 7 angeschlossen ist. Von dem Riegel i i führt eine Leitung 48 zur
Ein,tourenkupplung i9, die mittels einer Leitung 49 an denselben Pol der Stromquelle
36 wie die Leitung 35 angeschlossen ist. Auf dem Fühler 40 ist ein Sperrhaken 5o
gelagert, welcher so ausgeführt ist, daß er nur zwei Lagen einnehmen kann, und zwar
eine Lage, in der er in das Sperrad 39 eingreift, und eine Lage, in welcher er mit
dein Sperrad außer Eingriff ist.
-
Wenn der Sperrhaken 5o mit dem Sperrad 39 während eines Wiegeverlaufes
in Eingriff kommt, wird demnach das mit einer gewissen Geschwindigkeit getriebene
Sperrad 39 den Fühler 40 langsam in derselben Richtung drehen wie der bei steigendem
Gewicht schwingende Zeiger 31. Der Fühler 4o erreicht den Zeiger 31, wenn dieser
stehengeblieben ist, nachdem die Wollzufuhr nach der Waageschale 7 auf die oben
beschriebene Weise unterbrochen worden ist. Hierbei schließen die Kontakte 41 und
42 des Zeigers und des Fühlers einen Stromkreis von dem einen Pol der Stromquelle
36 durch die Leitung 38, die Kontakte, die Leitung 43, das Solenoid 44, die Leitung
45, den Zeitschalter 46, die Leitung 47, den Riegel i i, die Leitung 48, die Eintourenkupplung
i9 und die Leitung 49 bis zum anderen Pol der Stromquelle. Hierbei führt der mit
dem Sperrhaken 5o verbundene Eisenkern des Solenoids 44 den Sperrhaken in die Lage
außer Eingriff mit dem Sperrad 39, so daß der Fühler 4.o unter Einwirkung einer
nicht dargestellten Rückführfeder zurück zu dem Nullstrich 32' der Skala 32 geführt
wird, wo ein nicht dargestellter Anschlag den Sperrhaken 5o abermals mit dem Sperrad
39 in Eingriff führt, so daß der Fühler einen neuen Schwingungsverlauf beginnt.
Zur gleichen Zeit erhält der Riegel i i einen Stromimpuls, so daß die Klappen io
geöffnet werden und der abgewogene Wollsatz in der Waageschale 7 auf das Speiselattentuch
12 niederfällt. Zur gleichen Zeit erhält die Eintourenkupplung i9 einen Stromimpuls,
so daß sie eingeschaltet wird und die Kurbel 18 eine Umdrehung machen läßt, wobei
der Schieber 26 auf die oben beschriebene Weise ein Arbeitsspiel ausführt und den
eben herabgefallenen Wollsatz mit der Wollschicht 28 auf dem Speiselattentuch vereinigt.
Zu Beginn des Arbeitsverlaufes des Schiebers 26 werden die Klappen io der Waageschale
7 auf bekannte, mechanische Art und Weise geschlossen.
-
Wenn die Waageschale 7 entleert wird, schwingt selbstverständlich
der Zeiger 31 zum Nullstrich 32' der Skala 32 zurück, und es beginnt fast unmittelbar
ein neuer Wiegevorgang, denn die Kupplung 6 wird auf bekannte mechanische Weise
eingeschaltet, um die Wollzufuhr zur Waageschale 7 mittels des Tuches 2 wieder aufzunehmen.
Gleich zu Beginn des Wiegevorganges werden die Kontakte 41 und 42 des Fühlers 4o
und des Zeigers 31 die Leitungen 38 und 43 momentan zusammenkuppeln, und es ist
deshalb notwendig einen allzu zeitigen Impuls zum Solenoid 44, dem Riegel i i und
der Eintourenkupplung i9 zu verhindern. Dies geschieht mittels des Zeitschalters
46, welcher in an sich bekannter Weise den Kontakt zwischen den Leitungen 45 und
47 nach dem eben vorhergehenden Stromimpuls während einer gewissen Zeit unterbrochen
hält. Es leuchtet ohne weiteres ein, daß man durch die beschriebene Vorrichtung
erreicht, daß die Wollschicht 28 per Längeneinheit des Speiselattentuches 12 stets
dieselbe Gewichtsmenge Wolle enthalten. wird, weil die Wollschicht 28 zwischen zwei
aufeinanderfolgenden Wiegevorgängen stets vom Speiselattentuch 12 ein Stück von
dem Wendepunkt 26' des Schiebers entfernt wird, welches zum Gewicht des darauffolgenden
Wollsatzes direkt proportional ist. Das Sperrad 39 verschiebt nämlich den Fühler
4o mit einer Geschwindigkeit, die zur Geschwindigkeit des Speiselattentuches 12
direkt proportional ist, so daß die Wollschicht 28 infolgedessen sich ein größeres
Stück verschieben wird, wenn der Zeiger 31 in einer einem höheren Wollsatzgewicht
entsprechenden Lage stehenbleibt, als wenn der Zeiger in einer einem niedrigeren
Wollsatzgewicht entsprechenden Lage stehenbleibt.
Es ist leicht
einzusehen, daß das Prinzip der Erfindung darin besteht, die Waageschafe in Intervallen
von solcher Länge zu entleeren, daß die Strecke, um die sich das Tuch während jedes
Intervalls verschiebt, zum wirklichen Gewicht des während des betreffenden Intervalls
abgewogenen Fasergutsatzes proportional ist, und daß der Schieber seine Arbeitsspiele
im Takte der Entleerungen der Waageschafe ausführt.
-
Was die dargestellte Vorrichtung betrifft, so mag besonders hervorgehoben
werden, daß die Schaltmittel 33, 37, 41 und 42 auf jegliche geeignete Art
ausgeführt werden können. In der Zeichnung ist angenommen, daß die miteinander zusammenwirkenden
Schaltmittel 33, 37 und 41, 42 aus Gleitkontakten und Kontaktstücken bestehen,
aber man kann sie auch mit Vorteil als Photozellen und damit zusammenwirkende Mittel
zum Beleuchten oder Verdunkeln der Photozellen zum Erhalten eines Stromimpulses
ausführen, wodurch eine Friktion der Gleitkontakte im Waagesystem vermieden wird.
Die Schaltmittel 33 und 37 können zum Beispiel auch durch einen Quecksilberunterbrecher
ersetzt werden, der auf dem Zeiger 31 so, einstellbar befestigt ist, daß die Drehungslage
des Zeigers, in der der O_uecksilberunterbrecher Stromschluß bewirkt, verändert
werden kann, um eine Veränderung des gewünschten Sollgewichts der Wollsätze zu ermöglichen.
Besonders beim Gebrauch von Photozellen kann es sich als notwendig erweisen, die
Schaltmittel Schwachstromkreise mit Relais zum Schließen von Starkstromkreisen zur
Betätigung der Kupplungen 6 und 19 und des Riegels ii steuern zu lassen.
Die Schaltmittel können die Stromkreise schließen oder unterbrechen, oder sie können
den Zustand der Stromkreise in anderen Beziehungen verändern, um einen Stromimpuls
zu erhalten, der die Betätigung der Kupplungen 6 und i9 und des Riegels ii bewirkt.
Wenn die Karde mit genügend gleichförmiger Geschwindigkeit getrieben wird, kann
das Sperrad 39 direkt mittels eines Uhrwerkes oder eines Synchronmotors angetrieben
werden, anstatt von der Karde über irgendeine geeignete Treibvorrichtung angetrieben
zu werden.