DE77945C - Rotirender Trockenapparat mit um den Heizkörper herum angeordneten Trockenzügen - Google Patents
Rotirender Trockenapparat mit um den Heizkörper herum angeordneten TrockenzügenInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
KLASSE 82: Trockenvorrichtungen.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 23. August 1893 ab.
Die bisher bekannten rohrenden Trockenapparate sind derart construirt, dafs sie — wegen
erstens zu starken mechanischen Angriffs des Trockengutes durch Schaufeln u. s. w,, zweitens
zu grofser Fallhöhe desselben beim Umgewürfeltwerden, drittens unmittelbarer Berührung
desselben mit den vom Heizmittel bestrichenen Metallflächen und viertens oft auch ungenügenden
Luftraumes ■— alle mechanisch oder chemisch empfindlichen Materialien von dem Vortheil
des Rotirens bezw. des stetigen Umgewendetwerdens beim Trockenprocefs ausschliefsen.
Diesem Uebelstande abzuhelfen, ist der nachstehend beschriebene Apparat bestimmt.
Derselbe besteht aus einer mit ihren Längsseiten gegen einander gebogenen Horde oder
aus einem Paar oder einer ganzen Anzahl solcher endloser Horden, welche derartig zu
einem oder mehreren Kanälen vereinigt sind, dafs das Innere jedes Kanales zugängig wird."
Diese Zerlegbarkeit jedes Kanales, durch welchen das Trockengut geführt wird, bildet
ein neues Merkmal des Apparates und steht im Gegensatz zu den unzerlegbaren Führungskanälen der bis jetzt gebräuchlichen Trockenapparate.
Die Zerlegbarkeit ist aber deshalb von grofser Wichtigkeit, weil für empfindliches Trockengut
in besonderem Mafse der Umstand zu Tage tritt, dafs in den Winkeln und Ecken im Apparat Substanztheile hängen und dann
längere Zeit, als statthaft ist, der Hitze ausgesetzt bleiben. Wenn sie sich alsdann später
lösen und in das andere Material kommen, werden sie dessen Güte heruntersetzen bezw.
ganz entwerthen. Derartige Apparate sollen sich daher durch eine leichte Zugänglichkeit
und Möglichkeit der Reinigung des Apparates in allen Ecken und Winkeln auszeichnen.
Die zweckmäfsigste Zusammenfügung der Horden dürfte die von zwei concentrisch über
einander gelagerten, in Hordenart bespannten Mänteln von Prismen (Fig. i),oder Cylindern
bezw. Pyramiden oder Kugeln sein, welche in oder um oder in und um ein Heizmittel für
sich oder mit diesem gemeinsam rotiren, und zwischen welchen beiden Flächen das Trockengut,
von der einen zur anderen fallend, durchpassirt, indem es entweder durch die Neigung
der Flächen oder durch eine entsprechende schraubenförmige Führung derselben vorwä'rtsgeschoben
wird. Zur Mitnahme des Materials durch die Rotation. genügen theils die Leisten,
auf denen die Bespannung ruht, theils werden zwischen die beiden Hordenflächen Zwischenwände
aus gleicher Bespannung eingefügt, oder die Hordenflächen werden durch geeignete
Veränderung ihres einfachen geradlinigen bezw. kreisförmigen Querschnittes zur Mitnahme befähigt.
Letzteres geschieht am einfachsten, indem man der inneren Hordenfläche einen nach
aufsen und der äufseren Hordenfläche einen nach innen gerichteten sternförmigen Querschnitt
giebt und diese beiden in einander greifen läfst, wie die Fig. 2 zeigt. Zur Verringerung der
Fallhöhe des Trockengutes beim Rotiren ist es in vielen Fällen auch nöthig, die Erhöhungen
der beiden Querschnitte gegen einander stofsen zu lassen, so dafs geschlossene Hordenkästen
entstehen (Fig. 3).
Eine besonders einfache Ausführungsform des soeben seinem Aeufseren nach gekennzeichneten
Apparates stellen Fig. 4 bis 6 dar.
Um einen metallenen Rotationscylinder a, welcher mittelst hohler Endzapfen b in Lagern
drehbar ist, sind concentrisch zu. einander zwei Horden c und d angeordnet. Die innere Horde
ist über u-förmige Stäbe e gespannt, welche auf dem Mantel des Cylinders α befestigt sind.
