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Verfahren zum Versuchsbeschuß von Panzertürmen Die Niederkämpfung
von Panzertürmen fällt im allgemeinen schwersten Steüfeuergeschützen zu, deren Geschosse
mit größter Wucht angenähert senkrecht von oben her auf die Panzerkuppel des Turms
auftreffen.
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Beim Versuchsbeschuß solcher Panzertürme zwecks Ermittlung ihres Verhaltens
unter kriegsmäßigem Beschuß ist es erforderlich, ,ein gleichschweres Geschütz zu
verwenden und die Geschosse in derselben Richtung und mit mindestens gleicher Wucht
auf das Ziel treffen zu lassen. Der versuchsweise Beschuß erfolgt erfindungsgemäß
aus der kürzesten praktisch möglichen Entfernung, um einmal bezüglich des gewollten
Treffpunktes größte Sicherheit zu haben und zum anderen das Geschoß mit vorher genau
bestimmter Wucht auftreffen zu lassen.
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Eswird zum versuchsmäßigen Beschießen eines Panzerturmes in der Weise
verfahren, daß dieser durch ein mit Hilfe eines Schießgerüstes in möglichst geringer
Höhe ange-
nähert senkrecht über dem Ziel aufgestelltes Geschütz beschossen
wird.
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Die praktische Erfahrung hat erwiesen, daß Panzerungen mittlerer Stärke
durch ein in 2o m Entfernung detonierendes schwerstes Geschoß nicht mehr nennenswert
beschädigt werden, da in dieser Entfernung der Detonationsdruck und die Durchschlagskraft
der Sprengstücke des Geschosses bereits stark abgenommen hat. -Ein Ausführungsbeispiel
eines Schießgerüstes und Geschützes zum Beschußverfahren von Panzertürmen nach der
Erfindung ist in der Zeichnung dargestellt. Darin zeigen: Fig. i eine Seitenansicht
des Schießgerüstes. -Fig. a eine Vorderansicht, Fig.3 einen Teilgrundriß.
Die
Fig.4 bis 7 zeigen das in diesem Schießgerüst aufgestellte Geschütz, und zwar: Fig.4
eine Seitenansicht, Fig. 5 eine Vorderansicht, Fig.6 eine Einzelheit der Flüssigkeitsbremse
des Geschützes, Fig.7 Einzelheiten der Rohrwiege des Geschützes.
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Ein nach Art einer Verladebrücke aus Fachwerkträgern aufgebautes Schießgerüst
i ist mittels der Rollenwagen 2 auf einer Gleisanlage 3 durch im Rollenwagen - eingebaute
Elektromotore verfahrbar. Die Enden 6 und 9 seines in ,etwa 20 m Höhe liegenden
Brückenträgers 5 laden nach beiden Seiten über die Stützen ia etwa 2o m weit aus.
In der Untergurtebene des ausladenden Teiles 6 ist das Geschütz 7 angeordnet, dessen
Gewicht durch ein Gegengewicht 8 im ausladenden Teil 9 ausgeglichen wird. In der
Obergurtebene des Brückenträgers 5 ist auf Längsschienen io die Laufkatze i i mit
Hubwerk 12 vorgesehen zum Aufziehen der Geschützlasten und Munition.
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Der versuchsmäßig zu beschießende Panzerturm 4 ist in dem vom Geschützausleger
6 bestrichenen Raum in den Erdboden eingebaut. Die Gleise 3 werden im allgemeinen
in derartiger Länge aufgeführt, daß im Fahrbereich des Auslegers 6 gegebenenfalls
auch mehrere vom Geschütz abwechselnd versuchsweise zu beschießende Panzertürme
untergebracht werden können.
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In der Untergurtebene des ausladenden Teiles 6 des Brückenträgers
5, der, wie aus Fig.3 ersichtlich, im Grundriß gabelförmig ausgebildet ist, sind
Längsschienen 13 (Fig. 4 und 5) angeordnet, auf welchen die Geschützlafette 14 mittels
Rollen 15 verfahrbar ist, so daß das Geschütz zum genauen Anrichten des Zieles längs
und quer eingestellt werden kann. In neben den Schienen angeordnete. nicht dargestellte
Zahnstangen greifen Ritzet 45 einer in der Geschützlafette 14 gelagerten Ritzelwelle
46 ein, welche über ein selbsthemmendes Schneckengetriebe 47 von einem Elektromotor
gedreht werden, so daß sich die Lafette 14 auf den Schienen 13 verschieben läßt.
Zwischen diesen ist der Untergurt mit einer Ausnehmung 16 (Fig. 3) versehen. Die
Lafette 14 ist in ihrem vorderen Teil gabelförmig ausgebildet, um das Geschützrohr
21 aus der waagerechten Ladestellung in die senkrecht abwärts aufs Ziel gerichtete
Schießstellung schwenken zu können. Die Lafette 14 besteht aus zwei Seitenwänden
48, die hinten durch die Querwand 49 und vorn durch einen das Geschützrohr übergreifenden
Bügel 17 verbunden sind. Die in Schildzapfenlagern 18 der Lafette gelagerte Wiege
i9 ist mittels einer elektrisch angetriebenen Höhenrichtmaschine 2o um die Schildzapfen
derart schwenkbar, daß das Geschützrohr 2 i aus der waagerechten Ladestellung in
seine senkrecht oder angenähert senkrecht abwärts auf das Ziel gerichtete Schießstellung
übergeführt werden kann.
