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Nadelwalze für die Vorspinnmaschinen der Woll- und Kammgarnspinnerei
In den Vorspinnmaschinen der Woll- und Kammgarnspinnereien werden die Faserbänder
zu Vorgespinst gestreckt. Sie laufen dabei über das sogenannte Streckwerk. Bei diesem
befinden sich auf einer Welle z. B. 5o Nadelwalzen, die sich auf eine Länge von
8 bis 12 m verteilen.
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Die das Streckwerk durchlaufenden Faserbänder werden durch die Nadeln
in dünne Stränge aufgeteilt, die dabei verzogen, zu feinem Vorgespinst gerundet
und sodann aufgespult «erden.
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Die Nadelwalzen selbst bestehen aus einem zylindrischen Walzenkörper
mit zylindrischer Bohrung, in dessen Wandung die Nadeln eingesetzt sind.
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Treten nun an einer Nadelwalze Störungen auf, wie sie z. B. durch
Nadelbrüche entstehen, so werden dadurch die Fasern beschädigt, abgerissen oder
abgeschnitten, wodurch das Spinngut in seiner Qualität, z. B. seiner Reiß- oder
Verschleißfestigkeit, gemindert wird. Um dies zu vermeiden, muß die Nadelwalze ausgewechselt
«-erden. Dazu ist aber das Stillsetzen der Vorspinnmaschine, der Ausbau der Welle
und das Abziehen auch der nicht beschädigten Nadelwalzen von der Welle erforderlich.
Dies bedeutet einen entsprechenden Leistungsausfall der Maschine. Um diesen nun
auf ein Minimum zu reduzieren, verzichtet man darauf, die Maschine wegen jeder kleineren
Störung an den Nadelwalzen stillzulegen, läßt vielmehr mehrere solcher Störungen
zusammenkommen, bevor man die Wellen auswechselt, und ersetzt somit schadhafte Nadelwalzen
nicht sofort nach Eintreten des Schadens, sondern schaltet sie -zunächst lediglich
als Funktionsstelle aus. Dadurch ergeben sich jedoch auch schon entsprechende Leistungsminderungen
der Maschine, die dann noch durch das spätere Auswechseln der Walzen um den etwa
4 bis 24 Stunden dauernden Maschinenausfall erhöht werden.
Zwecks
Reparatur der schadhaften Nadelwalze muß sodann diese nach Ausbau der Welle aus
der Vorspinnmaschine von der Welle abgezogen werden, wofür aber erforderlich ist,
daß auch die vor ihr sitzenden, nicht schadhaften Nadelwalzen von der Welle abgezogen
werden. Das bedeutet einen unerwünschten Arbeitsaufwand, der sich beim Wiedereinbau
in umgekehrter Reihenfolge wiederholt.
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Der Grund für diesen Mehraufwand an Arbeit liegt darin, daß der Walzenkörper
der Nadelwalze als Zylinder ein geschlossenes Ganzes darstellt und nur als solches
und nur axial voll der Welle abgezogen werden kann.
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Infolge der Einteiligkeit des Walzenkörpers bestehen noch weitere
Schwierigkeiten beim Einsetzen der Hunderte von Nadeln in die Nadelwalze, das von
Hand erfolgt.
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Alles dies bedeutet insgesamt einen erheblichen Mehraufwand all Zeit
und Arbeit und somit all unmittelbaren und mittelbaren Kosten durch Leitungsminderung
der Maschine und entsprechenden Produktionsausfall.
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In der Jutespinnerei werden nun Nadelwalzen verwendet, die längs geteilt
sind. Diese Nadelwalzen haben aber einen dickwandigen Walzenkörper, der mit seiner
zylindrischen Bohrung unmittelbar auf der Welle aufliegt und ausreichend Material
hat zum Anbringen von frei von derWelle durchlaufenden Bohrungen für die Schrauben,
die die beiden Hälften der Nadelwalze zusammenhalten.
