-
Nach Art eines Holzfachwerks aufgebaute Fachwerkwand aus Fertigteilen
Obwohl die aus vergangenen Jahrhunderten erhaltenen Fachwerkbauten immer noch unsere
Bewunderung .erregen, spielt heute die Fachwerkwand im Bauwesen kaum. mehr eine
Rolle, selbst nicht im ländlichen Hausbau. Es hat verschiedene Ursachen, daß diese
schöne Bauweise so wenig mehr benutzt wird. Das. Fachwerkholzgerüst benötigt in
seiner stilechten Ausführung gutes, lange abgelagertes Bauholz, vorzugsweise Eichenholz,
das in unserer Zeit in der benötigten Qualität schwer zu beschaffen, ist. Auch die
Arbeitskosten sind für gutes Fachwerk höher als bei dem üblichen Backsteinmauerwerk;
das Ausmauern. der, einzelnen Fachwerkfelder erfordert ebenfalls mehr Geschicklichkeit
als die Aufführung einer Mauer aus Backstein. oder Beton. Hinzu kommt, daß die Verbindung
zwischen der Ausmauerung der Fachwerkfelder und dem Holzwerk, das unter dem Einfluß
von Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit arbeitet, nicht besonders dauerhaft
ist, besonders wenn noch die Erschütterung der Straße mitwirkt. Auch ist das Holzfachwerk
erhöhter Brandgefahr ausgesetzt.
-
Es lag nun, nahe, die Holzbalken durch solche aus Beton zu ersetzen.
Stahlbetonbalkern besitzen aber ein hohes Gewicht, so daß für den Zusammenbau entsprechende
Hebezeuge zu Hilfe genommen werden müssen; die Herstellung eines dauerhaften Verbandes
für die einzelnen Betonbalken ist schwierig. Das hohe Gewicht vergrößert die Transportkosten;
die
Herstellung solcher Balken käme daher nur in nächster Umgebung des Bauplatzes in
Frage. Ein baulicher Vorteil wird durch einen solchen--bekanntgewordenen, aus Betonbalken
aufgebauten Fachwerkersatz nichterzielt.
-
Nach der Erfindung besteht die Fachwerkwand aus- Ei nzelgled@@rnz
die sich leicht in die gewünschte Form bringen, an Ort und Stelle einbauen lassen,
mit Mörtel`ürid Mauersteinen eine gute Verbindung eingehen, nicht schwerer als Holzbalken
sind- und fabrikmäßig in genormter Weise hergestellt werden können.
-
Die Einzelglieder der Fachwerkwand, wie Pfosten, Schwellen, Riegel,
Streben usw., bestehen aus dünnwandigen hohlen Faserzementkörpern, die in üblicher
Weise durch Pressen in die gewünschte Form gebracht sind. Die Einzelbalken können
nach allen, vier Seiten geschlossen sein, sie können aber auch nach einer oder zwei
Seiten offen sein. Die Wandstärke ist nur gering,- sie kann etwa 6 bis 12 mm betragen.
Die nötigen Verbindungen zwischen, den einzelnen- Hohlbalken werden durch Schrauben
hergestellt, gegebenenfalls unter Verwendung entsprechend gewinkelter Laschen..
Kreuzungen von Balken, die nach einer Seite offen sind, fassen sich auch durch entsprechende
Aussparun-,gen, und Schlitze in, den Balken herstellen. Bei allseits geschlossenen
Balken, werden, an den Verbindungsstellen, entsprechende Löcher mit Schlitzen angebracht,
durch welche die Schraubenköpfe .eingeführt werden. können. Bei offenen Hohlbalken
kommt die offene Seite mach denn Wandinnern, zu liegen. Die nach Zusammenschrauben
der Hohlbalken entstehenden Fachwerkfelderwerden nun in üblicher Weise mit Backsteinen
ausgemauert und die dabei noch verbleibenden Hohlräume sowie die hohlen Balken,
selbst mit einer Betonmischung ausgegossern, so daß ein vollkommen stabiler Mauerwerksverband
Die Größe der Hohlbalken wird genormt und z. B. so bemessen, daß sie zwanglos sich
in den Verband eines Normalsteinmauerwerkes einpassen lassen. So können die Fachwerkpfosten
in der Tiefe der Länge#eihes Normalsteines entsprechen, während die Fachwerkriegel
nur einen halben Stein tief zu sein brauchen. Die ausgemauerten Felder können nun
in üblicher Weise einen Verputz und: Kalkanstrich erhalten, während -das Balkenwerk
in: anderer Tönung gestrichen wird, so daß nach außen die Fachwerkaufteiluing der
Wand plastisch hervortritt.