In die Vertiefung jedes Stabes e ist radial ein Rahmen f eingestellt, welcher ebenfalls mit
Hordenmaterial umspannt ist. Ueber die oberen schmalen Flächen der Rahmen ist alsdann die
äufsere Horde d gespannt worden, welche dort durch T-Eisen e1 festgehalten wird, und diese
Eisen sowie das ganze Hordensystem werden durch Ringe h gegen einander zusammengehalten.
Während am die untere Hälfte des Hordensystems noch eine Heizmulde i angeordnet
ist,, wird der ganze Rotationskörper auf seiner oberen Hälfte durch ein Blech k abgedeckt,
welches die von dem mittelst Dampfes geheizten centralen Cylinder und der gleichfalls
mit Dampf geheizten unteren Mulde ausströmende Wärme gegen Ausstrahlung nach oben zurückhalten soll.
Das zu trocknende Gut wird durch einen Trichter / in die einzelnen, mit dem inneren
Dampfcylinder rotirenden Kanäle m, welche durch die Hordenbespannungen gebildet sind,
eingebracht und durch irgend welche vorhin genannte Bewegungsmittel oder durch eine
schräge Lage des ganzen Rotationskörpers den anderen Enden der Kanäle zu bewegt, .aus
welchen es in trockenem Zustande in eine Schneckenrinne η gelangt, die es weiter befördert.
Bei der vorbeschriebenen Construction sind die Hordenkanäle einzeln vorn und hinten
offen. Es können aber auch eine Anzahl derselben verschlossen und so mit einander vereinigt
sein, dafs das Trockengut durch Führungsleisten, welche in bezw. unter der Bespannung
liegen, auf der Rotationsfläche mehrfach hin- und hergeführt wird, was für Materialien, die
langsam getrocknet werden müssen, nothwendig sein kann.
Ein Hordenpaar kann auch mehrfach über einander gebaut werden und das Trockengut
auch von einer Lage nach der anderen von . aufsen nach innen oder umgekehrt durchgeführt
werden. Bei entsprechend starker Spiralführung der Bespannungen kann der Apparat auch statt um eine horizontale um
eine verticale Achse laufen.
Wenn im Vorstehenden die das Trockengut tragenden bezw. führenden Flächen als
»Horden« bezeichnet sind, so soll hiermit auf einen zweiten wesentlichen Unterschied hingewiesen
sein, welcher zwischen den bekannten rotirenden Rost- und Trockenapparaten und
dem hier dargestellten besteht. Dieser liegt nämlich in dem hier und dort zur Verwendung
kommenden Material für die Trockenflächen und namentlich in der verschiedenen Beziehung dieser Flächen zu den Heizorganen.
Während die die Trockenflächen bildenden Wände der bekannten Apparate aus verhältnifsmäfsig
starkem Blech' bestehen und1 gleichzeitig
die Heizkanäle begrenzen, so dafs das Trockengut unmittelbar durch das Heizmittel erhitzte
Wände berührt, versteht man unter einer Horde eine Fläche aus leichtem, dünnem Gewebe oder
Geflecht, und· ferner werden diese Flächen nicht unmittelbar von dem Heizmittel umspült,
sondern sie bilden vollständig von den Wandflächen der Heizzüge getrennte Wände. Es
befinden sich also zwischen ihnen und den Heizzügen Luftschichten, durch welche die
Wärme unmittelbar übertragen wird.
Es ist daher nicht nur ein einfacher, im Nachstehenden noch näher erläuterter Materialunterschied
zwischen dem neuen Apparat und den bisher gebräuchlichen vorhanden, sondern es liegt hier eine, ganz neue Hinzufügung vor.
Die Heizorgane des neuen Apparates werden nämlich, wie bisher, aus Eisen, Kupfer oder
ähnlichem Material hergestellt, aber deren Wände werden nicht,mehr zum Tragen oder
Führen des Trockengutes benutzt, sondern dies besorgen jetzt besonders eingefügte Wandflächen
aus leichtem Gewebe oder Geflecht.