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Im Gegensatz dazu sind die Nadel"valzen der Woll- und Kammgarnspinnerei
sehr dünnwandig und sitzen nur durch ihre an den Stirnseiten aufgeschobenen Bunde
auf der Welle. Deshalb ist es trotz mancher Bemühungen nicht gelungen, die Nadelwalzen
der Woll- und Kammgarnspinnerei so zu verbessern, daß sie leicht von der Welle abgenommen
und wieder aufgepaßt werden können.
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Die Erfindung bezweckt daher, eine Bauart der Nadelwalze zu finden,
die die dargelegten Schwierigkeiten vermindert und durch die somit i. bei Herstellung
und Reparatur das Einsetzen der Nadeln in den Nadelwalzenkörper erleichtert wird,
2. beim Auswechseln schadhafter Nadelwalzen a) der Ausbau und Wiedereinbau der Welle
und 1i) das Abziehen und Wiederaufziehen nicht beschädigter :Nadelwalzen vermieden
wird, die 3. ferner gestattet, Reparaturen der schadhaften Nadelwalzen mit weniger
Arbeits- und Zeitaufwand als bisher durchzuführen und die 4.. somit insgesamt die
toten Zeiten der Vorspinlimaschinen vermindert und die ?Maschinenleistung dauernd
möglichst nahe an iooo/o hält.
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Zur Lösung dieser Aufgabe ist, wie aus Abb. i bis 4. der Zeichnung
hervorgeht, der Walzenkörper der Nadelwalze nicht wie bisher als einheitlicher zylindrischer
Hohlkörper ausgeführt, sondern nach durch seine Längsachse hindurchgelegten Ebenen
in Längshälften oder Segmente N geteilt.
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Die dabei entstehenden Paßflächen der Walzensegmente laufen mittig
zwischen -zwei benachbarten Nadelreihen durch, und zwar derart, daß sie zu ihren
Radien denselben Winkel bilden wie die Nadelreihen zu den jeweils ihnen zugehörigen
Radien. Ferner ist der Bund B, der in der geschilderten und aus der Zeichnung ersichtlichen
Weise über die Stirnflächen der Nadelwalze gestreift wird, um deren Sitz auf der
Welle S zu erzielen, ebenfalls in Segmente geteilt, die miteinander in an sich bekannter
Weise, z. B. durch Schwalbenschwanz und Nut, zusammengepaßt werden. Sie werden gleichzeitig
dazu benutzt, um die Segmente der Nadelwalze zusammenzuspannen.
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Beim Auswechseln einer schadhaften Nadelwalze wird nun zunächst von
deren Stirnseiten der geteilte Bund abgezogen, wonach die Walzensegmente leicht
abgenommen werden können. Die Ersatznadelwalzensegmente werden auf die We11eS gelegt,
wobei der Monteur sie montagemäßig zusammenhält und zunächst einen vorher auf der
Welle fertiggemachten Bund mit der Nadelwalze zusammenpaßt, um sodann den zweiten
Bund über Welle und Nadelwalze zu montieren.
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Dadurch ergeben sich auf dem Gebiet der Vorspinnmaschinen der Woll-
und Kammgarnspinnerei folgende Vorteile: I. Für den Hersteller wird das Einsetzen
der Nadeln leichter und in kürzerer Zeit ermöglicht; II. der Spinnerei aber wird
a) das Auswechseln schadhafter Nadelwalzen, das bis jetzt .4. bis 24 Stunden in
Anspruch nahm, nunmehr ohne Ausbau der Welle und ohne Abziehen der unbeschädigten
Nadelwalzen ermöglicht; somit können in maximal 15 Minuten einzelne Nadelwalzen
ausgewechselt bzw. durch neue ersetzt werden; b) tote Funktionsstellen werden vermieden,
und c) es kann die Maschinenleistung auf der Höhe von fast iooo/o der möglichen
gehalten werden; d) da infolge des geringen Zeitaufwandes für das Auswechseln schadhafter
NTadelwalzen auch kleinste Schäden an den Nadelwalzen sofort behoben werden können,
wird die durch solche Schadensstellen verursachte Qualitätsminderung des Spinngutes
vermieden, und e) es können abmontierte schadhafte Nadelwalzensegmente von der Spinnerei
ohne großen Aufwand und von ungelernten Arbeitskräften in kürzester Zeit wieder
ausgebessert werden.