-
Da. die Hohlbalken bruchsicher sind und wenig wiegen; können sie auf
weite Strecken verfrachtet werden. Die Herstellung kann also an, wenigen Stellen
zentralisiert werden und die Fabrikation serienmäßig _durchgeführt werden., wodurch
zusammen mit dem geringen Materialverbrauch die Herstellungskosten sich niedrig
halten lassen. Auch hinsichtlich der--Form und Größe der einzelnen Fa.chwerkteile
kann man sich auf verhältnismäßig wenig Typen beschränken und erhält trotzdem eine
große Zahl verschieden aussehender Fachwerksfassaden allein durch .gegenseitigen
Austausch der genormten, Quer- und Längsteile. Man kann also ohne ,Verteuerung .das
Gesicht der Hauswände und ganzer Straßen durch- das neue Fachwerk so wirkungsvoll
beleben, däß äizch-bei Siedlungenund Reihenherstellung von; Wohnhäusern keine Eintönigkeit
auftritt, wie es. bei der heute :geübten Bauweise oft der Fall ist. Auch die Anbringung
von Zierat und schmückenden Ornamenten auf der Fachwerkwand ist leicht möglich durch
Verwendung von Einzelteilen, die beim Pressen in Prägeformen eine entsprechende
Oberflächenverzierung erhalten haben,.
-
Hohle Bauelemente z. B. aus Metall an Stelle von-Ilolzbalken sind
schon vorgeschlagen worden. Es leuchtet ein, daß mit einem solchen Material keine
stilgerechte Fachwerkwand aufzubauen ist; dazu kommt, daß diese Elemente schwer
und dementsprechend teuer sind und eine sehr ungünstige Wärmeleitunig besitzen,
Weiter sind hohl bleibende Asbestz.ementkö.rper als Stützen, Träger usw. für Wand-
und Deckenkonstruktionen, vorgeschlagen worden. Zur Erzielung der nötigen Festigkeit
und Tragkraft werden diese Hohlelemente durch Materialauflagen an den Kanten; durch
Einbuchtungen und Rippen sowie zellenförmige Einbauten entsprechend verstärkt. Die
Herstellung dieser Hohlkörper benötigt daher mehr hochwertiges Material, sie ist
umständlicher und teurer und besitzt trotzdem nicht die Festigkeit der nach dem
Patent hergestellten, wesentlich leichteren Fachwerkteile, die nach dem Zusammenbau
durch die Ausfüllung mit billigerem Baumaterial verfestigt Werdern, was bei den
bekannten Hohlbalken nicht beabsichtigt ist und umständlich wäre. Abgesteben davon
würden letztere infolge der außen sichtbaren Verstärkungen auch keinesfalls stilgerecht
wirken.
-
Als Werkstoff der Fachwerkeinzelteile bewährt sich außer Beton die
schon seit langem von den Asbestzementfabriken verwendete Mischung aus Zement und
Asbestfaser. Die Verwendung letzterer allein ist aber nicht nötig, sie kann auch
ganz oder teilweise durch Sand, Schlackenwolle, Glaswolle, Kieselgur und vor allem
Dingern durch Fasern aus Holz, Stroh, Schilf usw. ersetzt werden. Diese organischen
Fasern, können, gegebenenfalls vorher einem Versteinerungsprozeß unterworfen, werden,
indem sie zunächst mit Kalkmilch, Wasserglas, Magnesia, Gips, kolloidaler Kieselsäure
u. dgl. imprägniert oder vermahlen werden und dann erst zusammen mit Zement und.
