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Verfahren zum Beschweren von Textilgut Das Appretieren von Textilgut
gehört zu denjenigen Arbeitsgängen, bei welchen einerseits mit Rücksicht auf die
Art des Faser= gutes, andererseits mit Rücksicht 'auf die zu erzielende Wirkung
die mannigfachsten chemischen Stoffe zur Anwendung gelangen. So ist es auch bekannt,
durch Aufbringung von Salzen der Ortho- und Pyrophosphorsäure auf Gewebe diese flammensicher
zu machen. Besonders die Ammoniumsalze dieser Säuren finden zu diesem Zwecke in
großem Umfange Verwendung.
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Es wurde nun gefunden, daß die wasserlöslichen Salze der Meta- und
bzw. oder Polyphosphorsäuren für sich oder als wesentlicher Anteil zusammen mit
Talg, Harnstoff, Glycerin oder Zucker zum Beschweren von Textilgut verwendet werden
können. Vornehmlich sind hierfür -die Alkalisalze dieser Phosphorsäuren und die
komplexen Erdalkalimetaphosphate geeignet. Es ist an sich bekannt, wasserlösliche
Erdalkalisalze, z. B. Magnesiumchlorid und Magnesumsulfat, als Beschwerungsmittel
für Textilgut heranzuziehen; jedoch ist deren Verwendungsmöglichkeit, insbesondere
die des Magnesiumchlorids, eine beschränkte, weil diese Salze beim Trocknen leicht
hvdrolysieren und dadurch Säureschädigungen des Fasergutes hervorrufen können.
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Derartige Nachteile treten bei Verwendung von wasserlöslichen Meta-
und bzw. oder Polyphosphaten nicht auf, da diese weder auf cellulosehaltige, noch
auf aus tierischen Fasern bestehende Textilien einen schädigenden Einfluß ausüben.
Darüber hinaus besitzen sie eine Reihe von Eigenschaften, die sie zum Beschweren
von Textilgut besonders wertvollmachen: sie sind weder zu hygroskopisch, wie z.
B. Calciumehlorid, noch geben sie den wenig beliebten Salzgriff, der Textilien leicht
. anhaftet, die z. B. mit magnesiurnsulfathaltigen
Flotten appretiert
wurden. Vielmehr geben sie besonders Mischgeweben, die z. B. aus 7o Teilen Cellulosefasern
und 3o Teile: `Volle bestehen, einen erwünschten, wollarg-. tigen, kernigen Griff.
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In manchen Fällen sind für die Beschwerung von Textilgut die komplexen
Zinksalz.' von Meta- und bzw. oder Polyphosphorsäurenvon besonderem Wert. Die Verwendung
von Zinksalzen ist in der Ausrüstung von Faser-, stoffen sonst bisher eine außerordentlich
beschränkte. Die Zinksalze anorganischer Säuren werden für Appreturzwecke an sich
praktisch überhaupt nicht herangezogen. Man verwendete sie im wesentlichen nur zum
Ätzen.
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Zum Beschweren von Wollgeweben verwendet man auch Magnesiumsalze in
Verbindung mit Glycerin, Glucose, Harnstoff u. dgl. Damit ausgerüstete Gewebe haben
aber leicht die Neigung, Stockflecken zu bilden. Diese Nachteile können nun vermieden
werden, wenn man als Beschwerungsmittel für Wollgewebe beispielsweise die komplexen
Zink-oder Zinnsalze von Meta- und bzw. oder Polyphosphorsäuren verwendet. Durch
diese Behandlungsweise erhalten die Gewebe keinen feuchten und klebrigen Griff,
sondern der Griff und die Fülle werden verbessert unter gleichzeitiger beträchtlicher
Gewichtszunahme.
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Durch die Behandlung von Textilien mit wasserlöslichen komplexen Salzen
der Meta-und bzw. oder Polyphosphorsäuren ergibt sich weiter der überaus w ichtige
Vorteil, daß diese Lösungen mit den meisten der für die Appretur herangezogenen
Stoffe sich gut vertragen, keine Fällungen und Ausscheidungen auftreten, die sonst
bei der Verwendung von wasserlöslichen Metallsalzen anderer Säuren, insbesondere
anorganischer Säuren, zu erwarten sind.
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Es ist zwar bereits bekannt, Textilfasern mit wäßrigen Flotten zu
behandeln, die wasserlösliche Salze von Metaphosphorsäure in Konzentrationen weit
unter i °/o enthalten, und zwar zu dein Zwecke, die Bildung von Kalkseife beim Waschen
der Textilfasern zu verhindern oder aber beim Waschen bereits gebildete Kalkseife
nachträglich wieder zur Auflösung zu bringen. Eine Beschwerung des Textilgutes erfolgt
hierbei nicht. Von dieseln bekannten Verfahren konnte mithin nicht ohne weiteres
auf das Beschweren von Textilgut geschlossen werden. Ferner ist es bekannt, zum
Steifen von Wäsche Natriummetaphosphat enthaltende Stärkeflotten, die gegebenenfalls
noch glanzverleihende Stoffe, wie Wachse, Seife, Stearin, enthalten können und in
denen somit Härtebildner des Wassers ohne schädlichen Einfluß `9ind, zu verwenden.
Daraus konnte jedoch ebenfalls nicht. auf die erfindungsgemäße bestimmte Verwendung
der wasserlöslichen Metallsalze der Meta- bzw. Polyphosphorsäuren geschlossen werden.
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Beispiel i Ein Woll-Zellwoll-Mischgewebe, welches aus 70 % Cellulosehydrazellwolle
und 30 °% Wolle besteht, wird mit einer Lösung von 15 kg Natr iumpolyphosphat, 5
kg Harnstoff, 2 kg Glycerin auf ioo 1 Flotte behandelt und wie üblich ausgerüstet.
Man erhält ein Gewebe, das hinsichtlich Griff, Elastizität und Fülle einem reinen
Wollgewebe ähnelt.
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Beispiel 2 Ein hunstseidenkrepp wird in einer Flotte behandelt, die
auf ioo 1 io kg komplexes Zinknatriumhexametaphosphat enthält. Man erhält ein Textilgut,
welches hinsichtlich Griff, Fall und Fülle sich vorteilhaft von dem unbehandelten
Gewebe unterscheidet.
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Beispiel 3 Ein reines Zellwollgewebe (Damenkleiderstoff) wird mit
einer Flotte behandelt, die auf ioo 1 io kg Alkalihexametaphosphat und io kg Harnstoff
enthält. Das Gewebe erfährt eine Beschwerung von 8 bis io o/o und ähnelt einem Wollgewebe
gleicher Art im Aussehen, Fall und sonstigen äußeren Eigenschaften.
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Beispiel d.
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Ein reines Zellwollgewebe (Tweed) wird mit einer Flotte behandelt,
die neben 2 kg
Glycerin und 2 kg Traubenzucker io kg Calciumiiatriumhexametaphosphat
auf ioo 1 enthält. plan erhält ein flüssiges Gewebe mit kernigem Griff von wollartigem
Charakter.