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Prüfgerät für Drähte oder Bleche Die Biegungsfähigkeit von Drähten
oder Blechen wird bekanntlich am einfachsten in der Weise festgestellt, daß der
Draht oder das Blech in einen Schraubstock gespannt wird, dessen Biegebacken einen
bestimmten Biegeradius besitzen. Der Draht oder das Blech wird dann durch kräftigen
Daumendruck nach der einen und danach nach der anderen Seite über die I(anten dieser
Biegebacken gebogen.
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Hierbei können die Versuchsbedingungen erfahrungsgemäß nicht in engem
Rahmen gehalten werden. Deshalb sind besondere Geräte entwickelt worden, die gleichmäßige
Biegebedingungen gewährleisten sollten. So wird l)ei der in Abb. I dargestellten
Biegeeinrichtung ein Blech I, das zwischen den Backen 2 und 3 eingespannt ist, durch
zwei'in geringer Entfernung voneinander angeordnete Mitnehmer 4 und 5 nach beiden
Seiten gebogen. Aus baulichen Gründen müssen die Slitnehmer einen gewissen Mindestabstand
von dem Drehpunkt also auch von den Spannbacken l)esitzen, so daß die liegende I(raft
an einem sehr langen Hebelarm angreift. Die Folge davon ist, daß beim Biegen die
Probe nicht in dem gewünschten, durch die Abrundung der Biegekanten 2 und 3 gegebenen
Biegeradius gebogen wird. Die Probe wird nicht in die gesvünschte, ausgezogen eingezeichnete
Lage gebogen; sie wird vielmehr die gestrichelt gezeichnete Form annehmen. Der tatsächliche
Krümmungsradius ist nicht nur größer als vorgeschrieben, er ändert sich außerdem
noch von der Einspannstelle nach dem freien Ende der Probe zu und ist auch von der
Probenstärke abhängig. Bei der Prüfung auf dem l>ekannten Gerät werden also die
Meßergebnisse in nicht nachprüfbarer Weise beeinflußt.
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Die durch den ÜTliergang zum Biegegerät erhoffte Vereinheitlichung.
der Biegeliedingungen ist also bei diesem Gerät auch nicht erreicht worden.
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Dieser Mangel sollte durch das in Abl>. 2 schematisch dargestellte
Biegegerät lieholien werden. Hierbei trägt der Biegehebel 4 durch Federn und Exzenter
gesteuerte Schaufeln 5 und 6, die den in die Spannbacken s und 3 eingespannten Prüfling
I uml)iegen, nach der Biegung unter den gezogenen Prüfling fassen
und
ihn dann nach der anderen -Seite umbiegen. Venn hierbei auch die Einheitlichkeit
der Biegebedingungen recht gut gewahrt wurde, so war doch die Handhaburig und die
Einstellung der Geräte zu umständlich. N'or allem ergab sie aber eine Kalthärtung
der Prüflinge an der Biegestelle durch die Schaufein 5 und 6. Dadurch wurden die
- Versuchs ergebnisse in unzulässiger Weise verändert.
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Bei der in Abb. 3 dargestellten Einrichtung werden die Versuchsbedingungen
zwar gleichmäßig gehalten, aber es ist schwierig. nach dem Umlegen des in den Backen
2 und 3 eingespannten Prüflings I die über den Biegen baden laufende Walze 4 auf
dem Rückweg wieder unter den Prüfling zu bekommen.
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Hierzu sind besondere Hebel 5 und 6 notwendig, die selbsttätig in
Abhängigkeit von der Walzenbewegung bzw. Ävalzenstellung bewegt werden müssen. Dies
erfordert ein für Prüfzwecke zu umständliches Gerät.
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Die Erfindung betrifft dagegen ein sehr einfaches Prüfgerät, das
eindeutige und eng eingegrenzte Versuchsbedingungen liefert. Bei diesem Gerät wird
der am einen Ende z,vi schen den Klemmbacken festgespannte Prüfling an seinem freien
Ende mittels zweier gabelförmig angeordneter Führungsrollen oder -stifte hin und
her gebogen.
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Das Gerät nach der Erfindung ist durch die Vereinigung folgender
an sich bekannter Mal?>-nahmen gekennzeichnet I. Die Führungsrollen sind derart
angeordnet, daß sie während der Prüfung ihren Abstand von der Auflagefläche der
Biegebacken nicht verändern.
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2. Die Führungsrollen weisen einen derart großen Abstand voneinander
auf, daß eine der beiden Führungsrollen beim Biogen um den jeweiligen Biegungsradius
nicht am Prüfling anliegt.
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Vorteilhaft wird bei diesem Gerät die Auflagefläche der Biegebacken
so hergestellt, daß sie erfindungsgemäß einen Teil eines Zylinders bilden, dessen
Achse durch den Mittelpunkt des Kreisbogens geht, den die Achsen der Führungsrollen
beschreiben. Denn dann bleibt die Entfernung zwischen dem A1itnehmer und der Auflagefläche
der Baden während der Biegebewegung stets gleich.
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Die Entfernung zwischen den Mitnehmern und der Auflagefläche der
Biegebacken soll dabei stets auf die Blechdicke einer zur Herabsetzung der Reibung
wünschenswerten Toleranz einstellbar sein. Für diese Toleranz wird man im allgemeinen
keinen über 0,I mm hinausgehenden Eetrag wählen.
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Die Entfernung der bSitnehmerstifte oder Mitnehmerrollen voneinander
soll im Gegensatz zu den Verhältnissen in den bekannten Vorrichtungen, wie sie in
Abb. I dargestellt sind, mindestens das Zehnfache der Blechdicke betragen.