Wasser zu einem Brei vermischt werden. Daraus werden dann in bekannfier Weise durch
Entwässern auf Sieben: zusammenhängende Bahnen geformt, aus denen unter hohem Druck
und weiterer Entwässerung die gewünschten Hohlbalken- und Platten, hergestellt werden.
Auch Gips und Magnesia-Zement-Mischungen können zur Herstellung der Hohlbalken verwendet
werden. Zwecks Verbesserung von Wasserdichtigkeit und Isolierfähigkeit können den
verschiedenen Zementmischungen auch entsprechende Zuschläge beigefügt werden; z.
B. ,Asphaltemulsionen. Die Außenseide der Hohlbalken kann- gegebenenfalls genarbt
oder mit Maserung versehen . sein, so daß der Eindruck. von Holzfachwerk noch vollkommener
wird. -
Die vorstehend beschriebene Anwendung der neuen Fachwerkteile
lehnt sich eng an den geübten Aufbau der Fachwerkmauern an. Das Einzelteil kann
aber auch noch zum Zusammenbau mit anderen Materialien verwendet werden, wobei sich
je nach örtlichen Verhältnissen größere Ersparnisse an Baukosten erzielen lassen.
-
Es wird zunächst wieder, wie vorstehend b:°-schrieben, durch Zusammenschrauben
der Betonhohlbalken ein Fachwerkverband 'hergestellt. Die dabei entstehenden Fachwerkfelder
werden aber nicht ausgemauert, sondern durch genau angepaßte, in ihrer Größe uni
Form .ebenfalls genormte dünnwandige Tafeln aus Faserstoffbeton nach außen: abgegrenzt.
Zu diesem Zweck können die Tafeln z. B. nach innen umgebördelt und an diesen Bördeln
mittels Schrauben an den Fachw erkpfosten und -riegeln befestigt werden. Verzierungen
der Felder durch Ornamente, Figuren u. dgl. können durch Aufpressen von Material
oder durch .erhabene Prägung mittels Schablonen beim Pressen der Platten mit angebracht
sein Auch die nur dem Schmuck dienenden Verzierungen, wie Kreuzbalken u. dgl., können
durch Feldplatten ersetzt werden, auf denen die Linienführung der Kreuzbalken durch
erhabene Ausprägung hervortritt. Diese Ausprägungen. tragen: gleichzeitig zur Festigkeitserhöhung
bei. Bei Platten größeren Ausmaßes können auch nach innen Versteifungsrippen angebracht
sein, an denen auch die Verankerungen mit dem inneren Abschlüßmauerwerk befestigt
werden können. Die Einfügung der genormten Platten ergibt eine gute Gesamtversteifung
des Fachwerkra:hmens, der nach innen durch einfaches Mauerwerk aus Backsteinen oder
Bimssteinen abgeschlossen werden kann, wobei zur Erzielung eines guten Verbandes
auch einzelne Steine nach innen in den Hohlraum vorstehen können. An Stelle des
inneren Abschlußmauerwerks können aber auch Asbestzementplatten, Leichtbauplatten,
Gipsdielen und ähnliche bzw. mit Gipsbelag versehene Bauelemente treten, wodurch
sofort glatte Wände erhalten werden. Die Verankerung dieser inneren Abschlußwandung
mit dem äußeren Fachwerkrahmen kann je nach Material durch Verschraubung,
durch eingemauerte Blechklammern, Flacheisen, Drahtbügel, Laschen aus Blech oder
Faserstoffbeton usw. erfolgen. Der so entstehende allseits geschlossene Hohlraum
zwischen innerer und äußerer Mauerbegrenzung kann nun in verschiedenartiger Weise
ausgefüllt werden. Wenn: besondere Festigkeit erwünscht ist, kann der Zwischenraum
