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Als Drehturm in einer Flugzeugkanzel angeordneter Gefechtsstand Bisher
wurden Gefechtsstände auf Flugzeugen meistens als in der Rumpfmitte eingebaute,
ausfahrbare oder den Rumpf überragende Drehtürme, als seitlich am Rumpf angeordnete
Nischen, besonders aber als sog. .Kanzeln in der Rumpfspitze ausgebildet. Gefechtsstände
in Rumpfmitte oder seitlich am Rumpf haben ein durch das Flugzeug selbst sehr beschränktes
Schußfeld. Bei den Kanzeln war zwar der Schußbereich größer, jedoch nicht ausreichend,
denn der Einbau des MG-Ringes, der Rand der Rumpföffnung, der Standort des Schützen
usw. standen hindernd im Wege. Es ist auch ein in einer Kanzel eingebauter,drehbarer
Gefechtsstand bekannt, bei dem der Schußbereich etwa 90º nach rechts und links und
etwas über 90º in der Höhe umfaßt.
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Demgegenüber hat der Gefechtisstand nach der Erfindung den Vorteil
ausreichender Raumgröße für den Schützen usw. und den eines wesentlich geringeren
Widerstandes. Dadurch, daß eine Grundplatte, auf der sich der Gefechtsstand dreht,
nicht nötig ist, kann die 'ganze Höhe des Luftfahrzeuges an der he-. treffenden
Stelle ausgenutzt werden, wodurch sich eine hohe zylindrische Form ergibt, die sich
dem Körper des Schützen wesentlich besser anpassen läßt als die bekannte breite
Form. Durch eine im Längsschnitt oben kreisförmige und unten rechteckige Ausbildung
des Gefechtsstandes und eine zwischen den Beinen des Schützen angeordnete Einbuchtung
wird ein außerordentlich großes Schußfeld erreicht. Dieses umfaßt alle Ziele, die
in und vor einer in bezug auf das Luftfahrzeug senkrechten Ebene liegen. Das ist
besonders dadurch möglich, daß der Drehturm. an einer Stelle eingebaut ist, die
über die anderen Teile ödes- Luftfahrzeuges hinausragt, also z.B. als Rumpfspitze,
Bug- oder Heckteil einer Motorgondel u.dgl. ausgebildet ist, und daß außerdem der
Gefechtsstand einen von oben bis unten durchlaufenden Schlitz hat. Wird der Drehturm
noch nach oben und unten ausschiebbar gemacht, dann ist es sogar möglich, daß jeder
tote Winkel, vermieden wird, denn der Turm kann dann sowohl über als auch unier
dem Flugzeugrumpf u. dgl. ganz herumgedreht werden, während der Schlitz alle Zwischenstellungen
von oben bis unten ermöglicht. Der Drehturm kann dabei als Gefechtsstand lediglich
zur Unterbringung des oder der Schützen, Waffen (Maschinengewehre oder Geschütze)
sowie der Munition oder auch als Kommandantenstand eingerichtet sein.
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Bei der Ausbildung als Kommandoturm wird man weitgehendste Fernbetätigung
verwenden. Diese Fernbetätigung kann so eingerichtet sein, daß sie nicht nur die
Bewaffnung des ganzen Flugzeuges, z. B. mehrere Maschinengewehre, Geschütze, Bomben,
Torpedos usw., sondern auch die Steuerung des Luftfahrzeugges umfaßt. Die Abzugsvorrichtungen
für
die einzelnen Waffen werden vorzugsweise an den Visiervorrichtungen angebracht,
die im Kommandantenturm eingebaut sind. Der Turm kann ausreichend gepanzert sein:;
auch eine verschiebbare Abdeckung des. Schlitzes ist zweckmäßig. Oben- hat der erfindungsgemäße
Turm Kugelform, unten ist er zylindrisch und besitzt eine Einbuchtung für die senkrechte
Stellung des Maschinengewehrs u. dgl. nach unten.
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I b
Die Befestigung des Turmes am Körper des Luftfahrzeuges
geschieht am besten durch Schienen und Rollen seitlich und hinten oder auch durch
Zapfen oben und unten. Um das Ausfahren des Turmes zu ermöglichen, kann man die
Befestigungswand des Luftfahrzeugkörpers -, z. B. Flugzeugrumpfes, nach oben -und
unten verschiebbar machen. Zum Drehen des Turmes und zum Aus- und Einfahren ist
mechanischer, elektrischer, hydraulischer und auch selbsttätig (durch das Visier
oder die Waffen) gesteuerter Antrieb geeignet.