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Abb. 4 zeigt schematisch eine Darstellung eines Gerätes gemäß der
Erfindung. Das Gerät liesteht aus einem trommelförmigen Grundkörper 1. Der Grundkörper
kann mit liekanten Einrichtungen versehen sein, die gt'-statten, ihn auf einen Tisch
zu stellen oder auf einem solchen festzuschrauben oder ihn in einen Schraubstock
einzuspannen oder ihn an sonst geeigneter Stelle zu befestigen.
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Der Grundkörper trägt vier Paare von Spannbacken 2, 3 zum Festspannen
des Prüflings. Es können weniger oder auch mehr solcher Spannbackenpaare angeordnet
sein.
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Die Backen werden mit Hilfe ron Schrauheu 4, 5 nach Einstecken des
Prüfling angezogen, die mit Hilfe eines Schlüssels oder eines Griffes oder einer
sonstigen bekannten Einrichtung angezogen werden können. Es kann auch vorteilhaft
sein, Federn anzuordnen, um die Backen selbsttätig gegeneinanderzupressen.
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Im Nilittelpunkt des Grundkörpers befindet sich das Lager 6 des Biegehebels
7. Dieser Biegehebel ist auf der einen Seite mit einem Griff 8, auf der anderen
Seite mit der Halteeinrichtung 9 für die Niitnehmersüfte oder -rollen 10, 11 ausgestattet.
Die Entfernung der Mituehmerstifte oder -rollen voneinander wird vorteilhaft so
groß genommen, daß erfindungsgemäß der Prüfling erst beim Umbiegen um mehr als 900
auf einen der Haltestifte oder -rollen aufschlagen kann. Die Mitnehmerstifte oder
-rollen sind so in der Halte einrichtung zu befestigen, daß sie sich um sicl selbst
zu drehen vermögen. Der Biegehebel ist so zu gestalten, daß er gestattet, die Entfernung
der Mitnehmerstifte oder -rollen von der Spannbackenoberfläche zu verändern. Es
kann dies dadurch geschehen, daß die Halteeinrichtung 9 in den eigentlichen Biegehebel
7, beispielsweise bei 12, eingesteckt ist und durch eine Schraube 13 in ihrer eingestellten
Lage festgehalten wird. Es kann dies aber auch dadurch geschehen, daß beispielsweise
der Biegehebel 7 oder sein Handgriff mit einer Stellschraube versehen ist, die gestattet.
die Halteeinrichtung 9 bzw. die Mitnehmerrollen oder Mitneli-nerstifte I0, 1 1 in
die gewünschte Entfernung einzustellen und die entweder künstlich gehemmt ist oder
genügend Selbsthemmung besitzt um jeweilig in der eingestellten Lage zu verbleiben.
Diese Schraube oder eine ähnliche derartig angeordnete Verstelleinrichtung kann
mit einer Meßeinrichtung versehen sein, die gestattet, die Entfernung der Halterungsstifte
oder -rollen von der Spannbackenoberfläche abzulesen und diese somit auf die jeweilige
Blechdicke einzustellen.
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Das Biegen eines Prüflings geht nun so vor sich, daß der Prüfling
zunächst zwischen die Spannbacken geklemmt wird. Dann wird der Biegehebel nach der
einen Richtung bewegt, so daß der Prüfling beispielsweise von der einen Mitnehmerrolle
ii über die gezeichnete Lage des Prüflings 14 um go0 umgebogen wird. Sodann wird
der Biegehebel in entgegengesetzter Richtung bewegt. Dabei greift die andere Mitnehmerrolle
10 unter den Prüfling und drückt ihn nach der anderen Seite, bis er in die gestrichelt
gezeichnete Lage I5 gekommen ist.
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Es kann erfindungsgemäß eine Haltevorrichtung angebracht sein, die
eine Bewegung des Biegehebels um mehr als go0 verhindert.
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Sie dient dazu, eine etwaige zusätzliche Zugbeanspruchung des Prüflings
zu vermeiden, die sich bei einer Biegung über go0 hinaus ergeben könnte.
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Zur Biegung von Drähten oder schmalen Streifen kann erfindungsgemäß
auf die Mitnehmerstifte oder Mitnehmerrollen eine Vorrichtung I6 (Abb. 5) aufgesteckt
werden, die einen Schlitz I7 von der Stärke des Drahtes besitzt. Die Vorrichtung
I6 verhindert, daß der Draht beim Biegen seitlich ausweicht.
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Die einfache Art der Bewegung und die Unabhängigkeit von verwickelteren
bewegten Teilen gestattet, die Hinundherbiegung des Biegehebels sehr schnell vorzunehmen
und die Prüfung deshalb in sehr kurzer Zeit durchzuführen. Dies ist bei der Prüfung
von großen Mengen Blechen mit hohen Biegezahlen sehr vorteilhaft.
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Die Möglichkeit der erfindungsgemäßen Unterbringung mehrerer Spannbackenpaare
im Grundkörper gestattet, Spannbackenpaare mit den wichtigsten vorkommenden Biegeradien
jederzeit betriebsfertig im Grundkörper bereit zu halten, so daß ein etwaiger Umbau
vor der Prüfung unnötig wird.
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Die Bewegung des Biegehlebels 7 kann auch miX Hilfe eines Motors
vorgenommen werden, wobei es möglich ist, die Umsteuerung der Bewegung erfindungsgemäß
durch den Prüfling selbst vornehmen zu lassen. Dies kann dadurch geschehen, daß
der Prüfling, sobald er um 90° gebogen worden ist, einen Kontakt schließt, der die
Bewegung umkehrt.