Was nun die neue Verwendung des genannten Materials betrifft, so mufs im allgemeinen
bei dessen Wahl darauf gesehen werden:
erstens ob die Wärmeleitung und Wärmecapacität des Materials dem vorgesehenen Zweck
entspricht, zweitens ob es nicht von dem feuchten, zu trocknenden Material in der Hitze
angegriffen und letzteres dadurch verunreinigt wird, drittens ob das Material der Trockenflächen
nicht zu hart ist, so dafs das Trockengut (immer von empfindlichen Substanzen gesprochen)
darunter zu sehr leidet.
Auf den bisher gebräuchlichen eisernen Trockentrommelflächen kann man z. B. Stärke
gar nicht trocknen, weil selbst bei geringer Temperatur von ca. 6o° — niedriger läfst sich
die Temperatur in den Apparaten praktisch nicht halten — die Wärmeleitung und Wärmecapacität
des Eisenblechs viel zu grofs ist und sofort Verkleisterung eintritt, abgesehen davon,
dafs das empfindliche Material (weifse Stärke) auf den Metallflächen an Reinheit der Farbe
verliert. Wollte man ferner z. B. Farbholz in den gebräuchlichen Trommeln trocknen, so
würde hier zwar nicht zu hohe Temperatur, wohl aber der Umstand im Wege stehen, dafs
die Berührung des Farbholzes mit dem Eisen die Farbe des Holzes verändert. Ebenso würde
Dextrin in solchem Apparat nicht getrocknet
werden können. Mechanisch empfindliche Substanzen, wie z. B. Getreide, Streichhölzer,
Obst und dergleichen, würden auf den harten Metallflächen durch den blofsen, mit rollender
Reibung verbundenen Fall zerschlagen werden.
Alle diese nur beispielsweise angeführten Substanzen lassen sich aber spielend und vollkommen
unbeschädigt in einem rotirenden Cylinder trocknen, wenn dessen Bespannung eine nicht metallische bezw. eine solche ist, bei
der die Metalle durch ihre Form und ihr Material von den oben genannten Mängeln befreit
sind. Letzteres ist z. B. der Fall bei feinen Drahtgeweben, deren Masse so gering
ist, dafs sie sich hinsichtlich des Wärmeaufnahme- und Wärmeabgabevermögens dem Stoffgewebe nähert und dessen Weichheit für
das fallende Trockengut sich ebenso verhält. Verzinnte Messinggewebe kommen dem Seidenoder
Baumwollgewebe für den in Rede stehenden Trockenzweck sehr nahe.
Aus diesen Gründen sind daher hordenartige Flächen, d. h. solche aus nicht metallischen
oder solchen metallischen Stoffen, deren Massenverhältnisse und Wärmeleitungsvermögen denen
der nicht metallischen gleichen, als Umflächen für die das Trockengut aufnehmenden und
leitenden Körper gewählt worden, also Zeugstoffgewebe,
dünne Holzgeflechte, feine Drahtgewebe und dergleichen; ausgeschlossen sind volle Eisenblechtafeln, gegossene und überhaupt
nach Substanz und Masse für die Trocknung empfindlicher Stoffe unmögliche Körper.
Kurz wiederholt, bestehen die neuen vortheilhaften Merkmale'des Apparates darin,
ι. dafs die Trockenflächen aus leichtem Geflecht
oder Gewebe bestehen,
2. dafs die Trockenflächen solchen Wänden angehören, welche von den Wänden der Heizzüge
gesondert sind,
3. dafs die zu Trockenkanälen zusammengesetzten Wände leicht von einander genommen
und daher die Kanäle selbst zwecks Reinigung leicht zerlegt werden können.
Nur infolge dieser Merkmale ist es möglich, einen Rotationsapparat zum Trocknen von
empfindlichem Trockengut zu benutzen.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Rotirender Trockenapparat, dessen Innenwände zur Bildung eines oder mehrerer das Trockengut aufnehmenden und fortleitenden Trockenzüge mit hordenartigen Flächen so bespannt sind, dafs das Trockengut durch derartige Flächen vor der Berührung mit dem Heizkörper geschützt ist, dafs die Fallhöhe des Trockengutes durch die Entfernung und Form der hordenartigen Flächen bezw. durch die Höhe der Trockenzüge beschränkt ist, und dafs die Trockenzüge zur Reinigung leicht zerlegbar gemacht sind.Hierzu ι Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
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