KAISERLICHES
PATENTAMT.
Der vorliegenden selbstkassirenden Elektrisirvorrichtung
liegt die Idee zu Grunde, die Inductionswirkung in mehreren Stärkeabstufungen eintreten zu lassen, nach Belieben der den
Apparat benutzenden Person. Man soll sich nach jedesmaligem Geldeinwurf z. B. »schwach«
oder »mäfsig stark« oder »stark« elektrisiren können. Zu diesem Zwecke werden in den
primären Stromkreis Widerstände von verschiedener Gröfse eingeschaltet. Diese bestehen
aus so vielen Drahtspulen oder Spulenabtheilungen, als Abstufungen in der Inductionswirkung
vorgesehen sind. Die Zeichnung weist deren z. B. drei auf, die auf einer um ihren
Mittelpunkt drehbaren Scheibe A angebracht sind. Spule I ist mit Spule II und II mit III
leitend verbunden, Spule III und I dagegen nicht; Die beiden Enden des ganzen Widerstandsdrahtes liegen somit an den sich berührenden
Enden der Spulen I und III. Von diesen Drahtenden ist dasjenige der Spule I frei, während das der Spule III mittelst Schleifcontactes
B in der Mitte der Widerstandsscheibe A mit dem primären Stromkreise in
Verbindung steht. Dieser Stromkreis wird dadurch geschlossen, dafs eine mit demselben
verbundene Contactfeder C über die jeweils eingeschaltete Widerstandsspule schleift. Die
Einstellung der Spulen geschieht durch Drehung der Scheibe A, die durch Einspringen des
Arretirhebels D mit Röllchen in ihrer richtigen Stellung gesichert wird. Die Contactfeder C
ist an einem bei e drehbaren- Hebel E befestigt, welcher, wenn der Apparat in Thätigkeit
ist, durch Federkraft oder Gewicht in der Richtung des Pfeiles bewegt wird. Ist nun
die Spule I in den Bewegungsbereich der Contactfeder C eingerückt und befindet sich
die letztere, wie gezeichnet, in ihrer Anfangsstellung (oben), so ist der Widerstandsdraht in
seiner ganzen Länge in den Primärkreis eingeschaltet; der Inductionsstrom wird also verhältnifsmäfsig
schwach sein. Bringt man durch eine Drehung der Widerstandsscheibe A die Spule II unter die Contactfeder C, so wird der
Widerstand der,Spule I aus dem Primärkreise entfernt; die Inductionswirkung wird somit eine
kräftigere sein. Eine weitere Steigerung derselben tritt ein, wenn die Spule III unter die
Contactfeder kommt, da in diesem Falle die Widerstände von Spule I und II beseitigt sind.
Um das Tempo der Bewegung des Hebels E und damit die Dauer der Inductionswirkung
zu bestimmen, ist der Hebel E mit einem Hemmwerk verbunden. Dieses kann zweckmä'fsig
aus einem mit einer geeigneten Flüssigkeit gefüllten Cylinder bestehen (F), in welchem
sich beim Niedergange des Hebels E ein Kolben mit so geringem Spielraum abwärts bewegt,
dafs die Verdrängung der Flüssigkeit aus dem Räume unter dem Kolben nach oben nur allmälig
erfolgen kann, so dafs der Kolben und damit der Hebel E in seinem Niedergange ent-,
sprechend verlangsamt wird. Während der Abwärtsbewegung der Contactfeder C auf der
Widerstandsspule wird eine Windung derselben nach der anderen aus dem Primärkreise ausgeschaltet,
wodurch die Stromstärke und die
Inductionswirkung allmälig anwächst. Die Contactfeder C berührt in ihrer Anfangs- und
Endstellung die Widerstandsdrahtwindungen nicht; der primäre Stromkreis ist also hier
unterbrochen. Eine weitere Unterbrechung weist der Primärkreis bei g auf. An dieser
Stelle kann der Stromkreis nur in dem Falle geschlossen werden, dafs zuvor eine Münze in
den Apparat eingeworfen ist. Die Auslösung des Mechanismus durch die Münze findet auf
folgende Weise statt. Der Hebel E trägt ein Zahnsegment E1, in welches eine Sperrklinke G
eingreift. Diese verhindert, so lange sie nicht ausgelöst ist, die Abwärtsbewegung des Hebels E
und hält den Primärkreis bei g unterbrochen. Ist aber die vorgeschriebene Münze in den
Apparat eingeworfen (HJ, so stützt sich beim Niedergange des Hebels J der an diesem bei k
drehbar, befestigte Bügel K auf die Münze, der untere Schenkel K1 desselben wird dadurch
aus seiner Bahn abgelenkt, erfährt, indem er auf die glatte Oberfläche der Platte L auftrifft,
eine verstärkte Ablenkung und hebt so den einen Arm des Sperrklinkenwinkels G. Die
Klinke giebt dadurch das Zahnsegment E1 frei und schliefst bei g den Primärkreis. Sobald
der Hebel J mit dem Bügel K wieder gehoben wird, fällt die Klinke G wieder ein und unterbricht
den Strom. Die Münze H, welche durch den Münzfang M anfänglich gehalten
wurde, ist inzwischen von diesem freigegeben worden und in den Geldbehälter geglitten.