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Das Geschützrohr 21 ist einmal für sich allein entgegen einer Flüssigkeitsbremse
in einer Rohrracke 23 rücklaufverschieblich und mit der Jacke 23 zusammen nochmals
auf der Gleitbahn iga der Wiege i9 ungebremst nach hinten verschiebbar. Der Rückstoß
des Geschützes wird daher nicht auf das Schießgerüst übertragen. Die durch die Flüssigkeitsbremse
22 nicht vernichtete Rückstoßenergie wird zum Anheben des Rohres 2 i samt Jacke
23 verbraucht.
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Der Vorlauf in die Schußstellung geschieht unter der Wirkung des Eigengewichts
von Rohr und Rohrjacke und wird durch eine an der Wiege i 9 angeordnete und von
Hand gesteuerte Flüssigkeitsbremse 24 (Fig.6) geregelt. Eine an der Rohrjacke 23
befestigte, in Führungen 5o (Fig. 7gleitende Zahnstange 25 greift in ein Zahnrad
26 ein, das auf einer Welle 27 in der Wiege gelagert ist. Beiderseits des Zahnrades
26 ist auf dessen Achse 27 ein Ritzet :8 angeordnet. Mit diesen Ritzeln stehen in
Führungen 3o' gleitende Zahnstangen 30 in Eingriff, deren geschlossenes Gabelende
mit der Kolbenstange 29 einer Flüssigkeitsbremse 24 verbunden ist. Der Kolben 3
i der Flüssigkeitsbremse ist mit weiten, durch ein Rückschlagventi132 verschließbaren
Durchflußöffnungen 33 versehen. Ein unter dem Flüssigkeitsbremszylinder angeord-,
neter Flüssigkeitsbehälter 3.1 ist mit den Bremsräumen vor und hinter dem Kolben
31 über zwei von Hand betätigte Hähne 35, 35' verbunden und außerdem mit dem Raum
vor dem Kolben durch eine durch Rückschlagventil 36 sperrbare Leitung 37. Der Raum
vor und hinter dem Kolben wird stets durch die im Flüssigkeitsbehälter 34 über der
Bremsflüssigkeit eingesch'.ossene Preßluft miz Bremsflüssigkeit gefüllt gehalten.
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Beim Schuß wird die Rückstoßenergie teils in der Rohrbremse 22 vernichtet,
teils zum Anheben der mit dem Rohr auf der Wiegengleitbahn rücklaufenden Rohrjacke
23 aufgenommen. Bei Rücklauf der Rohrjacke 23 wird durch die Zahnstange 25, Ritzet
26, 28 und Zahnstange 3o der Bremskolben 3 i im Flüssigkeitsbremszylinder 24 nach
hinten verschoben, wobei die Bremsflüssigkeit hinter dem Kolben 31 durch die weiten
Durchflußöffnunge1133 des Kolbens über das Rückschlagventi132 unbehindert nach der
vorderen Kolbenseite strömt. Das am Ende des Rücklaufes vor dem Kolben entstehende
Valfluum wird durch Nachdrücken von Flüssigkeit aus dem Flüssigkeitsbehälter 34
durch die Preßluft
über die Leitung 37 und Rückschlagventil 36 aufgefüllt.
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Beim Vorlauf der Rohrjacke mit Rohr schließt sich das Rückschlagventil32
des Kolbens 3 i und das Rückschlagventil 36 der Leitung 37. Das Rohr wird daher
zunächst durch die Bremse 24 in seiner rückwärtigen Lage gehalten. Erst wenn die
engen Bohrungen der Dreiwegehähne 35, 35' geöffnet werden, läuft das Rohr
nach vorn, und die Bremsflüssigkeit wird durch Kolben 32 unter Bremsung des Vorlaufs
teils nach dem Flüssigkeitsbehälter 34, teils in den hinter dem Kolben 3 i frei
werdenden Raum gepreßt. Durch Schließen des Hahnes 35 kann der Vorlauf unterbrochen
werden.
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Hinter dem Geschütz ist eine Ladebühne 38 mit Gleisanlage 39 angeordnet,
auf welcher das in die mit Rollen versehene Lademulde 4o eingelagerte Geschoß dem
Geschützrohr 21 zugebracht wird. .
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Zum Schutz des Schießgerüstes gegen Geschoßsplitter sind an den gefährdeten
Stellen Panzerhemden 44 42 angeordnet, die zum Schutze gegen den Luftdruck der Sprengladung
teils federnd oder an Ketten aufgehängt, teils aus gegeneinander versetzten scharnierartig
verbundenen Einzelhemden zusammengesetzt sind, zwischen welchen die Detonationswelle
frei hindurchtreten kann. Tellerfedern 43 (Fig. 5) kommen beim Rückfallen der Panzerhemden
zur Wirkung.
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Ein auf dem Brückenträger angeordnetes Maschinenhaus 44 enthält einen
durch eine beliebige Kraftmaschine angetriebenen elektrischen Stromerzeuger, der
die erforderliche Energie für die Elektromotoren der Fahrwerke und der Höhenrichtmaschine
erzeugt.