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Die Zeichnung stellt einige Ausführungsbeispiele des Erfindungsgegenstandes
dar. Die Abb. i und 2 zeigen, von der Seite und von oben gesehen, die Spitze eines
Flugzeugrumpfes, eine sog. Kanzel, in die der erfindungsgemäße Drehturm eingebaut
ist. Abb. 3 ist eine vergrößerte Darstellung im Schnitt, die Abb. -i und 5 zeigen
die Schnitte 4-4 und 5-5 nach Abb. 3. Abb. 6 ist eine Ansicht von vorn. Die größte
Bedeutung hat die Erfindung bei mehrmotorigen Flugzeugen, deren Rumpfspitze als
sog. Kanzel weit nach vorn liegt. Eine solche Kanzel a ist in den Abb. i und 2 dargestellt.
Der Turm b ist in der Kanzel drehbar gelagert. Mit der Waffe c können alle
Ziele erreicht werden, die nicht hinter dem Flugzeug liegen. Aus der vergrößerten
Abb. 3 ist die Lagerung der Waffe c durch Gleitstücke d zu ersehen. Die Haltegabel
c ermöglicht außerdem noch einen kleinen Ausschlag nach oben, unten und den beiden
Seiten. Die Lagerung des Turmes b an der Kanzel a geschieht durch in Nuten,
die rings um den Turm laufen, gleitende, am Rumpf fest angeschlossene Rollen f.
Selbstverständlich ist auch die Umkehrung: Nuten in der Rumpfkanzel, Rollen am Drehturm,
möglich. Die zylindrische Führungswand der Kanzel a kann selbst auf- und abschiebbar
sein, was z. B. durch sog. Schwalbenschwanzführungen oder auf andere im Maschinenbau
an sich bekannte Weise möglich ist, so daß der Drehturm nach oben und unten ausgefahren
werden kann.
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Die Abb. 4 zeigt den Ansatz h zur Führung der Waffe c mittels des
Gleitstückes d. Abb. 5 ist ein Schnitt weiter unten. Die Einbuchtung! des Drehturmes
ermöglicht die Stellung der Waffe c senkrecht nach unten. Die beiden danebenliegenden
Räume k braucht der Schütze zur bequemen Unterbringung seiner Beine.
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Abb. 6 sind neben dem durch Scheiben abgedeckten Schlitz 1, der zur
Führung der ,...Waffe c nach oben und unten dient, zwei Schienen m gezeigt,
gegen die die Waffe oder das Visier beim seitlichen Verfolgen eines Zieles anschlägt,
wodurch ein Kontakt geschlossen wird, der die Vorrichtung zum Drehen des Turmes
einschaltet. Wie die strichpunktierten Linien in einigen Abbildungen andeuten, ist
die Waffe innerhalb eines Winkels beweglich, ohne daß der Turm gedreht wird und
ohne daß das Gleitstück d verschoben werden muß.
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Da man vom Drehturin aus eine außerordentlich gute Sicht hat, können
mehrere kleine Öffnungen vorhanden sein, an denen die Visiere für verschiedene Waffen
angeordnet sind. Die Waffen selbst können an beliebigen Stellen, z. B. am Schwanzende,
an den Flügelspitzen usw., eingebaut sein. Der übliche Einbau von Maschinengewehren
annähernd in der Rumpfmitte oben hat den Nachteil, daß das Leitwerk, die Flügel,
Motorengondeln usw. das Schußfeld sehr verkleinern. Die nach vorn, nach den beiden
Seiten und besonders nach unten uneingeschränkte Sicht vom Drehturin aus ist auch
sehr vorteilhaft für die Betätigung der Ab-
zugsvorrichtungen für Bomben u.dgl.
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Die Erfindung ist nicht nur bei Kanzeln von Flugzeugen brauchbar,
sie kann auch an anderen Stellen von Flugzeugen, Flugbooten, Luftschiffen u. dgl.
verwendet werden; z. B. kann die Motorengondel, das hintere Rumpfende eines Flugzeuges,
die Spitze -eines, Schwimmers u. dgl. mit dem erfindungsgemäßen Drehturm versehen
sein.