Das Freiwerden der Münze erfolgt dadurch, dafs, der Hebel J bei seinem Niedergange auf
den an der Münzrinne M1 drehbar befestigten Münzhebel M auftrifft und ihn so weit niederdrückt,
dafs sein die Münze haltendes Ende unter die geneigte Gleitfläche der Münzrinne M1
hinabgeht und so der Münze gestattet, auf dieser weiter in den Geldbehälter zu gleiten.
Beim Aufgange des Hebels J wird der Münzhebel M durch Federkraft wieder in seine
obere Stellung gedrückt. Eine erneute Ingangsetzung des Apparates kann ohne neuen Münzeinwurf
nicht stattfinden. Liegt nämlich keine Münze bei H, so geht der Bügel K bei seiner
Abwärtsbewegung durch eine in der Münzrinne an dieser Stelle vorhandene Oeffnung hindurch.
Der Schenkel K1 des Bügels erfährt somit keine Ablenkung und geht an der Platte L vorbei.
Der Hebel J trägt eine der beiden Elektroden N, die andere ist auf dem Apparat fest angebracht.
Dieser Hebel J hat auch die Function, die Aufwärtsbewegung des Contacthebels E zu vermitteln,
indem er bei seinem Niedergange mit J1 auf den kurzen Arm von E. auftrifft und so
den langen mit der Contactfeder C und dem Zahnsegment E1 in die Anfangsstellung hebt.
Die Zähne des Segments E1 sind so geformt, dafs sie bei der Aufwärtsbewegung von der
Sperrklinke G nicht gefafst wenden. Auch ist durch Anbringung eines Ventils in dem Hemmcylinder
F Vorsorge getroffen, dafs der Hebel £ bei seinem Aufwärtsgange an der in F befindlichen
Flüssigkeit keiften Widerstand findet.
Der Hergang bei der Benutzung des Apparates ist nun, kurz zusammengefafst, folgender:
Man stellt durch Drehung der Scheibe A eine der Widerstandsspulen I, II, III in den Bereich
der Contactfeder C und wirft die vorgeschriebene Münze ein. Danach legt man die
Hände auf die Elektroden N und drückt die eine Elektrode nebst dem Hebel J nieder. Dadurch
wird der Contacthebel E in seine oberste Stellung gebracht; die Sperrklinke G, durch den
Bügel K ausgelöst, giebt E frei und schliefst gleichzeitig den Primärkreis bei g. Der Contacthebel
E beginnt seine langsame Abwärtsbewegung, schaltet dabei immer mehr Widerstand
aus und läfst dadurch die Stromwirkung zunehmen. Sobald man den Hebel / wieder
nach oben gehen läfst, wird der Contacthebel E durch die Sperrklinke G in seiner
Abwärtsbewegung gehemmt und gleichzeitig der primäre Stromkreis bei g unterbrochen.
Hält man den Hebel J nieder, bis der Contacthebel E seine unterste Stellung erreicht hat,
so findet gleichfalls Stromunterbrechung statt, indem die Contactfeder C die Windungen der
Widerstandsspule verläfst. Die Bewegung des Hebels E wird zur Drehung eines Zeigers benutzt,
welcher auf einer Scala den Grad der ausgehaltenen Inductionswirkung markirt.