mit Kiesbeton ausgestampft werden; er kann aber auch mit einem mehr oder minder
flüssigen Beton- oder Mörtelbrei ausgefüllt werden. Die Faserstoffplatten zwischen
den Fachwerkbalken übernehmen in diesem Fall also gleichzeitig die Rolle der sonst
üblichen Schalung. Da das Fachwerkgerüst zusammen mit dem Innenmauerwerk und den
Feldplatten an sich schon eine gute Standfestigkeit aufweist, brauchen an die Festigkeit
der Füllmasse keine großen Ansprüche mehr gestellt zu werden. Man kann deshalb zwecks
guter Isolierung den Zwischenraum auch mit Leicht- oder Schaumbeton ausfüllen, und
man kann auch bei einfachen Häusern eine Lehmstampfmasse, gegebenenfalls unter Zusatz
entsprechender Bindemittel, verwenden. Im allgemeinen wird man zum Auffüllen der
Zwischenräume ein Material wählen, welches an Ort und Stelle mit geringsten Kosten
zu beschaffen ist. Da die Füllmassen mengenmäßig den größten Teil des Mauerwerks
ausmachen, so läßt sich mit dieser Ausführungsform der Erfindung eine sehr beachtliche
Senkung der Baukosten erzielen. Auch die Ausschmückung der Hauswände mit Ornamenten
und geschwungenem Balkenwerk ist durch die Erfindung einfacher und billiger als
bei der Ausführung in Holz. Es können jetzt auch kompliziertere Formen angewandt
werden, die in Holz viel zu teuer würden.
-
In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel der Erfindung dargestellt.
-
Die Abb. i und a zeigen einen geschlossenen und offenen Balken nach
der Erfindung. Diese Balken können für sämtliche tragenden Fachwerkteile verwendet
werden.
-
In Abb.3 ist im lotrechten Schnitt der Anschluß eines Schrägbalkens
(Strebe) an einen Pfosten dargestellt. Die wie der Pfosten als offener Balken ausgebildete
Strebe besitzt eine Abschlußwand und ist mittels Schraubenbolzen angeschlossen.
-
Abb. q, zeigt den Anchluß eines offenen Querbalkens (Riegels) an einen
Pfosten. In: diesem Fall ist zur Befestigung eine Winkellasche angeordnet.
-
Der waagerechte Wandschnitt nach Abb. 5 läßt die Verankerung der Pfosten
durch eingemauerte Flacheisen oder Asbestzementstreifen erkennen. Die hier nur äußeren
Wandplatten besitzen zur Verankerung eingemauerte Drahtbügel. Die Wandplatten sind
zum Anschluß an die Pfosten umgebördelt.
-
Die Wand nach Abb. 6 ist beiderseits mit Wandplatten gemäß der Erfindung
ausgebildet.
-
Die Warndecke nach Abb. 7 ist wie die Wand nach Abb. 5 ausgebildet.
Ein Unterschied besteht lediglich in der inneren Vermauerung, für die bei Abb. 7
Backsteine oder Bimssteine verwendet sind.
-
Die Erfindung ist nicht auf die Verwendung der hier beispielsweise
dargestellten Hohlbalken und deren Anordnung beschränkt. Es- lassen sich auch anders
geformte dünnwandige Rahmenelemente, z. B. I- oder T-förmige Balken anwenden, deren
Breite die Wandstärke bestimmt.
-
Vorliegende neue Fachwerkwand mit Einzelteilen aus Faserstoff zem:ent
und Beton bedeutet nicht nur die Neuerweckung einer schönen, alten Bauweise, sondern
sie :ermöglicht darüber hinaus auch eine Senkung der Baukosten ohne Benachteiligung
von Festigkeit, Isolierfähigkeit, Brandsicherheit und Schönheit des Gebäudes.